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Enerige & Management > Preise & Signale - Reizvolle Energieaktien im Nullzinsumfeld
Bild: Fotoliacom, Udo Kroener
PREISE & SIGNALE:
Reizvolle Energieaktien im Nullzinsumfeld
Viele Energietitel bieten auch weiterhin eine ansehnliche Dividendenrendite. Andere lassen auf bessere Gewinne und mögliche Kurssteigerungen hoffen.
 
Die relative Attraktivität von Aktien hat sich jedenfalls in der zum Dauerphänomen gewordenen Minizinswelt deutlich gesteigert. Dem standen allerdings oftmals widrige Marktentwicklungen für die Unternehmen entgegen. Der Preisverfall auf den Strommärkten brachte insbesondere die großen Versorger in die Ertragsbredouille, das Abstürzen der Öl- und Gasnotierungen sorgte für erhebliche Ertragseinbrüche. Investitionsgüterkonzerne mussten in einzelnen Sparten mit einer schwächelnden Nachfrage zurechtkommen. Steigende Gewinne stellten daher im Jahr 2015 in den Energiebranchen eher die Ausnahme als die Regel dar.

Auch in diesem Jahr mangelt es an der Kursunterstützung in Form eines auf breiter Front positiven Gewinntrends. Die großen Versorger mit ihren überwiegend konventionell erzeugten Strommengen bleiben weiterhin unter massivem Margendruck. Der Anteil an der Absatzmenge, der bereits in den vergangenen Jahren noch zu auskömmlichen Preisen über Termingeschäfte kontrahiert wurde, sinkt weiter – und dementsprechend auch der Durchschnittserlös pro kWh.

Die Aktienkurse der großen heimischen Versorger sind angesichts dieser Perspektiven während des 1. Quartals 2016 weiter auf langjährige Tiefstkurse gefallen. Analysten beobachten die Branche skeptisch, angesichts des sehr niedrigen Kursniveaus wagen einige Experten jedoch wieder einzelne Kaufempfehlungen. Ob die Hiobsbotschaften der letzten Monate inzwischen vollständig eingepreist sind und ob in Zukunft tatsächlich wieder positive Überraschungen aus der Branche kommen werden, bleibt abzuwarten.

Deutlich besser liefen die Geschäfte bei den Regionalversorgern und Stadtwerken. Wo allerdings von imposanten Gewinnzuwächsen berichtet wurde – wie beispielsweise bei den Lechwerken, bei denen Wertpapierfondsgewinne den Überschuss in die Höhe trieben –, waren zumeist Sonderfaktoren im Spiel. Unternehmen, die über bedeutende Aktivitäten im Gas- oder Wärmegeschäft verfügen, konnten zumeist ordentliche Gewinnbeiträge einfahren. Davon profitierte zum Beispiel die Mainova, die den Löwenanteil ihres Gewinns aus dem Gasverkauf realisiert.

Weiter sinkende Gewinne erwarten auch die Stadtwerke Hannover. Nachdem bereits in den beiden Vorjahren Abstriche hinzunehmen waren, dürfte das Ergebnis im Jahr 2016 nochmals um einen zweistelligen Prozentsatz schrumpfen. Da zudem aus dem diesjährigen Ergebnis eine erhöhte Rücklagendotierung gestemmt werden soll, wird die Gewinnabführung erneut deutlich zurückgehen. Für die in den vergangenen Jahren mit beachtlichen Ausschüttungssätzen verwöhnten Inhaber der Genussscheine bedeutet dies entsprechend magerere Kost: Auf eine Kürzung in der Größenordnung von vielleicht 40 bis 45 Prozent des Nennwertes sollten sie gefasst sein.

