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Enerige & Management > Speculantius - Energieaktien 2015: Liquidität stimuliert die Kurse
Bild: Fotolia.com, Eisenhans
SPECULANTIUS:
Energieaktien 2015: Liquidität stimuliert die Kurse
Mit deutschen Aktien war 2014 letztlich nur ein bescheidener Zuwachs zu erreichen. Nach ersten „Tests“ der 10 000er-Marke im DAX ging den Dividendenwerten später wieder die Puste aus. Wird sich das in 2015 ändern?
 
Immerhin: Nach einem kleinen „Sell-out“ im vergangenen Oktober war es dem heimischen Standardwerte-Index zum Jahresultimo doch noch gelungen, mit einem kleinen Plus herauszukommen. Speziell unter den Energietiteln war es durchweg nicht ganz leicht, mit einem gezielten „Stock-Picking“ den Index zu schlagen.
 
Die großen Versorger kämpften bis zuletzt mit einer fortdauernden Margenerosion auf dem Strommarkt. Von den ganz erheblich gesunkenen Kosten für fossile Brennstoffe dürften nur wenige Branchenvertreter auch unter dem Strich profitiert haben. Dem erheblich durchgesackten Preis für Importkohle etwa standen nämlich rückläufige Preise an den Strombörsen gegenüber.
 
Da der RWE-Konzern mit seinem hohen Braunkohlenanteil und die Eon mit ihrer immer noch erheblichen Atomstromlastigkeit nur für einen Teil ihres Erzeugungs-Portefeuilles von den aktuellen Kostenentlastungen profitieren, dürfte zumindest bei diesen die negative Erlösentwicklung weiterhin wesentlich stärker zu Buche schlagen. Entsprechend negativ entwickeln sich die Unternehmensergebnisse.
 
Zurückhaltung bei Anlageempfehlungen
 
Insbesondere für die voll integrierten Marktführer der Branche hierzulande sind die meisten Analysten derzeit mit Anlageempfehlungen zurückhaltend. Positiver schneiden aus Expertensicht regulierte Versorger ab, wie sie sich z.B. in Großbritannien finden, oder europäische Unternehmen, die an der Börse noch niedriger bewertet erscheinen als Eon oder RWE – etwa die italienische Enel. Ein wenig abgefedert werden die Kursbewegungen für Versorger auch weiterhin von den relativ hohen – wenn auch längst nicht mehr so sicher erscheinenden – Dividendenrenditen.
 
Den Versuch eines „Befreiungsschlages“ im derzeit weithin tristen Branchenumfeld wagte im vergangenen November Eon mit der Ankündigung einer Aufspaltung des Konzerns in einen zukunftsträchtiger erscheinenden Ableger, der die „sauberen“ Erzeugungsaktivitäten einschließlich Vertrieb und Verteilung aufnimmt und eine „Aschenputtel-Abspaltung“, bei der insbesondere die herkömmliche Stromerzeugung und das Gasgeschäft untergebracht werden sollen. Dass die beiden neuen Unternehmensgebilde zusammen dann mehr Geld verdienen werden als die bisherige Eon, davon gehen zumindest Analysten nicht aus. Unmittelbar nach Bekanntgabe des geplanten Deals, der voraussichtlich in 2016 umgesetzt wird, unterstellte der Markt offenbar, dass der Bewertungsbonus für die künftige „weiße“ Eon erheblich größer ausfallen wird als der zu erwartende Malus für die dann im Schatten stehende „graue“ Eon.
 
Seitdem die Ölnotierungen an den internationalen Märkten beinahe in den freien Fall übergegangen sind, herrscht auch unter den Anteilseignern von Ölkonzernen Katerstimmung. Insbesondere die Aktien von Unternehmen, die besonders stark „upstream“ aufgestellt sind – zu diesen dürfte z.B. die norwegische Statoil gehören – und von Branchenvertretern, die international nur über ein mittelmäßiges „Standing“ verfügen, mussten in ihren Bewertungen bereits erheblich Federn lassen.
 
Besser kamen bislang Top-Konzerne mit starker Vertriebsposition, wie die britisch-niederländische Royal Dutch Shell davon (siehe Tabelle Energietechnik & Co.). Angesichts der zuletzt extrem volatilen Öl- und Gasmärkte erscheint diese Branche selbst auf dem gedrückten Kursniveau nur für solche Investoren interessant, die schon jetzt auf eine ziemlich rasche und nachhaltige Erholung auf den Produktmärkten setzen. Die Gewinnschätzungen für das laufende Jahr stehen in dieser Branche aktuell wohl noch auf tönernen Füßen. Weitere Ergebnisrevisionen – insbesondere nach unten – gelten als wahrscheinlich.
 
