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INTERVIEW:
Kienböck: „Wir verstehen die Kraftwerksprozesse“
Mit „kleinen grünen Schritten“ macht die „neue“ Balcke-Dürr die Stromerzeugung effizienter. Darüber sprach E&M mit Martin Kienböck, Präsident der SPX Thermal Services und Geschäftsführer der Balcke-Dürr GmbH, Ratingen.
 

E&M: Herr Kienböck, wie positioniert sich Balcke-Dürr nach den Turbulenzen der Babcock-Insolvenz?

Kienböck: Wir sind ein traditionsreiches Unternehmen, das sich auf Kraftwerkskomponenten und Service konzentriert. Nach der Babcock-Insolvenz haben wir den Unternehmenssitz von Oberhausen wieder zurück nach Ratingen verlegt, wo unsere Produktion und Forschung war und wir seit der Gründung der Firma Dürr vor 123 Jahren ansässig sind.
Nach der Übernahme durch SPX mussten wir 2003 bei Null starten; in diesem Jahr werden wir einen Umsatz von etwa 300 Millionen Euro erreichen. Der Auftragseingang beträgt rund 400 Millionen Euro, so dass wir sehr rasch weiter wachsen werden. Wenn wir den Umsatz unseres Schwesterunternehmens, der auf Kühlungstechnik spezialisierten SPX Cooling, dazunehmen, sind wir mit dem Zentrum in Ratingen wieder so groß wie wir in der Vergangenheit waren.

E&M: Wo sind Ihre regionalen Schwerpunkte?
Kienböck: Wir sind ein global orientiertes Unternehmen, wobei wir uns zwei Schwerpunktmärkte herausgesucht haben, die wir sehr intensiv bearbeiten. Das sind Europa mit Deutschland und Asien mit China als Mittelpunkt. 25 Prozent unseres Geschäftes machen wir in Deutschland, weitere 25 Prozent in Europa und 50 Prozent im außereuropäischen Ausland. Wir sind auch traditionell sehr stark in Südafrika.
Unsere Aufgabenstellung hat sich aber verändert. In der Vergangenheit waren wir als mittelständisches Unternehmen typische Partner der deutschen Anlagenbauer. Wir haben unsere Komponenten immer projektbezogen mit deren Exportaufträgen ins Ausland geliefert. Heute müssen wir uns die Märkte für unsere Produkte selbst erschließen. So haben wir jetzt zum Beispiel in China die Fertigung für Rotations- und Gasvorwärmer für den dortigen Markt aufgebaut.
Für uns bietet die Globalisierung der Märkte eine Chance, und es ist uns gelungen, dies auch unseren Mitarbeitern rüberzubringen. Wenn wir auch die Verkaufs- und Fertigungsaktivitäten vor Ort verlagern und die Märkte mit lokalen Firmen bearbeiten, machen wir das Engineering nach wie vor bei uns im Hause, um das Know-how und die Arbeitsplätze bei uns zu halten.

E&M: Ihre Präsentation bei der Power-Gen stand unter dem Thema Steigerung der Kraftwerkswirkungsgrade. Was ist Ihr Beitrag dazu?

Kienböck: Wir sind ein Komponentenhersteller, der das Know-how hat, auch die Kraftwerksprozesse zu verstehen. So haben wir bei der Entwicklung eine Menge getan, um die Komponenten in sich zu verbessern, was deren Wirkungsgrad, Wärmeausbeute und Stromverbrauch betrifft. Wir kümmern uns darum, das kalte Ende zu optimieren, den Wärmeaustausch, den Kondensator zu verbessern. Wir nennen das „die kleinen grünen Schritte“, die aber in der Summe den Wirkungsgrad eines Kraftwerks um zwei, drei Prozentpunkte anheben können – je nach der Ausgangsituation. Zu unserer Philosophie passt es gut, dass wir uns jetzt auch den gesamten Rauchgasweg anschauen, der unserer Meinung nach in der Vergangenheit sehr stiefmütterlich behandelt wurde, was Wirkungsgrade, Druckverlustminimierung und ähnliches anbelangt. Dort wird immer noch Energie vergeudet, während man an anderen Stellen höchste Hightech einsetzt, um mit neuen Kesselwerkstoffen die Dampftemperatur auf 700 Grad Celsius anzuheben und mit dreidimensional berechneten Turbinenschaufeln die letzten zehntel Prozent Wirkungsgrad herauszukitzeln. Wir bieten nun mit unserem kanadischen Partner M&I eine computergestützte Optimierung der Rauchgaswege an. Damit kann man Druckverluste um bis zu zehn, zwölf Millibar verringern. Das spart Eigenbedarf für Lüfter und hebt die Nettoleistung eines Kraftwerks bedeutend an.
Unsere „kleinen grünen Schritte“ sind der beste Weg, in vorhandenen Kraftwerken mit geringen Investitionen schnell Zusatzleistung zu schaffen, für die kein Brennstoff benötigt und damit auch kein CO2 emittiert wird. Die Verbesserungen sind aber genauso für neue Kraftwerke interessant, wie es zum Beispiel der Auftrag zeigt, den wir für die Vorwärmerstrecke der beiden neuen BoA-Blöcke der RWE Power erhalten haben.

E&M: Beschränkt sich Ihr Angebot auf Kohlekraftwerke?

Kienböck: Nein, das gilt auch für den Nuklearbereich oder bei der Geothermie. So haben wir zum Beispiel durch Verbesserung der Wasserabscheider und des Kondensators im Schweizer Kernkraftwerk Gösgen sechs Megawatt und im Kernkraftwerk Gundremmingen zweimal elf Megawatt an Zusatzleistung schaffen können. Für die Optimierung des kalten Endes bei geothermischen Kraftwerken, für die man wegen der im Wasser gelösten Gase und Mineralien schon spezielles Know-how braucht, haben wir jüngst aus Island eine Reihe von Aufträgen bekommen. Unser Thema sind auch Abhitzekessel; auch da geht es darum, nicht nur eine optimale Wärmeauskopplung zu garantieren, sondern auch gleichzeitig um Strömungsvergleichmäßigung und Druckverlustreduzierung nach der Gasturbine. Vor rund einem Jahr haben wir den Abhitzekessel-Bereich von der MCE übernommen. Zusätzlich zu dem Team in Österreich haben wir 20 Ingenieure eingestellt und wollen nun Hightech auch in den Upstream bringen.

E&M: Was sind Ihre Ziele für die nächsten fünf Jahre?

Kienböck: Wir wollen unser Wachstum weiter fortsetzen, unsere direkte Präsenz in den Märkten Asiens, Europas und Südafrikas ausbauen und wir wollen uns den amerikanischen Markt erschließen. Denn Amerika ist ein boomender Markt mit zunehmender Sensibilisierung für Umweltprobleme, insbesondere für die Notwendigkeit eines verringerten Ausstoßes von CO2, wofür wir gute Produkte haben. Ich sehe in den nächsten fünf Jahren mindestens eine Verdoppelung unseres Geschäftsvolumens.

Martin Kienböck
Der gebürtige Bayer und nun Rheinländer aus Überzeugung hat sein Maschinenbaustudium an den technischen Universitäten München und Berlin absolviert. Bei der ehemaligen Balcke-Dürr AG war er 30 Jahre in leitenden Funktionen tätig. Derzeit ist er Präsident der SPX Thermal Services und Geschäftsführer der Balcke-Dürr GmbH in Ratingen.


 
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Montag, 26.06.2006, 15:33 Uhr