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Bild: Fotolia.com, zentilia
WINDKRAFT OFFSHORE:
Deutsche-Spanische Windehe
Der Iberdrola-Konzern plant mehr als 1 000 MW Offshore-Windleistung in der Ostsee. Das  350-MW-Projekt Wikinger vor Rügen hat jüngst den Anfang gemacht.
 
Keine 15 Minuten sind vergangen, seitdem die Turboprop-Maschine vom Flugplatz Barth bei Stralsund abgehoben hat. Der kleine Flieger vom Typ Dornier 328 kämpft sich durch die Wolkenansammlungen, die der Wind an diesem Herbsttag über die Ostsee treibt. Die Wolkendecke lässt dennoch den Blick aus gut 1 000 Metern Höhe auf die Wasseroberfläche zu.

„Das da unten sind unsere Windturbinen“, ist auf einmal die Stimme von Estanislao Rey-Baltar über die Lautsprecheranlage zu vernehmen. Ein gewisser Stolz schwingt mit. Der Mann aus Bilbao hat als Projektleiter, als Director del Proyecto, in den vergangenen Jahren alle Arbeiten für den Offshore-Windpark Wikinger koordiniert. Zufrieden registriert Rey-Baltar beim mehrmaligen Umkreisen des Windfeldes, dass fast alle 70 Windturbinen rotieren. „Das ist gut so, dann verdienen wir Geld. Schließlich haben wir hier einiges investiert.“ Nämlich rund 1,5 Mrd. Euro, die sich in einigen Jahren amortisieren sollen.

„Wir“ – das ist der Energiekonzern Iberdrola. Ohne Finanzpartner haben die Spanier in den vergangenen fünf Jahren ihren ersten deutschen Offshore-Windpark in der Ostsee gut 35 Kilometer nordöstlich vor Rügen entwickelt, gebaut und bereits Ende vergangenen Jahres in Betrieb genommen.

Ein großes Windfeld aus der Luft

Mit einer Kapazität von 350 MW ist Wikinger im Moment noch der leistungsstärkste Offshore-Windpark vor der deutschen Ostseeküste. Die Poleposition wird in wenigen Wochen das 385-MW-Projekt Arkona übernehmen, das sich unmittelbar an Wikinger anschließt. Aus der Luft sehen Wikinger und Arkona zusammen wie ein großes Windfeld aus. Beim Gemeinschaftsprojekt von Eon und Equinor (ehemals Statoil) ist in der zweiten Oktoberhälfte mit der 60sten die allerletzte Turbine errichtet worden. Kommt es zu keinen Problemen bei der Inbetriebnahme, dürfte auch dieser Windpark wohl bis zum Jahreswechsel am Netz sein.
 
Der Offshore-Windpark Wikinger aus 1 000 Meter Höhe. Am rechten Bildrand ist das Umspannwerk zu erkennen.
Bild: Ralf Köpke

Absehbar ist, dass Iberdrola spätestens 2023 wieder über das größte deutsche Offshore-Windprojekt in der Ostsee verfügen wird. Denn die Spanier konnten bei der zweiten Ausschreibungsrunde im April gleich zwei Zuschläge gewinnen – für das Vorhaben Baltic Eagle mit 476 MW sowie Wikinger-Süd mit 10 MW, den Appendix für den großen Wikinger-Windpark mit einer Einzelturbine. Nach Unternehmensangaben liegt das Investitionsvolumen für diese beiden Vorhaben bei rund 1,1 Mrd. Euro.

Noch in der Hinterhand hat Iberdrola mit Windanker einen weiteren Hochseewindpark, dessen Leistung bei etwa 250 MW liegt. „Wir werden uns mit diesem Projekt auf jeden Fall bei der nächsten, im Herbst 2021 anstehenden Offshore-Windausschreibung beteiligen“, sagt Jürgen Blume, Geschäftsführer von Iberdrola Deutschland.

Seit 13 Jahren arbeitet der Energiemanager, der zuvor für die MVV Energie tätig gewesen ist, für die Spanier. Anfänglich mit dem Schwerpunkt Windkraft an Land. „Mittlerweile liegt in Deutschland unser Fokus eindeutig auf der Offshore-Windenergie“, so Blume. Und sollte Iberdrola auch für Windanker einen Zuschlag erhalten, würde das Unternehmen in der Ostsee über ein Portfolio von rund 1 100 MW verfügen – so viele Windmühlen an Land könnten Blume und sein Team in gleicher Zeit gar nicht errichten.

