• EnBW plant "größten Ladepark Europas"
  • Grüner Wasserstoff braucht viel günstigen Ökostrom
  • EWE und Uniper planen Wasserstoff-Hub
  • Re-Start für die Energiewende nach dem 26. September
  • Siemens und Messer mit Wasserstoff-Kooperation
  • Energiewende-Management von Bundesrechnungshof kritisiert
  • Stromliefervertrag inklusive Repowering
  • Spie verstärkt sich im Bereich Breitbandausbau
  • Grüner kühlen mit Magneten
  • Opposition und Verbände kritisieren Nachtrag zum EEG 2021
Enerige & Management > Effizienz - Professionalisierte Energieeffizienz
Bild: Fotolia.com, Photo-K
EFFIZIENZ:
Professionalisierte Energieeffizienz
Wie der Bleiproduzent Berzelius Stolberg ein Energiemanagement-System einführte und was er damit an Effizienzsteigerung erreichte, schildern Heiko Ambroz und Alexander Paulusch*.
 
Auch wenn die Stolberger Bleihütte nicht zu den energieintensiven Betrieben zählt – der Energie-Einsatz zur Bleiherstellung beträgt lediglich sieben Prozent der Bruttowertschöpfung des gesamten Unternehmens: Bei einem aufwendigen Verfahren wie der Bleigewinnung, einem jährlichen Energieverbrauch in Höhe von durchschnittlich 300 GWh und einem ständig steigenden Wettbewerbsdruck durch weltweit führende Produzenten aus China, USA und Russland ist es betriebswirtschaftlich sinnvoll, die Energiekosten immer wieder auf den Prüfstand zu stellen.
 
Mit Einführung der DIN EN ISO 50001 hat die Berzelius Bleihütte ihr Energiemanagement professionalisiert. Eine der grundlegenden Aufgaben war dabei der Aufbau eines Energiecontrolling-Systems. Dieses sorgt für die digitale Erfassung, Analyse und Verarbeitung der Energiedaten, zu ihm gehören heute 400 Messstationen. Berzelius Stolberg kennt somit ihre energetischen Ist-Zustände im 15-Minuten-Rhythmus, bei Ausreißern oder Störungen sind Korrekturen gewissermaßen in Echtzeit möglich.
 
Mit der Ermittlung des Ist-Zustandes, den die ISO-Norm vorschreibt, verfügt die Bleihütte über eine solide Basis für den kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Ein Energie-Flow-Sheet visualisiert die Energieverteilung über die gesamte Produktion hinweg. Der Einsatz von Energieträgern wie etwa Gas und Strom lässt sich so eindeutig den Funktionsbereichen zuordnen, einzelne Verfahrensschritte können viel besser kontrolliert werden als zu analogen Zeiten.
 
Eine Lenkungsgruppe für das Energiemanagement
 
Transparent sind aufgrund der detaillierten Analyse auch die größten Verbraucher wie etwa der Anschlusskran für den Transport der Bleikonzentrate zur Verarbeitung oder die leistungsstarken Gebläse der Entstaubungsanlagen zum Absaugen von Raumluft und Prozessabgasen. Deutlich wurde nach der Analyse auch der Handlungsbedarf in puncto Technik, den die Geschäftsführung konsequent umsetzte. Dazu zählt unter anderem über die gesamte Prozesskette hinweg auch der Ersatz sämtlicher in der Leistung gedrosselter Motoren durch effiziente Aggregate mit Frequenz-Umrichter.
 
Wesentliche Faktoren, die für ein Energiemanagement nach DIN EN ISO 50001 umgesetzt werden müssen, sind Management-Strukturen und Controlling. Berzelius Stolberg gründete dazu ein Energieteam, das sich zusammensetzt aus dem Geschäftsführer, einem Energiemanager, einem Energiecontrolling-Beauftragten und den so genannten Energieverantwortlichen, die direkten Einfluss auf die Energieverbräuche haben. Das Team diskutiert einmal monatlich Verbrauchszahlen sowie Ausreißer und analysiert deren Ursachen genau, um danach Entscheidungen zur Senkung des Bedarfs treffen zu können. Die Lenkungsgruppe entwickelte unter anderem Protokolle für den Verbrauch von Strom, Gas und Sauerstoff, die eine Kontrolle und energetische Optimierung jedes einzelnen relevanten Verbrauchers erlauben.
 
