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GASMARKT:
Möhring: "Vollversorgung ist kaum mehr gefragt"
Ludwig Möhring, Geschäftsführer der Kasseler Wingas, über Erdgasvertrieb im Klammergriff zwischen Klimaschutz und Überangebot.
 

E&M: Herr Dr. Möhring, Niedrigpreisphase und Gasschwemme halten an. Macht der traditionelle Gasvertrieb überhaupt noch Spaß?

Möhring: Die Bedingungen haben sich massiv verändert verglichen damit, wie wir vor zwei Jahren das Geschäft betrieben haben. Der Trend geht weiter weg vom langfristigen Liefervertrag hin zu kurzfristigeren Vereinbarungen. Solche Situationen erfolgreich zu managen, gehört zu den Aufgaben eines Erdgasunternehmens.

E&M: Im Energiekonzept der Bundesregierung kommt Erdgas praktisch nicht vor. Motiviert Sie das in Ihrer Arbeit?

Ludwig Möhring: „Die Vorteile von Erdgas sind auf EU-Ebene erkannt worden"
Bild: Wingas

Möhring: Wer bald und nachhaltig Kohlendioxid verringert sehen will, kommt an Erdgas nicht vorbei. Erdgas ist bezahlbar, liefert schon heute eine technisch machbare CO2-Reduzierung, ist verfügbar und in der Bevölkerung akzeptiert. Die Vorteile von Erdgas sind auf EU-Ebene erkannt worden, wo der Energieträger eine ganz andere Rolle in der Energieversorgung spielt und spielen soll. Hier bewegt sich Deutschland noch auf einer anderen Schiene. Wir sind aber davon überzeugt, dass die klaren Fakten auch die hiesigen Entscheidungsträger noch überzeugen werden.

E&M: Wo und womit kann man denn im Moment als Gasversorger punkten?

Möhring: Das vor Jahren noch prognostizierte Wachstumspotential am Wärmemarkt wird sich nicht in dem Umfang einstellen. Wichtig bleibt aber, dass der Wärmemarkt seinen CO2-Ausstoß reduziert - und da wird Erdgas vielfach unterschätzt.

„Langfristige Partnerschaften bleiben wichtig"

E&M: Stadtwerke gehen heute selbst in die Produktion oder schließen Verträge mit Produzenten ab. Ist da überhaupt noch Platz für ein Unternehmen wie Wingas?

Möhring: Die klassische Wingas-Wertschöpfung, Erdgas zu importieren, zu transportieren, zu strukturieren und dann weiterzuverkaufen, ist in der traditionellen Form nicht mehr gegeben. Das Geschäft ist komplexer, aber auch spannender geworden. Langfristige Partnerschaften mit großen Regionalversorgern und Stadtwerken bleiben dennoch wichtig und bestehen. Und wir haben im Wettbewerb eine ganze Reihe von neuen Kunden gewonnen, an die wir in der Vergangenheit gar nicht rangekommen wären.

E&M: Was verlangen die Kunden?

Möhring: Vollversorgung ist kaum mehr gefragt. Heute wird anders beschafft. Die Kunden suchen im Grunde genommen Möglichkeiten, Preisrisiken zu managen. Und all diese Produkte bieten wir an.

E&M: Im Herbst wird das erste Gas über die Ostseepipeline nach Deutschland kommen. Gibt es überhaupt Bedarf für zusätzliches Gas aus Russland?

Möhring: Wir sehen in Europa vor dem Hintergrund zurückgehender Eigenproduktion durchaus Bedarf für russisches Gas. Es geht bei der Nord Stream aber sicherlich auch um Diversifizierung der Lieferwege und zusätzliche Liefersicherheit.

E&M: Auch Wingas setzt neuerdings auf KWK als Garanten für ihren Erdgasabsatz. KWK wird aber schon lange propagiert und hat sich nicht durchgesetzt. Setzt Wingas da auf das falsche Pferd?

Möhring: Ich glaube, dass die Vorteile der KWK auf der Hand liegen: die effiziente und dezentrale Stromerzeugung. Kraft-Wärme-Kopplung ebnet uns den Weg zu den großen Stadtwerken und unabhängigen Stromerzeugern, mit denen wir eine Reihe von Verträgen haben. Ich glaube, dass wir auch hier Erdgas gut positionieren können.

„Millionenschweres Programm für die nächsten Jahre"

E&M: Sie haben ein Förderprogramm für Mikro-KWK, also kleine Anlagen für Ein- und Zweifamilienhäuser aufgelegt. Mit welchen Zielen?

Möhring: Wir sehen, dass hier die KWK noch nicht wettbewerbsfähig ist. Wir haben ein millionenschweres Programm für die nächsten Jahre aufgelegt, weil wir glauben, mit Stadtwerken als Partnern erfolgreich sein zu können. Wir sind der Meinung, dass KWK das richtige Konzept ist, um nachhaltig CO2 zu reduzieren.

E&M: Sehen Sie mittelfristige einen wachsenden Absatzmarkt für Gas in Gaskraftwerken, für die momentan wenig Bedarf erkennbar ist?

Möhring: Vor dem Hintergrund des Energiekonzepts steht der Weiterbetrieb einiger Gaskraftwerke aktuell in Frage. Auch neue Projekte können kaum mehr durchgesetzt werden. Wir laufen deshalb als Volkswirtschaft Gefahr, in den nächsten Jahren einen Investitionsstau zu bekommen. Ich sehe aber auch Projektbetreiber, die bereit sind, Geld in die Hand zu nehmen, weil sie zu erkennen glauben, was sich in den nächsten Jahren am Markt tun wird. Da muss sich dann die Gasindustrie bewegen - auch weil neue Kraftwerke mit Verträgen, die vor zehn Jahren gemacht wurden, so nicht mehr darstellbar sind.

E&M: Lange wurde argumentiert, Gaskraftwerke könnten nicht gebaut werden, weil es kein Gas beziehungsweise keine geeigneten Verträge dafür gibt. Sind da Änderungen absehbar?

Möhring: Wir müssen Möglichkeiten finden, die Risiken zwischen Lieferanten und Kraftwerksbetreibern zu verteilen. Dann wird es für beide Seiten interessant. Volkswirtschaftlich sehe ich überhaupt keine Alternative zu Gaskraftwerken. Wer erneuerbare Energien nach vorne bringen will, kommt um Erdgas nicht herum.

E&M: Gespräche zwischen Gasproduzenten und Gasimporteuren über die Preise hat es immer gegeben. Was unterscheidet die aktuellen Verhandlungen, die eine Anpassung der Preisbildungsmechanismen zum Ziel haben, von früheren?

Möhring: Die Gespräche heute werden in anderen Dimensionen geführt als in der Vergangenheit. Ging es zu Zeiten der ölindexierten Preise viel mehr um Details, finden heute schon fast fundamentale Diskussionen statt. Die Gespräche sind dadurch sehr viel komplexer geworden.

Ludwig Möhring (48) ist seit April 2010 Geschäftsführer für Vertrieb der Wingas GmbH in Kassel. Möhring kam von Shell Energy Europe, wo er seit 2004 unter anderem den Vertrieb an Großkunden in Nordwesteuropa verantwortete. Er ist seit 1992 in der Energiebranche tätig, 2000 wechselte er von der BEB Erdgas und Erdöl GmbH in Hannover zu Shell Gas & Power nach London.


 
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Freitag, 04.03.2011, 08:58 Uhr