Ein europäischer Kraftwerksbauer weniger
 

Wer in europäische Kraftwerksbauer investieren möchte, ist inzwischen um eine vormals interessante Anlageoption ärmer geworden. Denn Alstom ist bekanntlich dabei, seine Energiesparte an General Electric zu verkaufen. Danach steht Alstom als Schienenverkehrsspezialist mit einer gut gefüllten „Kriegskasse“ da, auch wenn ein Teil davon künftig an die Aktionäre ausgeschüttet werden soll und Anleihen vorzeitig zurückgezahlt werden. Der französische Ex-Kraftwerksbauer dürfte auch anschließend noch über außergewöhnlich viel Liquidität verfügen, so dass sich daran neue Börsenfantasien entzünden könnten.
 
Die auch zukünftig auf dem Kraftwerksmarkt mitspielenden Unternehmen ABB und Siemens mussten in 2014 rückläufige bis stagnierende Umsätze hinnehmen. Die Münchener verzeichneten dabei konzernweit immerhin eine deutlich verbesserte Ergebnissituation. Unter Mitwirkung von Effizienzsteigerungsprogrammen könnte es 2015 auch bei ABB, genau wie beim Konkurrenten Siemens, für steigende Ergebnisse reichen. Der bereits recht lebhafte Ordereingang im vergangenen Jahr sollte dann die jeweiligen Umsatzentwicklungen – zumindest in der derzeitigen „Schwachwährung“ Euro gerechnet – wieder positiver aussehen lassen. Die insbesondere mit Blick auf viele Schwellenländer eher gedämpfte weltweite Investitionskonjunktur dürfte die Konkurrenz um Großorders sowohl in den Industrie- als auch in Energiesparten allerdings eher verschärfen.
 
Mit ihrer vergleichsweise breiten Aufstellung und dem auf profitablem Wachstum ausgerichteten Konzept „Vision 2020“ bleibt die Siemens-Aktie wohl die konservativere Wahl. Ob das von Rolls Royce erworbene Gasturbinen- und Kompressorengeschäft ebenso wie die Öl- und Gasausrüstungsaktivitäten von Dresser-Rand letztlich ihren Preis wert waren, wird sich wohl erst in Zukunft zeigen – dürfte allerdings bei der Fortsetzung der Siemens-Erfolgsstory nur eine eher untergeordnete Rolle spielen. Bei Kursen um 93 Euro erscheint die Aktie aus heutiger Sicht jedenfalls nicht zu hoch bewertet.
 
Angesichts wohl deutlich rückläufiger Gewinne in 2014 beim „Auch-Kraftwerkszulieferer“ KSB stellt sich bei diesem die Frage einer fairen Börsenbewertung seiner Stamm- und Vorzugsaktien (nur letztere gelten als einigermaßen liquide) schon eher. Zwar erscheint der Frankenthaler Pumpen- und Armaturenspezialist im Vergleich etwa zu den großen Elektrokonzernen eher als „Zwerg“. Mit seiner international breit aufgestellten Produktionsbasis, die auf unterschiedliche Anforderungen und „Geldbeutel“ zugeschnitten ist, verfügt dieser Konzern über in seinen Spezialgebieten weltweit herausragende Marktpositionen. Ob der zuletzt gesehene Orderschub schon den 2015er Gewinnzahlen wieder auf die Sprünge helfen wird, bleibt abzuwarten. Sollten enttäuschende Ertragszahlen für das zurückliegende Jahr erst verdaut sein, könnte sich für KSB mittelfristig neues Kurzsteigerungspotenzial eröffnen.
 
Nur noch wenige Stadtwerke und Regionalversorger an der Börse
 
Wer bereit ist, sich den besonderen Verhältnissen in sogenannten „engen Märkten“ anzupassen, wird sich vielleicht auch für die wenigen an der Börse verbleibenden Regionalversorger und Stadtwerke erwärmen können. Wieder attraktiv erscheinen in diesem Marktsegment die Aktien von Fernheizwerk Neukölln (FHW). Sie kommen derzeit mit einer recht gut abgesichert erscheinenden Dividendenrendite von etwas über 4 % daher. Bemerkenswert: In einem witterungsmäßig für einen Wärmeanbieter sehr „anspruchsvollen“ Jahr 2014 dürfte den Berlinern eine weitere Ertragssteigerung gelungen sein.
 
