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CONTRACTING:
Verhaltenes Stadtwerke-Angebot
Stadtwerke stehen dem Contracting oft noch distanziert gegenüber - es sind nicht allzu viele, die diese Dienstleistung anbieten. Unter denen, die es tun, gibt es aber überzeugte Energiedienstleister mit interessantem Angebot.
 

Warum nicht allzu viele Stadtwerke Contracting-Leistungen anbieten, wissen auch die mit dem Thema befassten Fachleute nicht so genau. Andreas Amberg, von der ASEW, der Stadtwerke-Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung innerhalb des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), vermutet, die Stadtwerke seien im Augenblick durch die nötige Umstellung Ihres Unternehmens und der Strom- und Gasnetze für den Wettbewerbsmarkt ausgelastet. Statistische Unterlagen, wie viele Stadtwerke welche Energiedienstleistungen anbieten, haben jedenfalls weder die zuständigen Verbände noch die deutsche Energie-Agentur (dena).

Generell feststellen lässt sich aber, dass die Wärmelieferung an Wohnungsbau-Firmen, Gewerbebetriebe und oft auch an Schulen oder Pflegeheime die häufigste Contracting-Form ist, die auch kleinere Stadtwerke anbieten. Mitunter ist in diese Energiedienstleistung das örtliche Handwerk eingebunden, wie etwa bei den Stadtwerken Tauberfranken in Bad Mergentheim. Dort werden mehrere Schulen, Wohn- und Geschäftshäuser sowie ein Altenheim von den Stadtwerken zusammen mit den Heizungsbauern mit Wärme versorgt.

Eine Zusammenarbeit von mehreren Stadtwerken mit einem Wärmelieferanten, an dem wiederum Stadtwerke beteiligt sind, haben die EnergiePartner Süd bei ihrem Wärme-Contracting-Angebot realisiert. Zu den EnergiePartnern gehören die Stadtwerke in Bietigheim-Bissingen, Friedrichshafen, Mühlacker, Schwäbisch Hall, Tübingen und die Energieversorgung Filstal Göppingen. Die Partner kooperieren bei der Wärmelieferung mit der ImmoTherm GmbH in Tübingen, deren Gesellschafter neben einem gemeinnützigen Wohnungsbau-Unternehmen die Stadtwerke Tübingen GmbH sowie die Technischen Werke Friedrichshafen GmbH sind. Das Angebot: Planung Finanzierung, Realisierung und Betrieb von Wärmeversorgungs-Anlagen, die vorzugsweise mit regenerativen Energieträgern wie Erdwärme, Holz oder Solarenergie betrieben werden. Auf Wunsch kommt aber auch Erdgas zum Einsatz.

Auf den ersten Blick machen die Stadtwerke Neuss etwas Ähnliches, genauer betrachtet unterscheidet sich ihr Angebot aber doch von dem anderer Wärmeversorger. Denn "german contract", wie der Energiedienstleister der Stadtwerke heißt, hat zusätzlich zur Nahwärmeversorgung für größere Objekte ein standardisiertes Contracting-Paket für Ein- und Mehrfamilienhäuser geschnürt. Angeboten wird den Hausbesitzern im Raum Neuss die Übernahme der Heizungsanlage, gegebenenfalls deren Erneuerung und ein Betrieb, der rund um die Uhr überwacht und optimiert wird. Knapp 800 derartige Verträge hat man in Neuss auf diese Weise abgeschlossen, freut sich  Roland Gilges, Vertriebsleiter bei german contract, der mit der Entwicklung im Kleinanlagen-Geschäft zufrieden ist. Die Wärmedienstleistung wurde mittlerweile um das Angebot von Mini-Blockheizkraftwerken erweitert, der Einsatz von Stirling-Motoren soll folgen. Allerdings, so Gilges, muss man in jedem Einzelfall die Wirtschaftlichkeit genau prüfen. Nicht alles, was die Hersteller oder die Installateure anbieten, sei auch wirtschaftlich sinnvoll.

Das Sparpotenzial, das sich bei Gewerbebetrieben oder größeren Gebäuden mit Contracting erschließen lässt, ist oft sehr groß. Die Neusser Energiedienstleister schätzen es in vielen Fällen auf gut 30 %, denn nach wie vor wissen viele Betriebe zu wenig über effizienten Energieeinsatz, hat Gilges beobachtet. Bei der fälligen Erneuerung von Wärmeversorgung-Anlagen werde meist mit dem alten Wärmebedarf kalkuliert, ohne vorher Gebäude und Produktionseinrichtungen auf Sparpotenziale zu untersuchen.

