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Enerige & Management > Regenerative - Ernüchterung in Bayerisch-Schwaben
Bild: Fotolia.com, Jürgen Fälchle
REGENERATIVE:
Ernüchterung in Bayerisch-Schwaben
Die Erdgas Schwaben GmbH reduziert unter den derzeitigen Rahmenbedingungen ihre Investitionen in erneuerbare Energien.
 
„Mit Blick auf die Energiewende ist eine große Ernüchterung eingetreten“, resümierte Klaus-Peter Dietmayer, Geschäftsführer der Erdgas Schwaben GmbH, am 26. Februar in einem Hintergrundgespräch mit Journalisten. Der Augsburger Gasversorger, der im Geschäftsjahr 2012 knapp 7 Mrd. kWh Erdgas abgesetzt und rund 315 Mio. Euro Umsatz erwirtschaftet hat, ist inzwischen auch als Stromanbieter aktiv und versteht sich als „Gestalter, Partner und Treiber der Energiewende“. Seit 2002 investiert das Unternehmen in Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien. Die Zeiten in denen jährlich bis zu 10 Mio. Euro für den Zubau von Biomethaneinspeiseanlagen, KWK-Projekte und Windkraftanlagen ausgegeben wurden, sind nun jedoch erstmal vorbei. „In diesem Jahr werden wir aufgrund der unklaren Rahmenbedingungen voraussichtlich nur etwa eine Million Euro für neue Projekte aufwenden“, kündigte Dietmayer an – eine endgültige Entscheidung über die Höhe der Investitionen sei bislang aber noch nicht getroffen worden.

Dabei habe man vor allem Windkraft-Projekte der Thüga-Gruppe im Schwarzwald im Blick. Erdgas Schwaben hat sich bereits im vergangenen Jahr über die Thüga Erneuerbare Energien GmbH an Windparks im deutschen Binnenland beteiligt. Denn mit Windkraftanlagen sind laut Dietmayer „vernünftige Renditen möglich“. Problematisch für die künftige Wirtschaftlichkeit ist seinen Angaben zufolge jedoch, dass sich die Pacht für Flächen, auf denen Windkraftanlagen stehen, inzwischen auf durchschnittlich 13 Prozent des Rohertrages erhöht habe. „Dem muss ein Riegel vorgeschoben werden. Hier ist eine Eindämmung der Kosten für die Anlagenbetreiber notwendig“, lautet seine Forderung an die Politik.

 
Klaus-Peter Dietmayer: „In diesem Jahr werden wir aufgrund der unklaren Rahmenbedingungen voraussichtlich nur etwa eine Million Euro für neue Projekte aufwenden“
Bild: Erdgas Schwaben GmbH


Vor der Windkraft hat sich Erdgas Schwaben im Geschäftsfeld der erneuerbaren Energien dem Bereich Biogas gewidmet. Inzwischen wird an den Standorten Altenstadt/Schongau, Graben, Arnschwang und Maihingen von Landwirten erzeugtes Rohgas aufgekauft, auf Erdgasqualität aufbereitet und ins Gasnetz gepresst. Neue Einspeiseprojekte stehen derzeit zwar nicht zur Debatte, doch künftig werden weitere Biomethanmengen von der AVA Abfallverwertung Augsburg GmbH zugekauft, die in der Fuggerstadt Bioabfälle vergären will. Während das Ökogas aus biogenen Abfällen als reines Biomethanprodukt an fünf Tankstellen im Stadtgebiet vertrieben wird, nutzt der Gasversorger das Ökogas aus nachwachsenden Rohstoffen für KWK-Projekte im Versorgungsgebiet. 2013 wurden unter anderem Biomethan-Blockheizkraftwerke in den Kreisstädten Kaufbeuren und Mindelheim mit jeweils rund 2 MW thermischer und 2,4 MW elektrischer Leistung in Betrieb genommen und in das virtuelle Kraftwerk der Thüga-Gruppe eingebunden, um am Regelenergiemarkt teilnehmen zu können. „Derzeit liegen jedoch fünf BHKW-Projekte mit zwei Megawatt elektrischer Gesamtleistung auf Eis, denn es gibt keine Investitionssicherheit“, sagt Dietmayer.

