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GASMARKT:
Freie Gasversorgerwahl in Italien
Seit dem 1. Januar 2003 können auch Kleinbetriebe und Privatverbraucher die Liberalisierung am italienischen Gasmarkt nutzen. Vorläufig ausgenommen bleibt lediglich die Bevölkerung von Sizilien, wo eine bis zum Jahre 2010 datierte Übergangsregelung beschlossen wurde.
 

Ob und wieweit die Italiener mit der ungewohnten Wahlfreiheit zurechtkommen, wagt noch niemand zu sagen. Was bereits seit einem Jahr den gewerblichen Abnehmern erlaubt ist, kann jedenfalls jetzt auch der normale Bürger in 5300 Gemeinden der Apenninhalbinsel für sich in Anspruch nehmen. Mit einer Kündigungsfrist von 30 Tagen hat er die Möglichkeit , nach Belieben und so oft er will zu einem neuen Versorger zu wechseln, ohne dabei Maßnahmen an Gaszähler oder Zuleitung beantragen zu müssen. Die einzige Änderung besteht darin, dass Versorger ohne eigene Leitungskapazitäten das Netznutungsentgelt in der Abrechung getrennt aufführen müssen.

Doch wer bietet die tatsächlich günstigsten Konditionen? Mehr als 700 Anbieter tummeln sich zwischen Bozen und Palermo. Aber nur knapp die Hälfte unter ihnen verfügt über eine Zulassung für Privatlieferungen und mehr als 250 haben wegen unvollständiger Angaben beim Ablaufen der Antragsfrist eine nur bis Juni geltende Betriebserlaubnis. Bis dahin müssen sie die gesetzlich geforderte unternehmerische Trennung von Gasverkauf und -transport nachweisen. Zu den etablierten Unternehmen gehören neben Italgas, Edison, Energia, Enelgas und den größeren Stadtwerksbetrieben (Mailand, Rom, Brescia, Genua) auch Firmenkonsortien wie Blugas, Purigas, Hera, Vesta sowie ausländische Unternehmen wie Gaz de France, Electrabel, BP sowie World Energy , EGL und Electra.

Damit der unvorbereitete oder unentschlossene Durchschnittsitaliener nicht übervorteilt wird, hat die Regulierungsbehörde für Energie nach Vertragsarten differenzierte Höchstpreisgrenzen festgelegt. Als zusätzliche Sicherheit wurden Preisempfehlungen und Vertragsgestaltung von 267 anerkannten Versorgern als Richtvorgaben genehmigt. Beschwerden können im Streitfall an die Autorità dell’ Energia in Mailand gerichtet werden.

Etwa 17 Millionen italienische Privathaushalte verbrauchten bislang pro Jahr 71 Mio. m3 Erdgas im Wert von rund 15 Mrd. Euro. Der Privatverbrauch macht etwa ein Drittel des Gesamtverbrauchs aus. Am Verbrauch gemessen rangiert Italien europaweit auf Platz drei. Mit einem Durchschnittspreis von 37,87 Cent pro Kubikmter liegt das Mittelmeerland bislang deutlich über dem EU-Mittel (32,14 Cent). Noch größer ist der Abstand zu Billigländern wie Großbritannien (25,24 Cent) und den Niederlanden (26,76 Cent). Höhere Preise als in Italen werden in Spanien (39,82 Cent) und Portugal (50,21 Cent) verlangt.

Landesweit am stärksten zur Kasse gebeten werden die Einwohner von Neapel , Rom und Palermo, die zwischen 22 und 29 Prozent mehr als in den an der unteren Preisskala rangierenden Kleinstädten Udine  und Foggia zu zahlen haben. Das geht aus einer Untersuchung der Verbrauchervereinigung Federconsumatori hervor, die für den Betrachtungszeitraum 1998 bis 2001 in 22 italienischen Städten durchgeführt worden war. Inwieweit sich künftig die Preise nach unten verschieben und regionale Unterschiede ausgeglichen werden, ist vorerst kaum absehbar.

Das gilt insbesondere hinsichtlich der Unsicherheiten über Marketingstrategien unabhängiger Gasversorger und großer Auslandskonzerne, die möglicherweise das Preistabu als erste brechen könnten. Expertenmeinungen zufolge wird mit Sicherheit eine Vielzahl von Anbietern schon bald vom Markt verschwinden. Das weiß auch Fabio Santini von der Dachvereinigung Federgasacqua: „Firmenzusammenschlüsse, Konsortien und Fusionen werden unumgänglich sein“, meint er  Zudem verfügten nur wenige Versorger über eigene Lieferverträge aus den Herkunftsregionen. Einige Anbieter, so heißt es, werden sich vom Verkauf zurückziehen und sich auf das Leitungsgeschäft beschränken. Prof. Andrea Gilardini von der Mailänder Wirtschaftsuniversität Bocconi ist überzeugt: „Zu einer aggressiven Absatzpolitik wird sich in den kommenden Monaten kaum jemand hinreißen lassen.“


 
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Montag, 13.01.2003, 11:06 Uhr