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Bild: Fotolia.com, Rynio Productions
BILANZ:
Energieaktien 2014: Wie weit trägt die Liquiditätswelle noch?
Aktien stellten 2013 die Anlageklasse dar, die man haben musste. Waren in den Jahren zuvor auch mit langlaufenden Anleihen noch eindrucksvolle Kursgewinne zu machen, so standen im vergangenen Jahr die Dividendentitel ziemlich einsam auf dem Siegertreppchen.
 
Inzwischen bewegen sich viele internationale Aktienmärkte auf Rekordniveaus – das gilt auch für die heimischen Marktbarometer DAX und M-DAX. Darin spiegelt sich auch wider, dass die Märkte der weiteren Entwicklung der Weltkonjunktur mit einiger Zuversicht entgegenblicken. Und die europäische Schuldenkrise, die 2012 noch für heftige Panikattacken auf den Märkten gesorgt hatte, gilt derzeit aus Investorensicht als „erstmal abgehakt“ – auch wenn noch längst nicht alle damit einhergehenden Probleme nachhaltig gelöst sind.

Viele der vor Jahresfrist in die Unternehmen gesetzten Gewinnhoffnungen haben sich 2013 nicht erfüllt. Die Märkte sind mit den Konjunktur- und Ergebnisenttäuschungen jedoch erstaunlich gut fertiggeworden, zumal sich einzelne Branchen auch im gesamtwirtschaftlich wenig dynamischen Umfeld solide weiterentwickelten.
 
Kaum Anlagealternativen zu Aktien

Zu verdanken ist die Aktienhausse letztlich jedoch der Tatsache, dass es praktisch keine wirklichen Anlagealternativen zu den Dividendentiteln gibt.

Geldmarktorientierte Anlagen können derzeit bestenfalls noch als eine halbwegs sichere Form der „Geldaufbewahrung“ betrachtet werden – die Erträge daraus sind kaum nennenswert. Und wer mit langen Laufzeiten auf den Anleihenmärkten bonitätsstarker Euroländer Renditen von zwei bis drei Prozent einfahren will, kommt nicht umhin, mit solchen Engagements nicht zu vernachlässigende Zinsänderungrisiken einzugehen. Diesen stehen aus heutiger Sicht keine adäquaten Chancen mehr gegenüber.

In dieser Welt des „Anlagenotstandes“ auf den Geld- und Rentenmärkten hat der Aktienmarkt enorm an relativer Attraktivität gewonnen. Dieser Effekt dürfte sich wohl noch eine geraume Zeit ins Jahr 2014 fortsetzen. Doch der Zenit der Überliquidität an den Märkten dürfte bereits 2013 überschritten worden sein. Den zyklischen Tiefpunkt beim deutschen Kapitalmarktzins sollten wir im April vergangenen Jahres bereits gesehen haben. Seitdem wurde schon wieder ein wenig Luft aus der arg aufgeblähten „Rentenmarkt-Bubble“ herausgelassen. Eine durchaus berechtigte Angst der Investoren ist nun die, dass sich der Druck in der „Blase“ in Zukunft nicht mehr so behutsam senken lässt.

Dabei gab es bis vor kurzem eigentlich nur vage Absichtserklärungen der US-Notenbank, die Liquiditätsflutung allmählich zurückzufahren. Nach der Ankündigung vom vergangenen Dezember, in einem ersten Schritt im Januar 2014 das laufende Anleihenkaufprogramm etwas zu reduzieren, sind die Märkte schnell wieder zur Tagesordnung übergegangen. Daraufhin setzten die zuvor noch leicht verunsicherten US-Aktienmärkte ihren Höhenflug unbeirrt fort, und auch in anderen Regionen der Welt zogen die Kurse erneut nach oben.
 
Energieversorger stehen abseits
 
Die heimischen Energieversorger standen 2013 weitgehend abseits der fulminanten Aufwärtsbewegung an den Aktienbörsen. Zu schaffen machte ihnen insbesondere der unverminderte Preisdruck auf dem heimischen Strommarkt. Außerdem hatte sich ihre Kostenbelastung für CO2-Zertifikate Anfang 2013 mengenbedingt noch erhöht. Von den Preisrückgängen, unter anderem für Importkohle, gingen Kostenentlastungen nur insoweit aus, als die Kohlebeschaffung nicht schon über Termingeschäfte aus den Vorjahren preislich festgezurrt war.