Bleigewinnung bei Berzelius Stolberg: In manchen Prozessschritten bis zu 66 Prozent Energieeinsparung
Bild: Berzelius, Gaul

Die bisherige Bilanz der Bemühungen: Seit Einführung des Energiemanagementsystems (EMS) erreichte die Bleihütte eine jährliche Verbesserung ihrer Energiebilanz um 3 Prozent, in einzelnen Prozessschritten betrug die Einsparung bis zu 66 Prozent. Das Jahresziel, das sich das Unternehmen gesetzt hat, liegt weiterhin bei 3 Prozent. Das entspricht einer Verringerung des Energieverbrauchs um rund 9 GWh jährlich.
 
Ein wichtiger Schritt auf dem Weg dorthin ist die Umstellung der Brenner-Technik in der Raffination von Öl-Luft auf das Gas-Sauerstoff-Prinzip, das einen wesentlich höheren Wirkungsgrad aufweist. Auswertungen ergaben: Die spezifischen Energiekosten haben sich durch die neue Technik nahezu halbiert. Nebeneffekt der Umstellung von Öl auf Gas ist eine erhebliche Reduzierung des CO2-Ausstoßes. Allein diese Maßnahme senkt den CO2-Ausstoß um 1 600 t jährlich. 
 
Jährliche Überwachungsaudits sichern den Standard
 
Ob das Energiemanagement gemäß der geltenden Norm korrekt und wirksam umgesetzt ist und das Management-System greift, prüfen Auditoren des TÜV Rheinland im Rahmen der jährlichen Überwachungs- und Wiederholungsaudits. Der neutrale Prüfdienstleister ist seit 2011 für die Zertifizierung nach ISO 50001 akkreditiert und führt Audits bzw. Zertifizierungen von Energie- und Umweltmanagementsystemen sowie Begutachtungen und Validierungen nach dem europäischen Umweltmanagement-System Emas durch. TÜV Rheinland stellte im Rahmen des Audits unter anderem fest, dass das Unternehmen ein effektives und wirksames Managementsystem aufgebaut hat, um seine Energiemanagement-Politik umsetzen und die Effizienz-Ziele erreichen zu können.
 
Bei Berzelius Stolberg achteten die Auditoren auch auf die Konformität der Arbeitsabläufe mit den Forderungen der Norm sowie auf die Dokumentation des Managementsystems. Berücksichtigt wurden bei der Auditierung neben den Besonderheiten der unternehmerischen Tätigkeiten der Bleihütte – wie Schmelzbetrieb und Raffination – auch die unterstützenden Unternehmensbereiche; solche sind beispielsweise die technische Entwicklung, die Instandhaltung der Nebenbetriebe, die Abwasserbehandlungs- und Abgasbehandlungsanlage einschließlich der Schwefelsäureproduktion. Begutachtet wurde in allen Fällen die Normkonformität über die gesamte Prozesskette hinweg.
 
TÜV Rheinland hat bereits mehr als 150 Unternehmen gemäß ISO 50001 zertifiziert und zählt zu den führenden Organisationen für die Zertifizierung von Energiemanagementsystemen.
 
* Heiko Ambroz, Berzelius Stolberg GmbH, Stolberg; Alexander Paulusch, TÜV Rheinland, Köln
 
 
Das Unternehmen
Die Berzelius Metall Gruppe ist ein Firmenverbund aus vier Unternehmen in Deutschland und gehört nach eigenen Angaben zu den größten Bleirecycling-Unternehmen weltweit. Aufbereitet werden beispielsweise gebrauchte Starterbatterien. Die Gruppe produziert daraus mit 450 Mitarbeitern jährlich rund 255 000 t Blei und Bleilegierungen sowie Silber, Schwefelsäure, Natriumsulfat und Polypropylen-Verbundstoffe.
Berzelius Stolberg erzeugt mit rund 220 Mitarbeitern jährlich aus rund 265 000 t Ausgangsmaterial rund 155 000 t Blei, ca. 350 t Silber sowie 130 000 t Schwefelsäure. Sowohl Blei als auch die Schwefelsäure gibt es in hochreinen Varianten.

 
Möchten Sie diese und weitere Nachrichten lesen?
 
 
Testen Sie E&M powernews
kostenlos und unverbindlich
  • Zwei Wochen kostenfreier Zugang
  • Zugang auf stündlich aktualisierte Nachrichten mit Prognose- und Marktdaten
  • + einmal täglich E&M daily
  • + zwei Ausgaben der Zeitung E&M
  • ohne automatische Verlängerung
 
Jetzt kostenlos testen
 
Login für Kunden
 

Kaufen Sie den Artikel
  • erhalten Sie sofort diesen redaktionellen Beitrag für nur € 8.93
 
JETZT ARTIKEL KAUFEN
Mehr zum Thema

 
Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?
 
Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter  vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.
 
WEITERE INFORMATIONEN
© 2021 Energie & Management GmbH
Dienstag, 16.09.2014, 12:24 Uhr