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Enerige & Management > Vertrieb - Japan liberalisiert seinen Strommarkt
Bild: Fotolia.com, Photo-K
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Japan liberalisiert seinen Strommarkt
Haushalte und Kleinunternehmen in Japan dürfen bald ihren Stromversorger frei wählen.
 
Das japanische Parlament hat Mitte Juni mit überwältigender Mehrheit die Liberalisierung des Strommarktes von 2016 an beschlossen. Damit können die japanischen Konsumenten erstmals ihren Stromanbieter selbst aussuchen. Den neuen Anbietern soll zugleich ermöglicht werden, Strom an rund 77 Mio. japanische Privathaushalte und 7,4 Mio. kleinere Unternehmen zu verkaufen. Alle geltenden Beschränkungen zur Preisgestaltung sollen aufgehoben werden. Der japanische Strommarkt wird auf einen Wert von 7,5 Bio. Yen oder umgerechnet rund 73 Mrd. US-Dollar im Jahr veranschlagt. „Das reformierte Gesetz gibt den Privathaushalten nun die Freiheit, sich ihren Bedürfnissen nach den Stromanbieter selbst auszusuchen“, betont Hisayo Takada von Greenpeace in Japan.
 
Seit 60 Jahren wurde der japanische Strommarkt von zehn Monopolunternehmen beherrscht, die nicht nur die Energieerzeugung, sondern auch die Verteilung und den Vertrieb kontrollierten. Japans Haushalte können Strom bislang nur von einem für sie regional zuständigen Energieversorger beziehen. Lediglich große Industrieunternehmen haben schon bisher die freie Wahl ihres Stromlieferanten.
 
Die japanische Elektrizitätswirtschaft rechnet künftig mit einem scharfen Preiswettbewerb. Bis Mitte Juni dieses Jahres haben sich bereits 244 neue Dienstleister und Lieferanten, die Strom erzeugen und/oder zu den Endabnehmern bringen wollen, registrieren lassen. Im September vergangenen Jahres waren es erst 100 so genannter Power Producers and Suppliers (PPS). Zu den neuen Anbietern, die vielfach einen Quereinstieg vorhaben, gehören beispielsweise das Handelshaus Mitsui & Co. sowie Nippon Paper Industries Co., aber auch Anbieter wie Wako Hiroshima Boatpark Co., ein Jachthafen-Betreiber. Sie wollen Verträge anbieten, die mehrere Leistungen wie Internet, Kabelfernsehen und Strom bündeln.
 
Neuen Geschäftsmodellen in diesem Bereich sind kaum Grenzen gesetzt. Die neuen Anbieter wollen nicht nur die derzeitigen Monopolanbieter preislich schlagen, indem sie niedrigere Gewinnmargen akzeptieren, sie wollen auch neue Power Management Systeme und flexible Pläne zur Senkung der Kosten und Einsparung von Energie anbieten. Tanksäulen für Elektroautos, Speicher, die Bündelung von Gas- und Stromverträgen sowie günstige Stromangebote beim Immobilienkauf gehören zu den geplanten Modellen.
 
Der Telekom-Riese Softbank hat bereits angekündigt, in das Stromgeschäft einzusteigen und seinen rund 50 Mio. Kunden eine Ermäßigung beim Strompreis anzubieten. Softbank will vor allem mit dem Argument der grünen Produktion umweltbewusste Kunden gewinnen und ein Paketangebot aus Strom- und Telekom-Diensten für Retail-Kunden schnüren. So hat der Softbank bereits mehrere Solarkraftwerke gebaut und will bis zum Frühjahr 2016 weitere 100 Mrd.n Yen oder umgerechnet rund 700 Mio. Euro in weitere Solar- sowie Windkraftwerke investieren.
 
Mehrere der zehn großen Versorger haben bereits angekündigt, in den Wettbewerb mit ihren Konkurrenten in anderen Regionen einzusteigen. Die Metropole Tokio und ihr Umland sind besonders umworben. Dort beherrscht der bisher größte Energieversorger Nippons, Tokyo Electric Power Co. (Tepco), den Markt. Das Unternehmen hat allerdings seit der Kernkraft-Katastrophe in Fukushima einen schlechten Ruf und sieht sich nun gezwungen, in anderen Regionen zu wachsen.
 
Die jetzt in Gang gekommenen radikalen Reformen des japanischen Elektrizitätsmarktes sind wichtiger Teil des dreistufigen Reformprogramms des Premiers Shinzo Abe zur Liberalisierung des gegenwärtigen Monopolsystems. In der ersten Phase soll bis 2015 eine Regulierungsbehörde eingerichtet werden, die über die Stromverteilung in Japan wachen und dafür sorgen soll, dass es trotz des deregulierten Marktes in den Regionen nicht zu krassen Überangeboten oder Strommangel kommen soll. In der Endphase sollen dann alle zehn großen Stromversorger sämtliche Monopolrechte verlieren.

 
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Mittwoch, 18.06.2014, 11:02 Uhr