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HusumWind 2003 verstärkt Exportbemühungen
Durch die HusumWind wird die „Graue Stadt am Meer“ nicht bunter, aber weltweit immer bekannter. Die internationale Ausrichtung der Messe soll den Siegeszug der Windkraft-Industrie fortsetzen, zumal der Windkraft-Ausbau in Deutschland zurückgeht, Offshore-Projekte frühestens ab 2005 gebaut werden und die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geregelte Windkraft-Förderung nachjustiert wird.
 
„Es gibt überhaupt keinen Grund ein derart erfolgreiches Instrument zu beschädigen“, erklärte Bundesumweltminister Jürgen Trittin bei der Eröffnung der HusumWind 2003. „Und das wird im Rahmen der Novellierung auch nicht passieren“, beruhigte er das anwesende Fachpublikum mit Blick auf die EEG-Debatte. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement hatte der Windkraft-Branche „Subventionsmentalität“ vorgeworfen.

Auf der weltgrößten Windenergie-Messe hofften Aussteller und Besucher auf ein Ende der kontrovers geführten Debatte um die Novellierung des EEG. Die Diskussion führe zu Verunsicherung, „lähmt die Windindustrie und hält uns von weiteren Investitionen ab“, kritisierte der Geschäftsführer der Vestas Deutschland GmbH, Hans Jörn Rieks, am Vorabend der Messeeröffnung. „Was wir brauchen ist schnellstens eine Planungssicherheit für die kommenden Jahre“, so Rieks. Für Vestas, die in Husum, Lauchhammer und Magdeburg insgesamt 1 100 Mitarbeiter beschäftigen, geht es darum ob weitere Arbeitskräfte eingestellt werden können. Der Getriebehersteller Flender GmbH aus Bocholt ist bei der aktuellen Ungewissheit über die künftige Einspeisevergütung ebenfalls zurückhaltend. „Bevor wir nicht wissen, wie es mit dem EEG weitergeht, investieren wir nicht in einen neuen, millionenschweren Prüfstand für die Offshore-Anlagen“, so Wilfried Walzer, Vorsitzender der Flender-Geschäftsführung.

Die Debatte zwischen Clement und Trittin trifft die Windbranche zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass die erfolgsverwöhnte Branche in diesem Jahr Einbußen bei Aufträgen aus Deutschland hinnehmen muss. Wurden im vergangenen Jahr noch Windkraftanlagen mit rund 3 250 MW ans Netz genommen, so wird für dieses Jahr mit dem Neubau von etwa 2 750 MW gerechnet.
Dafür gibt es mehrere Ursachen: Die Zahl der windstarken Standorte nimmt seit geraumer Zeit ab, was sich negativ auf die Wirtschaftlichkeit geplanter Windparks auswirkt. Deshalb haben sich verschiedene Bankhäuser zu strengeren Auflagen bei den Krediten für die Windmüller entschlossen.
Aber nicht nur an das Geld der Kreditinstitute kommt die Windbranche zurzeit schwerer dran, sondern auch an privates Kapital. Das dritte windschwache Jahr hat das Geschäft mit den vor nicht allzu langer Zeit beliebten Windfonds erschwert. Zusätzlich machen seit zwei Jahren gültige, verschärfte Umweltauflagen den Alltag für Planungsbüros und Hersteller schwieriger.

Dabei beschränkt sich der Industriezweig Windkraft - mit voraussichtlich 3,5 Mrd. Euro Umsatz in diesem Jahr - längst nicht mehr auf den Anlagenbau. Unter den insgesamt rund 460 Ausstellern sind neben Firmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, Betreibergesellschaften, Beratungsfirmen, Versicherungen auch zahlreiche Zulieferbetriebe, wie zum Beispiel Hersteller von Schmiermitteln oder Schraubverbindungen. Insgesamt sagten etwa 200 Aussteller mehr zu als bei der HusumWind vor zwei Jahren.
„Die Zulieferer generieren den größten Teil der Wertschöpfung. Ein Arbeitsplatz bei den Herstellern zieht drei Arbeitsplätze bei den Zulieferern und weitere drei Jobs bei anderen in der Windbranche tätigen Unternehmen wie Planer oder Bauunternehmen nach sich“, betonte Thorsten Herdan, Geschäftsführer beim Fachverband Power Systems im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Derzeit arbeiten in Deutschland etwa 35 000 Menschen im Bereich der Windenergie.

