• Strom, CO2 und Gas notieren fester
  • Hermann Albers weiterhin BWE-Präsident
  • Vollmundige Versprechen ohne Taten
  • Kritik an Berliner Vorschrift für Kartenlesegeräte an Ladestationen
  • Uniper Q1: Höhere Prognose angekündigt
  • Energiebranche soll Hauptlast der neuen Klimaschutzziele tragen
  • Software-Tool errechnet Wechselwirkungen
  • Merkel ruft zu weltweitem Emissionshandelssystem auf
  • Millionenförderung für Mittelstandsprojekt
  • Supercomputer kühlt sich selbst mit Wärme
Enerige & Management > Windkraft Offshore - Erfolgsgeschichte Offshore-Windenergie mit Fortsetzung
Bild: diak / Fotolia
WINDKRAFT OFFSHORE:
Erfolgsgeschichte Offshore-Windenergie mit Fortsetzung
Während der deutsche Offshore-Windmarkt in den kommenden Jahren stagniert, nehmen die Regionen außerhalb Europas zunehmend Fahrt auf. Ein Beitrag von Gunnar Herzig*.
 
2019 war ein erneutes Rekordjahr für die globale Offshore-Windindustrie. Mit 5.194 MW neu installierter Offshore-Windkapazität wurde das bisherige Rekordjahr 2018 um gut 200 MW übertroffen. Weltweit befanden sich Ende vergangenen Jahres rund 160 Offshore-Windkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 27.213 MW in Betrieb. Dies bedeutet einen deutlichen Zuwachs von 24 % gegenüber dem Vorjahr. Treiber hinter diesem deutlichen Wachstum waren insbesondere Großbritannien mit einem letztjährigen Zubau von 1.802 MW, dicht gefolgt von China mit 1.622 MW und schließlich Deutschland mit 869 MW.

Ein Blick auf die Offshore-Windprojekte, die derzeit im Bau sind, zeigt allerdings, dass sich diese Rangfolge auf den Spitzenplätzen in den kommenden Jahren kaum wiederholen wird. Klare Nummer eins bei den Offshore-Windparks im Bau ist der Riesenmarkt China. Dort werden aktuell 13 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 3.662 MW errichtet. Mit deutlichem Abstand folgen die Niederlande, wo derzeit die beiden Borssele-Projekte mit je rund 700 MW installiert werden. Erst an dritter Stelle folgt Großbritannien mit derzeit lediglich einem Offshore-Windpark im Bau − East Anglia One mit 714 MW. Deutschland belegt durch den lange absehbaren, aber mittlerweile eingetretenen Fadenriss beim Offshore-Windausbau mit nur 220 MW lediglich Platz fünf.

In der Konsequenz orientiert sich die gesamte Offshore-Windbranche auf die attraktiven Zukunftsmärkte und engagiert sich zunehmend außerhalb der etablierten Heimatmärkte. Auch viele Regierungen haben das erkannt und unterstützen ihre heimische Offshore-Windindustrie aktiv bei den Auslandsaktivitäten, allen voran Dänemark und Großbritannien.

Nach Einschätzung des World Forum Offshore Wind zeichnen sich in nächster Zeit folgende Entwicklungen ab:
 
Taiwan
Taiwan bleibt ambitioniert und zeigt, dass die Pläne auch umgesetzt werden. Die Regierung in Taipeh hat eine Anhebung der Ausbauziele auf 15.500 MW bis 2035 angekündigt.

Mit der Wiederwahl von Präsidentin Tsai Ing-wen von der Offshore-Wind-freundlichen Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) im Januar 2020 werden weitere vier gute Jahre für die Branche erwartet. Die kürzlich vorgestellten Pläne der DPP-Regierung, das Ausbauziel für Offshore-Windenergie um weitere 10.000 MW von 5.500 MW bis 2025 auf 15.500 MW bis 2035 zu erhöhen, könnten schon bald Gestalt annehmen. Dass den Plänen der taiwanesischen Regierung auch Taten folgen, wurde im letzten Jahr deutlich. 2019 ging nicht nur der erste kommerzielle Offshore-Windpark des Landes mit 120 MW ans Netz, sondern auch die Bauarbeiten an dem gigantischen Changhua-Projekt mit einer Kapazität von 900 MW haben Ende vergangenen Jahres bereits begonnen. Taiwan hat damit eindrücklich gezeigt, wie mit einem klar strukturierten Ausbaupfad und stabilen regulatorischen Rahmenbedingungen innerhalb kurzer Zeit ein dynamischer und weltweit beachteter Offshore-Windmarkt entstehen kann.

