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BÖRSE:
EEX auf dem Weg zur Energiebörsen-Holding
Die Energiebörse will europaweit kooperieren und dazu auch Geschäftsfelder auslagern. Der Terminmarkt, der in Leipzig bleiben soll, erlebte im Jahr 2007 eine Schwächephase.
 

Die Leipziger Energiebörse European Energy Exchange AG arbeitet weiter an Partnerschaften mit europäischen Energiebörsen. Bei der Bilanz-Pressekonferenz des Unternehmens Anfang April 2008 in Leipzig kündigte EEX-Vorstandschef Hans-Bernd Menzel an, im Mai nähere Einzelheiten zu der geplanten Kooperation mit der Pariser Energiebörse Powernext SA bekanntzugeben. "Die Powernext wird für uns ein Partner in vielen Bereichen", so Menzel. Beide Börsen hatten im Dezember 2007 vereinbart, eine neue gemeinsame Gesellschaft für den Strom-Spotmarkt mit Sitz in Paris zu gründen. Eine gemeinsame Gesellschaft für den Strom-Terminmarkt soll in Leipzig entstehen. In die Spotmarkt-Kooperation können auch noch die belgische Energiebörse Belpex SA und die norwegische Energiebörse Nord Pool Spot AS einbezogen werden. "Nord Pool ist eingeladen", sagte der EEX-Chef.

Während es mit Belpex dafür eine gemeinsame Absichtserklärung gibt, wurde ein ähnliches, seit Dezember 2007 vorliegendes Dokument bisher nicht von den Norwegern unterzeichnet. Die Muttergesellschaft Nord Pool ASA ist bisher mit 17,39 % an der EEX beteiligt, will dieses Aktienpaket allerdings verkaufen. Die Eurex Zürich AG, derzeit mit 23,22 % größte EEX-Aktionärin, hat sich bereit erklärt, das Nord Pool-Paket zu übernehmen. Möglich ist auch, dass andere EEX-Aktionäre ebenfalls noch ihr Vorkaufsrecht nutzen. "Derzeit läuft der Andienungsprozess", berichtete Menzel.

Das Clearing spielt eine entscheidende Rolle bei den Kooperationsverhandlungen

Er ließ durchblicken, dass sich Powernext auch an der EEX-Tochter European Commodity Clearing AG (ECC) beteiligen wird, die im Energiehandel die Zahlungsabwicklung und das Ausfall-Risiko übernimmt. Die ECC spielt eine entscheidende Rolle bei den Kooperationsverhandlungen: Bei den angestrebten Partnerschaften soll die ECC jeweils das Clearinggeschäft übernehmen. Gleichzeitig können sich die neuen Partner an der ECC beteiligen. Bisher hat dies die niederländischen Energiebörse Endex N.V. getan, wenn auch nur mit einem Nominalanteil. Für den Aufsichtsrat der ECC konnten die Leipziger inzwischen den früheren Präsidenten des Bundeskartellamts, Ulf Böge, und den früheren Vorsitzenden der Amsterdamer Wertpapierbörse, Baron Boudewijn van Ittersum, gewinnen. In eine eigene Gesellschaft hat die EEX bereits den Strom-Spotmarkt ausgegründet, der Terminmarkt soll im laufenden Jahr folgen. "Möglicherweise wird es weitere Schritte geben", sagte Menzel. Generell soll sich die EEX zunehmend zu einer Holdinggesellschaft für Energiebörsen, Energiehandels-Zweckgesellschaften und Clearing entwickeln.

Im Geschäftsjahr 2007 hat die EEX ihre Umsatzerlöse um 5 % auf 40 Mio. Euro und den Jahresüberschuss um 48 % auf 8 Mio. Euro steigern können. Finanzchefin Iris Weidinger kündigte an, den hohen Verlustvortrag aus der Fusion der beiden Vorgängergesellschaften spätestens bis zum Jahr 2009 abzubauen. Menzel wies darauf hin, dass danach Dividenden-Zahlungen an die Aktionäre möglich sind. Haupterlösträger blieb im Jahr 2007 das Produkt Strom, das Weidinger zufolge für 96 % der Erlöse sorgt. Dabei gibt es allerdings in den einzelnen Segmenten stark gegenläufige Entwicklungen: Während das Handelsvolumen am Strom-Spotmarkt um 39 % auf 124 Mio. MWh stieg, schrumpfte der Terminmarkt um 51 % auf 189 Mio. MWh. Durch die Einbindung der Händler-Software Trayport, ein neues Konzept für Market Maker und ein attraktiveres Gebührensystem soll dieser Trend wieder gedreht werden. Die Verluste am Strom-Terminmarkt konnte die EEX zumindest im Clearing von OTC-Geschäften mehr als ausgleichen: Hier legte sie um 46 % auf 961 Mio. MWh zu. Im OTC-Handel (Over The Counter) handeln Unternehmen direkt miteinander.

