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REGENERATIVE:
Stephanblome: "Einspeisung muss im Wettbewerb stattfinden"
Über die Gründung des Biogasrates, die Abgrenzung zum Fachverband Biogas und die Modalitäten der Biomethan-Einspeisung sprach E&M mit Thomas Stephanblome.
 

E&M: Herr Stephanblome, was war der Auslöser für die Gründung des Biogasrates?

Stephanblome: Vor rund einem Jahr - als sich die industrielle Biomethan-Einspeisung als Thema konkretisierte - haben sich Einspeiser, Händler und Nutzer im Fachverband Biogas nicht mehr ausreichend repräsentiert gefühlt. Wir gehen davon aus, dass die Klimaschutzziele der Bundesregierung nur erreicht werden, wenn sich auch industrielle Anbieter aus dem energiewirtschaftlichen oder landwirtschaftlichen Umfeld engagieren. Deren Interessen wollen wir vertreten und durch entsprechende Lobbyarbeit unterstützen. Den Biogasrat sehen wir jedoch nicht als Konkurrenz. Wir versuchen nach wie vor, die Kommunikation mit dem Fachverband aufrecht zu erhalten. Letztlich ist es aber so, dass dieser vorrangig die kleineren Nebenerwerbsanlagenbetreiber vertreten möchte. Die Vernachlässigung der professionellen Betreiber wollen wir kompensieren, in dem wir gerade Marktteilnehmer aus dem Bereich der größeren, industriellen Anlagen die Mitarbeit im Biogasrat anbieten.

E&M: Wo unterscheiden sich die Interessen des Biogasrates und des Fachverbandes?

Stephanblome: Im Moment erleben wir, dass kleinere Biogasanlagen besser gefördert werden als größere, obwohl Großanlagen effizienter sind. Der Betreiber einer kleineren Anlage, der den maximalen Bonus haben will, ist im Fachverband gut aufgehoben. Wir aber haben den Anspruch, den Technologiewettbewerb und die Technologieeffizienz nach vorne zu bringen. Das spiegelt sich auch in unserer ablehnenden Haltung gegenüber einem Gaseinspeisegesetz wider. Der Fachverband möchte jedem, der Biomethan ins Gasnetz einspeist, einen bestimmten Fixbetrag geben, ähnlich dem Erneuerbare-Energien-Gesetz im Strombereich. Ein solches System ist langfristig nicht im Sinn der Betreiber, weil eine Biogasanlage anders als etwa eine Solaranlage hohe laufende Lohn- und Substratkostenanteile aufweist, die durch fixe Fördersätze eines preisbasierten Fördersystems auf Dauer nicht abgedeckt werden. Wir vertreten daher die Auffassung, dass die Einspeisung in einem mengenbasierten Fördersystem und in einem Wettbewerb stattfinden muss, damit sich die effizientesten Technologien und die besten Vermarktungswege durchsetzen. Wir wollen nicht alles über einen Kamm scheren und hinterher nur kassieren.

Mengenbasiertes Fördersystem statt Gaseinspeisegesetz

E&M: Beinhaltet die Gasnetzzugangsverordnung - wie der Fachverband moniert - administrative Hemmnisse für Einspeiser?

Stephanblome: Aus unserer Sicht hat sich die vorliegende Gasnetzzugangsverordnung weitgehend bewährt. Das eine oder andere könnte aber noch unbürokratischer vonstatten gehen. Unter anderem benötigt die vorrangige Einbindung von Biomethan ins Gasnetz noch weitere Hilfestellungen. Zudem müsste das Problem der zum Teil relativ langen Fristen angegangen werden - beispielsweise die Frage, wann ein Netzbetreiber das Einspeisebegehren bearbeitet haben muss.

E&M: Unterschiedliche Meinungen der Verbände gibt es auch über den so genannten Anlagenbegriff.

Stephanblome: Ja, das war auch ein Grund für einen eigenen Verband. Was fällt unter den Begriff Kleinanlage, wie wird rückwirkend eine Großanlage definiert - diese Diskussion kam in der Branche nicht so gut an. Aber hier gibt es Handlungsbedarf, weil wir klare Regeln brauchen.

E&M: Was muss getan werden, um den Biomethanmarkt in Deutschland weiter anzukurbeln?

