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Enerige & Management > Smart Meter - "Die Energiewirtschaft darf sich nicht auf Abenteuer einlassen"
Bild: Fotolia.com, unique3d
SMART METER:
"Die Energiewirtschaft darf sich nicht auf Abenteuer einlassen"
Im nächsten Jahr soll der offizielle Startschuss für den Smart Meter Rollout fallen. Doch die Politik macht es den Unternehmen derzeit nicht leicht, sich darauf vorzubereiten.
 
Die Rahmenbedingungen für den Smart Meter Rollout sind immer noch nicht festgezurrt. Derzeit steht noch die Kritik des Bundesrats am Kabinettsentwurf zum Digitalisierungsgesetz im Raum. Im Gespräch mit Peter Zayer und Karsten Vortanz, Geschäftführer der Voltaris GmbH, haben wir einige Punkte aufgegriffen.

E&M: Herr Zayer, die Länder haben umfangreiche Nachbesserungen gefordert. Würde der Rollout sonst zu teuer?

Zayer: Ja, davon gehen wir aus. Nehmen Sie als Beispiel die Übertragung der Bilanzierung an die Übertragungsnetzbetreiber. Wir fragen uns, warum es hier eine Änderung der bisherigen Praxis geben soll. Derzeit macht der Verteilnetzbetreiber die sogenannte Netzbilanzierung und schickt dann die aggregierten Werte bilanzkreisscharf an den Übertragungsnetzbetreiber, der für den Regelzonenausgleich sorgt. Diese Vorgehensweise hat sich bewährt. Schnittstellen zu den Lieferanten, die dahinter betriebenen Rechenzentren und Energiedatenmanagement-Systeme – alles müsste neu aufgesetzt werden. Das würde eine Menge Geld kosten, ohne einen entsprechenden Nutzen zu bringen. Die Verteilnetzbilanzierung auf der Gas-Seite soll übrigens unverändert beim Verteilnetzbetreiber verbleiben.
 
Peter Zayer: „Die Umstellung der Bilanzierung würde eine Menge Geld verschlingen“
Bild: Voltaris (Niels Schubert)


E&M: Was hat die Umstellung der Bilanzierung mit dem Rollout zu tun?

Zayer: Das fragen wir uns auch. Eine Anpassung der Marktkommunikation ist natürlich wegen der angestrebten sternförmigen Kommunikation des Gateways erforderlich. Aus unserer Sicht kann dies allerdings unter der grundsätzlichen Beachtung der heutigen MaBiS-Regeln erfolgen. In erster Linie wären Prozesse betroffen, die zum Beispiel in SAP- und EDM-Systemen abgebildet werden. Da können Sie sich vorstellen, dass die Umstellung eine Menge Geld verschlingen würde.

E&M: Herr Vortanz, würde Ihnen als Dienstleister Geschäft verloren gehen?

Vortanz: Ja und nein. Es gibt im Markt bereits heute Strukturen, wie wir sie künftig bei der Gateway-Administration erwarten. Die kleinen Verteilnetzbetreiber bedienen sich eines Dienstleisters für die Bilanzierung. Auch wir machen das für eine Reihe von kleineren Stadtwerken. Aber grundsätzlich sind kommunale Unternehmen und ihre Netzgesellschaften darauf bedacht, die Schnittstelle zum Kunden nicht aus der Hand zu geben, wobei wir sie mit unseren modularen Dienstleistungsbausteinen ebenfalls aktiv unterstützen. Auch diese Einstellung, die Prozesse in der eigenen Hand zu behalten, spielt sicherlich eine Rolle bei der Kritik der Länder am Kabinettsentwurf.

E&M: Nicht nur auf die Übertragungsnetzbetreiber, sondern auch auf die Verteilnetzbetreiber kommen neue Aufgaben zu.

Zayer: Der Verteilnetzbetreiber wird im Regelfall in seinem Netzgebiet die Aufgabe des grundzuständigen Messstellenbetreibers übernehmen. Zur Refinanzierung des Rollouts stehen ihm allerdings nur die Preisobergrenzen zur Verfügung. Grundsätzlich ist die Logik der Kosten-Nutzen-Analyse nachvollziehbar: Wer einen hohen Verbrauch hat, kann relativ viel einsparen und daher auch höhere Entgelte für die modernen Zähler und intelligenten Messsysteme zahlen. Die Kosten-Nutzen-Analyse hat allerdings Netto-Beträge angesetzt. Das BMWi hat jedoch erklärt, die Preisobergrenzen seien Bruttowerte. Und wenn der Kabinettsentwurf jetzt noch zusätzliche Aufgaben für den Messstellenbetreiber vorsieht, wie soll dann die Refinanzierung gelingen?

E&M: Ab wie vielen Messsystemen ist ein wirtschaftlicher Betrieb für den Gateway-Administrator möglich?

