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REGENERATIVE:
Stroh in den Kessel
Stroh ist in Deutschland zwar reichlich vorhanden, industriell wird es bislang aber nicht als Brennstoff eingesetzt. Das soll sich in Niedersachsen ändern: An drei Standorten des Kartoffelstärke-Produzenten Emsland Group sollen Heizkraftwerke (HKW) mit jeweils knapp 50 MW Feuerungswärmeleistung mit Stroh beschickt werden.
 

"Stroh hat gegenüber anderer Biomasse den Vorteil, dass es keine Konkurrenz mit der Lebens- oder Futtermittelindustrie gibt, da es es für diese Zwecke nicht genutzt werden kann", erklärt Rainer Knieper, Projektleiter bei der BE Bioenergie GmbH gegenüber E&M. Das Unternehmen mit Sitz in Twist plant im Auftrag der Bioenergiekraftwerk Emsland GmbH - die Betreibergesellschaft wurde im Sommer 2006 zusammen mit der Emsland-Group gegründet - den Bau des ersten niedersächsischen Stroh-HKW in Emlichheim.
Im größeren Stil wurde in Deutschland bislang nur im thüringischen Schkölen Stroh verfeuert. Das Heizwerk mit 3,15 MW Wärmeleistung ging 1993 in Betrieb, wurde aber 2006 auf Holz umgestellt. Grund für die Umrüstung waren nicht Probleme mit der Feuerung oder dem Emissionsverhalten der Anlage. Der Betrieb der Anlage galt wegen des zu geringen Wärmeabsatzes über die Sommermonate und der teuren Brennstoffversorgung als unrentabel.

Die Emsland-Stärke GmbH verarbeitet im Stammwerk Emlichheim sowie in Wietzendorf, Golßen und Kyritz pro Jahr etwa 1,6 Mio. t Kartoffeln zu Kartoffelstärke. Dafür wird - ebenso wie für das am Stammsitz geplante Bioethanol-Werk mit 24 000 m3 Jahreskapazität - Wärme benötigt. Um die Energieversorgung auf erneuerbare Energien umzustellen und Kosten einzusparen ließ die Muttergesellschaft Emsland Group mehrere Energiekonzepte erstellen. Das Ergebnis ermunterte die BE Bioenergie GmbH und die Emsland Group nicht nur zum Bau eines Stroh-HKW in Emlichheim. Bereits 2009 sollen weitere 50 MW-Anlagen im niedersächsischen Cloppenburg und im brandenburgischen Kyritz folgen.

Das HKW in Emlichheim soll auf einen Durchsatz von jährlich rund 97 500 t Stroh ausgelegt werden. Landwirte liefern den Brennstoff in From von Rechteck-Ballen aus einem Umkreis von maximal 70 km um den Kraftwerks-Standort. "Die Lieferverträge wurden über einen Zeitraum von acht bis zehn Jahren vereinbart. Dies entspricht auch dem zeitlichen Rahmen der Finanzierung des Stroh-Heizkraftwerkes", betont Knieper. Der durchschnittliche Jahrespreis schwankt um die 60 Euro/t. Dabei stellen der Lieferzeitpunkt sowie die Lagerung und die Feuchtigkeit des Brennstoffs laut Knieper so genannte "preisbildende Faktoren" dar. Stroh kostet demnach direkt nach der Ernte am wenigsten und verteuert sich, wenn es in Hallen zwischengelagert wurde oder die Feuchtigkeit mehr als 13 Prozent beträgt.

"Aufgrund seiner mechanischen und physikalischen Eigenschaften stellt Stroh bei der thermischen Nutzung besondere Anforderungen an Technik und Verfahren", erläutert Knieper. Problematisch bei der Verbrennung von getrockneten Halmen und Stängeln ist unter anderem die im Vergleich zu Holz niedrige Asche-Erweichungstemperatur. Die Rostfeuerung des dänischen Herstellers Burmeister & Wain Energi A/S - die in Dänemark seit 1989 eingesetzt wird - ist daher so konstruiert, dass Verschlackungen vermieden werden. Die Rauchgas-Reinigung des Heizkraftwerkes soll zudem mit einem Gewebefilter ausgestattet werden, um die bei der Stroh-Verbrennung anfallenden Staub-Emissionen zu minimieren. "Mit rund 50 Millionen Euro fallen die Kosten für die Stroh-Feuerung daher höher aus, als für ein herkömmliches Holz-Heizkraftwerk", resümiert Knieper.

Der Generalplaner BE Bioenergie legt alle drei bislang geplanten Stroh-Feuerungen auf den Betrieb in Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) aus. Das HKW in Ehmlichheim soll den Produktionsstandort der Emsland-Stärke jährlich mit etwa 101 Mio. kWh Prozessdampf versorgen. Knapp 63 Mio. kWh Niederdruckdampf-Wärme pro Jahr sollen für die geplante Bioethanol-Raffinerie ausgekoppelt werden. In ein 5,5 km langes Nahwärmenetz in Emlichheim sollen weitere 43,5 Mio. kWh Wärme pro Jahr eingespeist werden.

Darüber hinaus soll das HKW jährlich etwa 80 Mio. kWh Strom erzeugen. "Da der Betrieb eines Stroh-Heizkraftwerkes bislang nur an Standorten mit einem hohen Wärmeabnahme-Potenzial wirtschaftlich möglich ist, benötigen wir eine entsprechende Vergütungsregelung für den Strom", betont Knieper mit Blick auf die Anfang Dezember im Bundeskabinett verabschiedete Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Positiv bewertet der Projektleiter, dass demnach die Grundvergütung für Biomasse-Feuerungen nicht abgesenkt werden soll. Wichtig für die Wirtschaftlichkeit von Stroh-Feuerungen sei auch die geplante Erhöhung des KWK-Bonus von 2 auf 3 Cent/kWh sowie die Aufnahme von Stroh in die Positivliste der nachwachsenden Rohstoffe.

In Dänemark werden bereits heute über 1,5 Mio. t Stroh im Jahr für die Erzeugung von Strom und Wärme genutzt. Aber auch in Deutschland könnte Stroh einen Beitrag zum Aufbau einer nachhaltigen und umweltverträglichen Energieversorgung leisten, so Knieper: "Das Strohpotenzial in Deutschland ist mit über 35 Millionen Jahrestonnen enorm. Selbst wenn nur ein Viertel der Menge genutzt würden, könnten etwa hundert Stroh-Heizkraftwerke mit einer Leistung von je 50 Megawatt betrieben werden."


 
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Dienstag, 18.12.2007, 09:13 Uhr