• Vorreiter-Unternehmen für Klimaschutz-Initiative gesucht
  • Ökostromlücke von 10 Prozent für 2030 prognostiziert
  • Thomas Zaremba wechselt von Jena nach Rudolstadt
  • Bürger entscheiden für Solarpark bei Sinzing
  • "Jede vermiedene Tonne Treibhausgase zählt"
  • Hamburg Energie und Wärme Hamburg fusionieren
  • Geothermienutzung zur Wärmebereitstellung in Deutschland
  • An allen Enden fester
  • OGE arbeitet mit Lkw-Herstellern zusammen
  • Verbände fordern mehr Hilfen bei Effizienz-Projekten
Enerige & Management > Windkraft Onshore - Luftraum-Modell für mehr Windkraft
Bild: Fotolia/Felix brönnimann
WINDKRAFT ONSHORE:
Luftraum-Modell für mehr Windkraft
Die ungewöhnliche Idee, mit Luftraum-Konzessionen mehr Akzeptanz für die Windenergie vor Ort zu schaffen, scheitert wohl an rechtlichen Hürden.
 
Von seinem Wohnsitz im westfälischen Dorsten-Lembeck aus hat es Heinz Thier nicht weit bis zum Ruhrgebiet. Deshalb kennt sich der Geschäftsführer der BBWind Projektberatungsgesellschaft mbH durchaus mit dem Kohleabbau zwischen Ruhr und Emscher sowie den Gepflogenheiten des Bergrechts aus.

Was ihn jüngst auf einen ungewöhnlichen Gedanken brachte, um die Akzeptanz der Windenergie vor Ort zu verbessern und den Bürgerwind-Gedanken zu stärken: „Das Bergrecht hat eine Entkopplung vom Grundeigentum möglich gemacht, dank Konzessionen können Bergbauunternehmen unter privaten und öffentlichen Grundstücken Bodenschätze abbauen.“

Was unter Tage möglich ist, so Thiers Überlegung, müsse auch in der Luft möglich sein. Danach sollten Kommunen im Luftraum über ihrem Gemeindegebiet für Windenergieanlagen mit einer Gesamthöhe von mehr als 100 Metern nach einem noch auszuarbeitenden Leitfaden „Windenergie-Konzessionen“ vergeben können. Diese Konzessionen können nach Thiers Überlegungen nur die Projektentwickler und Interessenten erhalten, die sich verpflichten, an den geplanten Windparks zur Hälfte die Bürger vor Ort zu beteiligen.

Dass Thier bei seinem „Luftraum-Modell“ auf eine starke Einbindung der lokalen Bevölkerung setzt, kommt nicht von ungefähr. Genau das gehört zur DNA der im Mai 2012 gegründeten BBWind mit Sitz in Münster, deren Geschäftsführung seit Beginn an in Thiers Händen liegt. Mit der Idee eines „Bäuerlichen Bürgerwindparks“ setzt BBWind vor allem auf einen „finanziellen Interessenausgleich“ zwischen Landwirten, Grundstückseigentümern und Anwohnern, die in der Nähe des neuen Windparks leben. Rund 4.000 Bürger konnten sich so an den 113 Windturbinen mit einer Leistung von mehr als 420 MW beteiligen, die dank der Beratungsleistung der Westfalen in den vergangenen acht Jahren entstanden sind.

Keine Frage, dass BBWind-Chef Thier eine Reihe von Vorteilen in seinem „Luftraum-Modell“ sieht: „Durch die kommunal getroffenen Entscheidungen erhöht sich zweifellos deutlich die Akzeptanz vor Ort. Außerdem helfen diese Entscheidungen, dass die maximale lokal darstellbare Wertschöpfung aus dem Windenergieprojekt vor Ort verbleibt, sodass Bürger und Kommunen eine maximale Wertschöpfung erreichen.“ Dank möglicher Luftraum-Konzessionen sieht Thier das „Mitspracherecht“ von Kommunen bei neuen Windparkprojekten „deutlich gestärkt“: „Sehr wichtig ist allerdings, dass die Konzession nicht zu einer zusätzlichen kommunalen Abgabe wird, sondern Regelungen und Bedingungen enthält, die Wertschöpfungen für die Bürger vor Ort bewirkt.“ Nur dieses Vorgehen trage zur Akzeptanzsteigerung für die Windenergie bei.

Für Vorschläge, wie die Akzeptanz für Windenergie an Land verbessert werden kann, ist Thorsten Müller immer zu gewinnen. Die Realisierungschancen für den Vorschlag von BBWind hält der Forschungsleiter der Stiftung Umweltenergierecht aber aus gleich zwei Gründen für äußerst gering. „Die Analogie zum Bergrecht ist nicht stichhaltig. Konzessionen im Bergbau werden vergeben, weil es sich unter Tage in der Regel um begrenzte Ressourcen handelt, die nur von einem Unternehmen genutzt werden können. Wind bildet sich immer wieder neu und ist daher als erneuerbare Ressource nicht knapp."

Auch aus Brüssel hält Müller Schwierigkeiten für mögliche, falls die „Luft-Konzessionen“ es jemals in einen Gesetzestext schaffen sollten: „Dass die Konzessionen an die Vorgabe gekoppelt sein soll, dass die Hälfte des Windparks für unmittelbare Anwohner reserviert sein muss, könnte eine Verletzung der Kapitalverkehrs- oder Niederlassungsfreiheit bedeuten, die zu den vier Grundfreiheiten der Europäischen Verträgen zählen.“ Ausländische Investoren, die in Deutschland einen Windpark errichten und kaufen wollten, würden durch eine solche Klausel benachteiligt, es müsste daher ein Rechtfertigungsgrund gegeben sein, der sich bei 50 Prozent nicht aufdrängt.

Die Suche nach einem umfassenden Modell, mit die Akzeptanz der Windenergie vor Ort (wieder) verbessert werden kann, geht also weiter.

 
Möchten Sie diese und weitere Nachrichten lesen?
 
 
Testen Sie E&M powernews
kostenlos und unverbindlich
  • Zwei Wochen kostenfreier Zugang
  • Zugang auf stündlich aktualisierte Nachrichten mit Prognose- und Marktdaten
  • + einmal täglich E&M daily
  • + zwei Ausgaben der Zeitung E&M
  • ohne automatische Verlängerung
 
Jetzt kostenlos testen
 
Login für Kunden
 

Kaufen Sie den Artikel
  • erhalten Sie sofort diesen redaktionellen Beitrag für nur € 8.93
 
JETZT ARTIKEL KAUFEN
Mehr zum Thema

 
Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?
 
Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter  vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.
 
WEITERE INFORMATIONEN
© 2021 Energie & Management GmbH
Montag, 30.12.2019, 15:20 Uhr