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Enerige & Management > Stromspeicher - Sagen Sie mal: Harald Binder
Bild: Fotolia.com, Dark Vectorangel
STROMSPEICHER:
Sagen Sie mal: Harald Binder
In der Rubrik „Sagen Sie mal“ stellen wir drei kurze Fragen und bitten um drei kurze Antworten zu einem aktuellen Thema.
 
E&M: Herr Dr. Binder, die Agora-Speicherstudie hat für viel Wirbel gesorgt. Wie müsste denn nach Ihrer Meinung eine Studie aussehen, die das Potenzial von Speichern tatsächlich beschreibt?

Binder: Als Mitglied im Begleitkreis der Agora habe ich schon früh kritisiert, dass das Ergebnis der Untersuchung von Anfang an vorgezeichnet war und keine wirklich innovativen Ansätze zugelassen hat. Das alte System mit dem bestehenden Kraftwerkspark und dem vollständigen Netzausbau – die vielzitierte Kupferplatte – zu simulieren, kann keine wirklich zukunftsgerichteten Erkenntnisse bringen. Die Systemdienstleistungen können physikalisch wesentlich sinnvoller durch Speicher erbracht werden, als durch den bestehenden Kraftwerkspark, weil sie sehr schnell Lastwechsel ausgleichen können und vor allem sowohl in das Netz einspeisen als auch aus dem Netz Energie aufnehmen können. Wir brauchen keine weiteren Studien, die ja ohnehin meist von den gleichen Instituten durchgeführt werden, so dass es kein Wunder ist, wenn es immer wieder zu ähnlichen Ergebnissen kommt. Wir brauchen vielmehr ein Konzept, das wirklich bottom-up bei der dezentralen Erzeugung und den innovativen Technologien ansetzt und nicht bei der althergebrachten Struktur, das den Einsatz von Speichern nicht nur duldet, sondern im Gegenteil deren Stärken bewusst einbezieht.
 
Dr. Harald Binder ist Geschäftsführer von BTC Technologies und einer der Mitbegründer des Bundesverbands Energiespeicher (BVES)
Bild: BTC Technologies GmbH


E&M: Wie würde sich ein Kapazitätsmarkt auf die Einsatzmöglichkeiten von Speichern auswirken?

Binder: Wir streben die Transformation der Energieversorgung in ein hochinnovatives und nachhaltiges System an. Das ist politischer Wille und gesellschaftlicher Konsens. Deshalb brauchen wir einen anderen Ansatz, als einen Kapazitätsmarkt, der den bestehenden Kraftwerkspark subventioniert. Volks- und Betriebswirte und Juristen diskutieren über ein neues Marktdesign, ohne die technologische Basis dafür überhaupt definiert und gefunden zu haben. Das stört mich als Physiker. Die technologischen Voraussetzungen sind gegeben, um Systemdienstleistungen effizient erbringen zu können und die erneuerbaren Energien auch vollständig nutzen zu können und nicht abregeln zu müssen.

E&M: Brauchen wir dann noch mehr Forschung und Entwicklung oder mehr Feldversuche?

Binder: Forschung und Entwicklung müssen weiter betrieben werden. Wir dürfen hier nicht nachlassen. Die Lithium-Ionen-Technologie ist bereits zur Fertigungsreife entwickelt. Bei größeren Stückzahlen wird sie der aus anderen Branchen bekannten Preiserfahrungskurve folgen und damit kurzfristig zu wesentlich günstigeren Kosten führen. Deshalb sollte man sich auch die Entwicklung im Silicon Valley genau anschauen, wo die Firma Tesla mit Panasonic in eine 1GW-Fertigung von Lithium-Ionen-Batterien investieren wird. Es ist aber auch höchste Zeit, die Technologien endlich auf breiter Front einzusetzen und zu demonstrieren, was sie leisten können. Der kürzlich eingeweihte Batteriepark der Wemag ist ein gutes Beispiel dafür. Die 5 MW dort ersetzen das Zehnfache an konventioneller Kraftwerksleistung, die den gleichen Zweck erfüllen würde. Nicht zu vergessen sind auch die Pumpspeicher, die eine hocheffiziente und ausgereifte Technologie darstellen. Zwar wurden jetzt in Bayern die Pläne für eine Anlage am Jochberg beerdigt. Aber mir kann niemand erzählen, dass ein solches Projekt bei einer klaren politischen Unterstützung keine Akzeptanz in der Bevölkerung findet, wenn ein paar Kilometer weiter am Sudelfeld für 40 Millionen Euro ein Stausee angelegt wird, um 250 Schneekanonen zu versorgen.

 
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Donnerstag, 02.10.2014, 09:06 Uhr