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Enerige & Management > IT - Mehr Erlöse und mehr Effizienz
Bild: itestroorig / Fotolia
IT:
Mehr Erlöse und mehr Effizienz
Über Smart-City-Projekte können Energieversorger neue Geschäftsfelder erschließen − und Ansatzpunkte finden, sich selbst erst einmal zu optimieren.
 
Das intelligente Messwesen ist ein wesentlicher Treiber der Digitalisierung in der Energiewirtschaft − der wesentliche Treiber, wenn es nach den Vätern des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende geht. „Wenn wir die Smart City betrachten, müssen wir aber über den energiewirtschaftlichen Horizont hinausschauen“, gibt Franz Schulte zu bedenken. Gerade wenn es um die Frage gehe, wie sich Stadtwerke künftig jenseits des reinen Kilowattstundenverkaufs positionieren können, sei es ratsam, den Blick etwas zu weiten und auf das Internet of Things (IoT) insgesamt zu richten, so der Geschäftsführer der Thüga Smart Service GmbH (TSG).

Allerdings spricht er, wenn er „IoT“ sagt, lieber von der „Intelligenz der Dinge“. Diese stoße die Tür zu neuen Geschäftsmodellen weit auf. Gleichzeitig eröffnet sie aber auch eine ganze Reihe von Möglichkeiten, die Effizienz der eigenen Prozesse zu steigern.

Vom Internet der Dinge zur Intelligenz der Dinge

„So nähern sich auch die meisten Stadtwerke dem Komplex IoT. Sie suchen erst einmal nach Ansatzpunkten, um sich selbst zu optimieren“, berichtet Schulte. In Nürnberg hat die Thüga-Tochtergesellschaft beispielsweise die Ablesung von Schachtwasserzählern erheblich vereinfacht. Die Geräte sind oft an schwer zugänglichen Orten installiert, zum Teil in Schächten unter viel befahrenen Straßen.

Meist werden sie nur einmal pro Jahr abgelesen. Dies ist aber in der Regel mit einem hohen Aufwand verbunden, sowohl sicherheitstechnisch als auch zeitlich. „Zwei Leute müssen hinfahren, sich für den Abstieg sichern, eventuell Wasser abpumpen, eine Gasmessung machen und am Ende haben sie einen Messwert“, so Schulte. Bei Fernwärmezählern gebe es zum Teil ähnlich schwierige Bedingungen. „Die Ablesung via Lorawan bringt da einen schnellen Return on Invest“, betont er.

Gemeinsam mit der N-Ergie, dem kommunalen Energieversorger vor Ort, hatten sich die Spezialisten der Thüga vor Beginn des Projekts im Januar 2019 verschiedene Technologien angesehen und das Long Range Wide Area Network − diese Bezeichnung verbirgt sich hinter dem Kürzel Lorawan − als die beste befunden. Eine große Reichweite, eine gute Durchdringung bis in Kellerräume hinein und eine hohe Energieeffizienz sind die Argumente, die für ihren Einsatz sprechen. Deshalb hat mittlerweile eine ganze Reihe von Stadtwerken aus dem Thüga-Verbund ein solches Funknetz aufgebaut.

Lorawan kommt auch im jüngsten Projekt in Koblenz zum Einsatz. Dort werden in einer „Klimastraße“ ein Parkleitsystem, eine optimierte Ladeinfrastruktur und Sensorik zur Ermittlung von CO2- und anderen Emissionen getestet. Partner ist die Energieversorgung Mittelrhein (EVM). Der kommunale Versorger hatte sich Anfang 2020 in einer Ausschreibung des Kompetenzcenters Innovation der Thüga für die Umsetzung des Reallabors durchgesetzt. Ausschließlichen − im eigentlichen Wortsinn − Charakter hat das Vorhaben nicht. Ganz im Gegenteil. Von den Erfahrungen, die in der Klimastraße gesammelt werden, sollen am Ende alle Unternehmen des Thüga-Netzwerks profitieren.

Die Smart-City-Anwendungen, die auf Lorawan aufsetzen können, sind vielfältig − von intelligenten Müllcontainern über intelligente Straßenbeleuchtung und die Erfassung von Umweltdaten bis hin zum „Zufriedenheits-Button“, mit dem beispielsweise Einzelhändler ihre Servicequalität bewerten lassen können.
 
Franz Schulte: „Die Ablesung via Lorawan bringt einen schnellen Return on Invest“
Bild: Thüga Smart Service

Bei aller Euphorie so mancher Versorger über die Chancen auf mehr Effizienz und mehr Erlöse dürfe man nicht den Mehrwert für den Kunden aus dem Blick verlieren. Denn das Internet der Dinge könne nur dann wirklich Nutzen stiften, wenn die Sensordaten auch intelligent verarbeitet und für den Kunden aufbereitet werden. Auf einer „Big Data Plattform“ laufen bei der Thüga die verschiedenen Quellen zusammen, egal ob Lorawan-Anwendung oder intelligentes Messsystem. Sie bildet die Grundlage für einen Mehrwert, der Schulte besonders am Herzen liegt: „Der Kunde sollte unbedingt Datenzugriff über ein einziges Portal erhalten.“ Erst dann könne man von einem echten IoT-Ökosystem sprechen. Schulte geht davon aus, dass ein Kunde kaum Verständnis dafür hätte, wenn er über viele unterschiedliche Schnittstellen viele unterschiedliche Einzelsysteme mit vielen unterschiedlichen Benutzeroberflächen im Blick haben müsste.

