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EFFIZIENZ:
EU setzt auf Fernwärme
Der Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung und der Fernwärme kann den Energieverbrauch der EU nach Ansicht der EU-Kommission bis 2050 um 30 bis 40 % reduzieren.
 

Obwohl die vom Europäischen Parlament und dem Ministerrat in der ersten Oktoberwoche verabschiedete Effizienzrichtlinie hinter dem ursprünglichen Vorschlag der Kommission zurückbleibe, eröffneten die Vorschriften neue Chancen für Fernwärme und Fernkälte, sagte Kommissionsdirektorin Eva Hoos am 9. Oktober auf einer Tagung des Branchenverbandes Euroheat & Power in Brüssel. Die EU-Mitgliedsstaaten müssten der Kommission bis Ende April 2013 mitteilen, wie sie das Ziel erreichen wollten, 3 % ihrer öffentlichen Gebäude zu modernisieren. Sie könnten auch vergleichbare Maßnahmen ergreifen, mit denen die Energieeffizienz von Gebäuden verbessert wird. Hierzu wird auch der Ausbau von Fernwärme gerechnet.

Die Mitgliedsstaaten müssten außerdem langfristige Pläne zur energetischen Modernisierung ihres Gebäudeparks entwickeln, in denen Fernwärme eine wichtige Rolle spielen könne. Nach der Effizienzrichtline müssen die Energieversorgungsunternehmen der EU-Mitgliedsstaaten ihren Absatz um 1,5 % im Jahr reduzieren. Sie haben jedoch die Möglichkeit, ein Viertel dieser Verpflichtung durch gleichwertige Einsparmaßnahmen zu ersetzen. Auch dafür werde die Kommission den Neu- und Ausbau der Fernwärmeversorgung akzeptieren, sagte Hoosweiter.

Die Richtlinie schreibe zudem vor, dass jedes Mitgliedsland bis Ende 2015 eine umfassende Bewertung vornehmen müsse, welche Einsparpotenziale durch Fernwärme- und Fernkälteprojekte mobilisiert werden können. Die für die Erstellung des Berichts verwendeten Methoden, Daten und Modelle müssten allerdings den von der EU vorgegebenen Regeln entsprechen. Kosten und Nutzen, einschließlich realistischer Emissionshandelspreise, müssten dabei ebenso berücksichtigt werden wie die Möglichkeit, neue Anlagen zur Erzeugung von Wärme - bevorzugt in Kraft-Wärme-Kopplung - zu errichten.

Für bestehende Fernwärmesysteme müsse untersucht werden, ob ihre Effizienz durch eine Modernisierung verbessert werden könne. Neue Chancen für Fernwärme könnten auch Energieaudits in großen Unternehmen und der flächendeckende Einsatz von „intelligenten" Strom- und Wärmezählern eröffnen. Beides ist nach der Richtlinie in der Zukunft vorgeschrieben.

Eine enge Verzahnung von Fernwärme- und Stromnetzen verlangte Ralf-Roman Schmidt vom AIT Austrian Institute of Technology. Dies könne durch den verstärkten Ausbau von KWK-Anlagen erfolgen. Außerdem könnten Wärmepumpen die Flexibilität der Versorgung beträchtlich erhöhen und einen Beitrag zur Integration der erneuerbaren Energien leisten, indem sie überschüssigen Strom in Wärme umwandeln. Diese Wärme könne in zentralen Speichern gepuffert und zur Beheizung von Gebäuden benutzt werden.

Der Ausbau von Fernwärmenetzen stoße jedoch insbesondere in Städten auf zahlreiche Hindernisse. In der Stadtplanung hätten in der Regel andere Projekte Vorrang. Fernwärme-, Gas- und Stromnetze müssten außerdem besser mit den vorhandenen Datennetzen verknüpft werden.

Der zunehmende Einsatz erneuerbarer Energie stellt nach Schmidts Worten eine zusätzliche Herausforderung für den Einsatz von Fernwärme und KWK dar. Der stark schwankendes Aufkommen von Wind- und Solarstrom verlange neue Geschäftsmodelle, für die es keine Erfahrungswerte, insbesondere im Hinblick auf die Tarifgestaltung, gebe.

Ein zusätzliches Problem für den Ausbau der KWK stellt die Forderung der EU dar, dass neue Gebäude ab 2021 praktisch keine Energie mehr verbrauchen dürfen. Das „Null-Energie-Haus" sei zwar ein ökologisch und ökonomisch sinnvolles Konzept, sagte Thomas Boermanns von der Beratungsfirma Ecofys auf der Tagung. Potenzielle Energieeinsparungen müssten jedoch in einem vertretbaren Verhältnis zum Investitionsaufwand stehen. Insofern sei das „Null-Energie-Haus" ein Gebäude „mit sehr hoher Energieeffizienz". In vielen Fällen werde es nicht vollkommen ohne Wärmezufuhr oder Kühlung auskommen. Allerdings werde die Nachfrage nach Energie für Wohnungen und Bürogebäude langfristig erheblich zurückgehen.

Ecofys hat für drei verschiedene Modernisierungsszenarien einen Rückgang des Energiebedarfs für Heizungszwecke in den 27 EU-Mitgliedsstaaten von derzeit 3 000 TWh/a auf 2 000 TWh, 1 200 TWh oder 600 TWh im Jahr 2050 ermittelt.


 
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Donnerstag, 11.10.2012, 12:25 Uhr