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Enerige & Management > Stromnetz - Strombilanzierungsqualität – gut und schlecht ist relativ
Bild: Fotolia.com, Silviu G Halmaghi
STROMNETZ:
Strombilanzierungsqualität – gut und schlecht ist relativ
Andreas Lied und Manfred Jakobs* haben in einer Studie Risiken und Kosten der Strombilanzierung nach den Marktregeln für die Bilanzkreisabrechnung Strom (MaBiS) analysiert und die finanziellen Auswirkungen untersucht.
 
Seit Mitte 2014 werden von der Bundesnetzagentur mehr und mehr Verfahren gegen Verteilnetzbetreiber (VNB) eröffnet, die in ihren Bilanzierungsgebieten relativ hohe Differenzmengen zwischen Ein- und Ausspeisung aufweisen. Im Rahmen der Marktregeln für die MaBiS, die Mitte 2011 eingeführt wurden, ermitteln die VNB die Differenzen zwischen prognostizierten und tatsächlichen viertelstündlichen Strommengen, die einerseits eingespeist und andererseits von Kunden mit Standardlastprofil entnommen wurden. Auch wenn der VNB sein Bilanzierungsgebiet vollständig ausbilanzieren darf, muss er die danach noch vorhandenen Fehlmengen zu Ausgleichsenergiepreisen bezahlen.

Gibt es gute und schlechte Verteilnetzbetreiber? Wie groß ist die Gesamtabweichung von Einspeisung und Entnahme im Verhältnis zum Saldo der Standardlastprofilmengen? Um diese Fragen zu überprüfen, wurden in einer Studie von Becker Büttner Held Consulting viertelstundenscharfe Werte von 80 Verteilnetzbetreibern aus allen deutschen Regelzonen über zwei Jahre untersucht. Als Bewertungsgrundlage diente der regelzonenübergreifende einheitliche Bilanzausgleichspreis (reBAP), der für jede Viertelstunde ermittelt wird und für alle Regelzonen gilt. Aus den daraus resultierenden Differenzzeitreihen ergaben sich entsprechend Erträge und Kosten. Die anschließende Gegenüberstellung mit den durchschnittlichen Mehr- und Mindermengenabrechnungen der Standardlastprofile legte dazu noch einen bleibenden finanziellen Schaden für die Netzbetreiber offen. Denn die durch den regelzonenübergreifenden einheitlichen Bilanzausgleichspreis entstandenen Kosten und Erträge waren für die Verteilnetzbetreiber im Durchschnitt der Jahre 2012 und 2013 doppelt so hoch und halb so groß wie die Ausgaben und Einnahmen durch die Mehr- und Mindermengenabrechnung.

Eine mangelhafte Bilanzierungsgüte spiegelt sich letztlich in der so genannten Deltazeitreihe wider, in der strittige Zuordnungsfälle und offensichtliche Bilanzierungsfehler erfasst werden. Der Verteilnetzbetreiber benennt dem Übertragungsnetzbetreiber einen entsprechenden Bilanzkreis in seinem Netzgebiet, in den diese Abweichungen gebucht werden. Doch die Untersuchung zeigte nur vernachlässigbar geringe Werte in den jeweiligen Deltazeitreihen, so dass man nicht auf eine mangelhafte Bilanzierungsqualität schließen kann.

Studienergebnisse für die Differenzzeitreihen
 
Anzahl Entnahmestellen Mittelwert Differenzzeitreihe (in Euro) Differenzzeitreihe (kWh) in Prozent des Saldos für SLP
1 bis 10 000 18 988 2,50
10 000 bis 25 000 58 971 3,17
25 000 bis 50 000 90 534 2,03
50 000 bis 100 000 203 056 1,54
über 100 000 465 467 3,59
Quelle: BBH Consulting

Wie es nicht anders zu erwarten war, sind die Differenzzeitreihen bei Verteilnetzbetreibern mit analytischen Verfahren vernachlässigbar. Allerdings bedeutet die Umsetzung des analytischen Verfahrens einen Mehraufwand. Dieser Mehraufwand ist gerade für kleinere VNB nur schwer zu bewerkstelligen, da insbesondere ein hoher Automatisierungsgrad in den IT-Systemen und in den Prozessen Grundvoraussetzungen sind. Außerdem bedeutet das analytische Verfahren nur, dass es zu einer Umverteilung via Lieferanten auf alle Kunden im Netz kommt, und Abweichungen nicht verursachungsrecht zugeordnet werden.

Die Studie zeigt deutlich, dass bei vielen Netzbetreibern in der Bilanzierung nach MaBiS, auch nach erfolgter Mehr- und Mindermengenabrechnung, eine hohe Kostenbelastung auftreten kann. Allerdings legen die Ergebnisse nahe, dass es weder gute noch schlechte Verteilnetzbetreiber gibt, sondern eher glückliche, dann, wenn der regelzonenübergreifende einheitliche Bilanzausgleichspreis klein ist, oder weniger glückliche, dann, wenn der reBAP volatil ausschlägt. Schließlich zeigt die Studie auch, dass es wünschenswert wäre, die Bundesnetzagentur würde ihre Position noch einmal prüfen und Ausgleichsmechanismen ermöglichen, die sich an der Qualität der Bilanzierung, erkennbar an den fehlerhaft oder gar nicht Bilanzkreisen zugeordneten Strommengen, orientieren und eine glücksspielhafte Kostenbelastung ausschließen.

* Dr. Andreas Lied, Vorstand, Manfred Jakobs, Senior Consultant, Becker Büttner Held Consulting AG, München
 
Der regelzonenübergreifende einheitliche Bilanzausgleichspreis
Der regelzonenübergreifende einheitliche Bilanzausgleichspreis reBAP zeigt immer dann einen starken Anstieg, wenn es bundesweit große Abweichungen von prognostizierten zu tatsächlichen Strommengen in den Netzen gibt. Seine Grundlage ist ein Quotient aus der Geldmenge, die für den Bezug oder die Abgabe von Energie zum Ausgleich aller vier Regelzonen in jeder Viertelstunde aufgewendet wird (Saldo aus Kosten – Erlöse), und dem Saldo der dahinter stehenden Energiemenge.
 
Synthetische und analytische Bilanzierungsverfahren
Beim synthetischen Verfahren erfolgt die Bilanzierung nach einem Bottom-up-Prinzip. Wenn alle leistungsgemessenen Einspeisungen und Entnahmen bilanziert wurden, werden nicht-leistungsgemessene Einspeisungen und Entnahmen anhand der Profile und Prognosewerte on top bilanziert. Dies entspricht einer Art Schätzung anhand von Profilen und Vergangenheitswerten. Beim analytischen Verfahren hingegen unterliegt die Bilanzierung einem Top-down-Prinzip. Es werden die leistungsgemessenen Einspeisungen und Entnahmen der tatsächliche Netzlast hinzugefügt beziehungsweise abgezogen (inklusive Netzverluste), so dass nur eine Restlastkurve übrig bleibt. Die Restlastkurve wird anhand der Profile auf alle nicht-leistungsgemessen Entnahmestellen aufgeteilt und entsprechend bilanziert. Somit entspricht die Bilanzierung nach dem analytischen Verfahren in der Regel wesentlicher genauer der tatsächlichen Netznutzung als nach dem synthetischen Verfahren.

 
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Montag, 08.06.2015, 09:17 Uhr