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Enerige & Management > Speculantius - Viel Liquidität und ein Schuss Phantasie
Bild: Fotolia.com, Eisenhans
SPECULANTIUS:
Viel Liquidität und ein Schuss Phantasie
Die wichtigsten Zeichen für die Börsenentwicklung der "Energieaktien" im Jahr 2013 stehen kurz nach der Jahreswende gar nicht so schlecht.
 
Es spricht viel dafür, dass die reichliche Liquiditätsversorgung durch die Europäische und andere wichtige Zentralbanken bis auf weiteres fortgesetzt wird. Zudem dürften in den zurückliegenden Wochen die Chancen gestiegen sein, dass sich die in den vergangenen Quartalen gesehene Verlangsamung der Weltkonjunkturentwicklung nur als Zwischenspiel erweist.

Für wieder etwas mehr Schwung in der Weltwirtschaft in den kommenden Quartalen spricht die Tatsache, dass viele international aufgestellte Unternehmen seit Herbst 2012 eine Stabilisierung ihrer Auftragsentwicklung verzeichnen. Dies macht Hoffnung auf eine klare Wende des bis zum Sommerhalbjahr 2012 noch negativen Trends im Orderfluss der heimischen Industrie. Allerdings stehen die Bemühungen um eine Konsolidierung der Staatsfinanzen – insbesondere nach wie vor in den europäischen Staaten – immer noch dagegen. Sie könnten dem derzeit neu aufkeimenden globalen Konjunkturpflänzchen einen erneuten Dämpfer verpassen.

Immerhin haben die Geldpolitiker in den wichtigsten Industriestaaten die Weichen klar auf Wachstumsstimulation gestellt. Dabei haben sie dafür gesorgt, dass die Zinssätze nicht nur am Geldmarkt, sondern insbesondere auch am Anleihenmarkt auf bislang nicht gesehene Tiefstände gefallen sind. Es ist eine Situation entstanden, in der die solidesten Schuldner zu Minimalzinsen reichlich Fremdmittel aufnehmen können.

Eon-Kurs fällt an einem Tag um 13 Prozent
 
Viel Unruhe in den Markt für Versorgeraktien brachte im November 2012 Eon mit der Ankündigung, ihre Ziele für 2013 nicht zu erreichen und die Prognosen bis 2015 überprüfen zu müssen. Der Kurs der Eon-Aktie, der sich von Frühsommer bis Herbst 2012 von rund 14 Euro auf etwa 19,50 Euro hochgearbeitet hatte, fiel daraufhin wieder auf das Ausgangsniveau zurück. Dabei verlor die Notierung allein am Tag der Verkündung der Hiobsbotschaft rund 13 Prozent - mehr als jemals zuvor in der Börsengeschichte der Eon-Anteile.

Nachdem der Eon-Vorstand seine Anteilseigner rund zehn Wochen ohne neue “Guidance“ hatte dastehen lassen, sollten Ende Januar neue Vorgaben für die künftigen Ertragskennziffern kommuniziert werden. Die Analysten dürften die dann geltenden neuen Anhaltspunkte für die künftige Ertragskraft genau unter die Lupe nehmen. Ob eine Anlage in Eon-Aktien danach wieder ein gut kalkulierbares Investment wird, bleibt abzuwarten.

RWE-Kursbilanz deutlich besser als Eon
 
Wesentlich weniger spektakulär gestaltete sich die Unternehmens- und Aktienkurssituation beim Hauptkonkurrenten RWE. Ziemlich illusionslos hatten die Anteilseigner schon seit langem dem Geschäftsjahr 2013 entgegengeblickt, galten die Essener schon jahrelang als Hauptleidtragende des nun seit Jahresbeginn vollständig entgeltlichen Erwerbs von CO2-Emissionszertifikaten.

Dieser Mehraufwand war wohl seit langem in den Aktienkurs eingepreist und dürfte zudem geringer ausfallen als anfänglich erwartet (dank der relativ moderaten CO2- Notierungen). Somit fiel die Kursbilanz für die RWE-Titel für 2012 entschieden besser aus als für Eon. Auch dem Jahr 2013 dürften RWE-Aktionäre zwar nicht gerade euphorisch, aber doch mit Gelassenheit entgegensehen. Ihre Dividendenerwartung für das laufende Geschäftsjahr von unverändert zwei Euro je Aktie erscheint aus heutiger Sicht ganz und gar berechtigt.

Mit Dividendenrenditen von sechs bis sieben Prozent wie bei den Stamm- und Vorzugsaktien von RWE kann die EnBW-Aktie nicht glänzen. Jedoch stellt sich deren Ertrags- und Finanzlage nach den erheblichen Sonderbelastungen 2011 wieder etwas erfreulicher dar. Die wichtigsten der bereinigten Ergebniskennziffern verzeichneten allerdings 2012 noch einstellige Minusraten. Da für das 750-Millionen-Euro-Effizienzprogramm "Fokus" nun der Turbo zugeschaltet wurde (es soll ein Jahr früher seine volle Wirkung entfalten), dürften spätestens ab 2014 wieder bessere Ergebniszahlen in Aussicht stehen.

