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SPECULANTIUS:
Krisenangst und Renditehunger
Die meisten Dividendentitel verbuchten im ersten Halbjahr 2012 eine positive Kursentwicklung. Seit Ende März befinden sich die heimischen Aktienmärkte allerdings in einer Korrekturphase mit noch ungewissem Ausgang.
 

Die Korrekturphase der Aktienmärkte führte den Standardwerte-Index DAX im Juni bis knapp über den 2011er Endstand von 5 898 Zählern zurück. Erst nach der Zusage von europäischen Stützungsgeldern für marode spanische Banken sowie den wochenlang mit Bangen erwarteten Ergebnissen der Parlamentswahlen in Griechenland ließ der Verkaufsdruck nach und der Markt erholte sich um 450 Punkte. Ob damit allerdings eine tragfähige Unterstützung für den meist beachteten heimischen Aktienindex gefunden ist, erschien bei Redaktionsschluss Anfang Juli noch offen. Immerhin, zwei weitere Klippen in der europäischen Schuldenkrise scheinen damit erfolgreich umschifft zu sein.

Was bleibt, ist die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Weltkonjunktur. Dabei geben inzwischen nicht nur die europäischen "Problemländer" Anlass zur Besorgnis. Auch der asiatische "Wachstumsschnellzug" verliert deutlich an Fahrt - insbesondere die beiden großen "Lokomotiven" China und Indien. Zudem meldeten zuletzt lateinamerikanische Volkswirtschaften rückläufige Wachstumsraten, insbesondere Brasilien.

Überwiegend Positives war im bisherigen Jahresverlauf aus den USA zu vermelden. Auf die Zuversicht der amerikanischen Verbraucher war wieder einmal Verlass. Dass die Arbeitsmarktdaten seit April/Mai nicht mehr immer den optimistischen Erwartungen der Konjunkturauguren entsprachen, zwingt für sich alleine genommen noch nicht zu Abstrichen an den weiteren Wachstumsaussichten. Die zu beobachtende Eintrübung des Weltkonjunkturklimas dürfte an der bisherigen "Insel der Seeligen" nicht völlig vorbeigehen.

"Bad News" als Signal zum kursgünstigen Einstieg

Zwar stabilisieren aktuell extrem niedrige Kapitalmarktzinsen den seit 2008 angeschlagenen US-Immobilienmarkt und die allgemeine Binnennachfrage. Doch Steuer- und Sozialabgabenvorteile für amerikanische Privathaushalte, die noch durch George W. Bush initiiert wurden, fallen voraussichtlich 2013 weg. Ob nach der Wahl im November 2012 der neue (oder alte) US-Präsident ein Interesse daran haben wird, bei Auslaufen der Entlastungsprogramme alsbald Kompensationsmaßnahmen auf den Weg zu bringen, erscheint zunächst fraglich. Damit dürfte aber der US-Wirtschaft im kommenden Jahr ebenfalls eine Konjunkturdelle drohen. Dann könnte der dortige Kapitalmarktzins vielleicht sogar unter den Anfang Juni gesehenen Rekordtiefstand sinken.

Der Anlagenotstand unter den Rentenanlegern dürfte sich nicht nur in Amerika fortsetzen. Anleihen solider Emittenten dürften auf allen freien Kapitalmärkten der Welt knapp und damit wahrscheinlich sehr wenig ertragsbringend bleiben.

Sollte sich das Szenario einer weltweiten Wachstumsschwäche mit deutlicher Rezessionstendenz in Einzelländern bestätigen, dürften defensive Anlagen auch in den nächsten Monaten erste Wahl bleiben. Anleihen von Staaten, für deren Finanzlage sich erste Besserungstendenzen abzeichnen (wie zuletzt Irland und Portugal), mögen zwar ihren Rendite-Spread gegenüber den als erstklassig erachteten Anleihen Deutschlands weiter reduzieren können. 

Doch die derzeit sensibilisierten Investoren werden auch künftig mit Argusaugen auf jede neue Konjunktur- und Staatsdefizitkennzahl achten. Wenn es sicher sein sollte, dass ein bis dahin bonitätsschwaches Land künftig aus eigener Kraft wieder vertrauensvolle Kapitalströme auf sich lenken kann, dürften sich dessen Finanzierungskonditionen sukzessive wieder an die guter Schuldner angleichen.

Wer mit seinem Energie-Depot sicher erscheinende Zinszahlungen erwirtschaften will, wird sich für erstrangige Anleihen der großen Versorger erwärmen können. Die Mehrrendite gegenüber Bundesanleihen mit gleicher Laufzeit von zumeist 1 bis 2 % erscheint zwar nicht gerade umwerfend. Doch die Chancen in absehbarer Zukunft mit den Schuldtiteln deutscher Versorger wieder mehr als die derzeit erzielbaren 2 bis 2,5 % bei fünf- bis achtjähriger Laufzeit herauszuholen, erscheinen aus heutiger Sicht gering.

