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KRAFTWERKE:
Power im Paket
Kawasaki Heavy Industries (KHI) hat ihre Energieerzeugungsaktivitäten in einem neuen Geschäftsbereich gebündelt; die neue Gasturbine L30A soll zu einem Verkaufsschlager werden.
 
Kobe Steel. Kennt man: Ein internationaler Stahl- und Maschinenbaukonzern.
Kobe Beef. Kennen Gourmets: Für Normalsterbliche nicht bezahlbares Rindfleisch.
Kobe Winery. Kennen vielleicht Wein-Enthusiasten: Weinberg am Rande der Stadt mit Chardonnay, Seibel, Riesling, Cabernet Sauvignon, Merlot. Geschmack sehr gewöhnungsbedürftig.
Kobe Kawasaki Heavy Industries. Kennen Motorradfahrer, Schiffseigner, Flugzeugbauer, Energieerzeuger, Jet-Ski-Liebhaber, Holzfäller, Gärtner, Industriebetriebe, Bahnbetreiber.

Züge baut das Unternehmen, komplette LNG-Dampfer und Unterseeboote, Motorräder und Roboter, Turbinen und Motoren für dies und das. KHI ist ein Generalunternehmen für Industrieanlagen und Kraftwerke.
Die Wiege des Unternehmens in Kobe liegt im Hafen der heute 1,5-Millionen-Einwohner-Stadt. Dort hat Shozo Kawasaki 1881 mit einer Schiffswerft sein Geschäft begonnen, im gleichen Jahr kam schon die Maschinenbau-Division dazu, innerhalb derer gegenwärtig die großen Gasmotoren, Kompressoren und Dampfturbinen gefertigt werden. Auf 360 000 m2 Fläche riesiger Hallen und Bürokomplexe arbeiten rund 2 900 Menschen.
Der Kern des Gasturbinengeschäftes liegt in den Akashi-Werken etwas außerhalb der Stadt. Dort ist auch der Arbeitsplatz von Shin-ichiro Nuomi, Deputy General Manager der Gas Turbine Division und der Gas Turbine & Machinery Company, so stand es am 13. März beim Besuch des Reporters auf Nuomis Visitenkarte.

Vor dem Bürogebäude ist die deutsche Flagge gehisst, auf dem Konferenztisch steht die Mini-Version von Schwarz-Rot-Gold. Man hat es mit sehr aufmerksamen Gastgebern zu tun, eine Verbeugung hier, eine da – die richtigen „Antworten“ darauf zu finden, das verunsichert den Besucher. Das nur am Rande bemerkt, zu dem bei der aktuellen Ethik-Diskussion im Journalismus vielleicht auch gehört, dass der Schreiber dieser Zeilen seine Reise nach Japan selbst bezahlt hat.
Nuomi und sein Führungsteam empfangen in ihrer Arbeitsuniform, nur die Hemden und Krawatten sind unterschiedlich.
Es geht – vor allem – um die neuentwickelte Gasturbine L30A, um eine Wunderwaffe (?) für den wachsenden Weltmarkt der dezentralen Energieversorgung und der Kraft-Wärme-Kopplung. “World Record 40,1 % - the Most Efficient 30 MW Machine in the World“, steht auf dem Prospekt, und „Green Gas Turbine“ ist zu lesen. GREEN soll heißen: Get Reliable Eco-friendly Energy Now“.

Ryozo Tanaka, Manager der Abteilung Gasturbinenentwicklung, erzählt von der Entstehung der L30A. Im Jahr 2007 sei damit begonnen worden; inklusive des riesigen Teststandes in Akashi und dem Bau von zwei Prototypen habe man bis heute rund 80 Mio. Euro ausgegeben. Dafür erhofft sich Nuomi „mit dem neuen Aggregat bis zum Jahr 2020 einen Umsatz von rund 770 Mio. Euro und in diesem Leistungsbereich weltweit einen Marktanteil von zehn Prozent“.
Die erste verkaufte Maschine läuft laut Tanaka seit Oktober 2012 in der Aboshi-Anlage des Chemiekonzerns Daicel Corporation im kommerziellen Betrieb „ohne jedes Problem“. Die Bauzeit des KWK-Aggregates betrug genau ein Jahr, mit 28,4 MW elektrischer Leistung produziert sie stündlich 46,2 t Dampf und kommt auf einen thermischen Gesamtwirkungsgrad von 83,1 Prozent.
Der Betreiber bekommt für sein Geld Garantien wie bei jeder anderen Gasturbine von KHI auch.

Die Sicherheit dafür nahmen die Kawasaki-Ingenieure aus unendlich vielen Tests und Materialprüfungen nach Hunderten von Betriebsstunden in der Versuchsanlage. Die wichtigste Prüfung auf Herz und Nieren war die FMEA-Studie (Failure Mode Effect Analysis), nach der die Häufigkeit von Defekten, die Wahrscheinlichkeit nicht erkannter sowie der Schweregrad von Defekten untersucht wird.
245 kritische Komponenten und Module wurden der FMEA unterzogen, sagt Tanaka, „und dabei rund 6 500 Fehlermöglichkeits- und Einflussanalysen gemacht“. Dann war die L30A reif für den ersten Kunden.
Seit 1972 hat KHI rund 10 000 Gasturbinen an die Marine, die Industrie und an Energieerzeuger verkauft.

Von der L30A, so die vorsichtige Planung, sollen zunächst drei bis vier jährlich vom Teststand in Akashi zu Kunden geliefert werden; die Fertigungskapazitäten sind für zehn Aggregate per anno ausgelegt, und Nuomi ist zuversichtlich, diese Zahl bald zu erreichen.

