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Enerige & Management > Smart Meter - Neue Wege zur Wertschöpfung
Bild: Fotolia.com, unique3d
SMART METER:
Neue Wege zur Wertschöpfung
Strom, Gas, Wasser und Wärme wachsen im intelligenten Messwesen zusammen. Dabei treten etablierte Marktteilnehmer teilweise in neuen Rollen auf den Plan.
 
Im Oktober 2019 haben Power Plus Communications (PPC) und BTC Business Technology Consulting die Öffentlichkeit über ihre gemeinsamen Submetering-Aktivitäten informiert. Mit an Bord: der Hersteller von Heizkostenverteilern Qundis. Dessen Geräte wurden seither in einer Reihe von Projekten an die vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifizierten Smart Meter Gateways von PPC angebunden.

Die Messdaten werden zunächst über Funk an Datenlogger im Gebäude gesendet. Via CLS-Schnittstelle des Gateways, über die sogenannte Controllable Local Systems gesteuert werden, werden sie dann an das CLS-Management-System, das von BTC bereitgestellt wird, weitergegeben. Die Submetering-Daten können schließlich visualisiert, weiterverarbeitet und für die Abrechnung verfügbar gemacht werden. Damit haben die Partner nach eigenen Angaben eine „einsatzbereite“ Lösung.
 
Bündelangebote ab 2021 von großer Bedeutung
 
„In diesem Projekt sind wir Hardwarelieferant“, sagt Volker Eck. Doch damit sei die Rolle, die Qundis im intelligenten Messwesen spielt, nicht mehr vollständig beschrieben, betont deren Geschäftsführer. „Wir haben uns mittlerweile zu einem Anbieter von Systemlösungen entwickelt.“ Schon lange bevor das Messstellenbetriebsgesetz die Erfassung und Weiterverarbeitung von Verbrauchsdaten auf eine neue Grundlage gestellt hat, hatte das Unternehmen aus Erfurt das Thema Fernablesung weit oben auf der Agenda. „In Italien haben wir seit über zehn Jahren eigene Gateways im Einsatz und verkaufen dort seit dem allgemeinen Smart Meter Rollout 2013 nur noch per Funk fernauslesbare Geräte mit der entsprechenden Anbindung im Paket“, berichtet er.

Die Lösung besteht aus Heizkostenverteilern, Wasser- und Wärmezählern, Netzwerkknoten und einem Gateway. Die Fernablesung erfolgt über das Gateway, auf dem alle Daten gebündelt werden. Bei Qundis heißt diese Konfiguration Automated Meter Reading (AMR) und wird durch eine cloudbasierte Plattform, auf der die Daten zusammenlaufen, noch ergänzt. Der Wohnungsgesellschaft bleibt dann überlassen, wann und wie oft abgerechnet wird.

Qundis nutzt für ihre Lösung den Kommunikationsstandard Open Metering System (OMS). Dieser gewährleistet die Interoperabilität der Komponenten verschiedener Hersteller. Nach Angabe der OMS-Group, die ihren Sitz in Köln hat und zu deren Vorstandsmitgliedern Eck gehört, ist es der europaweit einzige Standard, der alle Medien − Strom, Gas, Wärme und Wasser − in einem System integriert.

Auch hierzulande kommt das AMR zum Einsatz. Dass die Qundis-Gateways keine BSI-Zertifizierung haben, ist nach Ecks Überzeugung kein Manko. Schließlich geht es ja um Wärme und Wasser und nicht um Strom. Gleichwohl seien Datenschutz und -sicherheit auf höchstem Niveau, versichert er. Die hohen technischen Standards und nicht zuletzt auch der Standort der Cloudserver − sie stehen in Deutschland − sind Argumente, mit denen Qundis um das Vertrauen der Kunden wirbt.
 
Volker Eck: „Wir haben uns mittlerweile zu einem Anbieter
von Systemlösungen entwickelt“
Bild: Qundis

Aber natürlich gehören auch die BSI-zertifizierten Smart Meter Gateways zum Geschäft dazu. Denn nach § 6 des Messstellenbetriebsgesetzes sollen ab 2021 die darin beschriebenen Bündelangebote den Messstellenbetreibern die Möglichkeit geben, Submetering über ein intelligentes Messsystem zu realisieren. Die Anbindung erfolgt, wie in den Projekten mit BTC und PPC demonstriert, über den CLS-Kanal. Zwar kommt in diesem Fall das Gateway nicht aus dem eigenen Haus, immerhin aber aus dem Konzern. Denn PPC gehört wie Qundis zur Noventic-Gruppe. Weitere Schwestergesellschaften sind unter anderem die Kalorimeta GmbH, ein Dienstleister für Analyse und Abrechnung in der Immobilienwirtschaft, und der Systemdienstleister Smarvis.

