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Enerige & Management > Recht - Mehr Arbeit, aber auch mehr Anbieter
Bild: Fotolia.com, H-J Paulsen
RECHT:
Mehr Arbeit, aber auch mehr Anbieter
Anwälte für Energierecht sind weiter sehr gut ausgelastet. Aber die Zahl der Anbieter steigt. Nicht alle Auftraggeber sind bereit, weiterhin sehr hohe Honorare zu zahlen.
 
Auch im Energierecht wachsen die Bäume nicht mehr in den Himmel. Zwar werden immer neue rechtliche Regelungen für die Energiebranche verabschiedet, womit immer mehr Bedarf für rechtlichen Rat entsteht. Aber gleichzeitig drängen immer mehr Anbieter in den Markt. Die Konkurrenz wird größer, und die Stundensätze steigen nicht mehr unbegrenzt. „Nahezu alle Großkanzleien haben mittlerweile eigene Energierechtsabteilungen oder sind dabei, diese aufzubauen“, sagt Burghard Hildebrandt von der Kanzlei Gleiss Lutz. Auch die „Boutique“-Kanzleien, die sich auf das Energierecht oder daraus resultierende Einzelfragen konzentrieren, nehmen an Zahl und Größe zu.

Vor fünf Jahren noch wurden viele Aufträge freihändig an eine der wenigen überhaupt vorhandenen Energierechtskanzleien vergeben. „Heute wird man eingeladen und sieht sich plötzlich in einem Beauty Contest mit anderen Kanzleien, die sich um das gleiche Mandat bewerben“, sagt ein Branchenkenner. Zunehmend setzen Unternehmen auch darauf, eigene energierechtliche Kompetenz aufzubauen, um nicht mehr bei jeder Frage auf externen Sachverstand angewiesen zu sein.

Zusätzlich kommen neue Anbieter in den Markt, beispielsweise große Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Unternehmen wie PricewaterhouseCoopers (PwC) oder KPMG gehen als Wirtschaftsprüfer ohnehin bei den Energieunternehmen ein und aus und haben umfangreiche energiewirtschaftliche Kenntnisse. Ihre Zahlen und Testate spielen bei der Netzregulierung und/oder der Energiesteuererstattung ohnehin schon eine große Rolle. Da ist es naheliegend und sehr lohnend, den Kunden gleich auch noch Beratung in rechtlichen Fragen anzubieten.

„Mittlerweile arbeiten bei uns 47 Anwälte allein im Bereich Energierecht. Wir haben diese Kompetenzen seit 2007 zielgerichtet ausgebaut“, sagt Peter Mussaeus, der Leiter der Praxisgruppe Energierecht bei PwC Legal: „Unser Vorteil ist, dass wir viele Entwicklungen in der Energiebranche kennen und in unserem Netzwerk aus 9 000 Experten schnell jemanden finden, der für unsere Mandanten nicht nur die juristischen, sondern auch die wirtschaftlichen, technischen oder steuerlichen Aspekte eines Projektes einschätzen kann. Deshalb ist in vielen Fällen unser Einarbeitungsaufwand relativ gering.“ Vor einigen Jahren hat sich PwC mit der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Wibera zusammengeschlossen, die lange Zeit eine Tochtergesellschaft des Deutschen Städte- und Gemeindebundes war. Daraus sind langjährige Kundenbeziehungen und die Nähe von PwC zur Kommunalwirtschaft entstanden.

„Es gibt Rechtsthemen, die werden zur Commodity, also zum Standardprodukt. Das gilt zum Beispiel für eher technische Einzelfragen bei der Entgeltfestsetzung“, sagt Gleiss-Lutz-Anwalt Hildebrandt: „Die Großkanzleien werden immer schauen, dass sie bei den neuen Themen vorne sind, bei denen es noch keine festgelegten Verfahren gibt und bei denen die Zahl der Experten klein ist.“

Während internationale Großkanzleien nach Angaben von Branchenkennern Stundensätze von über 400 Euro abrechnen, liegen die Sätze bei mittleren und kleinen deutschen Kanzleien deutlich niedriger.

Hochinteressant sind für Kanzleien beispielsweise ausländische Unternehmen, die über den Einstieg in den deutschen Markt nachdenken. „Für diese ist es entscheidend, den sich ständig ändernden Regulierungsrahmen in Deutschland zu verstehen, denn der entscheidet über das Wohl und Weh des gesamten Projektes“, sagt Hildebrandt. „Solche Mandate sind natürlich attraktiv.“ Hier komme es auf die Verbindung von rechtlichem und wirtschaftlichem Sachverstand an.
Aber auch deutsche Unternehmen stehen ständig vor neuen rechtlichen Herausforderungen, beispielsweise durch neue Normen wie die Kraftwerksstilllegungsverordnung. Wie genau sind beispielsweise die Meldepflichten zu verstehen, wenn ein Kraftwerk vom Netz genommen werden soll? Und wie können solche Kraftwerke von den höchstmöglichen Zuschüssen für den Weiterbetrieb profitieren? Die richtigen Antworten auf diese Fragen können über die Wirtschaftlichkeit ganzer Unternehmenszweige entscheiden. Da macht es keinen Sinn, juristisch herumzustümpern.

Die konjunkturellen Entwicklungen in der Energiebranche bestimmen das Geschäft der Anwälte. „Die Arbeit an Infrastruktur-Vorhaben wie dem Neubau von Kraftwerken ist deutlich zurückgegangen. Bei neuen Projekten ist der Markt praktisch tot“, sagt Christian von Hammerstein von der Kanzlei Raue in Berlin. „Das merken natürlich auch die Anwälte.“ Aufschwung bringen den Juristen ausgerechnet die sich verschlechternden Geschäftsaussichten der Branche. „In den Unternehmen gibt es einen unheimlichen Kostendruck. Gerade Firmen, die selber Kraftwerke haben, müssen mit den Kosten runter“, sagt von Hammerstein. Auf der Suche nach Kostensenkungspotenzial würde versucht, nahezu jeden bestehenden Liefer- oder Transportvertrag nachzuverhandeln oder aufzukündigen. „Die Verzweifelung ist so groß, dass es keine Hemmungen gibt, sich mit Vertragspartnern auch vor Gericht zu streiten“, so der Anwalt.

Neu ist, dass der Markt für erfahrene Energierechtler nicht mehr so gut wie leergefegt ist - Projektentwickler entlassen erfahrene Juristen. Und auch von den großen Energieversorgern wechseln Spitzen-Juristen neuerdings häufiger zu Anwaltskanzleien. CMS Hasche Sigle sicherte sich den ehemaligen Eon Ruhrgas-Mitarbeiter Friedrich von Burchard; Gleiss Lutz warb den RWE-Juristen Tobias Leidinger ab.

 
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Montag, 07.10.2013, 10:52 Uhr