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KOOPERATION:
EEX-Powernext-Kooperation ist erst der Anfang
Die Energiebörsen in Leipzig und Paris verschmelzen ihre Geschäfte im Stromspot- und Terminhandel in neuen Gesellschaften an beiden Standorten. Weitere Integrationsschritte im europäischen Stromhandel stehen bevor.
 

Der EU-Energiekommissar Andris Piebalgs verbindet mit einem gemeinsamen Strommarkt eine ganz konkrete Vorstellung: "Dann kann ich als Kunde in Lettland den Strom von einem portugiesischen Produzenten kaufen." Mit großem Interesse verfolgt der lettische Politiker die Bemühungen europäischer Länder, ihre Strommärkte miteinander zu verknüpfen. Die Kopplung des französischen, belgischen und holländischen Strommarktes habe bereits gute Ergebnisse gebracht, sagte Piebalgs Ende Mai auf einer gemeinsamen Pressekonferenz der Leipziger Energiebörse EEX European Energy Exchange AG und der Pariser Powernext SA in Brüssel. Einen weiteren Fortschritt verspricht er sich von der Kooperation Deutschlands, Frankreichs, Belgiens, Hollands und Luxemburgs im so genannten Pentalateralen Forum. "Diese Länder haben entschieden, dass sie zum Beginn des kommenden Jahres mit der Kopplung ihrer Märkte durch implizite Auktionen beginnen werden", so Piebalgs.

Diese Marktkopplung (Market Coupling) ermöglicht eine effiziente Nutzung der bestehenden grenzüberschreitenden Kuppelleitungen und bildet einen wichtigen Schritt hin zur Integration der Stromhandelsmärkte in Europa. In so genannten impliziten Auktionen vergeben die beteiligten Börsen und Netzbetreiber gemeinsam Stromlieferungen und grenzüberschreitende Übertragungsrechte. Piebalgs zufolge können auf diese Weise die bestehende Infrastruktur besser genutzt und neue Investitionen vermieden werden. Von den gemeinsamen Börsenprojekten von EEX und Powernext erhofft sich Piebalgs nun einen weiteren Impuls für die regionale Zusammenarbeit.

Gemeinsame Börsengesellschaften bis Ende September

Die beiden Energiebörsen planen, ihr Stromhandels- und Clearinggeschäft an den Standorten Paris und Leipzig in mehreren Gesellschaften zusammenzuführen. So soll bis Ende September die Spot Trading SE (ST) mit Sitz in Paris gegründet werden, unter deren Dach Powernext und EEX bis Jahresende ihre gesamten Aktivitäten im Strom-Spothandel zusammenführen. Beide Partner halten dann jeweils 50 % der Anteile an ST. "Später werden wir eine einheitliche Aufsichtsmannschaft haben, welche die Strom-Spotaktivitäten von Frankreich, Deutschland, Österreich und Schweiz betreibt und beobachtet", sagte der Powernext-Vorstandschef Jean-François Conil-Lacoste. Der ST-Vorstandschef werde von den Powernext-Aktionären, der Aufsichtsratschef von den EEX-Aktionären benannt.

Es ist weiterhin geplant, dass die EEX bis Ende September ihren Handel mit Strom-Terminkontrakten in die neue EEX Power Derivatives GmbH in Leipzig überführt. In diese Gesellschaft bringt Powernext im 1. Quartal 2009 die französischen Strom-Futures ein und erhält im Gegenzug 20 % der Gesellschaftsanteile. Die EEX bleibt hier Mehrheitsgesellschafter mit 80 %.

Bis April 2009 wird Powernext außerdem damit beginnen, ihren Börsenhandel über die Leipziger EEX-Tochter European Commodity Clearing AG (ECC) clearen zu lassen - also die Geschäfte geld- und warenmäßig abwickeln und besichern zu lassen. Die ECC übernimmt dann auch das Clearing der französischen Strom-Futures, die über die Terminmarktgesellschaft in Leipzig gehandelt werden. "Obwohl Gas kein Bestandteil unserer Kooperation ist, haben wir uns auch entschieden, dass unsere Gasaktivitäten über die ECC gecleart werden", berichtete Conil-Lacoste. Powernext plane, bis Ende 2008 in Paris eine nationale Gasbörse mit Spot- und Terminhandel aufzusetzen. Für EEX-Vorstandschef Hans-Bernd Menzel spielt das Clearing eine entscheidende Rolle im Stromhandel: "Niemand kann die Marktteilnehmer besser gegen Ausfallrisiken schützen als ein gut entwickeltes, modernes und effizientes Clearinghaus - und wir haben eins." Menzel kündigte an, dass Powernext später auch ein "substanzieller Gesellschafter" der ECC werden soll.

Menzel und Conil-Lacoste sehen ihre Kooperation als Katalysator für Marktkopplungs-Projekte in Mittel- und Westeuropa. Mit der belgischen Energiebörse Belpex SA haben die Partner bereits eine Absichtserklärung für eine Zusammenarbeit unterzeichnet. Conil-Lacoste zufolge könnte die belgische Börse im günstigsten Fall in einigen Monaten in die Kooperation einbezogen werden. Mit der skandinavischen Strombörse Nord Pool Spot AS seien die Gespräche wieder aufgenommen worden. Sollten sie erfolgreich verlaufen, rechnet der Powernext-Chef nicht vor Ende 2009 mit einer Einbeziehung der Skandinavier. Ihre Muttergesellschaft Nord Pool ASA ist derzeit noch EEX-Aktionär, hat ihre Anteile aber bereits zum Verkauf ausgeschrieben.

Menzel erwartet, dass sich die europäische Strombörsen-Landschaft mit derzeit 20 Organisationen in den nächsten Jahren spürbar verändern wird. Powernext und EEX, deren Kooperation sich auf Deutschland, Frankreich, Österreich und die Schweiz erstreckt, sieht er dabei in einer guten Position: "Wir decken 36 Prozent der paneuropäischen Stromproduktion ab. Der nächstgrößere Markt in ganz Europa ist der nordische Markt mit einem Drittel davon", so Menzel. Nach seiner Ansicht werden Powernext und EEX die Referenzpreise für ganz Europa setzen.

Ähnlich denkt Piebalgs, der die Kooperation ausdrücklich unterstützte. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass die beiden fusionierten Börsen in Paris und Leipzig nun Standards setzen werden, die auch die Nachbarländer betreffen. Sie müssten bei der Gestaltung dieser Standards von Beginn an mitreden können, so der EU-Kommissar. "Und es ist klar, dass wir ein Abkommen brauchen, wie das Gebiet des Pentalateralen Forums mit den nordischen, iberischen, mittel- und osteuropäischen, italienischen und britischen Märkten verbunden werden kann."


 
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Mittwoch, 04.06.2008, 09:40 Uhr