Die noch niedrigen Umsätze im Gashandel, von dem sich die EEX ein zweites starkes wirtschaftliches Standbein neben dem Stromhandel erhofft, liegen laut EEX-Vorstand Maik Neubauer innerhalb der Planungen. Weitere Impulse erwartet er von der bevorstehenden Zusammenlegung von Marktgebieten, der Beseitigung von Engpässen und dem Auslaufen langfristiger Lieferverträge. Auch sei bisher nur die Hälfte der 44 zugelassenen Handelsteilnehmer tatsächlich aktiv. "Unser Fokus liegt deshalb auf der Gewinnung neuer Teilnehmer, die aktiv handeln", sagte Neubauer.

Den deutlichen Rückgang des Handels am CO2-Spotmarkt um 43 % auf 5 Mio. t führte die EEX auf den Preisverfall in diesem Marktsegment zum Ende der ersten Handelsperiode zurück. Am CO2-Terminmarkt dagegen stieg das Handelsvolumen um das Fünffache auf 17,7 Mio. t. Weiteren Zuwachs im Terminmarkt erhoffen sich die Leipziger von einer Produktkooperation mit der Eurex Frankfurt AG. Der Spotmarkt soll sich in der neuen Handelsperiode des europäischen Emissions-Handelssystems ab dem 2. Quartal 2008 erholen. Im Terminhandel mit zertifizierten Emissionsminderungen (Certified Emission Reductions - CER), den die EEX am 27. März 2008 gestartet hatte, gab es bisher keine Abschlüsse. Neubauer erklärte dies mit technischen Problemen bei der Anbindung der Market Maker, die mit ihren Angeboten einen solchen Terminmarkt in Bewegung bringen sollen.

Derzeit führt die EEX eine neue Software für ihre Spotmärkte ein, die von der Deutsche Börse Systems AG entwickelt wurde. Wie Neubauer gegenüber E&M sagte, soll sie am 28. April 2008 im Strom-Spotmarkt frei geschaltet werden. Dabei würden der kontinuierliche Handel und die tägliche Auktion, die bisher auf dem Xetra-System laufen, mit dem bisher separat laufenden Intraday-Handel zusammengeführt. Außerdem sei es dann möglich, negative Preise für die Stromlieferung anzubieten, bei denen der Stromlieferant den Handelspartner für die Übernahme der Strommenge bezahlt. Aufgrund des wachsenden Anteils der Windenergie im Netz sei dies nötig geworden, so der EEX-Vorstand. Die neue Software soll im Juni/Juli auch für den CO2-Spothandel und im Oktober/November für den Gas-Spothandel eingeführt werden. Neubauer kündigte außerdem die Einführung eines Wochenend-Handels im Strom-Spothandel für den Sommer an. Dies hänge noch von der deutsch-dänischen Marktkopplung ab, die derzeit von Kartellbehörden geprüft werde.

EEX 2007

Strom-Spotmarkt 127 Mio. MWh (+ 39 %)
Strom-Terminmarkt 189 Mio. MWh (- 51 %)
OTC-Clearing Strom 961 Mio. MWh (+ 46 %)
Gas Spothandel 0,4 Mio. MWh
Gas Terminmarkt 3,7 Mio. MWh
CO2-Spotmarkt 5 Mio. t (- 43 %)
CO2-Terminmarkt 17,7 Mio. t (+ 500 %)
Kohle-Terminmarkt 246 000 t
Umsatz 40 Mio. Euro (+ 5 %)
Jahresüberschuss 8 Mio. Euro (+ 48 %)

 
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Mittwoch, 09.04.2008, 11:27 Uhr