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Enerige & Management > Telekommunikation - Energieversorger auf neuen Wegen
Bild: Q.pictures / Pixelio.de
TELEKOMMUNIKATION:
Energieversorger auf neuen Wegen
Der Breitbandausbau der Kommunikationsnetze kann auch für Energieversorger eine Geschäftsoption sein. Um die staatlichen Fördergelder und die richtige Technologie wird jetzt gerungen.
 
In Sachen schnelles Internet liegt Deutschland abgeschlagen im Mittelfeld. Laut einer Erhebung des Internetdienstleisters Akamai Technologies betrug die durchschnittliche Übertragungsrate nach dem 1. Halbjahr 2015 in der Bundesrepublik 10,7 Megabit pro Sekunde (Mbit/s), damit kommt Deutschland im weltweiten Vergleich auf den 24. Platz. Das soll sich nach dem Bestreben der Bundesregierung nun ändern. Ende Oktober verabschiedete das Kabinett eine neue Breitband-Förderrichtlinie. Ziel ist es, bislang unterversorgte Gebiete mit schnellen Internetzugängen auszustatten und bis 2018 eine flächendeckende Breitbandversorgung mit Übertragungsraten von mindestens 50 Mbit/s zu gewährleisten. Mit dem neuen Programm sollen gezielt Kommunen und Landkreise in Regionen unterstützt werden, in denen sich ein Breitbandausbau für die Privatwirtschaft nicht rechnet. Von dem mit 2,7 Mrd. Euro ausgestatteten Förderprogramm könnten also vor allem Zweckverbände und kommunale Energieversorger profitieren. Letztere entdecken die Breitbandanbindung zunehmend als ein neues Geschäftsfeld im Bereich der Grundversorgung und bauen in enger Abstimmung mit der Kommunalpolitik entsprechende Infrastrukturen auf.
 
Durchschnittliche Verbindungsgeschwindigkeit der Internetanschlüsse in den führenden Ländern weltweit im 2. Quartal 2015 (in Mbit/s)
Quelle: statista/Akamai Technologies


Ein gutes Beispiel dafür ist der Main-Kinzig-Kreis im östlichen Rhein-Main-Gebiet. Vor drei Jahren entschied sich der Landkreis, den Breitbandausbau in der Region in Eigenregie vorzunehmen. Dazu wurde mit der Breitband Main-Kinzig-Kreis GmbH eine kreiseigene Gesellschaft gegründet, die in den 29 Städten und Gemeinden mit ihren 161 Ortsteilen ein glasfaserbasiertes Breitbandnetz aufbauen sollte. Das inzwischen zum größten Teil fertiggestellte Kommunikationsnetz wird über die Münchner M-Net Telekommunikation GmbH vermarktet. Hinter M-Net steht ein Gesellschafterkreis aus sechs kommunalen Unternehmen der Energiewirtschaft, unter anderem die Stadtwerke München und die Nürnberger N-Ergie. „Wir werden überregional um dieses Projekt beneidet. Einen Ausbau in dieser Dimension, dieser Geschwindigkeit und mit diesem Erfolg hat es in Deutschland noch nicht gegeben“, betont Landrat Erich Pipa. Inzwischen können fast alle Einwohner im Main-Kinzig-Kreis mit bis zu 50 Mbit/s versorgt werden.
Laut dem Breitbandatlas der Bundesregierung verfügen bundesweit derzeit lediglich 84 Prozent der Haushalte über einen Internetzugang mit einer Bandbreite von 16 Mbit/s oder mehr. Die Breitbandverfügbarkeit ist dabei regional sehr unterschiedlich. Wie der TÜV Rheinland für den Breitbandatlas gemessen hat, werden in Ballungsräumen zwar 95,8 Prozent der Haushalte mit 16 Mbit/s versorgt. In ländlichen Regionen sinkt diese Rate aber deutlich auf 57,3 Prozent ab. Bei 50 Mbit/s liegt die bundesweite Quote bei 68,5 Prozent, in den Ballungsräumen bei 85,3 Prozent und auf dem Land bei mageren 26,1 Prozent.
 
