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Enerige & Management > Windkraft Onshore - Licht aus im Windpark
Bild: Fotolia.com, DeVIce
WINDKRAFT ONSHORE:
Licht aus im Windpark
Seit Jahren arbeitet die Windbranche an einer bedarfsgerechten Befeuerung ihrer Windpropeller. Erste Hersteller bieten jetzt mit Radarsystemen sozusagen Licht per Knopfdruck an.
 
Manchmal zahlt sich ein langer Atem aus: Der Streit um die Hindernisbefeuerung von Windturbinen ist fast so alt wie die Technik selbst. Aus Sicht des Bundesverkehrsministeriums und der nachgeordneten Luftfahrtbehörden sind Windturbinen ab einer Höhe von 100 m ein Luftfahrthindernis. Deshalb müssen diese Propeller laut der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Kennzeichnung von Luftfahrthindernissen (AVV) mit einer weißen Tages- und einer roten Nachtbefeuerung ausgerüstet sein.

An den starren AVV-Vorschriften hat sich der Bundesverband Windenergie (BWE) wie Sisyphos abgearbeitet. Offensichtlich mit ersten Erfolgen: Der Entwurf für eine überarbeitete AVV sieht spürbare Erleichterungen für die Windmüller vor. So soll es künftig auch bei Windpropellern mit einer Gesamthöhe von mehr als 150 m ausreichen, wenn nur ein statt bisher zwei Turmfeuer angebracht werden. Für den BWE ist es auch ein Fortschritt, dass der Takt der nächtlichen Blinkfeuer synchronisiert werden muss sowie eine Blockbefeuerung von großen oder mehreren Windfarmen vorgesehen ist.
An der wichtigsten Neuerung gibt es keinen Zweifel: In der neuen AVV ist die Option einer bedarfsgerechten Befeuerung geplant, bei der sich die Warnblinker nur dann einschalten, wenn sich tatsächlich ein Flugzeug einem Windpark nähert.
Technisch haben das erste Unternehmen gelöst, sie bieten aktive oder passive Radarsysteme für Windparks an. Diese Systeme haben ihren Preis, „aber so lässt sich die Akzeptanz vor Ort verbessern und sie bieten Kommunen die Möglichkeit, auf Höhenbegrenzungen zu verzichten“, sagt Thomas Herrholz, Geschäftsführer der Enertrag Systemtechnik GmbH.

Das Tochterunternehmen des bekannten Windkraftprojektierers aus der Uckermark hat unter dem Namen Airspex das erste, von der Deutschen Flugsicherung abgenommene, Aktivradarsystem auf den Markt gebracht. Die gemeinsam mit Cassidian, der Verteidigungs- und Sicherheitsabteilung des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, entwickelte Neuerung besteht aus mindestens vier Radarsensoren, die an den äußeren Windturbinen eines Windparks angebracht werden. So kann der Luftraum mit 360 ° vollständig abgedeckt werden. Das Funksignal hat in der Höhe eine Reichweite von 600 m und ortet jeden Flieger bis zu einer Entfernung von 6 km. „Sobald eine Maschine in diesen Erfassungsraum eindringt, springt die Beleuchtung an und geht nach dem Verlassen automatisch wieder aus“, erklärt Herrholz, der auch Sprecher im BWE-Arbeitskreis Kennzeichnung ist.

Ohne nerviges Blinken mehr Akzeptanz vor Ort

Getestet hat Enertrag Systemtechnik das neue System monatelang im nordfriesischen Bürgerwindpark Ockholm-Langenhorn mit dem gewünschten Erfolg: Das lästige Dauerblinken in der Nacht hörte auf, die Warnlichter sprangen, wie erhofft, nur dann an, wenn sich wirklich ein Flugzeug näherte.

Airspex hat seinen Preis, rund 750 000 Euro kostet das System. Der Grund für den hohen Preis liegt unter anderem in der AVV. „Zugelassen sind für die bedarfsgerechte Befeuerung bisher nur Systeme, die unabhängig von Flugzeugen funktionieren. Nicht jede Maschine ist mit einem Transponder ausgerüstet, der automatisch die Kennung und Position eines Flugzeugs sendet“, sagt Herrholz, der mit Beginn des kommenden Jahres den Vertrieb starten will. Für jeden Windparkbetreiber, der dank Airspex seine Mühlen auf höheren Türmen bauen darf, rechnet sich laut Herrholz der Anschaffungspreise allemal.