Ebenfalls unter einem eigenen Marken-Dach bieten die Städtischen Werke Kassel AG ihre Energiedienstleistungen an. "evision" heißt das Paket, zu dem neben Einspar-, Anlagen- und Finanzierungs-Contracting auch der Bau und Betrieb von Leitungsnetzen bei Kunden gehört, ein Facility-Management für Gebäude und Grundstücke sowie die energetische Beratung und die Analyse von Produktionsanlagen und -abläufen. Das Angebot, das auch den Energieeinkauf, das Lastmanagement oder die Verwaltung von Zählerdaten umfassen kann, richtet sich bundesweit an medizinische Einrichtungen, Hotels, die Wohnungswirtschaft und den Bereich Handel, Dienstleistungen und öffentliche Gebäude. 235 MW thermische Leistung haben die Kasseler bei ihren Contracting-Kunden unter Vertrag.

Auf Contracting-Projekte mit Blockheizkraftwerken, die mit Pflanzenöl betrieben werden, hat sich die Braunschweiger Versorgungs-AG & Co. KG  spezialisiert. Die Stadtwerke arbeiten zu diesem Zweck mit der NEK Ingenieur Gruppe GmbH zusammen, die seit rund 10 Jahren Energieversorgungs-Projekte auf Contracting-Basis realisiert. Aus der Kooperation beider ist das Unternehmen Artemis hervorgegangen, das sich auf die partnerschaftliche Realisierung von Biomasse-Projekten mit Kraft-Wärme-Kopplung spezialisiert hat.

Ein erstes Heizkraftwerk läuft in einer ehemaligen Kaserne in der Nähe des Braunschweiger Flughafens. Dort nutzt ein Schiffsdiesel-Motor die Energie aus Fetten und Ölen, um umweltfreundlich und CO2-neutral Strom und Wärme zu erzeugen. Ebenfalls Pflanzenöl in einem BHKW wird in einem zweiten Projekt der beiden Partner eingesetzt, das Energie für ein Krankenhaus in Braunschweig liefert. Weitere gemeinsame Projekte auf der Basis von Biomasse sollen rund um Braunschweig folgen, betonen die Stadtwerke.

Auch die Stadtwerke Konstanz haben ihren Schwerpunkt auf den Einsatz erneuerbarer Energieträger gelegt. Ihr seit 1999 bestehendes Contracting-Angebot schließt Brennwertkessel, thermische Solaranlagen, Fotovoltaiknutzung und Anlagen mit Holzhackschnitzel oder mit Grubengas ein. Rund 160 fernüberwachte Heizzentralen betreiben die Stadtwerke mittlerweile für ihre Kunden in der Bodensee-Region, Blockheizkraftwerke kommen noch dazu. Von den Kunden werden entweder bestehende Anlagen übernommen und in ihrem Betrieb optimiert, oder für sie neue Anlagen gebaut. Besonders stolz ist Michael Hägele, der bei den Stadtwerken für die Energiedienstleistungen verantwortlich ist, auf ein Blockheizkraftwerk, mit dessen Abgasstrom eine Absorptionswärmepumpe betrieben wird. Die Anlage wird im Rahmen eines Forschungsvorhabens gefördert, das demnächst abgeschlossen sein soll.

Zusätzlich zum Betrieb von Wärme- und Stromversorgungsanlagen haben sich die Konstanzer Stadtwerke auf das Beleuchtungs-Contracting spezialisiert. Dabei optimieren sie Beleuchtungsanlagen in Schulen, Sportstätten oder in Industriehallen mit eigenen Investitionen. Der Kunde bezahlt seine bisherigen Kosten weiter, die Stadtwerke finanzieren aus der Energie-Einsparung die neuen Beleuchtungsanlagen. Nach Ende des Contracting-Vertrages bekommt der Kunde in den Genuss der ganzen Kostenersparnis. Ein Vorzeigeprojekt der Konstanzer für diese Art des Contractings ist das Internat Schloss Salem in der Nähe des Bodensees.