Anschlussvarianten DSL, FTTC und FTTB/H im Überblick
Grafik: Deutsche Telekom

Beim Breitband-Projekt im Main-Kinzig-Kreis haben die Betreiber die Glasfaser zwischen den Hauptverteilern und den Kabelverzweigern in den Straßen verlegt. Für die Internetversorgung der Endkunden werden auf den letzten Metern die bestehenden Kupferkabel verwendet. Diese gehören in der Regel der Deutschen Telekom. Fibre to the Curb (FTTC) nennt sich diese Anschlussvariante. In Norderstedt bei Hamburg sind die Stadtwerke schon wesentlich weiter. Bereits 1999 gründeten sie mit der wilhelm.tel GmbH eine eigene Telekommunikationstochter und bauten in ihrem Stadtgebiet ein Glasfasernetz auf. Das eigene Netz legten die Norderstedter allerdings direkt bis in die einzelnen Haushalte. Mit dieser auch als Fibre to the Building (FTTB) oder Fibre to the Home (FTTH) bezeichneten Anschlussvariante ist man nicht mehr auf die „Letzte Meile“ der Telekom angewiesen. Die Stadtwerke Norderstedt können ihre Kunden direkt versorgen und müssen keine Leitungen mehr beim ehemaligen Monopolisten anmieten. Als bundesweit erstes Unternehmen bot wilhelm.tel von Beginn an im so genannten Triple-Play ein komplettes Multimediapaket an. Dieses ermöglicht neben Telefonie und schneller Internetverbindung von bis zu 100 Mbit/s auch Kabelfernsehen über den Glasfaseranschluss. Seit Herbst 2008 kooperiert wilhelm.tel mit Hamburgs größter Wohnungsbaugesellschaft SAGA GWG und hat inzwischen fast alle Wohnungen an das eigene Glasfasernetz angeschlossen und ihren Kundenstamm dadurch deutlich ausbauen können. Zudem kooperieren die Norderstedter mit anderen Stadt- und Gemeindewerken im südlichen Schleswig-Holstein und unterstützen diese beim Aufbau einer eigenen Glasfaserinfrastruktur. Damit ist der Breitbandausbau im Norden Deutschlands weiter auf dem Vormarsch. Schleswig-Holstein ist das einzige Bundesland, das sich ein Infrastrukturziel anstelle eines Bandbreitenziels gesetzt hat. Bis 2030 will die Kieler Landesregierung eine flächendeckende Versorgung mit Glasfaseranschlüssen erreichen. Die Strategie trägt nun erste Früchte. Während im Norden mehr als ein Viertel aller Haushalte über schnelle Glasfasernetze versorgt wird, liegt die Anschlussrate im Bundesdurchschnitt gerade mal bei 2,6 Prozent. Auch beim Breitbandversorgungsgrad mit schnellen Internetzugängen von 50 Mbit/s steht Schleswig-Holstein mit 72,9 Prozent gut da. Lediglich Nordrhein-Westfalen mit seinen vielen Ballungszentren bietet unter den Flächenländern mit einer Versorgung von 75,3 Prozent der Haushalte mehr Anschlüsse. Das geht aus den jüngsten Daten des Breitbandatlanten hervor.

Vectoring-Antrag sorgt für Zwist

Für Furore in der Branche sorgt seit dem Frühjahr ein Vorhaben der Telekom Deutschland GmbH. Bei der Bundesnetzagentur hat die Telekom einen Antrag gestellt, mit dem sie mittels Vectoring die Breitbandversorgung im Nahbereich ihrer Hauptverteilerstellen übernehmen will. Vectoring ist ein technisches Verfahren, mit dem die elektromagnetischen Störungen im DSL-Netz herausgefiltert und beseitigt werden. Dadurch könnte auch in den klassischen Kupferkabeln eine Übertragungsrate von bis zu 100 Mbit/s erzielt werden. Das Problem beim Vectoring ist, dass immer nur ein Telekommunikationsanbieter das Verfahren an einem Verteiler einsetzen und damit Störungen herausfiltern kann. Ende Oktober konkretisierte die Telekom ihren in der Branche heftig umstrittenen Antrag mit einer festen Investitions- und Ausbauzusage. Bis Ende 2018 will der Bonner Konzern alle bundesweit rund 7 900 Hauptverteilerstellen mit der Vectoring-Technik ausstatten, wenn er im Gegenzug auch den Nahbereich, also rund 550 m um die Hauptverteiler herum, die Haushalte exklusiv versorgen kann. Andere Anbieter hätten dann das Nachsehen und deshalb laufen sie gegen den Antrag Sturm. Ein Sprecher der Bundesnetzagentur bestätigte gegenüber E&M, dass es bereits zahlreiche Anhörungen mit Verbänden und alternativen Telekommunikationsanbietern gegeben habe. Zudem habe die Beschlusskammer, bei der der Telekom-Antrag zur Entscheidung vorliegt, ein rechtswissenschaftliches Gutachten zu dem komplexen Thema in Auftrag gegeben. Derzeit sei aber noch nicht abzusehen, wann mit einer Einscheidung der Beschlusskammer zu rechnen sei. „Das wird noch eine gewisse Zeit dauern“, so der Behördensprecher auf Nachfrage.