In Analystenkreisen schenkt man der CO2-Lastigkeit der einzelnen Versorgungsunternehmen nach wie vor eine beachtliche Aufmerksamkeit. Die Risiken, die von möglichen künftigen Preissteigerungen für CO2-Zertifikate ausgehen könnten, finden bei den Experten weiterhin große Beachtung in den Anlageurteilen für die entsprechenden Aktien. Dies führt fast immer zu einer gewissen Skepsis gegenüber den RWE-Titeln; die Essener haben wegen des erheblichen Braunkohleanteils ihre Stromproduktion wesentlich CO2-intensiver aufgestellt als der große Konkurrent Eon.

Wirklich positive Anlageurteile für die Anteilsscheine der großen deutschen Versorger lassen sich derzeit generell kaum finden. Andererseits: Auf die selten gewordenen „guten“ Nachrichten scheinen diese Titel auf dem inzwischen stark gedrückten Kursniveau besonders sensibel zu reagieren. So sorgte etwa die Aussicht auf einen möglichen Wegfall der Brennelementesteuer zwischenzeitlich an der Börse für einige Tage der Wiederentdeckung dieser „totgesagten“ Branche.

Wenn 2013 mit Versorgern überhaupt Geld zu verdienen war, dann mit marktengen „Nischentiteln“ – zumeist mit solchen Branchenvertretern, die ihr Geld unabhängig von den gedrückten Margen in der Stromerzeugung verdienen. Steigende Gewinne verzeichnete in den ersten drei Quartalen 2013 beispielsweise der Berliner Wärmespezialist Fernheizwerk Neukölln.

Dieser profitierte von der kalten Witterung im Winter/Frühjahr 2013 ebenso wie von zum Teil nachgebenden Preisen einiger Brennstoffe. Selbst wenn es im vergangenen Jahr nicht gelungen sein sollte, den Gewinnlevel aus den Spitzenjahren 2010 und 2011 zu übertreffen, so dürfte ein deutlicher Anstieg gegenüber dem „mittelprächtigen“ Jahrgang 2012 erzielt worden sein. Für ein auch in 2014 ungetrübtes Ertragsbild hofft das heimische Fernwärmeunternehmen indes, dass der jetzige Winter noch einige frostige Tage bereithalten wird.
 
Ertragsdruck auch bei Wasserkraftstrom
 
Auch für den Stadtwerke-Konzern MVV Energie stellt das Wärmegeschäft eine wichtige Ertragsquelle dar. Allerdings macht den Mannheimern derzeit der Margendruck auf dem Strommarkt sehr zu schaffen. Daher kalkulieren sie für 2013/2014 einen weiteren Rückgang im operativen Ergebnis ein. Mit ersten Ergebnisbeiträgen aus den neuen Müllheizkraftwerken in Großbritannien soll im darauf folgenden Geschäftsjahr das „Ertragsbarometer“ dann wieder höhere Werte anzeigen.

Ganz massiv unter Ertragsdruck sind zurzeit auch die Wasserstromproduzenten geraten, die bis vor einigen Jahren noch als „Hätschelkinder“ der Energiewende gehandelt wurden. Trotz guter Wasserführung der Flüsse, an denen die Anlagen der schweizerisch-deutschen Energiedienst Holding (ehemals Kraft Rheinfelden) und des österreichischen Verbund-Konzerns stehen, mussten beide Unternehmen in 2013 operativ deutliche Gewinnrückgänge hinnehmen.

Beim Verbund wird das Ertragsbild immerhin durch den letztjährigen Asset Swap mit Eon aufgehellt, der auch eine höhere Ausschüttung für 2013 erlaubt. Danach dürfte bei den Österreichern der graue Alltag in der Grünstromproduktion weitergehen. Bis dahin bleiben Engagements sowohl in Energiedienst- als auch in Verbund-Aktien Wetten auf künftig wieder bessere Strompreise.

