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Enerige & Management > Beteiligung - Gazprom und Wintershall tauschen doch
Bild: Wintershall
BETEILIGUNG:
Gazprom und Wintershall tauschen doch
Der russische Gaskonzern Gazprom verstärkt seine Vertriebsaktivitäten in Europa und die Zusammenarbeit mit den europäischen Gasförderunternehmen Wintershall und OMV.
 
Was lange währt, wird endlich gut: Gazprom und BASF/Wintershall wollen den schon 2014 vorbereiteten, dann aber wegen der politischen Spannungen zwischen dem Westen und Russland wegen des Ukraine-Krieges Ende des Jahres ausgesetzten Tausch von Unternehmensaktivitäten nun doch durchziehen. Die BASF-Tochter Wintershall wird demnach ihre Gashandels-, Vertriebs- und Speicheraktivitäten einschließlich der Beteiligungen an den Unternehmen Wingas und Astora vollständig an Gazprom abgeben und dafür im Gegenzug ihre Gasförderaktivitäten in Sibirien spürbar erweitern.

BASF und Gazprom seien übereingekommen, den im Dezember 2013 vereinbarten „Tausch von wertgleichen Vermögensgegenständen“ nun doch zu vollziehen, teilten die beiden Unternehmen am 4. September nach einem Treffen von Gazprom-Chef Alexej Miller und dem BASF-Vorstandsvorsitzenden Kurt Bock am Rande eines Wirtschaftsforums im russischen Wladiwostok mit.

Der Tausch soll spätestens bis zum Jahresende 2015 mit wirtschaftlicher Rückwirkung zum 1. April 2013 abgewickelt werden. Die beiden Partner gehen davon aus, dass die bereits Anfang Dezember 2013 ausgesprochene Genehmigung der Transaktion durch die Europäische Kommission weiter gilt.

An Wintershall geht damit der wirtschaftliche Gegenwert, also die Fördererträge von 25 Prozent plus von zwei Anteilen an den Blöcken der Achimov-Formation des Urengoi-Erdgas- und Kondensatfelds in Westsibirien. Die beiden Vorkommen sollen gemeinsam von Gazprom und Wintershall erschlossen werden. Sie verfügen nach Angaben der russischen Bergbehörde über 274 Mrd. m3 Erdgas und 74 Mio. t Kondensat, was einer Gesamtmenge an Energie von 2,4 Mrd. Barrel Öläquivalent (boe) entspricht. Wenn die Produktion voll angelaufen ist, sollen mindestens 8 Mrd. m3 Gas pro Jahr gefördert werden. Der Produktionsstart ist für 2018 vorgesehen.

„Wir freuen uns, die gemeinsame Förderung von Erdgas und Kondensat mit unserem Partner Gazprom in Westsibirien weiter auszubauen“, erklärte Bock. Wintershall werde sich auf Wachstum an den Rohstoffquellen konzentrieren, so ein Unternehmenssprecher. Der Anteilstausch sei ein Baustein der Strategie Downstream gegen Upstream.

Gazprom stärkt europäischen Vertriebsarm

Gazprom kann im Gegenzug die zweitgrößte deutsche Gasimport- und Vertriebsgesellschaft Wingas, die Handelsgesellschaften WIEE und WIEH sowie den Gasspeicherbetreiber Astora vollständig übernehmen. Wingas, WIEE, WIEH und Astora waren bislang Joint Ventures von Wintershall und Gazprom unter Führung des deutschen Partners. Astora betreibt den größten Erdgasspeicher Westeuropas in Rehden sowie weitere Anlagen in Jemgum in Niedersachsen sowie im österreichischen Haidach.

Gazprom wird zudem mit 50 Prozent an der Wintershall Noordzee B.V. beteiligt, die in der südlichen Nordsee vor den Niederlanden, Großbritannien und Dänemark Gas und Öl fördert.

Nach Angaben von BASF trugen die Aktivitäten, die Wintershall in den Tausch einbringt, 2014 rund 12,2 Mrd. Euro zum Umsatz und etwa 260 Mio. Euro zum Ergebnis der Betriebstätigkeit vor Abschreibungen (Ebitda), im ersten Halbjahr 2015 sogar schon 7,2 Mrd. Euro zum Umsatz und rund 240 Mio. Euro zum Ebitda des Gesamtkonzerns bei.

Als gemeinsame Aktivität von Gazprom und Wintershall weitergeführt werden soll das Gastransportgeschäft mit dem Ferngasgasnetzbetreiber Gascade.

Gazprom-Chef Miller bezeichnete den Anteilstausch als „weiteren Meilenstein“ der 25-jährigen erfolgreichen Zusammenarbeit der beiden Unternehmen. Auch eine BASF-Sprecherin betonte das partnerschaftliche Verhältnis, das noch ausgebaut werden solle. Wintershall bedauerte, dass sich „die politische Situation zwischen der EU und Russland in den vergangenen Monaten kaum verändert“ habe. Die Entscheidung, den Anteilstausch ein Jahr später als geplant zu vollziehen, sei verbunden mit der Annahme, dass sie „als Zeichen des gegenseitigen Vertrauens und der Kooperation eine Signalwirkung entfalten kann“, so ein Sprecher des Unternehmens.

Auch der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV plant einen Asset-Tausch mit Gazprom. OMV-Chef Rainer Seele sprach in Wladiwiostok mit Miller über eine mögliche OMV-Beteiligung (24,98 Prozent) an dem Gasförderprojekt in Sibirien, an dem auch Wintershall Anteile erhalten soll. Gazprom soll dafür an OMV-Assets beteiligt werden. Ob es dabei um Anteile an Gas- und Ölförderprojekten oder an Downstreamaktivitäten (Raffinerien, Tankstellen) der OMV gehen soll, darüber ist nach Angaben des Unternehmens noch nicht entschieden. Eine Beteiligung von Gazprom an OMV selbst könne jedoch ausgeschlossen werden, so ein OMV-Sprecher.

 
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Freitag, 04.09.2015, 15:00 Uhr