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Enerige & Management > Gas - Sicher durch den Winter
Bild: Storengy
GAS:
Sicher durch den Winter
Die Gasbranche schlägt vor, Fernleitungsnetzbetreibern Zugriffsrechte auf Gasspeicher einzuräumen, um die Versorgungssicherheit zu stärken. Über weitere Maßnahmen ist sie sich uneins.
 
Was haben Weihnachten und die Sicherheit der Gasversorgung gemeinsam? Im Spätherbst werden sie regelmäßig zum wichtigen Thema. Waren es in den vergangenen Jahren immer wieder der Streit um Gaslieferungen Russlands an die Ukraine und die damit verbundenen möglichen Probleme für Europa, die die Diskussionen über Versorgungssicherheit befeuerten, bildet in diesem Jahr ein im Sommer vorgelegtes Gutachten den Hintergrund für die Debatte.

Experten der Wirtschaftskanzlei BBH, der Becker Büttner Held Consulting und der Berliner TU-Professor Joachim Müller-Kirchenbauer kamen in ihrem Gutachten für das Bundeswirtschaftsministerium mit dem Titel „Möglichkeiten zur Verbesserung der Gasversorgungssicherheit und der Krisenvorsorge durch Regelungen der Speicher“ zu einem eindeutigen Ergebnis: Die Sicherheit der Gasversorgung in Deutschland sei „sehr hoch“.

Gasspeicher spielten dabei eine wichtige Rolle. In Deutschland reichten sie grundsätzlich aus, um die Versorgung auch in intensiven Winterphasen oder bei Lieferausfällen sicherzustellen − wenn sie genügend gefüllt sind. Seitdem wird intensiv diskutiert, wie das am besten zu gewährleisten ist.
 
Gasspeicher stehen im Zentrum der aktuellen Diskussionen über Möglichkeiten zur Stärkung der Versorgungssicherheit
Bild: VGS/Dirk Brzoska

Die grundsätzliche Einschätzung der Gutachter, dass das Niveau der Versorgungssicherheit in Deutschland sehr gut ist, findet in der Gasbranche breite Zustimmung. „Erdgas ist und bleibt ein sicherer Energieträger“, sagt Anke Tuschek, Geschäftsführerin des Branchenverbandes BDEW.

Was aber gibt es dann zu verbessern? Es geht darum, regionale Engpässe wie im Februar 2012, als in Süddeutschland wichtige Gaskraftwerke nicht mehr mit Gas hätten beliefert werden können, wenn sie gebraucht worden wären, besser bewältigen zu können. Aus der Gaswirtschaft gibt es zwei Vorschläge, die beide auf eine veränderte Speichernutzung abzielen. Der BDEW und die in der Vereinigung FNB Gas organisierten Fernleitungsnetzbetreiber setzen dabei aber unterschiedliche Schwerpunkte.

Regionalen Engpässen im Transport vorbeugen

Die Netzbetreiber nehmen das Thema Versorgungssicherheit besonders ernst, weil sie es sind, die im Ernstfall Verbraucher abschalten müssen und damit öffentliche Kritik auf sich ziehen. Sie beklagen, dass sich die veränderte Nutzung der Gasspeicher negativ auf die Versorgungssicherheit auswirkt. Seit dem Unbundling, das eine ehemals integrierte Versorgung mit festem Sicherheitskorsett aus Lieferverträgen, Netz und Speichern in ihre Einzelteile zerlegt hat, fühle sich niemand mehr für Versorgungssicherheit zuständig, klagt Jörg Bergmann, Geschäftsführer des größten deutschen Fernleitungsnetzbetreibers Open Grid Europe (OGE).

Im Oktober legte die FNB Gas ein Konzept vor, das eine so genannte FNB-Stabilitätsreserve beinhaltet. Netzbetreiber sollen demnach Zugriff auf Gasspeicher erhalten, die sie als Netzpuffer nutzen können. Außerdem sollen sie Speicher oder Nutzungsrechte erwerben können, um damit Transporte abzusichern. Bislang ist das wegen der Unbundling-Vorschriften nicht möglich.

„Das Gassystem in Deutschland ist so ausgelegt, dass die Speicher als integraler Bestandteil einen Teil zur Leistungsvorhaltung beitragen müssen“, verdeutlicht Bergmann, warum die Netzbetreiber Zugriff darauf wollen. „Speicher werden für Netzbetreiber immer wichtiger, um das System vernünftig fahren zu können“, bekräftigt Jens Schumann, Geschäftsführer des norddeutschen Fernleitungsnetzbetreibers Gasunie. Dabei gehe es vor allem darum, die nötigen Gasmengen verfügbar zu machen.

„Um eine lang anhaltende Kälteperiode beherrschen zu können, benötigen wir volle Speicher“, ergänzt Bergmann. Im Moment ist im Süden jedoch das Gegenteil der Fall: „Der Füllstand der drei größten Speicher für Süddeutschland ist aktuell auf historisch niedrigstem Niveau“, so der OGE-Geschäftsführer. Das bedeutet, dass für die kommenden Monate ein Engpass in dieser Region nicht auszuschließen ist.
Ähnliches berichtet Schumann für den Nordwesten Deutschlands. „Die L-Gas-Speicher in Norddeutschland waren zu Beginn des Winters nur zu 60 Prozent gefüllt.“ Auch er kann so nicht für einen Winter ohne Engpass garantieren.

