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ERNEUERBARE:
Umweltpreis 2000 für Enercon-Chef
Nach dem Solarunternehmer Georg Salvamoser vor zwei Jahren hat die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit Aloys Wobben in diesem Jahr wiederum einen Unternehmer aus dem Bereich der Alternativenergien ausgezeichnet.
 

Mit insgesamt einer Million DM Preisgeld ist die DBU-Auszeichnung der höchstdotierte Umweltpreis Europas. Wobben, Chef des Windturbinen-Herstellers Enercon aus dem ostfriesischen Aurich, teilt sich den Preis mit dem Freiburger Umweltmediziner Prof. Franz Daschner.

Während Salvamoser dank geschickter Medienarbeit bundesweit bekannt ist, kennen den eher öffentlichkeitsscheuen Wobben allenfalls Fachleute. Bei diesen hat er allerdings einen guten Ruf, denn die von ihm gegründete Firma Enercon ist seit Jahren die uneingeschränkte Nr. 1 auf dem deutschen Windmarkt, dem weltweit wichtigsten. Rund 30 Prozent Marktanteil hat die Auricher Windschmiede, der angestrebte Umsatz in diesem Jahr liegt bei etwa 900 Mio. DM.

Allein im ersten Halbjahr 2000 baute Enercon zwischen der deutsch-dänischen Grenze und dem Alpenvorland 172 Maschinen mit etwa 190 MW Leistung auf. Weltweit drehten Ende August 3 219 Windturbinen mit einer Gesamtleistung von 1 855 MW aus den Enercon-Fertigungsstätten Aurich und Magdeburg sowie aus Indien und Brasilien ihre Rotoren im Wind. Damit rangiert das Wobben-Unternehmen mit einem Weltmarktanteil von rund zwölf Prozent hinter den dänischen Konzernen NEG Micon A/S und Vestas Wind Systems A/S auf dem dritten Platz.

Diese Bilderbuch-Karriere würdigte nun die Bundesumweltstiftung: "Sie haben technische Schrittmacherdienste geleistet und der Windenergie zu Anerkennung und weltweiten Anwendung verholfen. Quasi aus dem Nichts haben Sie ein Unternehmen mit heute weltweit 2 300 Angestellten geschaffen und Ihr Unternehmen zu dem erfolgreichsten deutschen Arbeitgeber der Regenerativ-Branche entwickelt. Sie sind ein Vorbild dafür, dass Ökologie und Ökonomie keine Gegensätze sein müssen", begründete DBU-Generalsekretär Fritz Brickwedde die Entscheidung für Wobben.

Der im Emsland geborene Wobben studierte nach einer Ausbildung zum Elektromaschinenbauer an der Fachhochschule Osnabrück Elektrotechnik. Während seiner Zeit als Assistent an der Technischen Universität Braunschweig entwickelte Wobben das Konzept einer getriebelosen Windturbine, mit der er in der ersten Hälfte der Neunzigerjahre in Windkreisen für Furore sorgt. 1984 gründete der heute 48-jährige Unternehmer seine Windschmiede, zu einem Zeitpunkt, wie DBU-Generalsekretär Brickwedde in seiner Laudatio hervorhob, "an dem nüchtern gesehen keine günstigen Aussichten auf unternehmerischen Erfolg bestand."

Bestseller aus dem Hause Enercon ist nach wie vor die getriebelose E-40 mit 500 oder 600 kW Nennleistung, die das Wobben-Team bereits über 2 000 mal verkaufen konnte. "Die E-40 erlebt derzeit eine Renaissance, wie ich mir sie selbst nicht vorgestellt habe. Nach dem Re-Design gehe ich davon aus, dass wir von der Maschine noch Zigtausend Stück produzieren werden", so Wobben.

Derzeit arbeiten die Ingenieure in Aurich bereits an der nächsten Anlagengeneration: Im Spätherbst 2001 soll eine 4,5-MW-Windturbine mit einem Rotordurchmesser von 112 m ihren Probebetrieb aufnehmen – prädestiniert für den Einsatz auf hoher See. Das Offshore-Abenteuer will Wobben mit seinen Riesenpropellern vorsichtig angehen: "Wir werden jedenfalls erst einmal mehrere Anlagen der E-112 an Land aufstellen und dann mit einer im Wasser die dortigen Bedingungen testen. In einem zweiten Schritt wollen wir dann mit zwölf Maschinen ins Meer gehen."

Eine derzeit in der Windbranche sich abzeichnende Entwicklung will der Auricher Unternehmer auf keinen Fall mitmachen: den Gang an die Börse. Sein Credo ist eindeutig: "Das, was ich vom Börsengang bekommen könnte, Kapital, habe ich schon. Das, was ich auf keinen Fall vom Börsengang haben will, beispielsweise ständig Interviews geben und Meldungen generieren zu müssen, die hart an der Lüge sind, um meine Aktionäre bei guter Laune zu halten, würde die Entwicklung unseres Unternehmens nur stören. Wir brauchen kein Kapital, sondern gute Ingenieure – und davon in rauen Mengen."

Und Arbeit für seine Entwickler und Planer hat Wobben genug. Wofür er sein Preisgeld einsetzen will, weiß er genau: "Für die Entwicklung von Meerwasserentsalzungsanlagen, die in Kombination mit Windrädern laufen." Gerade für Dritte-Welt- und Schwellenländer seien diese "Hybridanlagen" ein Zukunftsmarkt.


 
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