Dass etwa 150 Austeller aus dem Ausland anreisten und Unternehmen aus insgesamt 22 Ländern vertreten waren zeigt die internationale Ausrichtung der rasant gewachsenen Leistungsschau. „Die Messe ist ein Spiegelbild des weltweiten Booms der Windkraft. Die hohen Ausstellerzahlen und das Interesse der Politik sind ein Indiz für das anhaltende dynamische Wachstum der Windenergie“, sagte Dr. Peter Ahmels, Präsident des Bundesverbandes WindEnergie (BWE), Osnabrück. Der Schwerpunkt der diesjährigen Messe lag noch deutlicher als in den Vorjahren auf den Exportbemühungen der Branche. „Deutsche Zulieferbetriebe werden zu Systemlieferanten mit eigenständigem Know-how und besten Chancen auf den Exportmärkten“, so Stefan Tenbruck, Vorstandsmitglied der Winergy AG. Nach Einschätzung des VDMA wird der Exportanteil der deutschen Windindustrie in den nächsten drei Jahren von rund 20 % auf 60 bis 70 % ansteigen. Hersteller wie die Lübecker DeWind AG liefern bereits heute die Hälfte ihrer Windkraftanlagen ins Ausland.
Für die Erhaltung der inländischen Wertschöpfung brauche die gesamte Branche aber auch in den kommenden Jahren einen starken deutschen Markt, betont Herdan. Außerdem werden wachsende Absatzzahlen gebraucht, um die Produktionseffektivität zu steigern. Durch den erreichten Zubau konnten die spezifischen Investitionskosten der Windkraftanlagen seit 1990 um mehr als 55 % reduziert werden.

Die Fortschritte der Windkraft-Technik konnte man in Husum sehen. So stellte die Hamburger REpower Systems AG die mit 5 MW Nennleistung derzeit größte Windkraftanlage der Welt vor. Die REpower M5 mit 183 m Höhe und 126 m Rotordurchmesser sei vorrangig für den Offshore-Einsatz ausgelegt. Ein Prototyp soll auf der Kieler HDW Werft gefertigt und im Frühjahr 2004 in Brunsbüttel zu Testzwecken aufgestellt werden, gab das Unternehmen bekannt.
Der dänische Hersteller Vestas Wind Systems A/S, Ringkobing, präsentierte mit der V90-2,0 MW eine Windkraftanlage, die besonders an Standorten mit schwachem Wind rund 25 % mehr Energie liefern soll als das Vorgängermodell V80-2,0 MW. Für besondere Aufmerksamkeit sorgte jedoch das neue V90-Modell mit 3,0 MW Nennleistung: Deren 44 m lange Rotorblätter sind nach Herstellerangaben leichter als die 39 m langen Flügel der V80-Anlage. Damit sei die Windkraftanlage sowohl für den Einsatz an Land als auch Offshore optimal geeignet, hieß es am Vestas-Stand.
Neben deutschen und dänischen Windkraftanlagen-Herstellern hat auch der spanische Gamesa-Konzern, Pamplona, seine neuen 2 MW-Turbinen dem neugierigen Messepublikum vorgestellt. Die G83 mit längeren Rotorblättern als die bisherige G80-Turbine soll noch im ersten Halbjahr 2004 auf den Markt kommen. Mit völlig neu entwickelten Flügeln wird die G87 ausgestattet, die frühestens im Frühjahr 2004 in Serie produziert werden soll, so Gamesa. Der drittgrößte Anlagenproduzent der Welt bereitet derzeit eine gezielte Deutschland-Offensive vor. „Wir wollen in fünf Jahren einen Marktanteil von mindestens zehn Prozent erreicht haben“, kündigte der Vorstandsvorsitzende von Gamesa, Inaki Lopez Gandasegui, an. Kenner erwarten einen Preiskampf, besonders in der hierzulande stark nachgefragten 2 MW-Klasse.