Vortanz: Wir denken, man braucht zwischen 150 000 und 300 000 Messsysteme. Im Umkehrschluss kann man sagen, dass man einen Bestand von ungefähr 1,5 bis 3 Millionen Zählpunkten braucht, wenn man davon ausgeht, dass im Durchschnitt zehn Prozent des Gesamtbestandes mit Messsystemen auszustatten sind. Angesichts dieser Zahlen kann man sich vorstellen, dass Messstellenbetreiber eine gewisse Größe mitbringen müssen, um erfolgreich zu sein.

E&M: Wie viele Zählpunkte betreuen Sie?

Vortanz: Wir betreuen heute gut eine Million und gehen davon aus, dass wir die Zahl deutlich steigern können.

E&M: Die Entgelte für die neuen intelligenten Messsysteme sind durch die Preisobergrenzen festgelegt, für die alten Zähler gelten noch die regulierten Netzentgelte. Wie passt das zusammen?

Zayer: Das ist auch ein Webfehler im System, den die Länder angesprochen haben. Erst bis 2032 müssen alle herkömmlichen Zähler und Systeme ersetzt sein. Aber so lange müssen sie auch betreut werden. Je weniger Geräte noch vorhanden sind, desto teurer wird die Betreuung wegen der fehlenden Skaleneffekte.

E&M: Wie werden Sie als Dienstleister sich verhalten?

Zayer: Für uns wird natürlich die Betreuung der alten Systeme immer teurer. Wir werden sicherlich an den Punkt kommen, an dem es günstiger ist, die verbliebenen alten Geräte komplett durch neue zu ersetzen.

E&M: Wann wird dieser Punkt erreicht sein?

Zayer: Lassen Sie uns mal in acht Jahren die Situation betrachten.
 
Karsten Vortanz: „Kommunale Unternehmen sind darauf bedacht, die Schnittstelle zum Kunden nicht aus der Hand zu geben“
Bild: Voltaris

E&M: In der öffentlichen Diskussion taucht die Frage nach der Absicherung des Messstellenbetreibers gegen Ausfälle kaum auf. Oder täuscht der Eindruck?

Vortanz: Der Eindruck täuscht nicht. Gleichwohl halten wir den Punkt für besonders wichtig. Es wird Wettbewerb unter den Messstellenbetreibern und den Gateway-Administratoren geben. Da wird so mancher neue Player an den Markt kommen, der keinen langen Atem hat. Denken Sie nur an die Insolvenzen einiger Energielieferanten. Und was passiert dann im Messstellenbetrieb? Das ist eine Kernaufgabe zur Stabilisierung des Netzes. Die Energiewirtschaft darf sich in dieser Hinsicht nicht auf irgendwelche Abenteuer einlassen. Wir hoffen, die Bundesnetzagentur oder das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik werden dazu bald vernünftige Detailregelungen vorlegen.

E&M: Machen angesichts all der offenen Baustellen die Tests, die Sie im Rahmen des Forums Netztechnik/Netzbetrieb beim VDE durchführen, überhaupt Sinn?

Zayer: Ja, wir wollen innerhalb des Forums in erster Linie das Zusammenspiel der technischen Komponenten und Prozesse testen, da dies vor dem Beginn des Rollouts dringend erforderlich ist. In dem Teststufenkonzept werden nach den Labortests auch Feldtests durchgeführt werden. Bis Mitte 2017, also wenn der Rollout gegebenenfalls schon offiziell gestartet ist, soll ein großer Feldtest laufen. Aber das ist nicht weiter tragisch, denn wir gehen davon aus, dass im ersten Jahr ohnehin nicht viele Systeme installiert werden. Und schließlich brauchen wir auch noch Übergangslösungen der Bundesnetzagentur für die Marktkommunikation. Es wird auch noch eine Weile dauern, bis diese vorliegen. Unabhängig davon wird mit dem Rolloutbeginn der Einbau der modernen Messeinrichtung in entsprechend großen Stückzahlen starten.


Warten auf die Regierung
Vor einem Jahr wurde vom Bundeswirtschaftsministerium ein Eckpunktepapier zum Smart Meter Rollout veröffentlicht – ein Fingerzeig, auf den die Branche lange gewartet hatte. Daraus wurde statt des geplanten Verordnungspakets ein Gesetzentwurf, über den derzeit leidenschaftlich diskutiert wird. Die Kritikpunkte des Bundesrats an dem vom Kabinett vorgelegten Text eines Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende sind umfangreich, so umfangreich, dass die Bundesregierung wohl mehr Zeit als geplant für die Antwort an das Länderparlament benötigt. Zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe ist der 18. Februar 2015 als Termin für die Rückmeldung im Gespräch.

 
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Dienstag, 02.02.2016, 10:03 Uhr