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Enerige & Management > Windkraft - Mit der Kraft des Doppel-Rotors
Bild: Bild: DeTec_Vision
WINDKRAFT:
Mit der Kraft des Doppel-Rotors
Die Schweizer Anerdgy AG hat eine wirklich ungewöhnliche Kleinwindanlage selbst entwickelt. In diesem Sommer ist der Vertrieb angelaufen.
 
Die Windenergie habe ihn schon immer fasziniert, erzählt Christian Burri fast schwärmerisch. Die Chance, eine Windturbine auf seinem Hof im schweizerischen Lenggenwil im Kanton St. Gallen zu errichten, habe sich ihm aber lange Zeit nicht geboten. Ohnehin tun sich Eidgenossen mit der Windkraftnutzung schwer. Obwohl es in der Schweiz schon seit 30 Jahren Förderprogramme gibt, sind landesweit nur einige Dutzend Anlagen mit zusammen rund 75 MW Leistung in Betrieb.
Vor anderthalb Jahren packte Landwirt Burri die Chance beim Schopf, seinen Traum, „ein Energiewirt zu werden“, in die Realität umzusetzen. Auf seinem Scheunendach installierte er den ersten Prototypen einer Kleinwindanlage mit einem nicht alltäglichen Doppelrotor, der auf eine Leistung von 1,2 kW bei einer Windgeschwindigkeit von 10 m/s ausgelegt ist.

Auch wenn ein „gewaltiger Frühjahrssturm“ die Anlage vom Typ Anerdgy B-60 mit einem Gesamtgewicht von rund 90 Kilogramm beschädigt hat, ist Burri von dem innovativen Konzept „zutiefst“ überzeugt: Anfang August erhielt er das upgedatete Serienmodell für sein Scheunendach.

Die erste Miniserie ist ausgeliefert

Was Sven Köhler begrüßt. Der Gründer der 2012 ins Leben gerufenen Anerdgy AG mit Sitz in Zürich, die vor allem von zwei Investoren aus der Schweiz getragen wird, hat stressige Wochen hinter sich. Sein Unternehmen hat nach mehreren Prototypen eine erste Miniserie mit zehn Anlagen der „Windpower@home B-60“ fertigen lassen und an Kunden ausgeliefert: „Für uns ein wichtiger Schritt, denn hinter uns liegt eine mehrjährige Grundlagen- und Entwicklungsarbeit“, so Köhler.
Für den diplomierten Gebäudetechnik-Ingenieur ist es nicht die erste Erfahrung mit der Windenergie. Köhler arbeitete just in den Jahren in der Erneuerbaren-Abteilung beim Alstom-Konzern, als dessen Management den spanischen Windturbinenhersteller Ecotecnia übernahm. Dessen Multi-Megawatt-Anlagen waren für ihn „eine Nummer zu groß“, Köhler verfolgte einen weitaus kleineren Zuschnitt, um direkt an Gebäuden Nachhaltigkeit zu erreichen. „Wir wollten die Dächer viel mehr und auch anders nutzen. Nicht nur für Begrünung und Terrassen, sondern neben der Photovoltaik auch für andere erneuerbare Energien.“ Und so kam die Kleinwindtechnologie in das Leben von Sven Köhler.
 
Viel bestaunte Neuheit auf dem Scheunendach von Landwirt Christian Burri: der Anerdgy-Doppelrotor
Bild: Anerdgy AG

Dass Miniräder „durchaus etwas anders aussehen können als gewohnt“, bewiesen Köhler und sein mittlerweile zehnköpfiges Team mit ihrer „Windrail“-Produktlinie, einem kombinierten Solar-Windkraftwerk für Flachdachgebäude. Dabei waren die Windturbinen in Form eines Schaufelrades in einen mannshohen Kasten eingelassen, der direkt über der Traufe saß, also dem Übergang von der Fassade zum Dach. Auf der Oberseite des Kastens hatte Anerdgy die Solarmodule angebracht.

Hierzulande startete die Berliner Wohnungsbaugesellschaft Gewobag ED Energie- und Dienstleistungsgesellschaft zusammen mit den Berliner Stadtwerken Ende 2016 ein erstes Pilotprojekt mit zehn dieser Windrail-Module, die auf jeweils 22 kW Leistung ausgelegt waren − für ein Mieterstromprojekt auf einem zwölfstöckigen Hochhaus im Stadtteil Spandau. Rund zwei Jahre später musste das Kombi-Kraftwerk allerdings abgebaut werden.

