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Enerige & Management > Stromnetz - Netzausbau und Speicher im Einklang
Bild: Tom Bayer, Fotolia
STROMNETZ:
Netzausbau und Speicher im Einklang
Netzausbau und Speicher – dass das eine das andere nicht unnötig macht und man beides angehen muss, darüber herrschte auf dem diesjährigen „IRES“-Symposium von Eurosolar Einigkeit.
 
„Netze zuerst, Speicher später – das kann es nicht sein“, stellte Michael Sterner, Wissenschaftler an der OTH Regensburg auf der Speicherkonferenz Ires klar. Mit der Sektorkopplung würden Speicher in allen Bereichen benötigt, unterstreicht er. Langfristig würden durch Speicher die Systemkosten gesenkt.

Sterner betont: „Wir brauchen mehr als eine Infrastruktur.“ Neben den Batteriespeichern würde vor allem die Gasnetzinfrastruktur benötigt. Der Experte hält daher zukünftig eine gemeinsame Planung von Strom- und Gasnetzen für sinnvoll. „Gasspeicher sind vor allem auch dort relevant, wo man keine Wärmepumpen einsetzen kann, zum Beispiel im Altbau“, erläutert Sterner. Man sollte daher bei der Speicherfrage immer die Gebäude mitbetrachten.

Der Wissenschaftler dämpft das Vertrauen auf die Wasserkraftspeicher in Norwegen. „Speicherwasserkraft ist nicht gleich Pumpspeicher“, betont er. Die Vermischung von Salz- und Süßwasser sei problematisch, zudem sei wiederum Netzausbau erforderlich und bei Extremwetter seien die Leitungen unter Umständen nicht verfügbar.

Regulierung für Speicher als Energiewende-Element

Sterner plädiert dafür, Speicher „als viertes Element“ der Energiewende zu definieren. Das Steuer- und Abgabensystem müsse darauf ausgerichtet werden, da ist er sich mit anderen Experten und Branchenvertretern einig. „Es wäre regulatorisch sauber, wenn sich Speicher an den Regelenergie-Ausschreibungen beteiligen könnten“, sagt Erik Riedel, Leiter Umfeldanalyse bei Amprion. Der Übertragungsnetzbetreiber, der in insgesamt 11 000 km Leitungen im Übertragungsnetz Strom transportiert, will nicht nur 2 000 km Netze um- und ausbauen, sondern sich auch bei Power-to-Gas engagieren und hat dazu im Juni eine Kooperation mit Open Grid Europe bekannt gegeben.

Potenzielle Standorte für Anlagen der 50- bis 100-MW-Klasse liegen laut Riedel im nördlichen NRW sowie in Niedersachsen. „Wir gehen davon aus, dass das regulatorische System entsprechend angepasst wird“, sagt der Manager. „Ja, wir können uns vorstellen, Speicher zu betreiben“, betont der ÜNB-Vertreter. Dabei wolle man nicht in die Märkte eingreifen. „Wir werden nicht Eigentümer der Commodities sein, sondern über ihren Einsatz entscheiden, also Manager sein“, stellt er klar. „Die Politik muss entscheiden, ob sie diesen Ansatz will oder nicht.“

„Im Verteilnetz geht der Punk ab“

Änderungen der gesetzlichen Regelungen mahnt auch Frank Pieper, kaufmännischer Geschäftsführer der Wuppertaler Stadtwerketochter WSW Netz GmbH an, der auf der Ires-Konferenz, „als Vertreter der Gesamtheit der deutschen Verteilnetzbetreiber“ (VNB) spricht. 2030 werde es etwa 180 GW Erneuerbaren-Einspeisung in das Verteilnetz geben. Damit einher gehe die Erfordernis, massiv Flexibilitäten in diese Netzebene zu verlegen. Bereits jetzt gehöre auf Grund der vielen angeschlossenen Solaranlagen das Netzmanagement „zum Alltag“ der VNB.

Um der damit erheblich steigenden Verantwortung der VNB gerecht zu werden, müsse „die Kaskade als generelles Prinzip Anwendung finden“ und die entsprechenden Paragrafen im EEG – Pieper nennt die §§ 11 bis 14 – geändert werden. Problematisch ist aus Sicht des Stadtwerke-Vertreters auch die Tatsache, dass den Netzbetreibern der Speicherbetrieb untersagt ist. Hier laufe mit Blick auf die dezentrale Steuerung auch die EU-Strommarktrichtlinie in die falsche Richtung. „Bei uns knallt es zuerst“, sagt der WSW-Geschäftsführer.

Sorge macht Pieper zudem das unkoordinierte Aufwachsen von Ladestationen für die Elektromobilität, an deren Hochlauf vor allem in den Städten er glaubt. „Die Ortsnetztrafos kommen an Hot Spots bei unkoordinierter Steuerung schnell an ihre thermischen Grenzen“, warnt er. Es sei daher „volkswirtschaftlich unsinnig“, nur über den Netzausbau nachzudenken. „Im Verteilnetz geht der Punk ab“, resümiert der WSW-Geschäftsführer. Und das habe sich offenbar herumgesprochen: „Ich habe noch nie so viele und so gute Bewerbungen von Ingenieuren bekommen wie in diesem Jahr“, berichtet Pieper.

NRW beim Netzausbau auf gutem Weg

Dass es nicht überall so schlecht mit dem allseits beklagten fehlenden Netzausbau aussieht, berichtete Phillip Fest, im NRW-Umweltministerium zuständig für den Netzausbau. Allein in Nordrhein-Westfalen sollen zwölf Vorhaben mit insgesamt rund 550 km Länge realisiert werden. „Davon sind bereits 304 km genehmigt, 203 km sind schon gebaut“, so Fest. Bei Erdkabeln habe man eine Genehmigungsquote von 100 %. „Davon kann die Bundesnetzagentur noch nicht reden“, zeigt er sich stolz. Er verweist auch darauf, dass Ende Oktober der erste Spatenstich für die Leitung nach Belgien erfolgt ist. Für drei weitere Vorhaben, die bis 2030 realisiert werden sollen, habe man die Bestätigung der BNetzA, so Fest.

Zugleich finde ein erheblicher Ausbau im Verteilnetz statt. Der Leitungsbedarf habe sich dabei durch das Anwachsen der dezentralen Erzeugung, von den Ballungszentren mit ihren Großkraftwerken in den ländlichen Raum verlagert. „Im 110-kV-Bereich haben wir viele Planfeststellungsverfahren“, sagt der Ministeriale. Als Gründe für den erfolgreichen Netzausbau in NRW nennt Fest die Tatsache, dass die Bewohner von NRW an Infrastruktur gewöhnt seien: Es ist traditionell Energieland, viele Arbeitsplätze hängen auch am Energiesektor. Der Leitungsausbau finde zudem oft an bestehenden Trassen statt. Darüber hinaus gelte vor allem eines: „Man muss rechtzeitig anfangen.“

 
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Montag, 12.11.2018, 10:33 Uhr