Contracting für Industriebetriebe bieten nur sehr wenige Stadtwerke an. Meist sind es die Energieversorger der großen Städte, wie in Mannheim, Leipzig oder Düsseldorf, die so etwas tun. Die MVV Energiedienstleistungen GmbH in Mannheim zählt dabei mit 1158 MW thermischer Leistung zu den ganz großen Contracting-Anbietern in Deutschland. Zu den von ihnen versorgten Kunden gehört beispielsweise ein Werk des Tiefkühlkost-Herstellers Iglo.

Die Leipziger Stadtwerke haben mit der Leipziger Verlags und Druckereigesellschaft (LVDG)ebenfalls einen großen Kunden unter Vetrag. Rund eine Million Euro investierten die Stadtwerke dort in die Modernisierung vorhandener bzw. die Errichtung neuer Anlagen, die Wärme, Kälte und Druckluft für die Druckerei bereitstellen. Außerdem gehört die Notstromversorgung zum Dienstleistungs-Spektrum. Durch die Neuauslegung der Medienversorgung konnten die Energiekosten um über 15 Prozent gesenkt werden, freut sich der Dienstleister. Ihr Contracting-Angebot haben die Stadtwerke ebenfalls in einem eigenen Unternehmen gebündelt. Unter "endico" bieten sie neben der Finanzierung und dem Betrieb von Energieversorgungs-Anlagen auch technischen Service und Cosulting-Leistungen.

Aber auch ein Teil der städtischen Gebäude bekommt seine Energie über das Contracting-Modell der Stadtwerke. In 43 Leipziger Schulen und Kindergärten hat der Energieversorger die alten Kohle- und Ölheizungen durch neue Kessel ersetzt, die Wärmeverteilung modernisiert und Einzelraum-Regelungen installiert. Rund 15 Mio. Euro hat man hier investiert, um künftig Primärenergie einsparen zu können.

Die Stadtwerke Düsseldorf AG können auf eine langjährige Erfahrung mit der Bereitstellung von Wärme, Dampf und Kälte zurückblicken. Schon vor einiger Zeit hat man dort das Contracting-Angebot an Gewerbe- und Industriekunden um Biomasse-Heizwerke und -Heizkraftwerke erweitert. Dann kam die Geothermie als weiterer Energieträger für die Stadtwerke dazu. Ungewöhnlich für einen Contractor ist das Angebot, eine ORC-Turbine einzusetzen. Bei diesem Organic Rankine Cycle verwendet man statt Wasser ein Kältemittel mit niedrigem Siedepunkt. Damit kann an Wärme auch dann in der Turbine nutzen und in Strom umwandeln, wenn sie auf einem niedrigen Temperaturniveau anfällt. So lassen sich Abwärmeströme, etwa aus einem Pflanzenöl-BHKW oder aus Lackierstraßen und Brauereien für die Stromerzeugung nutzen.

Ganz neu, und in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert, ist die Nutzung von Biogas über Contracting-Modelle. Zusammen mit der agri.capital GmbH haben die Stadtwerke Düsseldorf die biogasnrw gegründet und bieten mit ihr den Landwirten an, eine 
Biogas-Anlage mit Rohstoffen zu beliefern und an den Gewinnen aus der Stromeinspeisung des angeschlossenen BHKW zu profitieren. Die Anlagen finanziert und betreibt der Contractor, es werden standardisierte Biogas-Module mit 500 kW Leistung eingesetzt, die bereits ab einer landwirtschaftlichen Betriebsgröße von 100 Großvieheinheiten wirtschaftlich arbeiten sollen. Schon vier derartige Anlagen hat der Energiedienstleister in Nordrhein-Westfalen in Betrieb.

Christoph Langel, bei den Stadtwerken Düsseldorf für das Contracting-Geschäft verantwortlich und zugleich Geschäftsführer der neuen Biogas-Gesellschaft, sieht in der Energiedienstleistung für sein Unternehmen ein wichtiges und wirtschaftlich erfolgreiches Angebot. Er weiß aber auch, dass Contracting nach wie vor ein "Anbietermarkt" ist: Energiedienstleister müssen sich ihre Kunden suchen und sie aktiv ansprechen, betont Langel.

Eine Übersicht der Contracting-Anbieter und deren Leistungen finden Sie unter (pdf-Format):
www.emvg.de/studien/contra2007.pdf  


 
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Donnerstag, 20.12.2007, 08:42 Uhr