Chancen ohne allzu große Risiken eröffnen sich dem vorausschauenden Investor oftmals gerade dann, wenn er sich von Titeln, die gerade alle Welt haben will, zur rechten Zeit trennt, um dann nach solchen Werten Ausschau zu halten, die auch nach dem Ende des allgemeinen Hypes noch ihren (Einstands-)Preis wert sind.
 
Auskömmliche Gewinnmargen beim Öl
 
Aus diesem Blickwinkel erscheinen derzeit ausgesuchte, noch moderat bewertete Aktien nicht uninteressant. So finden sich zum Beispiel unter den internationalen Ölaktien Titel, die in ihren Bewertungen weit unter den Kurs-/Gewinnverhältnissen ihrer jeweiligen Heimatmärkte liegen. Natürlich sind die Aussichten für die Öl- und Gasmärkte derzeit alles andere als bullish. Doch wer für die Ölnotierungen dies- und jenseits des Atlantiks nicht gerade einen Zusammenbruch erwartet, der darf bei den Ölmultis auch weiter auf auskömmliche Gewinnmargen und eine recht stabile Dividende setzen.

Die vorerst überreichliche Liquiditätsversorgung liefert wohl auch im laufenden Jahr noch Treibstoff für die Aktienkurse. Doch die relative Attraktivität von Dividendentiteln nimmt tendenziell bereits wieder ab. Der Spielraum für eine weitere Ausweitung der Gewinnmultiplikatoren erscheint jedenfalls wesentlich begrenzter als noch vor Jahresfrist.
Höhere Zuwachsraten für die Unternehmensergebnisse eröffnen zwar prinzipiell noch weiteres Potenzial für die Märkte, doch noch ist die Konjunkturbelebung 2014 nicht in trockenen Tüchern. Und selbst wenn die meisten Gewinnerwartungen aufgehen sollten:
Damit würden letztlich nur bereits heute eingepreiste Erwartungen bestätigt.

Ein weiterer bedeutender Anstieg des allgemeinen Kursniveaus würde wohl voraussetzen, dass entweder die derzeit schon hochgesteckten Gewinnerwartungen noch übertroffen werden oder aber das Problem Anlagenotstand in den nächsten Monaten – zumindest in der subjektiven Wahrnehmung der Anleger – als noch gravierender angesehen wird als schon im Jahr 2013.
 

Solarunternehmen: Viele Sanierungsbaustellen, wenige Lichtblicke
 
Die deutsche Solarindustrie erlebte hierzulande 2013 ein jähes Ende ihres EEG-befeuerten Booms. Das Zubauvolumen in Deutschland fiel auf weniger als die Hälfte seines Vorjahreswertes zurück. Viele Solarunternehmen, die schon in den Vorjahren von den herben Preiseinbrüchen arg gebeutelt waren, standen mit dem Rücken zur Wand. Firmen wie Centrosolar, die sich in einer komfortablen Marktnische wähnten, oder SAG Solarstrom, deren „Kombi-Geschäftsmodell“ von Projektgeschäft und eigener Stromproduktion bis vor wenigen Monaten noch zu überzeugen schien, strauchelten angesichts einbrechender Märkte (Centrosolar) oder mangelnder Liquiditätsausstattung (SAG). Einigen, wie beispielsweise Phoenix Solar, die konsequent auf chancenreiche Projekte außerhalb Europas setzen, könnte es dagegen gelingen, aus ihrer „Asche“ zu neuen Höhen aufzusteigen.

Zunächst sieht es so aus, dass diese Solarbranche vor allem Insolvenzverwaltern und gewieften Konkursmasseverwertern ein einträgliches Betätigungsfeld bietet. Wer an der Börse nicht gerade als „Zocker“ unterwegs ist, findet derzeit nur wenige Branchenvertreter, die für Engagements mit halbwegs überschaubarem Risiko in Frage kommen.

Dazu zählt sicher die Aktie der SMA-Solar, für die sich einige Analysten wieder stark machen. Von ihren letztjährigen Tiefstskursen deutlich erholt hat sich zuletzt auch die Aktie der Wacker-Chemie. Das Erreichen eines (leicht) positiven Jahresergebnisses im Jahr 2013 ist allerdings allein dem aktuell halbwegs gut laufenden Chemiebereich zu verdanken. Das Geschäft mit Polysilizium für die Solarindustrie hat zwar im Verlauf des 3. Quartals 2013 eine deutliche Nachfragebelebung verzeichnet. Das Preisniveau war laut Unternehmensangaben jedoch weiterhin „gedrückt“, so dass diese Sparte bislang noch nicht auf ein befriedigendes Margenniveau zurückgefunden hat.
 