Als Hauptgründe, warum Speicher immer weniger gefüllt werden, sehen die Netzbetreiber vor allem das Unbundling und veränderte Marktbedingungen. Der zunehmend liquide Gashandelsmarkt macht es nicht mehr zwingend erforderlich, Gas für den Winter einzulagern. Durch den nur noch geringen Gaspreisunterschied zwischen Sommer und Winter wird das Speichern für Händler uninteressant.
Auch der BDEW hat im November sein so genanntes Reservemodell zur Stärkung der Versorgungssicherheit vorgestellt. Wie der FNB-Gas-Vorschlag sieht es Zugriffsrechte auf Gasspeicher für Fernleitungsnetzbetreiber vor – aber nur als nachgeordnetes Instrument. Zuerst sollen sich die Netzbetreiber mit einer systemnahen Flexibilitätsreserve aus Lastflusszusagen und abschaltbaren Verträgen eindecken.

Netzbetreiber wollen auch Händler in die Pflicht nehmen

Das sei kein geeignetes Instrument für regionale Engpässe, um die es gehe, heißt es dazu bei der FNB Gas. Dafür gebe es nicht genügend Flexibilitätsanbieter. Lastflusszusagen seien meist nicht langfristig genug zu bekommen. Die Netzbetreibervereinigung schlägt stattdessen vor, ein „Anreizsystem zur Stärkung der Eigenvorsorge von Händlern und Lieferanten“ einzuführen.

„Jedes Glied der Versorgungskette soll etwas zur Versorgungssicherheit beitragen“, fordert Bergmann. „Es geht nicht, dass ein Energiehändler, der nur einen Lieferanten hat, seine Kunden bei Ausfall dieses Lieferanten nur noch über das Regelenergiesystem versorgt“, ergänzt Schumann. „Das System ist keine Hängematte für lau.“ Die Netzbetreiber verlangen Pönalen für die Unterspeisung von Bilanzkreisen. Händler und Vertriebe sollen Strafe zahlen, wenn sie zu wenig Gas einspeisen und ihre Bilanzkreise nicht ausgeglichen sind.

Gashändler zeigen sich wenig begeistert, auf diesem Weg zur Vorratshaltung verpflichtet zu werden. Sie argumentieren, Speicher seien nicht der einzige Garant der Versorgungssicherheit, der Gasmarkt habe stark an Liquidität gewonnen und die Versorgung in Deutschland sei durch Flüssigerdgas besser diversifiziert als noch vor Jahren.

Das Handelsgeschäft werde immer kurzfristiger, meint beispielsweise Helmut Kusterer. Wenn der Gasvorrat im Speicher nicht gebraucht werde, bleibe der Händler auf den Kosten sitzen, so der Vertriebsleiter der Gasversorgung Süddeutschland in Stuttgart. Welche Schlussfolgerungen das Bundeswirtschaftsministerium aus dem Gutachten und aus den Diskussionen innerhalb der Gaswirtschaft zieht, wird sich zeigen.

BDEW und FNB Gas werben indes intensiv für ihre Konzepte. Das BDEW-Reservemodell sei flexibel, marktwirtschaftlich orientiert und kosteneffizient, vermeide Wettbewerbsverzerrungen und ermögliche einen Anbieterwettbewerb, so Verbandsgeschäftsführerin Tuschek. Ähnlich argumentieren die Netzbetreiber. Das FNB-Gas-Konzept könne ohne grundlegende Änderung des regulatorischen Rahmens eingeführt werden und vermeide eine Beeinflussung der Handelsmärkte.

Einig sind sich die beiden Verbände bei der leidigen Frage, wer den Zusatzaufwand für die Versorgungssicherheit bezahlen soll. Die Kosten sollen über die Netzentgelte auf die Verbraucher umgelegt werden. „Unsere Vorschläge liegen auf dem Tisch. Jetzt muss sie der Gesetzgeber bewerten und sich dann für einen Weg entscheiden“, so OGE-Geschäftsführer Bergmann.

Gasspeicher und Versorgungssicherheit
Deutschland verfügt über die größten Speicherkapazitäten für Erdgas innerhalb der EU. Rund 24 Mrd. m3 nutzbares Arbeitsgas können in den unterirdischen Reservoirs – meist ausgeförderte Gaslagerstätten oder Salzstöcke – eingelagert werden. Die Speicheranlage des Betreibers Astora im norddeutschen Rehden ist mit mehr als 4 Mrd. m3 Arbeitsgas einer der größten Speicher in Deutschland. Rund ein Viertel des jährlichen Erdgasbedarfs kann in Speichern vorgehalten werden.

 
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Dienstag, 15.12.2015, 09:18 Uhr