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Enerige & Management > Unternehmen - Strebl: "120 Millionen Euro für Innovation"
Bild: ty, Fotolia
UNTERNEHMEN:
Strebl: "120 Millionen Euro für Innovation"
Michael Strebl, Vorsitzender der Geschäftsführung der Wien Energie GmbH, über die neue Struktur und die Perspektiven seines Unternehmens.
 
E&M: Herr Strebl, Sie präsentierten kurz vor Weihnachten die Bilanz für die ersten drei Quartale 2017. Das Konzernergebnis stieg um 30,2 Millionen Euro auf 57,5 Millionen Euro. Wie sieht es für das Gesamtjahr aus?

Strebl: Der Markt ist total im Umbruch, trotzdem hatten wir ein gutes Ergebnis. Unsere kostensenkenden und ertragssteigernden Maßnahmen wirken. Natürlich haben uns auch der kalte Winter 2016/2017 und die etwas höheren Strompreise geholfen. Zudem profitieren wir vom Bereitstellen von Regel- und Ausgleichsenergie für den deutschen Netzbetreiber Tennet und die österreichische Austrian Power Grid. Für Tennet etwa halten wir in diesem Winter 278 Megawatt an Kraftwerksleistung vor.

Das alles ist erfreulich, aber es darf uns nicht ablenken: Der Wettbewerb ist so intensiv wie nie zuvor. In Wien hatten wir 2010 nicht mehr als zwölf alternative Stromanbieter. Heute sind es über 40. Auf dem Erdgasmarkt ist die Lage ähnlich. Österreichweit wechselten in den ersten drei Quartalen des Jahres 2017 rund 267 000 Kunden ihren Stromlieferanten, um etwa 29 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2016. Ein Drittel der Wechsel erfolgte in Wien. Wir sagen aber nicht: Um Gottes Willen, die Welt geht unter. Stattdessen gehen wir einen neuen Weg, stellen uns offensiv auf und nehmen unsere Chancen wahr. Als einziges Unternehmen können wir in Wien Strom, Gas, Fernwärme, Telekomdienste, Elektromobilität, Fernkälte und andere Services aus einer Hand anbieten. Wir müssen es nur tun. Zu diesem Zweck haben wir uns im Spätherbst eine neue Struktur gegeben.
 
Michael Strebl: „Wir sind jetzt klarer strukturiert und prozessorientiert aufgestellt“
Bild: Wien Energie/Ludwig Schedl

E&M: Wie sieht diese aus?

Strebl: Wir haben den gesamten Vertrieb in einer Abteilung zusammengeführt mit dem Motto ‚Alles aus einer Hand‘. Bisher gab es im Wesentlichen einen Strom- und Erdgas-, einen Telekom- und einen Fernwärmevertrieb. Aber wenn wir eine Bündelproduktstrategie fahren, müssen wir das auch organisatorisch entsprechend abbilden. Es hat ja keinen Sinn, alle Produkte zu haben, aber sie nebeneinander anzubieten und nicht gemeinsam. So können wir jedem unserer zwei Millionen Kunden ein für ihn maßgeschneidertes Produkt verkaufen.

Ferner haben wir die 23 Abteilungen, die an die Geschäftsführung berichteten, auf 14 vermindert. Die Stabsstellen wurden von acht auf zwei reduziert, nämlich Recht und Unternehmensentwicklung, also die klassischen Bereiche. Natürlich war die Neustrukturierung somit auch ein Streamlining-Prozess. Aber es war vor allem eine Neuaufstellung in Richtung Markt im Sinn einer Bündelung von Kompetenzen und eines Hebens von Synergien.

E&M: Wurden auch die Zuständigkeiten der Geschäftsführer geändert?

Strebl: Ja. Wir sind jetzt klarer strukturiert und sehr prozessorientiert aufgestellt. Karl Gruber verantwortet im Wesentlichen den Technikbereich, Peter Gönitzer ist für die Finanzen und Shared Services zuständig. Ich selbst kümmere mich um den gesamten Vertriebs- und Marktbereich inklusive der marktkritischen Themen Innovation, Digitalisierung und Elektromobilität.

E&M: Haben Sie für Innovation eine eigene organisatorische Einheit geschaffen?

