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Enerige & Management > Biomasse - KWK mit Stroh im großen Stil
Bild: Fotolia.com, XtravaganT
BIOMASSE:
KWK mit Stroh im großen Stil
Das bundesweit erste Heizkraftwerk, das im großtechnischen Maßstab ausschließlich Stroh verfeuert, soll in diesem Sommer im Emsland in Betrieb genommen werden.
 
In Deutschland gibt es bislang keine KWK-Anlage, die Stroh als Brennstoff einsetzt. Bundesweiter Pionier auf diesem Gebiet ist die BE Bioenergie GmbH, die in Emlichheim, nahe der deutsch-niederländischen Grenze, ein Heizkraftwerk mit 49,8 MW Feuerungsleistung geplant und als Generalunternehmer errichtet hat. Nach zwei Jahren Bauzeit wird die Strohfeuerung voraussichtlich Ende Mai den Probebetrieb aufnehmen. Ursprünglich war geplant, das Heizkraftwerk vor Jahresende 2012 in Betrieb zu nehmen, um noch die höhere Einspeisevergütung im Rahmen des EEG 2009 zu erhalten. Der Baubeginn erfolgte jedoch mit einigen Monaten Verspätung, da sich die Finanzierung des Vorhabens verzögerte.

„Weil wir wussten, dass wir das EEG 2012 in Anspruch nehmen müssen, haben wir das Kraft-Wärme-Kopplungskonzept der Anlage an die neuen Rahmenbedingungen angepasst“, sagt Rainer Knieper, Projektleiter bei der BE Bioenergie mit Sitz in Twist. Mit der EEG-Novelle wurden zwar die Boni für Kraft-Wärme-Kopplung und den Einsatz nachwachsender Rohstoffe gestrichen, jedoch ein neues Instrument eingeführt, das das Unternehmen nutzen will: die Direktvermarktung des erzeugten Ökostroms. „Unser Ziel ist, künftig Lastpläne abzufahren“, so Knieper. Statt die Anlage wie ursprünglich vorgesehen mit 9 MW elektrischer Leistung zu betreiben, wurde die Stromerzeugungskapazität daher auf knapp 13 MW erhöht. Gerechnet wird mit rund 4 000 Volllaststunden pro Jahr.

„Das KWK-Konzept an die neuen Rahmenbedingungen angepasst“

Das Heizkraftwerk benötigt den Angaben zufolge jährlich rund 75 000 t Stroh. Der Brennstoff in Form von Rechteckballen wird im novellierten EEG in die Einsatzstoff-Vergütungsklasse Zwei eingeordnet. Um Verschlackungen und Korrosion im Bereich der Feuerung zu vermeiden, wird ein wassergekühlter Vibrationsrost des dänischen Herstellers Burmeister & Wain eingesetzt. Die bei der Verbrennung entstehende Wärme wird zunächst über die Kesselwandungen zum Verdampfen des Wassers genutzt. Eine Trennung von Speisewasser und Dampf erfolgt dann in der Dampftrommel, die sich oberhalb des Kessels befindet. In den nachgeschalteten Überhitzern wird die Dampftemperatur auf 522 °C, der Druck auf 112 bar erhöht. Dieser Dampf wird anschließend zur Turbine geführt, die mit einer geregelten Entnahme für Prozessdampf ausgerüstet ist. Stündlich knapp 67 t Dampf mit 14 bar soll über eine 800 m lange Trasse zur Emsland Stärke GmbH transportiert werden. Der Kartoffelstärke-Produzent Emsland Group erzeugt in seinem Werk in Emlichheim die benötigte Prozesswärme bislang mit zwei Erdgaskesseln.

In das bestehende Nahwärmenetz der niedersächsischen Samtgemeinde mit derzeit rund 8 km Leitungen soll das Stroh-Heizkraftwerk laut Knieper darüber hinaus jährlich 15 bis 17 MWh Wärme einspeisen. Geplant ist, künftig weitere öffentliche Einrichtungen und private Haushalte an das Netz anzubinden und die Wärmetrasse um weitere 17 km zu verlängern. „Durch die Einbindung eines Heißwasserspeichers mit einem Volumen von 4 000 Kubikmetern in unser KWK-Konzept können Lastschwankungen durch die Prozessdampf- und Nahwärmeabnahme kompensiert werden“, erklärt Knieper, der sich mit der BE Bioenergie auch um den Betrieb der Strohanlage kümmern wird.

Das Unternehmen ist mit rund 30 Prozent an der Bioenergiekraftwerk Emsland GmbH beteiligt, die Emsland Group hält etwa 20 Prozent der Anteile. Die restliche Hälfte der Betreibergesellschaft ist im Besitz von Dritten, der Großteil davon sind Strohlieferanten aus dem Umkreis. Eine Entscheidung, das technische und logistische Konzept auf weitere Unternehmensstandorte der Emsland Group im niedersächsischen Cloppenburg sowie im brandenburgischen Kyritz zu übertragen, hat die BE Bioenergie noch nicht getroffen. Laut Knieper ist es schwierig, Projekte mit fester Biomasse im Rahmen des EEG 2012 wirtschaftlich darzustellen. Zumal die Finanzierung der rund 56 Mio. Euro teuren Pilotanlage in Emlichheim mit einer Förderung in Höhe von 5 Mio. Euro aus dem Umweltinnovationsprogramm des Bundesumweltministeriums sowie einer Bürgschaft des Landes Niedersachsen unterstützt wurde.

 
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Dienstag, 23.04.2013, 09:37 Uhr