Weil sich immer mehr Privathaushalte und Unternehmen selbst mit Strom versorgen und so immer weniger zur Finanzierung der Stromnetze beitragen, will die Bundesregierung im Zuge der EEG-Novellierung die Eigenstromerzeugung mit der EEG-Umlage belasten. „In dieser politischen Diskussion darf man die Photovoltaik nicht mit der Kraft-Wärme-Kopplung über einen Kamm scheren“, unterstrich Dietmayer. Er plädiert für eine „steuerliche Lösung“ zur Finanzierung des Netzausbaus, wobei sich die Lastenverteilung für Haushalte und Unternehmen nach dem Einkommen beziehungsweise Umsatz richten sollte. Das KWK-Geschäft von Erdgas Schwaben wird sich vorerst auf die Vermittlung von Mini-BHKW sowie die Versorgung der Anlagenbetreiber mit Erdgas reduzieren. „Dieses Geschäft läuft gut, besonders mit Hotel-Ketten im Allgäu“, heißt es aus Augsburg. Contracting-Projekte hat der Gasversorger zuletzt vor allem für Kliniken durchgeführt.

„Fünf BHKW-Projekte liegen auf Eis“

Statt weitere Kraftwerks-Kapazitäten aufzubauen, verstärkt das Unternehmen seine Anstrengungen, Lösungen für die Integration der erneuerbaren Energien in das bestehende Versorgungssystem zu finden – auch wenn es dafür noch keine Geschäftsmodelle gibt. Eine Studie über die Potenziale von KWK-Anlagen in Bayerisch-Schwaben kam zudem Ergebnis, dass über 500 Blockheizkraftwerke in Betrieb sind, die zu einem virtuellen Kraftwerk mit etwa 200 MW elektrischer Gesamtleistung zusammengeschaltet werden könnten. „Wenn der Gesetzgeber günstige Rahmenbedingungen für Installation, Betrieb und Vernetzung der Blockheizkraftwerke schafft, kann nicht nur Schwaben den Schritt in eine atomenergiefreie Zukunft problemlos schaffen“, betonte Dietmayer mit Blick auf das angedachte Schwaben-Kraftwerk.

Unabhängig davon hat sich Erdgas Schwaben an der Power-to-Gas-Demonstrationsanlage der Thüga-Gruppe in Frankfurt am Main beteiligt, die sich noch in der Inbetriebnahmephase befindet. Überschüssiger Strom wird damit in Wasserstoff umgewandelt und in das Gasnetz eingespeist, das als langfristiger Speicher einen Anteil von drei Prozent Wasserstoff aufnehmen kann. „Wir nehmen an diesem Projekt teil, weil wir unter anderem Erfahrungen sammeln wollen, welche Auswirkung die Einspeisung von Wasserstoff in das städtische Niederdrucknetz hat. Zudem wird mit der Anlage getestet, ob die Technik den Anforderungen an die Flexibilität standhält“, erläuterte Dietmayer. Das Projekt soll 2016 abgeschlossen sein, dann lägen belastbare Informationen vor, die man als Entscheidungsgrundlage für Investitionen nutzen könne. „Den dort produzierten Wasserstoff kaufen wir übrigens komplett ab, um mit den verhältnismäßig kleinen Mengen handeln zu können“, ergänzte der Chef von Erdgas Schwaben.

Neben dem Gas- und Strommarkt hat das Unternehmen weiterhin den Wärmemarkt im Blick. Mitte Februar wurde die erste Brennstoffzellen-Heizung in Bayerisch-Schwaben in Betrieb genommen. Die wandhängende KWK-Anlage in der Allgäuer Gemeinde Ebersbach mit 1 kW elektrischer und 2 kW thermischer Leistung des Herstellers Vaillant arbeite zwar noch nicht wirtschaftlich. Doch Dietmayer versichert: „Künftig werden Brennstoffzellen-Heizungen die mit Abstand effizienteste Möglichkeit sein, den Energieträger Gas zu nutzen und dabei gleichzeitig die geringstmöglichen Emissionen verursachen.“ Erdgas Schwaben habe daher Fördergelder für insgesamt zehn Brennstoffzellen-Aggregate bereit gestellt.

 
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Mittwoch, 05.03.2014, 10:34 Uhr