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ELEKTROMOBILITÄT:
Neue Mobilitätssysteme für den Alpenraum
Im Rahmen des internationalen Projekts CO2NeuTrAlp erproben 14 Partner innovative Antriebstechnologien und Mobilitätskonzepte im Alpenraum.
 

„Meine persönliche Vision ist, dass die AÜW ihren Kunden in rund zehn Jahren ein Elektroauto zur Verfügung stellen kann, dass sich refinanziert, indem wir es täglich für ein paar Stunden ans Stromnetz nehmen", sagte Michael Lucke, Geschäftsführer der Allgäuer Überlandwerk GmbH (AÜW), am 29. September bei der Auftaktkonferenz zum internationalen Projekt CO2NeuTrAlp in Kempten.

Die Initiative „CO2-neutraler Transport im Alpenraum" wird vom europäischen Fond für regionale Entwicklung, dem bayerischen Umweltministerium sowie der Stadt Sonthofen mit insgesamt 3,37 Mio. Euro gefördert. Geleitet wird das Projekt, das zum September 2008 startete und im August 2011 ausläuft, von der Baum Consult GmbH in München. Die insgesamt 14 Partner aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Slowenien und Italien entwickeln Konzepte für den verstärkten Einsatz von Elektromobilen sowie für Fahrzeuge auf Basis biogener Treibstoffe wie Pflanzenöl und Bioethanol.

Elektromobile als Bestandteil des Netzsystems

Deutscher Projektpartner ist die Allgäunetz GmbH, eine Tochter der Allgäuer Überlandwerk GmbH (AÜW) in Kempten. „Im Allgäu wird derzeit alle zweieinhalb Stunden eine neue Photovoltaikanlage ans Netz genommen", berichtete Michael Fideldey. Der Anteil an unregelmäßiger Stromeinspeisung nimmt nach Aussage des Allgäunetz-Geschäftsführers durch den Ausbau der erneuerbaren Energien stetig zu. Weil dadurch der Bedarf an Regelenergie steige, werde nun die Suche nach geeigneten Energiespeichern forciert. „Die Elektromobilität könnte in zehn, zwanzig Jahren ein fester Bestandteil des Netzsystems sein, da sie einen Beitrag zum Regelenergie-Ausgleich leisten kann", betonte Fideldey. Dazu müssten Verteilnetze, die ursprünglich unidirektional aufgebaut wurden, künftig bidirektional funktionieren. Mit dem Aufbau eines virtuellen Stromversorgungssystem werde daher in Kürze begonnen.

Erste Erfolge von CO2NeuTrAlp sind im Allgäu bereits sichtbar: An mehreren Stellen in Sonthofen, Kempten und Immenstadt können Einheimische und Touristen Elektrofahrräder ausleihen. Doch die AÜW will nicht nur das E-Bike-Projekt unterstützen, sondern frühzeitig selbst Erfahrungen mit unterschiedlichen Elektrofahrzeugen sammeln. „In fünf Jahren soll eine Flotte von etwa 50 Elektrofahrzeugen zur Erprobung aufgebaut werden", kündigte Lucke an. Ziel ist, den Elektro-Fuhrpark zu testen und ihn in ein virtuelles Stromversorgungssystem einzubinden, um später damit Unternehmensflotten zu ersetzen.

Auf diese Weise sollen Szenarien erarbeitet werden, wie Elektroautos zu Zeiten betankt werden können, in denen genügend regenerativer Strom vorhanden ist. Umgekehrt sollen die Batterien der Fahrzeuge während Lastspitzen Strom ins Netz einspeisen. Die Allgäunetz GmbH konzentriert sich dabei neben den technischen Fragen auch auf die Entwicklung neuer Tarif- und Anreizmodelle für das Betanken von Elektromobilen. „Mit den Erkenntnissen über die wirtschaftlichen und ökologischen Effekte wollen wir Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft sowie die breite Öffentlichkeit informieren und sensibilisieren", sagte Fideldey.

Neue Geschäftsmodelle und Dienstleistungen

Neben den Fragen des Betriebs von Elektrofahrzeugen unter den spezifischen Bedingungen des Alpenraums stehen auch Untersuchungen zu neuen Geschäftsmodellen und Dienstleistungen im Fokus des Pilotprojektes. Die AÜW plant, in der Region Kraftwerkskapazitäten im Bereich der erneuerbaren Energien zu bündeln, um größere Ökostrom-Mengen innerhalb des Erneuerbare-Energien-Gesetzes beziehungsweise an der Strombörse zu vermarkten. Darüber hinaus werde an Modellen zum Betrieb eines Netzes von Ladestationen sowie zum Leasing von Batterien gearbeitet.

Übergeordnetes Ziel der AÜW ist die Entwicklung einer umweltverträglichen Erzeugungsstrategie. Bis 2020 soll der Anteil erneuerbarer Energien an der Eigenerzeugung der AÜW von derzeit 26 auf 40 Prozent steigen. Dazu hat sich der Energieversorger an dem geplanten Offshore-Windpark „Borkum-West II" beteiligt und an der Iller mit dem Bau eines weiteren Wasserkraftwerks begonnen. Im Allgäu sieht Lucke künftig das Potenzial für knapp zehn neue Biomasse-Heizkraftwerke. Darüber hinaus seien 15 bis 20 Standorte für Windkraftanlagen mit 2 bis 5 MW Leistung identifiziert worden.

Bei der Verkehrskonferenz in Kempten präsentierten nicht nur die AÜW, sondern auch die weiteren Partner von CO2NeuTrAlp technische und organisatorische Verkehrskonzepte für den Alpenraum. Unter anderem planen die Grazer Verkehrsbetriebe - deren Busse bereits mit Biodiesel laufen - ihre Flotte bis 2010 auf Biogas umzustellen, das aus biogenen Abfällen gewonnen werden soll. Die Agentur für Energie und Umwelt in der französischen Region Rhone-Alpes erarbeitet gemeinsam mit der Gemeinde Pays de Romans und ortsansässigen Landwirten ein lokales Biokraftstoff-Zuliefernetzwerk für reines Pflanzenöl. Zudem plant die Agentur, zusammen mit der Gemeinde Villard de Lans den Aufbau einer solarbetriebenen Ladestation für Elektrobusse, die Touristen von den Parkplätzen zu den Skiliften transportieren. Die italienische Provinz Brescia wird eine Studie über technische Lösungen und Organisationsmodelle für einen emissionsfreien Fährbetrieb auf europäischen Seen durchführen und die Entwicklung eines Solar-Bootes für den Lago d'Idro in Auftrag geben. Die regionale Entwicklungsagentur im slowenischen Litja will in Kooperation mit umliegenden Gemeinden ein integriertes Mobilitätskonzept für die Stadt Kamnik und das tägliche Pendeln nach Ljublijana ausarbeiten. Zudem sollen Machbarkeitsstudien durchgeführt werden, um alternative Antriebstechnologien im öffentlichen Schultransport zu etablieren. Das Verkehrswissenschaftliche Institut der Universität Maribor hingegen entwickelt ein Konzept für ein integriertes Elektro-Bus- und Seilbahn-Ticket auf einer stark von Tagestouristen frequentierten Strecke des Nahverkehrsystems.


 
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Freitag, 09.10.2009, 16:09 Uhr