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SMART METER:
Noch keine Verbrauchstransparenz
Noch keine Erfahrungen gibt es aus den E-Energy-Projekten, welches Sparpotenzial sich tatsächlich mit intelligenten Messgeräten erschließen lässt. Deutlich ist aber, dass die Standardlastprofile jeder Einsparbemühung im Wege stehen.
 
Die Nutzer von elektronischen Zählern haben ihren Stromverbrauch sekundengenau auf dem Bildschirm; ob sie damit auch Energie einsparen, wird derzeit untersucht   Bild: Yello Strom

Bisher wurden bei den insgesamt sechs E-Energy-Projekten die technischen Voraussetzungen geschaffen, um eine größere Stückzahl von Zählern zu installieren. Bis zum Jahresende will man beispielsweise beim Projekt MeRegio in Baden-Württemberg 1000 Zähler eingebaut haben. Ab Mitte 2011 sollen alle Komponenten für das intelligente Netz soweit installiert sein, dass es seinen Testbetrieb aufnehmen kann, erläutert Projektleiter Hellmuth Frey. Bisher haben bei MeRegio rund 100 Kunden den Umgang mit einem lastabhängigem Preissignal getestet, bei dem sie allerdings die Haushaltsgeräte noch per Hand abschalten mussten. Das Experiment hat laut Frey aber gezeigt, dass es möglich ist, das Bewusstsein für den Stromverbrauch zu schärfen und Last zu verschieben. Künftig soll die Lastverlagerung eine elektronische Box übernehmen, die die Haushaltsgeräte automatisch schalten kann.

Im Aufbau ist auch das E-Energy-Projekt Modellstadt Mannheim. Dort sind derzeit 200 Haushalte mit neuen Zählern ausgestattet; Schaltgeräte zur Steuerung von Hausgeräten werden installiert. Im Frühjahr 2011 sollen insgesamt 1500 Wohnungen, das entspricht 1 % der Haushalte Mannheims, an das System angeschlossen sein. In einem Pilotprojekt mit 20 Teilnehmern hat sich laut Projektsprecher Thomas Wolski gezeigt, dass sich bei dem Kunden Lastverlagerungen und finanzielle Einsparungen realisieren lassen; der Gesamtverbrauch blieb bisher etwa konstant. Aber erst mit einer größeren Anzahl angeschlossener Zähler könne man konkrete Einsparpotenziale ermitteln.

Bei der Münchner B.A.U.M. Consult, die E-Energy wissenschaftlich begleiten, schätzt man das Verlagerungspotenzial beim Stromverbrauch auf Werte zwischen 10 und 20 %. Was davon nachhaltig verschoben oder auch wirklich eingespart werden kann, müsse man aber erst im Laufe des Projektes sehen. Gezeigt hat sich  bisher aber, dass bei den Kunden ein starker Informationsbedarf besteht, erläutert B.A.U.M.-Mitarbeiter Michael Wedler; die Interessenten seien nicht so zahlreich, hier dominierten Technikbegeisterte und Sparfüchse.

Großes Interesse am Thema Energie

Das kann Martin Vesper, Geschäftsführer bei Yello, nicht bestätigen. Nach seiner Beobachtung haben zwar die Kunden, die einen intelligenten Zähler bestellt haben, ein großes Interesse an dem Thema Energie, sie seien aber keine Energiesparfreaks. Die Kunden aus der Gruppe der Smart-Meter-Nutzer sind laut Vesper Menschen, die durchschnittlich über 50 Jahre alt seien, die Technikbegeisterung spiele bei der Entscheidung für das Messgerät keine große Rolle.

Yello hat nach eigenen Angaben deutschlandweit 1,3 Millionen Kunden. Wie viele davon ein intelligentes Messgerät bestellt haben (es gibt einen Stromliefervertrag mit oder ohne Smart-Meter, Kunden können auch das elektronische Messgerät ordern, wenn sie von einem anderen Stromlieferanten versorgt werden) will Vesper nicht sagen. Nur so viel: „Wir haben schon eine Menge Zähler installiert. Privatkunden wollen den Yello Zähler haben."