 
Funktionsweise von VDSL-Vectoring
Grafik: Deutsche Telekom


„Wir müssen Geld für die richtigen Technologien ausgeben“, mahnt vor diesem Hintergrund Jörn Schoof, Leiter Corporate Affairs bei M-net. Das dem Vectoring zugrundeliegende FTTC bezeichnet er als „Brückentechnologie“. Abseits des Main-Kinzig-Kreises versorgt der Münchner Breitbandanbieter in München, Augsburg und Erlangen rund 400 000 Haushalte mit eigenen Glasfasernetzen. Angesichts steigender Musikdownloads, wachsender Beliebtheit von Video-on-Demand-Diensten wie Netflix oder der zunehmenden Onlinefunktionen von Spielekonsolen werde das Datenübertragungsvolumen in den nächsten Jahren weiter ansteigen, ist sich Schoof sicher. Die dafür erforderlichen Bandbreiten sind seiner Einschätzung nach mit herkömmlichem FTTC nicht mehr zu erzielen.
Für Bewegung beim Breitbandausbau kann nun das beschlossene Förderprogramm sorgen. Der Förderetat, den der Bund jetzt bereitstellt, stammt knapp zur Hälfte aus den Erlösen der Versteigerung nicht mehr genutzter Funkfrequenzen. Ende 2016 wird das terrestrische Digitalfernsehen DVB-T auf den Nachfolge-Standard DVB-T2 umgestellt, wodurch eine höheraufgelöste TV-Übertragung möglich wird. Die bisher für DVB-T genutzten Frequenzen sollen dann für künftige mobile Breitbandverbindungen genutzt werden; sie wurden deshalb in diesem Sommer versteigert. Aus Haushaltsmitteln steuert der Bund weitere 1,4 Mrd. Euro bei.

Mit Scoring zum eigenen Breitbandnetz

Laut der beschlossenen Richtlinie wird der Fördersatz in der Regel 50 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten betragen, wobei die Zuschüsse aus Bundesmitteln auf 15 Mio. Euro je Projekt begrenzt sind. Außerdem soll laut Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur eine Kombination mit anderen Förderprogrammen möglich sein, so dass weitere 40 Prozent an Zuschüssen hinzukommen könnten. Eine Kommune wäre also in der Lage, im günstigsten Fall ihren Breitbandanschluss mit einer Eigenbeteiligung von nur zehn Prozent zu finanzieren. Damit wird es für kommunale Unternehmen außerordentlich attraktiv, die Breitbandversorgung als weiteres Geschäftsfeld der Grundversorgung zu entwickeln und mittel- bis langfristig sinkende Erträge aus dem Energiegeschäft zu kompensieren.
Mit einem neuen Scoring-Verfahren sollen die einzelnen Projekte anhand transparenter Kriterien bewertet werden. Nicht nur mit der geographischen Lage können Regionen punkten, sondern vor allem auch dann, wenn die derzeitige Datenübertragungsrate unter 16 Mbit/s liegt. Dadurch sollen dünn besiedelte und unterversorgte Gebiete bei der Förderung eine höhere Priorität erhalten. Weitere Punkte können die Antragsteller mit der verwendeten Technologie sammeln. So sollen Breitbandnetze, die auf VDSL mit Vectoring, Glasfaser oder entsprechend ausgebauten TV-Kabelnetzen basieren, die Übertragungsraten von 100 Mbit/s oder mehr ermöglichen, gesondert unterstützt und für die höheren Investitionskosten kompensiert werden. Insgesamt seien 100 Punkte zu vergeben, je mehr Punkte ein Vorhaben erziele, umso höher falle die Förderung aus, so das Bundesverkehrsministerium.

Hinweis der Redaktion: Der Beitrag erschien in dieser Form im E&M-Jahresmagazin am 1. Dezember.

 
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Mittwoch, 30.12.2015, 09:29 Uhr