 
Kraftwerksbauer: Großprojekte bleiben rar
 
Auf eher holpriger Wegstrecke waren 2013 die Kraftwerksbauer und Energietechnikspezialisten unterwegs. Insbesondere das Geschäft mit Großprojekten lief bei den meisten auf recht niedrigen Touren. Immerhin verfügten die großen Branchenvertreter durchweg über beachtliche Auftragsbestände, von denen sie zehren konnten.

Recht markant fielen die Neuaufträge zuletzt bei Alstom zurück, was den Aktienkurs zwischenzeitlich deutlich unter Druck setzte. Angesichts eines weiterhin riesigen Auftragsbestandes war es für die Franzosen jedoch ein Leichtes, umsatz- und ertragsmäßig auf Kurs zu bleiben. Die Aktie erscheint bei rund 25 Euro moderat bewertet.

Dagegen wirkt der ABB-Titel bei knapp 19 Euro schon nicht mehr wirklich preiswert. Auch hier schwächelte 2013 der Auftragseingang – insbesondere im Projektgeschäft. Deutlich rückläufig war die Nachfrage in der Sparte Power Systems.
Sehr viel erfolgreicher war der Siemens-Konzern bei der Akquise von Aufträgen, die konzernweit immerhin um zehn Prozent zulegten. Der Vorstand berichtete von einem sehr stark gestiegenen Großauftragsvolumen, das den Sparten Infrastructure Cities sowie Energy zu verdanken war, wobei letztere insbesondere mit der Division Wind Power einiges an Ordervolumen hereinholte.

Mit leicht rückläufigen Orders und verringerten Margen im Projektgeschäft musste der Pumpenhersteller KSB zuletzt zurechtkommen. Trotz erheblicher negativer Währungseinflüsse und eines eingebrochenen Brasiliengeschäftes vermochte der Pumpenspezialist sein Umsatzvolumen gut zu behaupten und setzt derzeit für 2014 wieder auf neues Wachstum. Der im kommenden Frühjahr zu präsentierende 2013er Abschluß sollte die Aktionäre allerdings mit einem Ergebnisrückgang konfrontieren, der nach heutigem Informationsstand jedoch überschaubar ausfallen dürfte.


Versorger: Nur PNE Wind vor dem Dax
 
Aktie 28.12.2012 30.12.2013 Veränderung
  Euro Euro in %
PNE Wind 2,24 2,80 +35
DAX 7612 9552 +25
FHW Neukölln 31,45 34,90 +11
Mainova 365,29 383,15 +5
Energiekontor 4,7 4,74 +1
Lechwerke 62 62 +/−0
MVV Energie 23,5 22,80 −3
Gelsenwasser 544,1 515,90 −5
Eon 14,09 13,42 −5
EnBW 30,02 26,85 −11
RWE St. A. 31,24 26,61 −15
RWE Vz. A. 28,53 2325 −19
 Energietechnik & Co: Phoenix und Nordex im Höhenflug 
Aktie 28.12.2012 30.12.2013 Veränderung
  Euro Euro in %
Phoenix 1,05 4,70 +348
Nordex 2,99 9,60 +221
Deutz 3,54 6,49 +83
Wacker Chemie 49,65 80,38 +62
Gea Group 24,47 34,60 +41
DAX 7612 9552 +25
ABB 4,57 19,12 +22
Siemens 78,81 99,29 +12
BP 5,22 5,80 +11
KSB Vz.A. 415,55 437 +5
KSB St. A. 464,5 481 +4
Centrotherm Phot. 4,30 4,30 +/−0
Royal Dutch 26,02 25,72 −1
Statoil 18,9 17,42 −8
Alstom 29,93 26,44 −11
Solar World 1,06 0,46 −57

Quelle: eigene Recherchen

 
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Montag, 10.02.2014, 09:01 Uhr