Bei den europäischen Kraftwerksbauern und Netzausstattern gibt es durchaus hoffnungsvolle Marktsignale. So berichtete Siemens zuletzt sowohl in ihrer Sparte Power & Gas als auch im Energy Management von steigenden Auftragseingängen. Bei ersterer stand allerdings – ebenso wie bei Windpower & Renewables – die Ergebnismarge noch unter Druck. Insgesamt stehen die Zeichen auf steigende Gewinne im Gesamtkonzern jedoch auf gut. Die vom Vorstand für 2015/2016 anvisierten Ergebnisziele bis 6,40 Euro pro Aktie könnten durchaus noch übertroffen werden. Damit steigen die Chancen auf wieder dreistellige Kurse für die Siemens-Aktie.

Als ziemlich niedrig stellten sich zuletzt die bis dahin gehegten Erwartungen der Marktteilnehmer an den Siemens-Konkurrenten ABB heraus. Trotz schrumpfender Umsätze und eines nur knapp behaupteten Ebita im 1. Quartal 2016 reagierte die Aktie auf den letzten Zwischenbericht mit einem Kurshüpfer. Immerhin erwartet ABB-Chef Ulrich Spiesshofer positive Effekte aus den Kostensenkungsprogrammen. Noch sieht sich der Konzern in einem schwierigen Marktumfeld. Sollte die Investitionskonjunktur nachhaltig anziehen, bestehen gute Chancen auf Margenverbesserungen, die im 1. Quartal nur in die bislang renditeschwache Netz-Sparte gelangte.

Über eine Verbesserung der Umsatzrendite, die allerdings zum Teil Einnahmen aus einem Lizenzvertrag zu verdanken war, berichtete jüngst der Deutz-Konzern. Auch die Auftragseingänge stimmten hoffnungsfroh. Die Zahl der ausgelieferten Motoren blieb allerdings noch auf einem sehr niedrigen Niveau. Die auch für das Gesamtjahr in Aussicht stehende moderate Steigerung der Ebit-Marge sollte der Markt nach über 50 Prozent Kurssteigerung schon weitgehend eingepreist haben. Eine weitere Nachfragesteigerung dürfte nötig sein, um den Aktienkurs noch deutlich über den zuletzt gesehenen Wert von rund 4,50 Euro zu tragen.

Als weiterer Zykliker unter den Investitionsgüterherstellern erweist sich der Pumpen- und Armaturenproduzent KSB, der jedoch im laufenden Jahr ein Ergebnis deutlich unter Vorjahresniveau erwartet. Dabei werden Einmalaufwendungen für Effizienzsteigerungsmaßnahmen zu Buche schlagen. Dem sich abzeichnenden Ergebnisschwund dürfte das Unternehmen wohl schon mit dem für 2015 auf 5,50 Euro je Stammaktie zusammengestrichenen Dividendenvorschlag Rechnung getragen haben. Auch wenn das intensivierte Kostensenkungsprogramm ab 2017 wieder eine Verbesserung der Ertragssituation verspricht, könnte derzeit eine eher abwartende Haltung gegenüber den KSB-Aktien noch angebracht sein, da das diesjährige Nettoergebnis sehr signifikant unter die im vergangenen Jahr gesehenen 22,30 Euro je Stammaktie zurückfallen könnte.

An Attraktivität gewonnen haben in den letzten Jahren die heimischen Windkraftunternehmen. Während der Anlagenhersteller Nordex längst wieder respektable Margen erwirtschaftet, machten zuletzt die börsenorientierten Windkraftprojektierer von sich reden. Energiekontor befindet sich seit geraumer Zeit wieder im Ertragsaufwind. Im laufenden Jahr will auch die PNE Wind wieder mit einem respektablen Ebit glänzen. In ein Investmentunternehmen werden umfangreiche Windkraftprojekte eingebracht. Diese sollen dann noch im Laufe dieses Jahres an Investoren verkauft werden. Ein Abschluss dieses Deals könnte für die PNE-Aktie vielleicht noch weiteres Kurspotenzial eröffnen.