Was kann der Kunde damit nun sparen? Laut Vesper liegen die bisher realisierten Einsparungen zwischen 5 und 30 %, je nachdem, wie energieeffizient der Haushalt des Kunden bereits war. Kurt Mühlhäuser, Chef der Stadtwerke München, schätzt das Einsparpotenzial pro Haushalt mit durchschnittlich 3 % deutlich niedriger ein, bei ansprechender Darstellung der Verbrauchswerte könnte es vielleicht mehr sein. Bei einem durchschnittlichen Haushalts-Verbrauch von 3 500 kWh und 20 Cent/kWh könne ein Haushaltskunde rund 21 Euro jährlich sparen, kalkuliert Mühlhäuser.

Auf ein noch geringeres Sparpotenzial kommt die Unternehmensberatung goetzpartners. Diese berechnet den durchschnittlichen Investitionsaufwand für den Energieversorger auf 130 Euro je Zähler (Messgerät, Einbau und Systemintegration) und schätzt das Saldo aus entstandenem Mehraufwand und Einsparung beim Vertrieb des Versorgers auf unter 5 Euro je Zähler und Jahr.

Standardlastprofil contra Sparansatz

Immer offensichtlicher wird, dass sich nichts sparen lässt, solange die Netzbetreiber für ihre Haushaltskunden die elektrische Energie nach dem Standardlastprofil einkaufen und bereitstellen müssen. Zwar sind die Versorger gesetzlich gezwungen, ab 2011 lastvariable Tarife anzubieten, aber diese sind nur sinnvoll, wenn die Stromversorger auch ihre Beschaffung entsprechend optimieren können, mahnte kürzlich das Verbraucherportal Verivox an. Yello-Chef Vesper, der seinen Smart-Meter-Kunden einen günstigeren Nachttarif anbietet, beschreibt plastisch, dass mit den Standardlastprofilen an eine Verlagerung des Strombedarfes nicht zu denken ist: „Selbst wenn alle unsere Kunden nur noch nachts Strom verbrauchen würden, müssten wir aufgrund der aktuellen Rahmenbedingungen tagsüber Strom einspeisen."

Um möglichen Datenschutz-Bedenken der Yello-Kunden Rechnung zu tragen, bleiben die Echtzeit-Daten des Stromverbrauchs im Haus. Der Stromlieferant bekommt die Werte, die der für die Monatsabrechnung braucht.

Das ist bei dem Projekt ähnlich, das derzeit GreenPocket im Auftrag von Vattenfall Europe im märkischen Viertel in Berlin installiert. Dort liefert der IT-Dienstleister für rund 1000 Kunden seine Visualisierung-Software. Sie ist im Design des Auftraggebers Vattenfall gestaltet und zeigt nicht nur den aktuellen Stromverbrauch an, sondern vergleicht die Werte auch mit denen von Kunden in ähnlichen Wohnungen.

Die Berliner Nutzer können ihre Werte über das Internet abrufen oder auf dem Fernseher begutachten oder sich auf das iPhone übertragen lassen. Für den letzten Kommunikations-Weg hat GreenPocket jetzt bei Apple eine Software (App) zum download hinterlegt. Die Daten für den momentanen Stromverbrauch („Livedaten") sendet man nicht an den Energieversorger, sie werden im Haus per verschlüsseltem W-Lan übertragen und in einer Elektronikbox in grafische Werte umgesetzt, erläutert Alexander Hintermeier, technischer Geschäftsführer bei dem Informations-Dienstleister.

Der Stromversorger Vattenfall hat zunächst vom Smart Meter in dem Testgebiet gar keinen Vorteil: Er liest die Zählerwerte für die Rechnungsstellung noch auf ganz herkömmlichem Weg ab.

www.greenpocket.de  
www.e-energy.de  

 
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Dienstag, 21.09.2010, 09:07 Uhr