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Enerige & Management > Berater - Tipps für den Smart-Meter-Einsatz
Bild: Fotolia.com, jd-photodesign
BERATER:
Tipps für den Smart-Meter-Einsatz
Die von vielen Energieversorgern kritisch gesehenen Smart Meter werden wohl früher oder später in den Kellern der Kunden installiert werden müssen – da sind sich eigentlich alle Branchenbeobachter einig. Wir haben bei Beratern nachgefragt, wie sich Stadtwerke auf den Rollout vorbereiten können
 
Seit Ende Juli die Kosten-Nutzen-Analyse für den Einsatz von intelligenten Messsystemen vorliegt, sind die Rahmenbedingungen erkennbar, die sehr wahrscheinlich auch in den Verordnungen stehen werden, die den Messgeräteeinsatz regeln. Erwartet wird, dass die Geräte zunächst bei Stromkunden mit einem Verbrauch von über 6 000 kWh/a eingesetzt werden, dann bei Eigenerzeugern beispielsweise mit Photovoltaikanlagen oder bei Kunden mit Wärmepumpen, also bei allen, die irgendwie dazu beitragen könnten, das Netz zu steuern.

Zu einer flächendeckenden Ausstattung mit den elektronischen Messgeräten kommt es aber erst im Laufe der Zeit, wenn die alten Zähler turnusmäßig ausgetauscht werden. Für Peter Funke, Partner bei der Beratungsgesellschaft SMP, ist deswegen klar: „Dass Smart Metering und Smart Grid kommen, ist gesetzt.“ Und Thorsten Pape, Experte für Energiewirtschaft bei der PA Consulting Group, schätzt die Größe der Austauschaufgabe ab: „Auch wenn man keinen flächendeckenden Rollout vorschreibt, werden wir allein durch den turnusmäßigen Wechsel pro Jahr vier Millionen Zähler austauschen.“
 
Die Einsparpotenziale verdeutlichen
 
Bisher sehen Stadtwerke wie Kunden diesen Rollout eher kritisch, die Begeisterung ist nicht sehr hoch. „Eigentlich wollen sehr viele eine Verbrauchsaufschlüsselung, wollen auch eine Monatsrechnung haben und ein Haushaltsgerät programmieren können, aber nur unter zehn Prozent der Kunden wollen dafür Geld ausgeben“, erklärt Pape. Unklar ist auch noch, wie viel Stromkosten die Kunden tatsächlich damit sparen können. Roberto Guevara von der Beratungsgesellschaft Invensity empfiehlt deshalb, den Kunden zuerst die möglichen Einsparpotenziale zu verdeutlichen: „Der Kunde muss von den Vorteilen überzeugt sein, darum finden wir eine Simulation gut, in der er sehen kann, wie sein Verbrauch aussehen würde, wenn er bestimmte technische Ausrüstungen hätte.“ Guevaras Unternehmen hat solche Simulationen bereits für Elektrofahrzeuge entwickelt und könnte mit der entsprechenden Software auch das Sparpotenzial bei Gewerbe- und bei Privatkunden ermitteln.

Auch Pape empfiehlt den Versorgern, ihren Kunden zuerst die Vorteile des Systems aufzuzeigen: „Die Versorger müssen den Nutzen für die Kunden stärker hervorheben. Wichtig für sie ist, in eine andere Kommunikation einzutreten und die Umrüstung zu forcieren.“ In der Kommunikation hat sich im Zusammenspiel mit neuen technischen Produkten wie Smartphones das Verhalten der Kunden stark geändert. Pape rät den Stadtwerken daher, eine ähnliche Verhaltensänderung rund um den Bereich der Stromzähler und des Stromverbrauchs, etwa über Apps, anzustoßen. Zur Vorbereitung gehöre auch, Bedenken der Kunden beim Thema Datenschutz auszuräumen.
 
Pilotprojekte für praktische Erfahrungen
 
Stadtwerke müssen zunächst Konzepte entwerfen, um die gesetzlichen Regelungen umzusetzen, empfiehlt Berater Funke, und ergänzt: „Da haben einige noch großen Nachholbedarf.“ Wenn die Konzepte stehen, gilt es für ihn vor allem, sehr rasch Erfahrungen in der Praxis zu sammeln: „Pilotprojekte sind Pflicht. Stadtwerke müssen im Kleinen testen, um später für einen Rollout bereit zu sein. Einfach abwarten ist gefährlich, denn auch andere Marktteilnehmer bereiten sich vor.“

Ungeklärt ist in der Diskussion bisher die Frage, wer für das Messsystem bezahlen soll. Beide Partner, Energieversorger wie Kunden, scheuen den finanziellen Mehraufwand. „Ein Kompromiss wäre hier, die Investitionen zwischen Energieversorger, Staat und Endkunden aufzuteilen“, schlägt Guevara vor, hat aber dafür noch keinen endgültigen Aufteilungsschlüssel parat.

SMP-Partner Funke sieht in Kooperationen eine Möglichkeit, die Kosten in den Griff zu bekommen. Kleinere Unternehmen, die schon mit ihrem IT-System die Anforderungen kaum bewältigen können, müssen sich mit anderen zusammentun. Neben diesem Zusammenschluss unter Gleichen gibt es noch die Möglichkeit, sich als Kooperationspartner ein anderes, größeres Stadtwerk zu suchen. Und dann stehen laut Funke noch die Kommunikationsanbieter als Partner oder als Konkurrent in den Startlöchern. Vor einer möglichen Zusammenarbeit gebe es zu bedenken: „Ein Telekommunikationsunternehmen oder ein Abrechnungsdienstleister als Kooperationspartner ist allerdings ein zweischneidiges Schwert. Einerseits gewinnt der Energieversorger an Kompetenz, andererseits kann er leicht die Schnittstelle zum Kunden verlieren.“

Trotzdem kann nach Funkes Einschätzung dem Geschäft niemand ausweichen, denn bei den Energieversorgern werden mit der Zunahme der dezentralen Erzeugung die Deckungsbeiträge bei den Stromlieferungen abschmelzen. „Stadtwerke müssen Smart Grid als eine Chance verstehen, aus dem klassischen Liefergeschäft heraus die Wertschöpfung zu erweitern. Eine Entwicklung vom Versorger zum Energiemanager mit zunehmender Dienstleistung – darin liegt die Zukunftschance für Versorger.“

 
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Dienstag, 26.11.2013, 11:16 Uhr