6 bis 7 % Dividendenrendite, die sich im Juni auf gedrücktem Kursniveau für die Aktien von Eon und RWE errechneten, erscheinen wesentlich verlockender. Zwar werfen "mediterrane Versorger" einiges mehr ab, doch die sehr hohe Ausschüttungsrendite der Enel-Aktie muss wohl an italienischen Staatsanleihen gemessen werden, womit sich der "Vorsprung" gegenüber deutschen Versorgern relativiert.

Im bisherigen Jahresverlauf entwickelten sich die beiden RWE-Titel deutlich besser als die Eon-Aktie. Dies erklärt sich dadurch, dass die RWE-Anteile nach der im Dezember 2011 erfolgten Kapitalerhöhung zum Jahresultimo kursmäßig noch besonders "gedrückt" waren und danach einiges an Unterbewertung aufzuholen hatten.

Inzwischen hat sich die Kursrelation von RWE-Stammaktien zu Eon bei ziemlich genau zwei zu eins eingependelt. Da bei den RWE-Titeln jedoch im laufenden Jahr - in der Betrachtung je Aktie wohlgemerkt - mehr als doppelt so viel Gewinn ins Haus stehen dürften wie bei Eon, könnte man noch weiteren "Nachholbedarf" für die RWE-Notierungen ableiten.

EnBW mit sehr mäßigen Gewinnperspektiven

Die Börse schaut vor allem nach vorne - zunächst auf die Aussichten für 2013. Und da wird sich der höhere spezifische Bedarf von RWE an CO2 -Zertifikaten, die dann komplett über den Markt erworben werden müssen, auf der Kostenseite der Essener stark niederschlagen. Eon dürfte aus dem sukzessiven Nachlassen des Margendrucks im Gasgeschäft erheblich stärker Nutzen ziehen als RWE. Wenn sich die Rahmenbedingungen für die Branche 2013 nicht signifikant ändern sollten, darf Eon auf einen zweistelligen Gewinnzuwachs hoffen, während RWE schon einiges an Effizienzgewinnen brauchen dürfte, um sein 2012er Niveau zu verteidigen.

Mit diesen Perspektiven stehen die Chancen nicht schlecht, dass die Eon-Aktie im zweiten Halbjahr besser voran kommt als die RWE-Titel. Beide passen jedoch mit ihrem defensiven Charakter gut in die aktuelle Börsenphase, in der Zykliker eher gemieden werden.

Im Aktienkurs annähernd gleich, in der Ertragskraft jedoch wesentlich niedriger angesiedelt als RWE-Stammaktien, präsentiert sich die EnBW. Mit einer Dividendenrendite von kaum mehr als 2,7 % und sehr mäßigen Gewinnperspektiven erscheint die Aktie fundamental "überteuert". Als temporäre Bürde für die Kursentwicklung erwies sich zuletzt die um die Jahresmitte erfolgte Kapitalerhöhung neun zu eins.

Unter Ertragsdruck steht derzeit die MVV Energie, der das anstehende Investitionsprogramm große Anstrengungen abverlangt. Die Ertragskraft dürfte jedenfalls im laufenden Jahr schrumpfen, womit das "Sentiment" derzeit eher negativ ausfällt. Bleibt die Dividende auf dem gewohnten Niveau, erscheint die Aktienrendite mit 4,5 % beachtlich.

Mit einer Dividendenrendite von ebenfalls 4,5 % und einer imposanten Umsatzmarge gehört der Wärmespezialist Fernheizwerke Neukölln (FHW) zu den attraktiven Spezialitäten im Versorgersegment. Zwar hat der Vorstand seine Anteilseigner auf wahrscheinlich leicht rückläufige Ertragszahlen in 2012 eingestimmt. Die Belastungsfaktoren wie gestiegene Brennstoffpreise dürften nur temporärer Natur sein.

Die "Konjunktursensiblen" unter den Energieaktien haben im zweiten Quartal Federn lassen müssen. Erschienen den Analysten bis März respektable Gewinnzuwächse auf breiter Front in 2012 schon beinahe in trockenen Tüchern, so sind in den letzten Wochen Zweifel am Fortbestand des bislang positiven Geschäftstrends aufgekommen. Insbesondere bei den "Kurzzyklikern", die über begrenzte Auftragspolster verfügen, könnten Rückschläge im laufenden Ordereingang schnell zu einer Beeinträchtigung der Ertragslage führen. Unternehmen, die in langzyklischen Geschäften wie dem Kraftwerksbau oder der Realisierung von Infrastrukturprojekten tätig sind, dürfen einer konjunkturellen Abkühlung dagegen deutlich entspannter entgegen sehen.

Ein typischer Vertreter dieser Kategorie ist der Alstom-Konzern, dessen volatiler Aktienkurs in den letzten Wochen deutlich korrigiert wurde. Da die mittelfristigen Wachstumsperspektiven - auch vor dem Hintergrund bis zuletzt beachtlichen Auftragseingängen - vorerst kaum gefährdet erscheinen, dürfte die Aktie bei Kursen um 23 Euro wieder eine interessante Einstiegsbasis erreicht haben.