Mit sinkenden Gewinnen mussten dagegen im vergangenen Jahr MVV Energie und Mainova fertig werden. Während erstere – nicht zuletzt wegen ihrer neuen Engagements in England – bereits wieder mit einer Ergebniserholung rechnet, ist für die Frankfurter bislang noch kein Anhaltspunkt für eine Ergebniswende zum Besseren erkennbar. Immerhin: Die Dividende ist bei deren Aktien aufgrund eines Gewinnabführungsvertrags bei 9,48 Euro je Anteilsschein „festgezurrt“ – das heißt, sie bietet anders als bei FHW ausgehend von aktuell knapp 3 % – auch kein Potenzial nach oben.
 
Mehr Rendite versprechen derzeit noch die Genussscheine der Stadtwerke Hannover. Allerdings wird der zuletzt gesehene Ausschüttungsbetrag von 68,40 Euro je 100 Euro Nennwert höchstwahrscheinlich deutlich gekürzt. Es sollte von der Stärke dieser Kürzung und den weiteren Ergebnisperspektiven der Niedersachsen abhängen, in welche Richtung sich dieser aktuell knapp 1 000 Euro schwere Anlagewert in Zukunft weiter entwickelt.
 
In all diesen marktengen Versorgertiteln gibt es durchweg nur geringe Umsätze – z.T. kommen Handelsaktivitäten nur sporadisch zustande. Auch wenn diese Werte mitunter fundamental attraktiv erscheinen, sollten Börsenorders nur in kompakten Stückzahlen und streng limitiert erteilt werden.
 
Chancen für positive Überraschungen steigen
 
Angesichts der sich fortsetzenden Liquiditätsflutung der Märkte durch die Notenbanken – allen voran in 2015 wohl die EZB – sollte sich der „Anlagenotstand“ auf den Kapitalmärkten noch fortsetzen. In einer Anlegerwelt, in der zumindest bonitätsstarke Staatsanleihen bestenfalls zur „Kapitalaufbewahrung“ taugen, besteht derzeit die einzige Chance auf nennenswerte Zuwächse in Engagements in risikoreicheren Anlageformen.
 
Auch wenn das Gros der heimischen Privatinvestoren wahrscheinlich seine Skepsis gegenüber dem Eingehen von Aktienpositionen beibehalten wird, dürfte dennoch die Neigung zumindest zu einer Depot-Beimischung von Dividendentiteln zunehmen. Darauf deutete jüngst auch die relativ hohe Nachfrage nach Anteilen sogenannter Mischfonds hin, die in Anleihetitel ebenso wie in Aktien investieren.
 
Insgesamt stehen die Chancen wohl recht gut, dass der DAX in 2015 nachhaltiger über die 10 000er Marke vorzurücken vermag als im vergangenen Jahr. Der Markt ist jedenfalls mit ziemlich gedämpften Konjunktur- und damit auch Gewinnerwartungen ins neue Jahr gegangen. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Unternehmenssektor in den kommenden Monaten auch wieder vermehrt wirklich positive Überraschungen bereithält. Denn nur die künftigen erfreulichen Nachrichten, die von den Akteuren noch nicht in den Kursen „eingepreist“ sind, liefern den Treibstoff für weitere Wertsteigerungen auf den Aktienmärkten.

Versorger: Energiekontor im Aufwind
 
Aktie 30.12.2013
Euro
30.12.2014
Euro
Veränderung
in %
Energiekontor 4,74 10,99 + 132
Lechwerke 62 71,95 + 16
Gelsenwasser 515,90 568,81 + 10
Eon 13,42 14,20 + 6
MVV Energie 22,80 23,83 + 5
DAX 9552 9806 + 3
FHW Neukölln 34,90 35,69 + 2
RWE St. A. 26,61 25,65 -4
EnBW 26,85 24,88 -7
Mainova 383,15 338 -12
RWE Vz. A. 23,25 18,89 -19
PNE Wind 2,80 2,19 -22


Energietechnik & Co: Nordex erneut im Höhenflug
Aktie 30.12.2013
Euro
30.12.2014
Euro
Veränderung
in %
Nordex 9,60 15,01 +56
Wacker Chemie 80,38 91,05 +13
Royal Dutch 25,72 27,60 +7
Gea Group 34,60 36,60 +6
DAX 9552 9806 +3
Alstom 26,44 26,83 +1
KSB Vz. A. 437 422,26 -3
Siemens 99,29 93,75 -6
ABB 19,12 17,06 -8
BP 5,80 5,23 -10
KSB St. A. 481 418 -13
Statoil 17,42 14,50 -17
Centrotherm Phot. 4,30 3,30 -23
Deutz 6,49 4,00 -38
Phoenix Solar 4,76 1,55 -67
Solar World 46,00 * 13,00 -72
*bereinigt um Kapitalschnitt

 
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Dienstag, 03.02.2015, 11:01 Uhr