Seine Hoffnung setzt der KHI-Gasturbinen-Chef vor allem auf die „Energiewende“ in Japan. Diskutiert werden ganz unterschiedliche Szenarien des Kernenergieanteils und des Anteils der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung, eindeutiger Sieger für die Energiezukunft in Japan scheint immer die Kraft-Wärme-Kopplung zu sein. Ihr Anteil soll sich von heute drei auf mindestens 15 Prozent im Jahr 2030 erhöhen, „und dabei haben Gasturbinen wie die L30A sehr gute Chancen, insbesondere in hochflexiblen Gas- und Dampfturbinenkombinationen, die, je nach momentanem Bedarf, strom- oder wärmegeführt fahren“, ist sich Nuomi sicher.

Optimistisch ist er generell hinsichtlich der Gasturbinen von KHI, für die er verspricht, dass sie alle in den nächsten Monaten so weit ausgereift sein werden, um innerhalb weniger Minuten vom Kaltstart in die Volllast laufen, was für den Markt der Minutenreserve sehr wichtig ist.

Das gilt auch für die Gasmotoren aus Kobe. Garantie: In zehn Minuten von Null auf Hundert, in vier Minuten von 50 Prozent auf volle Leistung.
Was für ihn hinter dem Begriff „Smart Energy“ steckt, fragt der Reporter den KHI-Manager. Und Nuomi hat klare Vorstellungen: „Da ist die Wärme ganz wichtig und zunehmend die Kälte; es handelt sich um Smart Grid und Smart Meter; gemeint sind die erneuerbaren Energien und dahinter die Backup-Stabilisierung mit konventionellen Energien; das Smart Home spielt eine wichtige Rolle und die IT als verbindendes Element des gesamten smarten Systems.“

Ähnlich hören wir das oft in Deutschland, wo KHI mit ihrem Angebot von Gasturbinen, Gasmotoren und auch Dampfturbinen einen wachsenden Markt in der dezentralen Energieversorgung sieht. Die Stadtwerke hat Nuomi im Auge, unabhängige Energieerzeuger, Industrieparks und die energieintensive Industrie überhaupt. Eine Vision dabei: „Noch nicht in naher Zukunft, aber ich kann mir vorstellen, dass wir auch als Contractor auftreten werden. Aber das werden wir zu gegebener Zeit diskutieren.“
Shin-ichiro Nuomi ist 58 und hat im April neue Aufgaben übernommen. KHI hatte beschlossen, ab diesem Zeitpunkt ihren Energiebereich neu zu strukturieren.

Nach dem Motto „One face to the customer“ werden die bisher in verschiedenen Divisionen angesiedelten Aktivitäten für Industrie-Gasturbinen, Gasmotoren, Dieselmotoren, Dampfturbinen, Abhitzekessel, Kessel und Kältemaschinen in der „Energy Solution Division“ zusammengefasst – Nuomi ist der General Manager des Gebildes.

Wie sich das auf die Kawasaki Gas Turbine Europe GmbH (KGE), Firmensitz Deutschland, auswirken wird, konnte Nuomi im März noch nicht sagen. Stefan Paul, der KGE-Vertriebschef, verspricht sich jedenfalls viel von der neuen Organisationsstruktur: „Alles aus einer Hand anbieten zu können, ist besonders in Europa wichtig. Wir können damit die Kunden umfassend beraten, was gerade bei der Optimierung Gasturbine oder Gasmotor wichtig ist.“

Was soll der Kunde nehmen: Die neue Gasturbine L30A mit 30,1 MW elektrischer Leistung und einem thermischen Wirkungsgrad von 40,1 Prozent (KHI: „World Record“) oder vier Gasmotoren à 7,8 MW elektrischer Leistung mit 49 Prozent elektrischem Wirkungsgrad (KHI: „The World Best Performance“)?
Nuomi, Chef der neuen Energy Solution Division, hofft, die erste L30A im Jahr 2015 nach Europa zu liefern. Für den Vertriebs-Profi Paul könnte das ein Ansporn sein, es schon früher zu schaffen.
 
Im Kasten
 
Aus einer Hand
Der Verkauf von Gasturbinen, Gasmotoren und Dampfturbinen erfolgte bei KHI in der Vergangenheit jeweils auf getrennten Wegen. Seit April wurden die Energieerzeugungsaktivitäten des Maschinenbau-Konzerns mit weltweit ca. 33 000 Mitarbeitern in der Geschäftseinheit „Energy Solution Division“ zusammengefasst. Nach dem Motto „One face to the customer“ werden den Kunden die Alternativen oder auch Additive der drei Strom- und Wärmeerzeugungsformen aus einer Hand angeboten. Bei den Dampfturbinen reicht die Leistungspalette von 15 bis 90 Megawatt, bei den Gasmotoren konzentriert sich der Konzern auf 5,2- und 7,8-MW-Aggregate. Die Gasturbinen gibt es in Leistungsstufen von 1,7, 5,4, 6,8, 7,8, 18,4 MW bis zur neuen L30A mit einer elektrischen Leistung von 30,1 MW. Mit im Angebot der Energy Solution Division sind Kessel und Kälteaggregate sowie die komplette Übernahme des Anlagenbaus als Generalunternehmer – und in Zukunft vielleicht auch als Contractor.

 
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Mittwoch, 10.04.2013, 09:17 Uhr