Als den Rettungsanker für Stadtwerke, die statt kWh mehr und mehr Dienstleistungen anbieten wollen und müssen, sieht Schulte das Internet der Dinge allerdings nicht. „Es ist zweifellos ein wichtiger Baustein“, so der TSG-Geschäftsführer. Die „natürliche“ Partnerschaft mit der jeweiligen Kommune und der Zugang zu den Gewerbe- und Haushaltskunden bringe den Versorger vor Ort in eine sehr gute Position. Entsprechend stehen die Chancen auch gut, sich als Telekommunikationsanbieter zu profilieren. Dieses Geschäftsfeld gehöre nun mal dazu, wenn man den Slogan „Alles aus einer Hand“ wirklich mit Leben erfüllen wolle, gerade im Hinblick auf die Entwicklung von Quartierslösungen.

Zielgruppe für Quartierslösungen und das Submetering ist vor allem die Wohnungswirtschaft. Vor dem Hintergrund von § 6 des Messstellenbetriebsgesetzes (MsbG) dürfte sie ab dem 1. Januar 2021 noch einmal einen Attraktivitätsschub bekommen. Denn die Rechtsnorm sieht vor, dass ab dann der Anschlussnehmer statt des Anschlussnutzers den Messstellenbetreiber bestimmen kann. Voraussetzung dafür ist, dass der Messstellenbetreiber anbietet, alle Zählpunkte einer Liegenschaft für Strom mit intelligenten Messsystemen auszustatten und mindestens eine weitere Sparte mit hinzuzunehmen. Insbesondere für wettbewerbliche Messstellenbetreiber ist diese Option attraktiv, weil sie dann der Wohnungswirtschaft Bündelangebote machen können, etwa mit einer Energielieferung oder mit zusätzlichen Datendienstleistungen. Hier kommen die intelligenten Messsysteme ins Spiel.

„Nicht den regulierten Bereich vernachlässigen“

Deshalb, so betont Schulte, dürfe man trotz Goldgräberstimmung in Sachen Netzwerktechnologien nicht den regulierten Bereich des intelligenten Messwesens vernachlässigen. „Denn dort, wo Strom- und Gaszähler zum Einsatz kommen, ist jetzt ein BSI-zertifiziertes Smart Meter Gateway als Kommunikationseinheit zum Zähler vorgeschrieben“, stellt er klar. Die Regulierung gibt zwar vor dem 31. Januar 2020 verbauten alternativen Technologien einen gewissen Bestandsschutz. Seit der sogenannten Markterklärung des Bundesamts für Sicherheit in der Kommunikationstechnik (BSI) Anfang des Jahres sind aber die Smart Meter Gateways zur Übertragung abrechnungs- und netzrelevanter Stromdaten obligatorisch.
 
Mieterstromprojekt mit den Stadtwerken Energie Jena-Pößneck: Solche Projekte sind durch das intelligente Messwesen überhaupt erst automatisiert umsetzbar
Bild: SWJ/Jürgen Scheere

Dass der Startschuss für den offiziellen Rollout von intelligenten Messsystemen damit erst vor wenigen Monaten erfolgt ist und sicherlich noch etwas Zeit braucht, um Fahrt aufzunehmen, sieht Schulte keineswegs als Hemmschuh für die Entwicklung von Smart Cities. Zum einen seien die unregulierten Bereiche ja ohnehin nicht auf die Smart Meter Gateways angewiesen. „Zum anderen laufen unsere Vorbereitungen auf den Smart Meter Rollout schon mehrere Jahre, sodass wir direkt die Geräte ins Feld bringen können“, sagt der TSG-Geschäftsführer.

Vor allem Mieterstromprojekte seien durch das intelligente Messwesen überhaupt erst automatisiert umsetzbar. Vor diesem Hintergrund verweist er auf ein gemeinsames Projekt mit den Stadtwerken Jena-Pößneck, das im Herbst 2019 angelaufen ist. Dort hat die Thüga-Tochtergesellschaft einen automatisierten Prozess implementiert, der stichtagsgenaue Abrechnungen ermöglicht und direkt die Mengen aus der lokalen PV-Anlage und die Zulieferung aus dem Netz berücksichtigt. „Transparenz und Sicherheit, die das Smart Meter Gateway gewährleistet, kommen bei solchen Projekten voll zum Tragen“, betont Schulte. So sieht also ein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell im intelligenten Messwesen aus.

 
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Freitag, 31.07.2020, 08:56 Uhr