Solateure sind die eigentlichen Vertriebspartner

Von der Windrail-Idee sei er nach wie vor angetan, erklärte Karsten Mitzinger, Geschäftsführer der Gewobag, gegenüber E&M: „Alle Partner hatten den Windertrag für eine solche Anlage in der Stadt aber überschätzt, Windrail war einfach nicht wirtschaftlich“, weshalb Mitzinger diese Konstruktion eher auf Industriebauten sieht. Außerdem habe es bei dem Spandauer Projekt Ärger mit Mietern gegeben, die sich durch die Geräusche der Miniwindanlagen belästigt fühlten.

Auch für die neue „Windpower@home B-60“ ist das Anerdgy-Team neue Wege gegangen. „Das Grunddesgin, der Generator und die Steuerung stammen von uns“, sagt der gebürtige Deutsche Köhler, „lediglich bei der Geometrie der Rotorblätter haben wir auf Expertenwissen zurückgegriffen.“ Viel Gehirnschmalz hat das Entwicklungsteam nach Köhlers Worten darauf verwandt, die Vibrationen und Geräusche auf „low level“ zu reduzieren: „Das war sicherlich mit eine unserer größten Herausforderungen“, so Köhler, „der Wind, der über das Dach weht, ist lauter als unsere Anlage.“
 
Sven Köhler: „Wir erreichen erst dann schwarze Zahlen, wenn wir jährlich an die 1.000 Anlagen verkaufen“
Bild: Anerdgy AG

Um die Schwingungen der Anlage, wenn sie auf dem Dach montiert ist, zu reduzieren, ist das Anerdgy-Team mehrere Wege gegangen. „Die gesamte Konstruktion inklusive der Blätter ist so ausgelegt, dass sie per se möglichst wenige Vibrationen erzeugt. Wir haben alles, was rotiert, schallentkoppelt“, zeigt sich Köhler zufrieden, „warum soll das, was beim Auto gang und gäbe ist, nicht auch bei unserer Windkraftanlage funktionieren?“ Die B-60-Anlage sei „technische Wertarbeit“, sagt der Anerdgy-Chef. Deshalb ist ihm auch nicht bange, sie zertifizieren zu lassen. Geplant ist dieser „Check“ ab Ende des Jahres auf einem Testfeld im norddänischen Hurup Thy, das das dortige Folkecenter for Vedvarende Energi betreibt.

Gespannt ist Köhler vor allem, wie sich die ersten zehn ausgelieferten Anlagen „im Feld“ bewähren: „Wir haben diese Miniserie mit zusätzlichen Sensoren ausgestattet, um den Betrieb und mögliche Fehlerquellen genau verfolgen zu können.“ Da Anerdgy über keine eigene Fertigung verfügt, hat ein Maschinenbauunternehmen aus dem sächsischen Chemnitz die Montage und die spätere Auslieferung der ersten Anlagen übernommen. „Wir sprechen immerhin mit über 16 Unterlieferanten für die einzelnen Bauteile, die für eine Anlage zusammengesetzt werden müssen“, so Köhler.

Kunden von Anerdgy sind keine Privatbetreiber, sondern Solateur-Betriebe in Deutschland und der Schweiz. „Diese Betriebe, die sich auf die Installation von Photovoltaikanlagen spezialisiert haben, sehen in unserer Kleinwindanlage eine willkommene Ergänzung“, erklärt Sven Köhler das Vertriebskonzept, „die Anlage wird einzeln oder im dezentralen Gesamtpaket mit einer Solaranlage plus Speicher angeboten.“ Je nach Standort soll der B-60-Doppelrotor zwischen 500 und 1.500 kWh im Jahr erzeugen. Der empfohlene Verkaufspreis liegt bei rund 7.500 Euro.

Im ersten Schritt sucht Anerdgy Vertriebspartner in Deutschland und der Schweiz. Dabei soll es aber nicht bleiben: „Wir wollen in möglichst vielen Ländern präsent sein“, betont Sven Köhler, „wir erreichen erst dann schwarze Zahlen, wenn wir jährlich an die 1.000 Anlagen verkaufen.“ E&M
 

 
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Dienstag, 22.09.2020, 09:34 Uhr