Neben den bereits eingeleiteten Baugrunduntersuchungen für Baltic Eagle arbeitet die Deutschland-Dependance von Iberdrola an einer Optimierung der im Windpark Wikinger eingesetzten Adwen-Windturbinen. „Wir werden in diesem ersten vollen Betriebsjahr wohl auf einen Ertrag kommen, der bei etwa 75 Prozent der prognostizierten 1,2 bis 1,3 Milliarden Kilowattstunden liegt“, lässt Projektleiter Rey-Baltar durchblicken. „Der Wert liegt auf jeden Fall über unseren Erwartungen.“ Die Arbeiten für Wikinger, so der Spanier, „haben uns wichtige Erkenntnisse gebracht, die uns helfen werden, die Wirtschaftlichkeit unserer nächsten Ostsee-Projekte zu verbessern.“
 
Hat als Projektleiter den Aufbau von Wikinger koordiniert: Estanislao Rey-Baltar.
Bild: Ralf Köpke

Deshalb werde Iberdrola nicht nur in Deutschland, sondern auch in Großbritannien auf Clusterlösungen bei den Seewindprojekten setzen, ergänzt der Brite Jonathan Cole. Als Geschäftsführer ist er verantwortlich für alle Offshore-Windaktivitäten im Konzern: „Nur wenn wir unsere Projekte räumlich zusammenfassen, können wir Kostenvorteile beim Aufbau, aber auch später während der Betriebsphase bei Service und Wartung erzielen.“

Genau diese Strategie verfolgen die Spanier bei ihrem nächsten Projekt in Großbritannien. Mit einer Leistung von 714 MW und einem Investitionsbudget von gut 3 Mrd. Euro wird East Anglia einer der größten Offshore-Windparks vor den britischen Küsten werden. Die Inbetriebnahme ist für 2020 vorgesehen, wenn alle 102 Anlagen von Siemens Gamesa mit jeweils 7 MW Leistung errichtet sind.
Dass Iberdrola auch bei Baltic Eagle größere Windturbinen als die Adwen-Anlagen einsetzen wird, liegt auf der Hand. Deutschland-Geschäftsführer Blume ziert sich, ins Detail zu gehen: „Lassen Sie uns die Baugrunduntersuchungen abwarten, die uns zeigen, welcher Anlagentyp am besten geeignet ist.“

Netzausbau in der Ostsee kostengünstiger

Mit Baltic Eagle stehen auch beim Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz die nächsten Investitionen an. „Für den Netzanschluss werden wir rund 1,2 Milliarden Euro investieren“, kündigte Geschäftsführer Boris Schucht bei der Einweihungsfeier für Wikinger Ende Oktober in Sassnitz auf Rügen gegenüber E&M an. Über die neue Leitung wird neben Baltic Eagle auch der Strom von Arcadis Ost, einem Projekt des belgischen Entwicklers Parkwind NV, abtransportiert.

Für die bisherigen drei Projekte in der Ostsee hat der Netzbetreiber nach Angaben von Schucht bislang schon 2,5 Mrd. Euro investiert. Dazu zählt auch das 90 Kilometer lange Exportkabel für Wikinger und Arkona zum Anschlusspunkt am ehemaligen Atomkraftwerk Lubmin bei Greifswald. „Wir haben dabei weltweit erstmals 220-Kilovolt-Kabel eingesetzt, die eine höhere Stromübertragung und damit Kostenvorteile möglich machen“, so Schucht.
 
Rund 100 Mitarbeiter beschäftigt Ibedrola nach eigenen Angaben in seiner Betriebszentrale für den Offshore-Windpark Wikinger im Hafen von Sassnitz.
Bild: Ralf Köpke

50 Hertz stellt sich bereits heute auf weitere Milliardenausgaben ein. „Für den deutschen Ostseeraum sehen wir ein zusätzliches Potenzial von rund 2 000 MW“, betont Schucht. Denn von der Kostenseite her könnten die Offshore-Projekte in der Ostsee mit den Vorhaben in der Nordsee gut mithalten. „Da die Entfernung zur Küste geringer ist“, erklärt der 50-Hertz-Chef, „können wir weiterhin auf Drehstromverbindungen setzen und müssen keine teuren Konverterplattformen auf See bauen.“

Dass die angekündigten 50-Hertz-Investitionen in Mecklenburg-Vorpommern den Beifall von Energieminister Christian Pegel (SPD) finden, liegt auf der Hand: „Das hilft uns, die Offshore-Windenergie als weiteren Wirtschaftszweig in unserem Land zu stärken“, sagt Pegel in Sassnitz. Froh ist der Minister auch über die 100 neuen Arbeitsplätze, die Iberdrola in ihrer neuen Betriebszentrale im Hafen von Sassnitz geschaffen hat: „Die Zahl mag in anderen Regionen gering erscheinen, aber für uns ist sie eine echte Größe.“

Estanislao Rey-Baltar ist inzwischen wieder an seinen Schreibtisch in der Iberdrola-Zentrale im Baskenland zurückgekehrt. „Für Baltic Eagle wird es auf jeden Fall einen anderen Projektleiter geben“, verabschiedet er sich von der Ostsee. E&M

 
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Mittwoch, 07.11.2018, 12:04 Uhr