 
Das nächtliche Dauerblinken der Hindernisbefeuerung stört Bürger in vielen Orten in der Nähe eines Windparks
Bild: Torsten Thomas


Ein aktives Radarsystem für die Hindernisbefeuerung will auch der Windturbinenhersteller Vestas anbieten, als Kaufpreis sprechen die Dänen von einem „niedrigen sechsstelligen Betrag“. Das Unternehmen hatte bereits 2011 den norwegischen Radarspezialisten Obstacle Collision Avoidance System (OCAS) übernommen und mehrere Feldtests gestartet. Obwohl die Zulassung für das OCAS-System in Deutschland noch aussteht, will Vestas absehbar richtig aufdrehen. „Wir beginnen im dritten Quartal 2015 mit der Massenfertigung und wollen durch Volumen die Kosten senken“, kündigt Malte Meyer von Vestas Deutschland an. Hierzulande laufen Versuche zur Funkverträglichkeit, damit auch die Bundesnetzagentur grünes Licht gibt.

Einen einjährigen Test im realen Windpark hat die Dirkshof-Gruppe jüngst in den nordfriesischen Reußenkögen abgeschlossen. Anders als die Konkurrenz hat der Projektierer mit dem Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik mit Parasol ein passives Radarsystem entwickelt. „Wir gehen jetzt in die Produktion und erwarten die Zulassung im März 2015. Die Kosten werden zwischen 400 000 und 500 000 Euro pro Radar liegen“, erklärt Frank Christiansen von Dirkshof.
Für die Rundumortung nutzen die Akteure Funk- und Fernsehsignale, die flächendeckend in der Luft herumschwirren und von einem Flugzeug reflektiert werden. Dieses Echo fangen drei Radarsensoren an den Türmen auf und ermöglichen so eine präzise Positionsbestimmung im dreidimensionalen Raum. Eine Einheit reicht etwa 4 km weit. „Durch die passive Nutzung der flächendeckenden Signale kann das Radar in alle Richtungen schauen“, erklärt Christiansen.

Viele Baubescheide enthalten Nachrüstpflicht

Sowohl Enertrag Systemtechnik, wie auch Vestas und die Dirkshof-Gruppe rechnen mit nennenswerten Bestellungen für ihre Systeme. Befeuert werden die Erwartungen durch die kommunale Planungspraxis. „Viele Baubescheide enthalten die Auflage, dass solche Radarsysteme eingebaut werden müssen, sobald sie verfügbar sind“, weiß Nicole Knudsen vom BWE-Landesverband Schleswig-Holstein.

Fraglich ist allerdings, ab wann diese Nachrüstpflicht besteht und wie viele Systeme und Hersteller es geben muss, damit kein Kunde beim Monopolisten in der Schlange steht. Hier hilft ausgerechnet die AVV Betreibern und Anwohnern nicht weiter, weil im Bundesverkehrsministerium derzeit Stillstand angesagt ist: Die Überarbeitung der AVV lässt immer noch auf sich warten. Auf Anfrage von E&M teilte das Ministerium von Alexander Dobrindt lapidar mit, dass „die im Rahmen der Konsultationen eingegangenen Stellungnahmen und Anregungen derzeit noch geprüft werden“.

Was bleibt, ist die Frage nach dem Sinn der auf den Windkraftgondeln montierten Warnlichter. Wem hilft dieses Gefahrfeuer wirklich? In erster Linie eigentlich den Privatfliegern, weil zivile und militärische Maschinen mit moderner Technik vollgestopft sind. Nur fliegen die Teilzeitpiloten wegen der Aussicht gerne am Tag, „Mittlerweile versteht keiner mehr von uns, was da eigentlich läuft. Für uns ist die Hindernisbefeuerung unwichtig, weil alle Privatpiloten mit Nachtfluglizenz Transponder in ihren Maschinen haben“, sagt Fachreferent Günter Bertram vom Deutschen Aero Club, „das wäre eher ein Thema für Rettungsflüge.“ Selbst wenn alle Flieger einen Transponder und jeder Windpark einen Empfänger hätte, wäre der nächtliche Luftraum für Hobbyflieger nicht unbedingt sicherer. „Natürliche Hindernisse wie der Brocken oder der Teutoburger Wald sind ziemlich hoch, aber auch nicht befeuert“, gibt Bertram zu bedenken. Dafür hat die AVV noch keine Lösung.

 
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Donnerstag, 27.11.2014, 13:12 Uhr