Japan
Japan nimmt Fahrt auf. Nach Verabschiedung der gesetzlichen Rahmenbedingungen wurden elf Flächen ausgewiesen, auf denen auch schwimmende Fundamente zum Einsatz kommen. Japanische Unternehmen kooperieren bereits mit Unternehmen aus den etablierten Offshore-Windmärkten.

2019 hat Japan die grundlegende Gesetzgebung für den Ausbau der Offshore-Windkraft abgeschlossen. Die Regierung in Tokio hat dafür elf Flächen ausgewiesen, für die in den kommenden Monaten Auktionen stattfinden sollen. Mehrere japanische Energieunternehmen wie Tepco, Kyuden Mirai Energy oder Shizen haben bereits Kooperationsabkommen mit etablierten Offshore-Windbetreibern aus Europa und Nordamerika für die Entwicklung gemeinsamer Projekte vor der japanischen Küste abgeschlossen. Von besonderem Interesse in Japan ist auch das Thema Floating Offshore Wind. Angesichts der großen Wassertiefe vor Japans Küste beschäftigt sich das Land bereits seit Jahren intensiv mit dem Thema schwimmender Offshore-Windkraftwerke. Im vergangenen Jahr hat eines der größten japanischen Bauunternehmen eine Kooperation mit dem französischen Floating-Fundament-Designer Ideol zur Entwicklung schwimmender Offshore-Windprojekte geschlossen.
 
China
Ein enormes Wachstum, aber auch ein schwieriger Zugang für ausländische Akteure kennzeichnen den chinesischen Markt.

China bleibt ein besonderer Offshore-Windmarkt. Riesiges Potenzial, rasantes Wachstum, aber kaum internationale Akteure. Einzig der französische Energieriese EDF entschied sich bislang als ausländisches Unternehmen für einen Einstieg in den chinesischen Offshore-Windmarkt. 2019 unterzeichnete das Unternehmen einen Kooperationsvertrag mit dem chinesischen Staatsunternehmen China Energy Investment Corporation über den gemeinsamen Bau und Betrieb der Offshore-Windparks Dongtai IV und V mit einer Kapazität von insgesamt 500 MW. In den 2020er-Jahren wird China mit Sicherheit zum größten Offshore-Windmarkt der Welt aufsteigen. Welche Perspektiven sich dort allerdings für nichtchinesische Firmen bieten, bleibt abzuwarten.

USA
Große Ambitionen, jedoch − anders als in Taiwan − wenig Umsetzung kennzeichnet derzeit den US-amerikanischen Markt. Während sich die Bundesstaaten mit regionalen Ausbauzielen gegenseitig übertrumpfen, werden diese Ambitionen in Washington nur bedingt geteilt. Ausbauzielen von über 20.000 MW steht eine aktuell installierte Kapazität von nur 30 MW gegenüber.