Strebl: Ja, sie ist innerhalb der Stabsstelle Unternehmensentwicklung angesiedelt und nennt sich Telekom und neue Geschäftsfelder. Es kommen ja immer wieder neue Ideen ins Unternehmen. Diese werden zunächst der Stabsstelle Unternehmensentwicklung zugewiesen. Sie sortiert jene davon aus, die das Potenzial haben, zu Geschäftsmodellen zu werden. Diese kommen zur Einheit Telekom und neue Geschäftsfelder und werden dort entsprechend weiterentwickelt. Für alle Innovationen investieren wir in den nächsten Jahren 120 Millionen Euro.

E&M: Was fällt inhaltlich unter Innovation?

Strebl: Eines meiner Lieblingsbeispiele ist das Stadtentwicklungsgebiet ‚Viertel Zwei‘ im zweiten Wiener Gemeindebezirk. Das ist für uns ein ideales Testfeld. Wir sind dort mit Strom, Wärme, Telekommunikation und Elektromobilität vertreten. In diesem Umfeld können wir neue Tarife und Geschäftsmodelle ausprobieren. Das beginnt im kommenden Frühjahr. Auf den Dächern der Häuser installieren wir Photovoltaikanlagen. Laut der seit Sommer 2017 geltenden Rechtslage ist es möglich, dass die Bewohner der Häuser die Solaranlagen gemeinsam betreiben und den erzeugten Strom untereinander handeln. Dafür möchten wir eine Lösung auf Basis der Blockchain-Technik anbieten.

Was die Stromtarife betrifft, überlegen wir uns unter anderem das Critical Peak Pricing, das es in Kalifornien bereits gibt. Dabei richtet sich der Strompreis, den jemand bezahlt, nach der Leistung, die er an jenem Tag des Jahres benötigt, an dem das Netz insgesamt am stärksten belastet ist. In Mitteleuropa wäre das ein sehr kalter Wintertag. Der teure Ausbau der Infrastruktur wird ja durch den Spitzenverbrauch an diesem Tag verursacht. Verbraucht nun jemand genau an diesem Tag besonders wenig Strom, erhält er das ganze Jahr über einen niedrigen Preis. Zudem wird es auch Flat-Tarife geben ähnlich wie im Telekombereich. Gut gefallen würde mir auch ein Fixtarif. Das wäre kein Fixpreis pro Kilowattstunde, sondern eine Zahlung von, sagen wir, 60 Euro im Monat, womit die gesamten Stromkosten gedeckt wären.

Beteiligt sind wir auch am Green Energy Lab, dem bisher größten österreichischen Projekt zur Entwicklung von Technologien im Bereich erneuerbarer Energien, und am Start-up-Hub ‚weXelerate‘.

„Gut gefallen würde mir auch ein Fixtarif“
 
E&M: Die Wiener Stadtwerke, also die Muttergesellschaft der Wien Energie, sind seit dem 20. Dezember 2017 keine AG mehr, sondern eine GmbH. War diese Umwandlung auch einer der Gründe für die Umstrukturierung der Wien Energie?

Strebl: Nein. Das war eine Entscheidung des Eigentümers Stadt Wien.

E&M: Wie geht es längerfristig mit Ihren erdgasbefeuerten Kraft-Wärme-Kopplungen weiter? In Diskussion sind mehrjährige Verträge mit der Austrian Power Grid über das Vorhalten von Leistung für die Netzstabilität.

Strebl: Die Gespräche laufen. Es gibt noch keine Lösung. Diese wäre aber dringend notwendig. Das energiewirtschaftliche System braucht ein Fangnetz, weil die erneuerbaren Energien witterungsbedingt nicht immer zur Verfügung stehen.

E&M: Wie wird sich die Trennung der deutsch-österreichischen Strompreiszone im Oktober auf die Rentabilität der Gaskraftwerke auswirken?

Strebl: Dazu gibt es noch keine abschließende Meinung. Nach den derzeitigen Terminmarktpreisen zu urteilen, dürften die Strompreise in Österreich etwas höher ausfallen als in Deutschland. Was es für uns in Summe heißt, können wir derzeit noch nicht exakt voraussagen.

 
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Donnerstag, 01.02.2018, 09:09 Uhr