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Enerige & Management > Gas - Globale Gasschwemme
Bild: Eon Ruhrgas
GAS:
Globale Gasschwemme
Angesichts sinkender Nachfrage und einem hohen Angebot dürften in den kommenden fünf Jahren die Preise auf den weltweiten Gasmärkten purzeln.
 
Noel Tomnay, Leiter der Marktforschung für Global Gas & LNG bei Wood Mackenzie, ließ Ende Oktober auf der weltweiten Gasmesse Gastech 2015 in Singapur keinen Zweifel daran, dass die renommierten schottischen Branchenanalysten und Berater fest mit dieser Entwicklung rechnen. Mit den 130 Mio. t LNG im Jahr, die Tomnay während der nächsten fünf Jahre auf den Weltmarkt drängen sieht, dürften die Gaspreise stark unter Druck kommen. Am Spotmarkt kommt es damit zum Test neuer Tief- oder Basispreise. Die niedrigeren Preise erschließen jedoch neue Einsatzgebiete und sorgen damit wieder für mehr Nachfrage. Das wiederum lässt die Überschüsse verschwinden und treibt die Preise nach oben. Laut Tomnay kam es zwischen 2008 und 2010 schon einmal zu einer ähnlichen Entwicklung. Damals hatte Qatar neue LNG-Kapazitäten in Betrieb genommen und der Weltmarkt musste plötzlich 50 Mio. t LNG im Jahr zusätzlich absorbieren. Das trieb die Preise so in den Keller, dass LNG im Sommer 2009 am Spotmarkt in Europa weniger als 4 US-Dollar pro Million British Thermal Unit (mbtu) kostete. Weil es noch keinen Markt für LNG in Asien gab, reichte aber selbst dieser Preis noch aus, LNG-Exporte nach Europa anzulocken - sogar noch aus Australien. Erst 2010 hatte der Markt die neuen LNG-Mengen absorbiert, so dass die Preise wieder anzogen.
 
Eine ganz ähnliche Lage sieht Wood Mackenzie heute mit den viel größeren Mengen an LNG, die auf den Weltmarkt drängen - nur dass diesmal die Krise durch Überfluss länger, nämlich eher fünf als zwei Jahre dauern dürfte. Asien dürfte anders als bisher besonders niedrige LNG-Preise zahlen und dies, damit rechnet Tomnay, vor allem von 2017 bis 2019. Für Europa erwartet er die Phase besonders niedriger Gaspreise erst 2020. Die Frage bleibe aber offen, wie tief die LNG-Preise wirklich fallen. Denn je niedriger der Preis, desto mehr neue wirtschaftliche Anwendungsfelder öffnen sich. Wann mit LNG fahrende Schiffe ihre Wirtschaftlichkeit erreichen, hänge zudem von anderen Faktoren ab als nur dem Preis konkurrierender Treibstoffe und Antriebe. Dabei spiele der Kampf gegen die Luftverschmutzung eine wachsende Rolle. Wie schnell die verschiedenen Länder und Regionen aber wirklich neue Umweltschutz-Regeln einführen und vor allem deren Einhaltung kontrollieren, sei noch ebenso offen wie die Frage, wie viel Kohle das LNG in der Stromerzeugung kurz- und mittelfristig ersetzen kann. Ob, wie schnell in welchem Umfang China tatsächlich den Wandel von Kohle zu Gas in den Kraftwerken vollzieht, sei noch keineswegs entschieden. Aber zu Preisen für Kraftwerkskohle von nur 50 US-Dollar/t wie derzeit sei selbst LNG aus den USA nicht wettbewerbsfähig. Mit Preisen von 70 oder 80 US-Dollar/t könnte US-LNG dagegen konkurrieren.
 
Aber es komme auch darauf an, was andere große Gaslieferanten tun: In Europa habe Russland zwischen 2008 und 2010 rund 20 Mrd. m3 Gas – umgerechnet etwa 15 Mio. t LNG im Jahr - vom Markt genommen und damit vorerst das Ende der niedrigen Spotmarkt-Preise eingeläutet. Ob Gazprom heute ähnliches versuchen und erreichen könnte, bleibe aus zwei Gründen aber ungewiss. Erstens gibt es dank LNG global ungleich mehr Konkurrenz und zweitens haben die heute insgesamt niedrigen Öl- und Gaspreise Russland wegen der gleichzeitig noch bestehenden Sanktionen schwerer getroffen.

 
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Montag, 02.11.2015, 10:24 Uhr