2019 hätten eigentlich die Bauarbeiten für den riesigen Offshore-Windpark Vineyard Wind mit einer Leistung von 800 MW vor der Küste von Massachusetts beginnen sollen. Allerdings ordnete die zuständigen Bundesbehörde Bureau of Ocean Management (BOEM) weitere Analysen zur Umweltverträglichkeit des Projekts an, wodurch sich der Baustart und das ursprünglich für 2022 geplante Inbetriebnahmejahr verzögert. Bessere Nachrichten für die Branche gab es hingegen von der US-Westküste. Wie in Japan beschäftigen sich Marktteilnehmer auch dort intensiv mit dem Thema Floating Offshore Wind. Das BOEM hat bereits drei Flächen vor der Küste Kaliforniens ausgewiesen, für deren Entwicklung möglicherweise noch Ende dieses Jahres Auktionen stattfinden können. Im Anschluss daran werden Entwickler dann auch Einigungen über die Nutzung der Küstenflächen mit dem US-Militär als einem der wichtigsten Stakeholder Kaliforniens finden müssen. Aktuell werden weite Teile der US-Westküste von der US Navy beansprucht. Um solch komplexe Fragen frühzeitig zu diskutieren, hat sich in Kalifornien bereits eine tatkräftige Offshore-Wind-Community gebildet, die an der Westküste eine ähnliche Dynamik auslösen könnte, wie sie die Offshore-Windbranche in den vergangenen Jahren an der Ostküste erlebt hat.

Neue Märkte
Weiterhin findet sich mittlerweile weltweit eine Vielzahl von Ländern, die großes Interesse an der Entwicklung von Offshore-Windenergie zeigen. Indien, Vietnam und Südkorea haben beispielsweise bereits sehr konkrete Schritte unternommen, um Offshore-Wind als Energiequelle zu nutzen. Indien hat bereits 2018 den ersten Ausschreibungsprozess für Offshore-Windprojekte gestartet, in Vietnam sind die ersten Nearshore-Vorhaben installiert und Südkorea hat die Entwicklung kommerzieller Floating-Offshore-Windkraftwerke vorangetrieben. Darüber hinaus finden aktuell Diskussionen und Konsultationsprozesse über die regulatorischen Rahmenbedingungen in Märkten wie Australien oder Brasilien statt.

Floating
Für Floating-Offshore-Wind dürften die 2020er-Jahre den endgültigen Durchbruch bringen. Drastische Kostenreduktionen wie sie die 2010er-Jahre für konventionelle Offshore-Windenergie gebracht haben, sind in den 2020ern auch für schwimmende Offshore-Windkraft zu erwarten, sobald die Branche über den Status der Demonstrationsprojekte hinauswächst und die ersten großen Parks zur kommerziellen Nutzung errichtet. Regionen mit tiefen Gewässern wie sie in Frankreich, Japan, Norwegen oder an der US-Westküste zu finden sind, bieten enormes Potenzial für den Ausbau schwimmender Offshore-Windkraftwerke.

Zunehmend zeigen sich auch die Öl- und Gasunternehmen am Thema Floating interessiert, deren langjährige Offshore-Erfahrung im Rahmen der Öl- und Gasförderung besonders relevant ist. So ist neben Equinor als einem der führenden Akteure beim Thema Floating nun auch Shell aktiv geworden und hat im vergangenen Jahr den französischen Floating-Spezialisten Eolfi übernommen. Schwimmende Offshore-Windturbinen werden somit bereits in einigen Jahren fester Bestandteil der globalen Offshore-Windindustrie sein und ein weiteres faszinierendes Kapitel zur Erfolgsgeschichte der globalen Windenergienutzung auf See beisteuern.

*Gunnar Herzig, Geschäftsführer World Forum Offshore Wind (WFO), Hamburg und Singapur

 
Möchten Sie diese und weitere Nachrichten lesen?
 
 
Testen Sie E&M powernews
kostenlos und unverbindlich
  • Zwei Wochen kostenfreier Zugang
  • Zugang auf stündlich aktualisierte Nachrichten mit Prognose- und Marktdaten
  • + einmal täglich E&M daily
  • + zwei Ausgaben der Zeitung E&M
  • ohne automatische Verlängerung
 
Jetzt kostenlos testen
 
Login für Kunden
 

Kaufen Sie den Artikel
  • erhalten Sie sofort diesen redaktionellen Beitrag für nur € 8.93
 
JETZT ARTIKEL KAUFEN
Mehr zum Thema

 
Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?
 
Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter  vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.
 
WEITERE INFORMATIONEN
© 2021 Energie & Management GmbH
Mittwoch, 25.03.2020, 09:04 Uhr