Offenbar sind die Windkraftanlagen-Hersteller aber nicht mehr allein auf die Entwicklung höherer und leistungsstärkerer Windkraftanlagen fixiert. Vielmehr rückt die Qualitätsverbesserung ihres Angebots in den Vordergrund. „Die Ruhe nach dem Sturm brachte einige Fehlentwicklungen zum Vorschein, die dem guten Ruf der Spitzentechnologie Windkraft nicht gerecht werden“, erklärte Andreas Hahn, Geschäftsführer der Ostwind-Betriebsgesellschaft, Bockelwitz.
Deshalb bieten heute fast alle Hersteller langfristige Vollwartungsverträge an oder arbeiten an deren Entwicklung. Erik Laursen, Geschäftsführer der NEG Micon Deutschland, geht davon aus, dass künftig zwei von drei seiner neuen Maschinen mit einem Schutzbrief verkauft werden.
Das von REpower präsentierte Fullservice-Wartungspaket ISPplus beinhaltet beispielsweise sämtliche Wartungs- und Reparaturarbeiten über einen Zeitraum von zwölf Jahren und garantiert den Betreibern eine Verfügbarkeit von 97 % in den ersten fünf Jahren und 96 % in der Folgezeit.
Die kontinuierliche Fernüberwachung von Anlagen mit Condition Monitoring Systemen (CMS) gewinnt zunehmend an Bedeutung. Bislang bieten die Hersteller AN Windenergie GmbH, DeWind GmbH, NEG Micon, Nordex AG und Pfleiderer Wind Energy Fernüberwachungssysteme an. Das CMS soll Unwuchten, Rotorverbiegungen, schadhafte Kupplungen, nachgebende Fundamente, sowie lose mechanische Bauteile oder defekte Wälzlager und Zahnräder erkennen. Dadurch können auftretende Probleme frühzeitig entdeckt und entsprechende Instandhaltungsmaßnahmen vorbereitet werden. Ungeplante Stillstände und Totalausfälle der Anlagen sollen so vermieden werden. Immerhin bezahlten die deutschen Versicherer in 2002 rund 40 Mio. Euro für Schäden an Windkraftanlagen, so der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Neben politischen Rahmenbedingungen und technischen Neuerungen stand die Entwicklung von Offshore-Windparks im Focus der Husumer Messe. „Ich halte es für realistisch, dass 2006 die erste Offshore-Anlage ans Netz geht“, so Christian Dahlke vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). Laut Dahlke haben die Projekte Butendiek und Borkum West die Nase vorn. Für beide Offshore-Vorhaben sind die Genehmigungen erteilt worden, gegen beide wurden allerdings auch Klagen eingereicht.
Seit der HusumWind ist jedoch absehbar, dass Butendiek eines der ersten deutschen Offshore-Pilotprojekte werden wird. Seine Initiatoren haben in Husum mit der Vestas Deutschland GmbH eine Absichtserklärung, über die Lieferung von 80 Windkraftanlagen vom Typ V90-3,0 MW, unterzeichnet. Zudem verbessert der vom Bundesumweltministerium vorgelegte EEG-Entwurf die Förderbedingungen für Windkraftanlagen auf dem Meer. „Von diesen Rahmenbedingungen verspreche ich mir einen deutlichen Investitionsschub in der Offshore-Entwicklung vor den deutschen Nord- und Ostseeküsten“, betonte Trittin. Laut Prof. Fritz Vahrenholt, Vorstandsvorsitzender der REpower AG werden bis 2030 rund 45 Mrd. Euro in den Bau von Offshore-Windparks fließen, die schließlich 15 % des deutschen Strombedarfs decken sollen. Von den Windkraft-Projekten vor den Küsten soll auch die maritime Wirtschaft profitieren. So haben die Abeking & Rasmussen Schiffs- und Yachtwerft GmbH & Co. KG, Lemwerder, und die Bremerhavener Reederei T&S Transport und Service GmbH & Co. eine Kooperation zur Entwicklung eines Windpark-Mutterschiffes vereinbart. Aufgabe des geplanten Schiffes ist die ganzjährige Wartung und Instandhaltung der Anlagen.

Zum Abschluss der HusumWind 2003 gab der Messeveranstalter seine Zusammenarbeit mit der Deutsche Messe AG, Hannover, bekannt. Gemeinsam wollen beide Messen im Ausland Veranstaltungen unter dem Titel HusumWind zum Thema Windkraft organisieren.

 
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Mittwoch, 01.10.2003, 12:37 Uhr