Energiedienst-Aktie behält gewissen Charme
 
Nachdem sich die EnBW-Aktie 2012 erheblich verbilligt hatte, dürfte sie angesichts der zuletzt aufgestellten Ergebnisperspektiven inzwischen wieder ein recht gutes Chance/Risiko-Verhältnis bieten. Im Rahmen des Kostensenkungsprogrammes im EnBW-Konzern wird auch die börsennotierte Tochter Energiedienst Holding AG ihre Kostenbasis weiter optimieren. Nach einem starken ersten Halbjahr 2012 stehen die Zeichen für die zweite Jahreshälfte dort allerdings nicht mehr so günstig. Auslaufende Lieferverträge und ein verstärkter Margendruck sollten auf das Betriebsergebnis drücken. Obwohl auch übers Gesamtjahr 2012 die erzeugte Strommenge deutlich zugelegt haben sollte, dürfte das im ersten Halbjahr noch auf 1,39 Euro je Aktie gekletterte Ergebnis im zweiten Semester unter seinen Vorjahreswert zurückgefallen sein.

Da die Unternehmensführung auch weiterhin mit verstärktem Wettbewerb rechnet, wurde die Zielgröße für die Rendite auf das eingesetzte Kapital zuletzt auf zehn Prozent gekappt. Angesichts eines rasch wieder ins Positive zurückgekehrten Nettofinanzergebnisses erweist sich die mit 63 Prozent Eigenkapital an der Bilanzsumme arbeitende Energiedienst als ein Branchenvertreter mit herausragend soliden Finanzkennzahlen. Für konservative Liebhaber kleiner Versorgungsunternehmen behält die Aktie trotz der sich abzeichnenden Ertragsdelle somit einen gewissen Charme.

Der Siemens-Konzern hat im November 2012 mit der Ankündigung eines beachtlichen Kostensenkungsprogrammes Anlegervertrauen zurückerobert. Zuvor hatten in den meisten Sparten konjunkturell bedingt rückläufige Auftragseingänge sowie kostspielige Aufräumarbeiten in einzelnen Konzernbereichen das Sentiment für die Siemens-Aktie belastet. Mit dem geplanten Spin-Off der aktuell noch mächtig unter Ertragsdruck stehenden Osram sowie weiteren Fortschritten bei der Optimierung des breiten Aktivitäten-Portfolios hat Siemens gute Chancen, bei den Analysten noch positivere Anlageurteile abzusahnen.

Schließlich soll im Rahmen des Programmes Siemens 2014 die Umsatzrendite von zuletzt neun auf über zwölf Prozent gesteigert werden. Inwieweit dabei allerdings margenstarker Neuerwerb bei gleichzeitiger Abgabe von Geschäft mit geringer Umsatzrendite eine Rolle spielt, werden die Anteilseigner wohl mit Argusaugen verfolgen. Dennoch: Geht die Strategie auf und spielen dann die weltweiten Investitionsgütermärkte mit, könnte Siemens mittelfristig durchaus ein Ertragsniveau erreichen, das auch Aktienkurse um die 100 Euro rechtfertigen würde.
Unter konjunkturell bedingt schwächelnder Kundennachfrage seit dem dritten Quartal 2012 litt zuletzt auch der ABB-Konzern. Nach eher enttäuschenden Zahlen und nur leichter Kursdelle schien zur Jahreswende bereits wieder die Zuversicht für diesen nicht nur auf Kraftwerks- und Energie- sondern auch auf Automationstechnik fokussierten schwedisch-schweizerischen Konzern zu dominieren. Der Aktienkurs spiegelt dies nach den Zugewinnen der vergangenen Wochen deutlich wider.

Alstom zählt zu den Top-Performern
 
Zu den Top-Performern des Jahres 2012 gehörte völlig zurecht die Alstom-Aktie. Hier hatten die Analysten allerdings vor Jahresfrist noch im vermeintlichen Krisennebel gestochert und wohl allzu viel Skepsis an den Tag gelegt. Inzwischen ist der Auftragsbestand der insbesondere auf Kraftwerksbau, Energietechnik und Transporttechnik spezialisierten französischen Unternehmensgruppe weiter gewachsen. Das Erreichen der mittelfristigen Ertragsziele scheint Schritt für Schritt immer mehr untermauert. Wahrscheinlich ist das Potenzial für weitere Kurssteigerungen bei zuletzt rund 30 Euro immer noch nicht ausgereizt.

Unbeirrt auf Wachstumskurs blieb zuletzt auch der Pumpen- und Armaturenexperte KSB. Mit der Verlangsamung der weltwirtschaftlichen Dynamik wurde das Unternehmen erstaunlich gut fertig – nennenswert bemerkbar machte sich diese lediglich auf den europäischen Märkten. Klar auf Expansionskurs blieben die Frankenthaler in Amerika und Asien. Der verhaltenen Entwicklung im Projektgeschäft stand eine lebhafte Nachfrage nach Standardprodukten und Serviceleistungen gegenüber. Sollten die für KSB relevanten Märkte auch in diesem Jahr von einem größeren Durchhänger verschont bleiben, sollte sich der Konzern 2013 auf dem im vergangenen Jahr erarbeiteten hohen Margenniveau behaupten können. Dies dürfte bei den zuletzt gesehenen Kursniveaus für Vorzugs- und Stammaktien bislang noch nicht vollständig eingepreist sein.

