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Enerige & Management > Unternehmen - Öl- und Gaskonzerne unter Druck
Bild: Oyvind Hagen - Statoil
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Öl- und Gaskonzerne unter Druck
Die niedrigen Preise für Öl und Gas und der nicht zuletzt deshalb besonders feste Kurs des US-Dollars treiben die Notierungen für Erze, Metalle und andere Rohstoffe immer weiter in den Keller. Darunter beginnen selbst große, multinationale Ölkonzerne zu leiden. Sie kürzen radikal ihre Investitionsprogramme - vor allem für die Exploration neuer Öl- und Gasfelder. Tausende von Jobs fallen dabei weltweit in der Branche dem Rotstift zum Opfer.
 
Ben van Beurden, der Vorstandschef von Royal Dutch Shell, bringt die Notlage auf den Punkt: „Wir können nicht auf die Kavallerie höherer Ölpreise von 90 Dollar oder mehr warten, wir müssen jetzt handeln“, betonte er bei der Vorlage gar nicht so schlechter Zahlen für das erste Halbjahr 2015 und verkündete zugleich die nächsten drastischen Schritte: Shell streicht 6 500 der 2014 noch 94 000 Arbeitsplätze im Konzern und kürzt die Investitionen um 20 % auf 30 Mrd. US-Dollar. Denn van Beurden erwartet eine längere Marktschwäche und sieht keinen schnellen Anstieg der Anfang August zum ersten Mal seit Januar diesen Jahres wieder auf unter 50 US-Dollar je Barrel gefallenen Ölpreise. An ein paar besonders ehrgeizigen Projekten will der Shell-Chef aber auf jeden Fall festhalten, allen voran dem Kauf der BG-Group. Die 55 Mrd. Pfund, umgerechnet 78 Mrd. Euro, teure Übernahme steht zwar noch vor einige kartellrechtliche Hürden, aber van Beurden kommt mit der Überwindung schon gut voran: Brasilien, für die künftige Öl- und Gasförderung vor Küste ein besonders wichtiges Land, hat just grünes Licht gegeben. Von der gut gefüllte Kriegskasse abgesehen hat Shell genug Wege, den Deal zu finanzieren - allein das Verkaufsprogramm von 2014 bis 2018 soll 50 Mrd. US-Dollar bringen. Shell hat damit just begonnen und einen Drittelanteil an der japanischen Raffinerie Showa Shell für 1,4 Mrd. US-Dollar an Idemitsu Kosan verkauft.
 
Die Shell-BG-Übernahme ist zwar derzeit der größte Einzel-Coup, aber sowohl bei den Ölkonzernen selbst wie in der ganzen Branche ist nach der Analyse der Consultants Wood Mackenzie noch eine ganze Menge zu erwarten. Das fängt bei den Kürzungen der Investitionsbudgets an und setzt sich in Fusionen und Übernahmen vor allem auch bei den immer mehr geschwächten Zulieferern fort. Die auf Öl und Gas spezialisierte Consulting-Gruppe schätzt, dass Investitionsprojekte im Wert von mindestens 200 Mrd. US-Dollar dem Rotstift zum Opfer fallen. Das gilt nicht nur für europäische Konzerne wie Shell oder die durch das Öl-Desaster im Golf von Mexiko ohnehin besonders angeschlagene BP, für die italienische Eni, die französische Total, die spanische Repsol oder selbst die norwegische Statoil, sondern auch für US-Konzerne wie allen voran ExxonMobil oder die kleinere ConocoPhillips-Gruppe und sogar Woodside Petroleum in Australien. 46 Großprojekte zur Entwicklung neu entdeckter Öl- und Gasfelder in aller Welt sind bereits auf Eis gelegt. Am stärksten betroffen sind die Öl- und Teersände in Kanada: bei einem Ölpreis von unter 50 bis 60 US-Dollar pro Barrel rechnet sich die Förderung der unkonventionellen Reserven einfach nicht mehr.
 
ExxonMobil kürzt das Budget für Exploration und Produktion nur um vergleichsweise moderate 4,5 Mrd: US-Dollar auf 34 Mrd. US-Dollar im laufenden Jahr. Gegen den Branchentrend hat Repsol im ersten Halbjahr mit 1,24 Mrd. Euro rund 35 % mehr verdient als im Vergleichszeitraum des Vorjahres mit damals 922 Mio. Euro. Das hat verschiedene Gründe, vor allem die Stärke des Downstream-Bereichs: Repsol hat mit 8,9 US-Dollar pro Barrel die höchste Raffinerie-Marge in Europa. Zudem ist der spanische Konzern stark in Asien, Nord- und Südamerika vertreten, darunter mit der Gasförderung im La Perla-Feld, dem größten Offshore-Gasvorkommen Lateinamerikas vor der Küste von Venezuela. Sonderfaktoren wie die volle Integration der im Mai vollständig übernommenen kanadischen Talisman Energy trugen kräftig zu dem guten Ergebnis bei, ebenso der Erlös aus einigen Verkäufen.
 
Total steht nicht ganz so glänzend da wie Repsol. Doch mit 3,1 Mrd. US-Dollar Gewinn schloss das erste Halbjahr 2015 nur 2 % schlechter ab als im Vorjahr. Auch bei Total hat der Bereich Verarbeitung weitgehend die Verluste der Upstream-Sparte kompensiert. Außerdem hat auch Total einiges verkauft, darunter den Anteil an der deutschen Rohöl-Raffinerie PCK Schwedt, der für 300 Mio. US-Dollar an die russische Rosneft ging.

 
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Dienstag, 04.08.2015, 14:07 Uhr