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Enerige & Management > Effizienz - Kundenbindung mit Effizienz
Bild: Fotolia.com, Photo-K
EFFIZIENZ:
Kundenbindung mit Effizienz
Immer mehr Unternehmen beschäftigen sich mit Energiemanagement. Die gesetzlichen Vorgaben sind ein wichtiger Treiber. Ein wichtiges Geschäftsfeld auch für Stadtwerke.
 
Energieversorger entdecken Energiemanagement-Dienstleistungen für sich als wachsendes Geschäftsfeld. Die Stadtwerke Energie Jena-Pößneck beispielsweise haben im vergangenen Jahr damit begonnen, eine solche Dienstleistung aufzubauen. Energiemanagerin Evelyn Mecklenburg von dem kommunalen Energieversorger berät seit Juli 2013 Unternehmen, wie sie ihren Verbrauch von Energie optimieren und – wenn möglich – zugleich ihre Steuervorteile sichern können. „Der Bedarf ist da und beide Seiten haben etwas davon“, sagt Mecklenburg. Auf der einen Seite profitieren die Unternehmen, auf der anderen Seite stärken solche Angebote die Kundenbindung und damit profitiert auch letztendlich der kommunale Versorger. Zielgruppe des Energieversorgers sind überwiegend kleine und mittlere Unternehmen des produzierenden Gewerbes (KMU). Um ihr Angebot ins Laufen zu bringen, haben die Stadtwerke zuerst eigene Kunden angesprochen, mittlerweile betreuen sie vier Firmen aus dem produzierenden Gewerbe.

Seit 2013 müssen große Unternehmen, die von einer Strom- und Energiesteuerrückerstattung profitieren wollen – dem sogenannten Spitzenausgleich – beim Antrag nun zusätzlich die Einführung eines zertifizierten Energiemanagementsystems (DIN EN ISO 50001) oder eines Umweltmanagementsystems (EMAS) nachweisen. Für KMU besteht die Möglichkeit, entweder ein vereinfachtes Energiemanagementsystem einzuführen oder ein Audit durchführen zu lassen. Ein Audit soll Firmen helfen, ihre Energieeffizienz zu verbessern. Im Fokus eines Audits steht die Analyse des Energieeinsatzes, die Ergebnisse werden zu einem Energiebericht zusammengefasst. Firmen, die nicht unter diese Regelung fallen, können sich natürlich ebenfalls beraten lassen.

Nach Ergebnissen des „Branchenmonitor Energieeffizienz 2014“ von der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF) und der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (pwc) sind vor allem die steigenden Energiepreise sowie das Ausschöpfen von Steuervorteilen und Fördermitteln die großen Treiber, warum sich Firmen mit dem Thema auseinandersetzen. Aber auch bei der Technik erhoffen sich Firmenchefs neue Möglichkeiten, um effizienter und damit kostengünstiger zu arbeiten. Über 60 % der Befragten gaben zum Beispiel an, dass ein weiterer zentraler Punkt für sie ist, bessere Wirkungsgrade bei der Energieumwandlung zu erzielen, zum Beispiel über hocheffiziente KWK-Systeme.

Energieverbräuche dokumentieren

Die Energie Consulting GmbH (ECG) begleitet zum Beispiel derzeit etwa 80 Unternehmen aus allen Branchen, die dabei sind, ein zertifiziertes Energiemanagementsystem einzuführen. Vielen werde nun klar, dass sie den organisatorischen wie personellen Aufwand unterschätzt haben, so die Erfahrung von ECG-Geschäftsführer Wolfgang Hahn. Aber dafür seien sie als Dienstleister da, um bei solchen Fehleinschätzungen rechtzeitig entgegenzuwirken. Gleichzeitig betont Hahn, dass es sich bei knapp 85 % seiner Kunden rechnet, ein EnMS zu implementieren. Lediglich bei 15 % sei der Aufwand im Vergleich zur Kostenersparnis zu hoch gewesen - das Plus an Transparenz sei aber dennoch wertvoll. Um auch künftig den Spitzenausgleich zu erhalten, müssen die Firmen bis 2015 ein EnMS vollständig eingeführt haben.

Schon bereits dadurch, dass sich Unternehmen mit ihren Energieverbräuchen beschäftigen, könnten sie wichtige Erkenntnisse gewinnen, sagt Hahn: „Zum Beispiel wird in vielen Betrieben sehr viel mehr Druckluft verbraucht als oftmals angenommen wird.“ In solchen Fällen lassen sich dann anhand der Verbrauchswerte ableiten, ob sich eine effizientere Anlage lohnt. Dazu brauche es aber schlichtweg Erfahrungswerte: „Die Probleme liegen oftmals auch darin, dass Unternehmen die nötigen Investitionen nicht richtig abschätzen können.“

Die Einführung eines solches Systems wird von der Bundesregierung auch für kleine Unternehmen gefördert. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) gewährt Förderung von bis zu 20 000 Euro. Zuschüsse erhalten Unternehmen unter anderem für die Anschaffung von Messtechnik, von Soft- und Hardware. Diese Bafa-Förderung sei vor allem für KMU ein Impulsgeber, in diesen Bereich zu investieren, sagt Reinhold Hammer, Vertrieb- und Marketingleiter von IngSoft. Das seien zumindest seine Erfahrungen.

Wachsendes Geschäftsfeld

Die IngSoft mit Sitz in Nürnberg hat sich auf Unternehmen aus der Energiewirtschaft spezialisiert. Da Energiemanagement individuell betrieben wird, muss auch die Erfassungsstruktur und die Auswahl der Funktionen auf das jeweilige Unternehmen zugeschnitten werden. Auch erneuerbare Energiequellen können über Softwarelösungen mit abgebildet werden. Das sei mittlerweile Standard, sagt Hammer. So können zum Beispiel nicht nur Energieverbräuche kontrolliert werden, die Energiemanagement- (und Controlling)-Software unterstützt etwa auch bei der Überprüfung von Erträgen von PV-Anlagen, bei der Erstellung von CO2-Bilanzen oder Nachhaltigkeitsberichten. Auch das Thema Webfähigkeit sei beispielsweise für viele ein wichtiger Punkt: „Die Mitarbeiter unserer Kunden brauchen standortunabhängig Zugriff auf das System“, so Hammer. Dazu brauche es insbesondere für Dienstleister eine mandantenfähige und sichere Portallösung, verbunden mit einem ausgefeilten Rechtemanagement. Das Beispiel aus dem Nürnberger Softwarehaus zeigt einen weiteren Trend: Softwareinnnovationen und eine mobile Integration beim betrieblichen Energiemanagement werden immer wichtiger – ein bereits im letzten Branchenmonitor 2013 als wesentlich identifizierter Trend.

Dienstleister am Effizienzmarkt profitieren jedenfalls von den gesetzlichen Bestimmungen: Laut dem „Branchenmonitor Energieeffizienz 2014“ hatte die Branche in Deutschland 2011 und 2012 ein Umsatzwachstum von 16 %, im vergangenen Jahr waren es immerhin 11 %. In diesem Jahr erwarten die Teilnehmer der Befragung wieder eine Umsatzsteigerung am Effizienzmarkt von 14 %. Die Jenaer Stadtwerke wollen sich verstärkt als universeller Dienstleister rund um das Thema Energiemanagement positionieren. Mecklenburg: „Wir zeigen, dass EVUs Energie verkaufen und gleichzeitig sehr wohl Unternehmen hinsichtlich Energieeffizienz beraten können.“

 
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Dienstag, 09.09.2014, 11:45 Uhr