Stephanblome: Wir sind mit den ambitionierten Zielen - sechs Prozent Bioerdgas-Anteil bis 2020 und zehn Prozent bis 2030 - heute sicher noch nicht auf dem Weg, den wir uns wünschen. Bekommen wir von der Politik jedoch weitere flankierende Randbedingungen im Sinne von mengenbasierten Fördersystemen, können wir den Markt auch so entwickeln, wie es die politischen Ziele vorgeben. Vorbildhaft ist derzeit zum Beispiel das Wärmegesetz in Baden-Württemberg. Ich bin überzeugt: Wenn dieses Obligationssystem weiter Fuß fassen würde, könnten sich diese Systeme auch zum Teil selber weiter entwickeln. Bei dem Gesetz in Baden-Württemberg gilt die alte Weisheit: Wettbewerb belebt das Geschäft.

Internationalisierung der Rahmenbedingungen

E&M: Welche weiteren flankierenden Rahmenbedingungen halten Sie für notwendig?

Stephanblome: Da gibt es zwei Dinge, die wir uns dringend wünschen. Zum einen sollte die Vergärung von biogenen Reststoffen nicht länger außerhalb der Boni-Systeme stehen. Das Zweite ist die Internationalisierung. Wir dürfen nicht nur auf Deutschland schauen, sondern müssen den Biomethanhandel in der EU in Schwung bekommen. Das ist derzeit durch viele Restriktionen nur begrenzt oder gar nicht möglich. Wir sehen in Europa aber enorme Möglichkeiten. Dazu brauchen wir aber dringend eine Internationalisierung der Rahmenbedingungen.

E&M: Gibt es in Deutschland noch Unsicherheiten bei der Regelung der Bilanzkreisführungen?

Stephanblome: Da gibt es noch Unklarheiten, beispielsweise wie das Bilanzkreismanagement weiter ausgestaltet wird. Beim BDEW sind derzeit Papiere in der Endredaktion, die in Kürze aufgelegt werden sollen. Damit haben wir eine klarere Regelung für die Bilanzkreisführung und den Bioerdgashandel. Unter anderem geht es darum, verbindlich klarzustellen, was mit Ausgleichsenergien geschieht oder was unter Flexibilitäten zu verstehen ist, die sich auf die gesamte Handelskette erstrecken.

E&M: Schwierig ist bislang auch, den Herkunftsnachweis für Biomethan zu führen.

Stephanblome: Der Herkunftsnachweis wird derzeit vom Biogasproduzenten geführt und dann dem Abnehmer übergeben. Da der Markt aus unserer Sicht aber sehr stark wachsen wird, könnte sich dieser Einsatznachweis zu einem formalen Hemmnis entwickeln. Bei der Deutschen Energieagentur gibt es seit März das Projekt „Dokumentation von Bioerdgas", an dem wir mitarbeiten. Die Grundzüge eines modifizierten Nachweissystems haben wir inzwischen festgelegt. Dabei geht es unter anderem darum, wie bestimmte Bioerdgasmengen und deren Herkunftsnachweise in ein spezifisches Konto eingestellt werden können, wie diese dann über die Wertschöpfungskette hinweg gehandelt werden, durch wen diese Mengen aus dem Konto wieder entnommen werden und wie die Auditierung durchgeführt wird. Nun gilt es, diese Ansätze in die Tat umzusetzen, also eine Plattform zu schaffen, die diesen Nachweis pragmatisch möglich macht. 

Zur Person:
Dr. Thomas Stephanblome leitete das technische Engineering bei der MVV Energie AG, danach die Bereiche Prozess- und Solartechnik bei der Westfalia GmbH. Aktuell ist er als Leiter der Geschäftsentwicklung der Eon Bioerdgas GmbH für die nationale und internationale Positionierung des Essener Unternehmens zuständig. Darüber hinaus ist Stephanblome seit Ende Juni zweiter Vorsitzender des neu gegründeten Biogasrates in Berlin. Weitere Gründungsmitglieder neben Eon Bioerdgas sind BKN Biostrom, Jenbacher, Envitec Biogas, Weltec Biopower, MTU Onsite Energy, ITT Water & Wastewater Deutschland, agri.capital, KTG Biogas, Renergie green solutions, biogas weser-ems, eeMaxx Energy System, Nawaro Bioenergie und die Deutsche Biogas AG.


 
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Mittwoch, 30.09.2009, 12:11 Uhr