Als weitere eher defensive Option unter den großen Herstellern energiewirtschaftlich orientierter Investitionsgüter gilt der Siemens-Konzern. Trotz erheblicher Sonderlasten wie aus den Windkraftaktivitäten hielt sich die Siemens-Aktie in den zurückliegenden Börsenturbulenzen besser als der Alstom-Titel. Da für Siemens auch kurzzyklische Bereiche eine wesentliche Rolle spielen, bietet der Titel vorerst nur dann Kurspotenzial, wenn der Markt insgesamt klar aufwärts tendiert.

"Bad News" als Signal zum kursgünstigen Einstieg

Unter den internationalen Ölkonzernen präsentierte sich die Royal Dutch Shell-Gruppe im ersten Quartal in guter Ertragsverfassung, während Konkurrenten wie die französische Total sowie die britische BP für die ersten Monate 2012 eher enttäuschende Zahlen vorlegten. Angesichts des im zweiten Quartal zurück gefallenen Ölpreisniveaus und recht magerer Gaserlöse, dürften viele Analystenschätzungen für diese Branche nicht erreicht werden, womit der "News Flow" zunächst unter negativem Zeichen stehen sollte. Wegen der durchweg hohen Dividendenrenditen und der mittel- bis langfristig positiven Aussichten für die Ölkonzerne, könnten "Bad News" als Signal zum kursgünstigen Einstieg betrachtet werden.

Zur Jahresmitte präsentierten sich die Märkte für Energieaktien sehr gespalten. Während die großen etablierten Versorger 2011 kursmäßig noch "abgestraft" worden waren, werden sie inzwischen als "Hort der Stabilität" in einem unsicheren Wirtschaftsumfeld wieder entdeckt. Viele Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien, deren Aktienkurse im Frühjahr 2011 noch wahre "Freudensprünge" gemacht hatten, strampeln momentan in gnadenlos umkämpften, hierzulande zumeist schrumpfenden Märkten ums Überleben. Defensive Anlagetitel kleiner Versorger, wie die Genußscheine der Stadtwerke Hannover und die Aktien von FHW, zeigen sich von alldem unbeeindruckt und halten sich auch im "Krisensturm" auf historisch hohem Kursniveau.

Derzeit sieht es so aus, als ob im zweiten Halbjahr 2012 die "Risikovermeider" unter den Wertpapier-Investoren weitere Vermögenszuwächse erreichen können. Andererseits: In vielen "High-risk"-Titeln dürften auf dem heutigen Kursniveau einiges an "Hiobsbotschaften" eingepreist sein. Sollten diese dann nicht ganz so verheerend ausfallen wie befürchtet, könnte manche zum "Penny-Stark" degenerierte Aktie vielleicht ein überraschendes Comeback erleben.

Vorrangig dürfte es für konservative Investoren in den nächsten Monaten darum gehen, den Wert Ihres "Energie-Depots" zu erhalten und die laufenden Erträge daraus möglichst auszubauen. Wem das gelingt, dem dürfte mit dieser Strategie immer mal wieder ein wohl verdienter Kursgewinn beschert werden.


Energietechnik & Co: The winner is Conergy

Aktie 30.12.2011 in Euro  26.06.2012 in Euro Veränderung in Prozent
Conergy 0,31 0,50 + 61
DAX 5 898,35 6 136,69 + 4
ABB 14,56 14,83 + 2
Alstom 23,43 23,55 + 1
Deutz 4,11 3,86 - 6
KSB Vz.A. 392,50 362,05 - 8
BP 5,49 5,04 - 8
Royal Dutch 28,29 25,86 - 9
Statoil 19,60 17,80 - 9
Gea Group 21,85 19,84 - 9
KSB St.A. 453,00 409,36 - 10
Siemens 73,94 63,11 - 15
Total SA 39,47 33,52 - 15
Phoenix Solar 2,15 1,58 - 27
Nordex 3,95 2,68 - 32
SMA Solar 43,16 25,60 - 41
Solar World 3,25 1,38 - 58
Centrotherm Phot. 9,90 2,70 - 73


Versorger: RWE Top, EnBW Flop
Aktie 30.12.2011 in Euro 26.06.2012 in Euro Veränderung in Prozent
Energiekontor 4,21 5,01 + 19
RWE St.A. 27,15 30,91 + 13
RWE Vz.A. 25,44 27,92 + 10
Solarparc 7,95 8,46 + 6
DAX 5 898,35 6 136,69 + 4
Energiedienst Holding 37,80 38,15 + 1
Mainova 350,00 350,19 + 0
Lechwerke 58,86 59,00 + 0
Gelsenwasser 561,75 545,00 - 3
FHW Neukölln 32,45 31,00 - 4
Eon 16,67 15,88 - 5
MVV Energie 22,80 20,18 - 11
Zeag Energie 100,00 88,00 - 12
PNE Wind 1,85 1,60 - 14
EnBW 39,00 30,89 - 21

 

 
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Freitag, 06.07.2012, 09:13 Uhr