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Enerige & Management > Windkraft Offshore - Heiß umkämpfte Königsklasse
Bild: ptoscano, Fotolia
WINDKRAFT OFFSHORE:
Heiß umkämpfte Königsklasse
Die Direktvermarktung von Strom aus Offshore-Windparks liegt im Gegensatz zu Onshore-Projekten in der Hand von weitaus weniger Unternehmen, wie eine E&M-Übersicht erstmals zeigt.
 
Im Februar umfasste die gesamte Windkraftleistung in der Direktvermarktung via Marktprämie über 52 600 MW. Davon entfiel auf die Windkraft auf See immerhin ein Anteil von mehr als 10 Prozent, genau 5 377,21 MW. Ein führwahr lohnenswerter Teilmarkt.

Wer in diesem Marksegment aktiv ist, war bislang nur in Ansätzen bekannt. Deshalb veröffentlicht E&M zum ersten Mal eine weitgehend komplette Übersicht, welche Direktvermarkter die 26 bereits laufenden und zum Teil noch nicht fertig gestellten Offshore-Windparks in der deutschen Nord- und Ostsee unter Vertrag haben.

Was auffällt: Die Zahl der Unternehmen, die sich um die Vermarktung des auf See erzeugten Ökostroms kümmern, ist mit weniger als einem Dutzend übersichtlich. Ganz im Gegensatz zu den Onshore-Aktivitäten. Die mittlerweile fast traditionelle E&M-Übersicht zur Situation und Perspektiven der Direktvermarktung wies zuletzt knapp 50 Playern aus. Was noch ausfällt: Statkraft Markets, hierzulande der Direktvermarkter mit dem weitaus größten Portfolio, vermarktet derzeit keine Strommengen aus einem Hochseewindpark. Die Betreiber vom Nordsee-Projekt Bard Offshore 1, das die Deutschland-Dependance des norwegischen Stromkonzerns in den vergangenen beiden Jahren unter Vertrag hatte, wechselte zu Jahresbeginn zu den Stadtwerken München. Bei diesem Null-Portfolio auf See soll es nicht lange bleiben, verspricht der für das Direktvermarktungsgeschäft zuständige Vertriebsleiter Ulrich Haberland: „Wir arbeiten dran.“

Dass das Vermarktungsgeschäft von den Offshore-Windparks sozusagen die Königsklasse in diesem Geschäftsfeld geht, ist leicht zu erklären: „Diese Kraftwerke bringen es in der Regel auf eine Erzeugung von eine Milliarde Kilowattstunden und mehr, weshalb das damit verbundene Risiko auch wesentlich größer ist. Genau wie im Onshore-Sektor, nehmen wir auch auf See nur kommerziell erfolgsversprechende Parks unter Vertrag“, so Haberland.

So sieht das auch Christine Lauber, die bei Vattenfall Energy Trading für die Abteilung Sales & Origination verantwortlich ist: „Die Betreuung eines Offshore-Windparks ist angesichts der vielen Daten wesentlich komplexer als ein Windpark an Land.“ Was mit der Inbetriebnahme der Windturbinen eines Offshore-Windparks beginne, mit den mehrmaligen Prognoseabweichungen am Tag für die erwartete Einspeisung weitergehe und bis zur 24/7-Rundumbetreuung reiche.

„Starker, finanzkräftiger Partner gewünscht“

Auch die Vermarktungsverträge selbst, sagt Lauber, sind eine Herausforderung: „Die Anforderungen an Haftung und Sicherheiten sind wesentlich umfangreicher und strikter im Vergleich zu Windparks an Land, da den Verträgen für die Finanzierungsabsicherung zum Teil auch ausländische Banken zustimmen müssen.“ Was für die Investoren der Offshore-Windparks bei der Direktvermarktung vor allem zählt, bringt Lauber so auf den Punkt: „Deren Gesellschafter und Banken sehen am liebsten einen starken, finanzkräftigen Partner bei der Direktvermarktung an ihrer Seite.“

Nach der E&M-Übersicht zählt Vattenfall zu den größeren Akteuren von Offshore-Windparks hierzulande. Neben der anteiligen Vermarktung der Nordsee-Projekte DanTysk und Sandbank, die Vattenfall zusammen mit den Stadtwerken München betreibt, konnte das Team um Christine Lauber auch die Hochseewindparks Veja Mate und Deutsche Bucht unter Vertrag nehmen. Insgesamt kommen so rund 950 MW zusammen.

Dabei soll es nicht bleiben. Was nach Worten Laubers kein Selbstläufer ist: „Die Preise für die Dienstleistungsentgelte auf See sind genau so umkämpft wie bei den Windparks an Land.“ Was bei den Verhandlungen mit potentiellen Kunden zähle, sei vor allem die Expertise bei der Direktvermarktung von Offshore-Windparks. Bei solchen Gesprächen sei Vattenfall deshalb froh, auch auf Expertise bei der Vermarktung von Offshore-Windparks in Großbritannien und Dänemark verweisen zu können.

Enge Abstimmung minimiert finanzielles Risiko

Für Friederike Hohn zählt ein solcher „Erfahrungs-Schatz“ mit zu den Gründen, warum die Zahl der Direktvermarkter deutscher Offshore-Windparks überschaubar ist. „Die Investoren arbeiten am liebsten mit Vermarktern zusammen, die gezeigt haben, dass sie das Geschäft beherrschen“, weiß die Direktvermarktungsexpertin bei EWE Trading. Der Oldenburger Energieversorger, dessen Handelsabteilung in Bremen ihr Domizil hat, vermarktet aktuell die Strommengen der Projekt Meerwind, Nordergründe und Borkum Riffgat sowie demnächst vom Projekt Merkur, das wohl Ende dieses Jahres am Netz sein wird.

Nach Hohns Erfahrungen gehöre eine „wirklich enge Abstimmung“ zwischen dem eigenen Trading Floor und den Leitständen der Offshore-Windparks zum „absoluten Muss“ bei der Direktvermarktung: „Nur so lässt sich schnell beispielsweise bei Abschaltungen oder Ausfällen reagieren, was einfach hilft, das finanzielle Risiko zu minimieren.“

Für EWE-Frau Hohn gibt es noch einen weiteren Unterschied bei der Vermarktung zwischen On- und Offshore-Windparks: „Während die Verträge für die Windturbinen an Land meist immer im Herbst neu verhandelt werden, gibt es dieses begrenzte Zeitfenster nicht bei den Offshore-Projekten.“ Verhandlungen zu den Seekraftwerken liefen während des gesamten Jahres, hätten ein größeren zeitlichen Vorlauf und seien in der Regel „auf der Vielzahl an Stakeholdern deutlich aufwändiger.“ Was sich mit den Einschätzungen auf Seiten von Vattenfall und Statkraft Markets deckt.

Was keinen verwundern sollte, schließlich geht es auch um Geschäfte in der Königsklasse.

 
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Montag, 05.03.2018, 14:17 Uhr