Von einem ziemlich volatilen Kursverlauf werden auch die heimischen Solaraktien heimgesucht. Nach erfolgreich gemeisterter Krise und zuletzt ausgebauten Marktanteilen steht die SMA Solar wieder halbwegs solide da. Dagegen schwebt über der SolarWorld noch immer das Damoklesschwert einer Klage der US-amerikanischen Hemlock Semiconductor wegen nicht eingehaltener Silizium-Abnahmeverträge.

Die Aktienmärkte insgesamt dürften sich auch in den kommenden Monaten im Spannungsfeld zwischen Überliquidität und einem weltweit eher mäßigen Wirtschaftswachstum bewegen. Dabei war man vor Jahresfrist noch davon ausgegangen, dass die damalige Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar der europäischen und insbesondere der deutschen Exportwirtschaft kräftige Impulse geben würde. Das sieht man spätestens seit Sommer 2015 deutlich nüchterner. Entsprechend musste der DAX binnen Jahresfrist auch mehrere bedeutende Korrekturphasen durchstehen.

Auch wenn die Konjunkturbelebung und damit auch die Gewinnsituation der Unternehmen immer noch recht dürftig ausfallen, so kam es angesichts der hohen Liquiditätsbestände der Investoren immer wieder zu mehrmonatigen Phasen sich erholender Aktienkurse. In den letzten Monaten haben die Anleger auf den Ölpreis geblickt, der als offensichtlichster Indikator für die Verfassung der Weltkonjunktur herhalten musste.

Ein mögliches künftiges Zinswendeszenario mag die Aktieninvestoren zwar zunächst noch relativ kalt lassen, da man sich dann – bei vielleicht mehr Inflation und hoffentlich auch mehr Wachstum – wahrscheinlich wieder besserer Unternehmensnachrichten erfreuen kann. Und diese sollten vor allem von den besonders zyklischen Investitionsgüterherstellern (einige davon finden sich in der Tabelle Energietechnik & Co.) kommen, die sich derzeit noch im gedämpften Nachfrageumfeld mit Effizienzprogrammen durch eine eher margenschwache Zeit schlagen.

Energiekontor mit kräftigem Rückenwind
 
Versorger Kurs in Euro Ende 2015 Kurs in Euro 25. April 2016 Kursveränderung in %
Energiekontor 12,00 15,50 +29
EnBW 20,82 23,17 +11
RWE St. A. 11,71 12,48 + 7
Gelsenwasser 635,00 675,00 + 6
Envitec Biogas 6,40 6,79 + 6
PNE Wind 2,07 2,18 + 5
RWE Vz. A. 8,94 9,25 + 3
Mainova 311,00 320,05 + 3
Eon 8,93 9,06 + 1
FHW Neukölln 34,50 34,61 + 0
Lechwerke 70,05 68,75 −2
DAX 10743 10295 −4
MVV Energie 21,51 20,00 −7
KTG Energie 10,50 9,46 −10
 
Energietechnik & Co.: Deutz-„Aktien-Motor“ gut geschmiert
 
Versorger Kurs in Euro Ende 2015 Kurs in Euro 25. April 2016 Kursveränderung in %
Deutz 3,69 4,50 +22
Gea Group 37,40 42,48 +14
Statoil 12,94 14,60 +13
ABB 16,60 18,10 + 9
Royal Dutch 20,93 22,80 + 9
Siemens 89,88 95,27 + 6
Wacker Chemie 77,52 79,82 + 3
BP 4,80 4,73 −1
Phoenix Solar 4,30 4,13 −4
DAX 10743 10295 −4
Centrotherm Ph. 3,60 3,26 −9
Solar World 9,13 7,92 −13
KSB Vz. A. 370,60 312,19 −16
KSB St. A. 382,10 314,52 −18
Alstom 28,12 22,64* −19
Nordex 32,75 23,25 −29
 
* ohne zwischenzeitlichem kontingentiertem Aktienrückkauf

Quelle: eigene Recherchen
 

 
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Montag, 09.05.2016, 09:27 Uhr