„Je mehr Medien und Dienstleistungen über ein Smart Meter Gateway gebündelt werden, desto effizienter wird das intelligente Messwesen“, sagt Eck. Gleichzeitig glaubt er aber nicht, dass es auf absehbare Zeit zu einem flächendeckenden Rollout kommen wird, zumal dieser selbst für den Stromsektor im Gesetz nicht vorgesehen ist. Deshalb geht er davon aus, dass die eigenen Gateways auch in Deutschland weiter zum Einsatz kommen werden.

Grundsätzlich ist Eck zwar vom messtechnischen Zusammenwachsen der Sektoren Strom, Wärme und Wasser überzeugt. Sehr schnell wird es aber seiner Meinung nach nicht gehen. Denn zum einen seien in der Wasserwirtschaft noch sehr viele proprietäre IT-Systeme zum Datentransfer und -management im Einsatz, von denen sich die Branche nicht ohne Weiteres zugunsten der Smart Meter Gateways verabschieden dürfte. Zum anderen sei vor allem die Abrechnung der Wärmenutzung alles andere als trivial. „Deshalb gibt es ja auch hochspezialisierte Unternehmen in diesem Bereich“, so der Qundis-Geschäftsführer. Bei den Stadtwerken, die nun zumindest einen Teil der Wertschöpfung des Messwesens ins Haus holen wollen, sei das entsprechende Know-how bislang kaum vorhanden.
 
Abrechnung des Wärmeverbrauchs alles andere als trivial
 
Was die Abrechnung von Bündelangeboten für Energieversorger zu einem komplexen Unterfangen macht, erläutert Eck am Wärmeverbrauch. Beim Strom sei die Abrechnungseinheit klar: 1 kWh. Beim Gas und Wasser gehe es um 1 m3. Den Wärmeverbrauch könne man beispielsweise an einer Zentralheizung auch mit der Einheit kWh ermitteln. Die Nutzung der Wärme, nachdem sie in einem Gebäude über Flächenheizkörper mit Heizkostenverteilern verbreitet wurde, lasse sich jedoch nicht mehr so eindeutig bestimmen, da man keine genormten Einheiten habe. „Wenn man beispielsweise die Summe der Verbräuche an den Heizkörpern addiert, kommt man in sanierungsbedürftigen Häusern mit zum Teil noch freiliegenden Leitungen auf einen Effizienzgrad von gerade einmal 30 oder 40 Prozent“, erläutert Eck. Deshalb müsse man der Heizkostenverordnung zufolge die Verteilverluste auf alle Wärmenutzer umlegen. Gas- und Stromversorger seien mit einem solchen Problem bisher nicht konfrontiert gewesen.

Hier sieht Eck einen guten Ansatzpunkt für das gemeinsame Auftreten von Qundis, Smarvis und PPC. Den Stadtwerken die Hardware liefern, den Zugang zur Wertschöpfung ebnen, sie aber bei der Abrechnung nicht allein lassen − so sieht vereinfacht gesagt das „Bündelmodell“ aus dem Noventic-Konzern aus.
Angesichts des großen Interesses am Submetering, das sich in den letzten Monaten auf Seiten der Stadtwerke entwickelt hat, ist der Qundis-Chef für die kommende E-world ausgesprochen optimistisch. Der diesjährige Auftritt werde ohnehin kein Vergleich zur Präsenz vor drei oder vier Jahren sein. Damals verliefen sich kaum Besucher an den Stand. „Aber schon im vergangenen Jahr haben uns die Stadtwerke die Bude eingerannt. In diesem Jahr wird der Andrang vielleicht noch größer sein“, freut sich Eck. 


Open Metering System: Der Kommunikationsstandard OMS soll gewährleisten, dass Messgeräte verschiedener Hersteller ein gemeinsames Funkprotokoll verstehen. Damit können künftig Heizkostenverteiler, Wasserzähler, Gas- und Stromzähler verschiedener Anbieter Daten an ein gemeinsames Gateway und ein daran gekoppeltes Backend schicken. Diese Fähigkeit ist vor dem Hintergrund der neu gefassten Energieeffizienzrichtlinie vom Mai 2019 von besonderer Bedeutung. Diese schreibt die sukzessive Einführung fernauslesbarer Zähler für alle Sparten vor. Beim Submetering hat sich mittlerweile OMS durchgesetzt. Im Stromsektor ist allerdings der Standard des Forums Netztechnik/Netzbetrieb beim VDE maßgeblich. Bündelangebote ab 2021: Der § 6 des Messstellenbetriebsgesetzes besagt, dass der Anschlussnehmer statt des Anschlussnutzers ab dem 1. Januar 2021 einen Messstellenbetreiber auswählen kann. Dieser muss jedoch unter anderem alle Zählpunkte für Strom einer Liegenschaft mit intelligenten Messsystemen ausstatten und mindestens eine weitere Sparte über das Smart Meter Gateway bündeln.

 
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Donnerstag, 13.02.2020, 09:59 Uhr