Gea Group mit "Defensivqualitäten"
 
Ein recht ordentliches Ergebnisniveau hat in den vergangenen Jahren auch die Gea Group erreicht. Dieser Investitionsgüterhersteller, der sich künftig noch stärker auf die Nahrungsmittelindustrie als Kunden ausrichten will, blieb auch 2012 auf Wachstumskurs. Insbesondere wegen Einmalbelastungen aus der Food-Solutions-Sparte und Kapitalverwässerungseffekten nach dem Abschluss eines Spruchstellenverfahrens dürfte das Ergebnis je Gea-Aktie allerdings 2012 kaum über sein 2011er Niveau gekommen sein. Die Börsenbewertung dieses M-DAX-Titels erscheint zunächst recht ambitioniert. Die Gea Group gilt als weniger zyklischer Investitionsgüterhersteller und verfügt daher über Defensivqualitäten.

Die im Sommer 2012 gelungene Beruhigung der europäischen Finanzmärkte hat sich bislang als ziemlich tragfähig erwiesen. Zwar mag das wieder erwachte Vertrauen in die meisten der hoch verschuldeten Euro-Staaten immer noch recht fragil erscheinen. Doch solange die Hoffnung auf eine anhaltende Haushaltskonsolidierung in den Problemländern nicht durch einschneidende Hiobsbotschaften unterminiert wird, dürften die Märkte geneigt sein, noch mehr als schon in den vergangenen Wochen wieder zur Tagesordnung überzugehen und sicher noch existierende Restrisiken für die Euro-Schuldenproblematik bis auf weiteres weitgehend auszublenden.

In dieser Konstellation dürfte sich die Aufmerksamkeit der Investoren insbesondere auf die Frage richten, ob und wie stark im Jahresverlauf zumindest in Teilen der Eurozone ein wirtschaftlicher Aufschwung einsetzt. Dieser wiederum dürfte überwiegend von den von außerhalb des Kontinents kommenden Nachfrageimpulsen ausgehen, vor allem wegen des Exportlandes Deutschland.

Mit einer hoffentlich eintretenden Wiederbelebung des Wirtschaftswachstums dürften sich auch die Gewinnaussichten der meisten Unternehmen deutlich aufhellen – nachdem es im zweiten Halbjahr 2012 noch zu einer verbreiteten Zurücknahme von Gewinnerwartungen für 2013 gekommen war. Sollte sich dieses positive Szenario tatsächlich durchsetzen, erschienen nicht nur die seit Juni 2012 gesehenen erheblichen Kurssteigerungen bestens untermauert. Es würde sich insbesondere bei vielen zyklischen Unternehmen sogar noch weiteres Aufwärtspotenzial eröffnen.
Trotz ermutigender Anzeichen ist dieses hier skizzierte Positivszenario noch nicht in trockenen Tüchern.

Daher gilt es, auch im Jahr 2013 realistische Chancen beherzt wahrzunehmen, ohne jedoch die damit verbundenen Risiken zu ignorieren. Eine gute Mischung konservativer, dividendenstarker Anlagetitel als Depot-Basis auf der einen Seite, denen eine kleine Auswahl eher zyklischer Werte gegenübersteht, könnte sich 2013 unter Chance/Risiko-Gesichtspunkten als vielversprechende Strategie erweisen. Wie viel Pfeffer ein solcher Anlagemix verträgt, hat jeder Investor letztlich selbst zu entscheiden – und dies am besten in einer stillen Stunde und nicht an einem der hektischen Börsentage, die es 2013 gewiss auch immer wieder geben wird.
 


Energietechnik & Co.: Nur Alstom-Aktien blieben dem DAX auf den Fersen 
Aktie 30.12.2011
in Euro
28.12.2012
in
Euro
Veränderung
in %
DAX 5 898,00 7 612,00 +29
Alstom 23,43 29,93 +28
Gea Group 21,85 24,47 +12
Siemens 73,94 82,20 +11
ABB 14,56 15,64 +7
KSB Vz.A. 392,50 415,55 +5
KSB St. A. 453,00 464,50 +3
Total S.A. 39,47 38,91 –1
Statoil 19,60 18,90 –4
BP 5,49 5,22 –5
Royal Dutch 28,29 26,02 –8
Conergy 0,31 0,28 –10
Deutz 4,11 3,54 –14
Wacker Chemie 62,21 49,65 –20
Nordex 3,95 2,99 –24
Phoenix Solar 2,15 1,05 –51
SMA Solar 43,16 19,01 –56
Solar World 3,25 1,06 –67
Centrotherm Phot. 9,90 0,86 –91
 
Quelle: eigene Recherchen



Versorger: Was mit RWE zu gewinnen war, war mit Eon zu verlieren
 
Aktie 30.12.2011
in Euro
28.12.2012
in
Euro
Veränderung
in %
DAX 5 898,00 7 612,00 +29
PNE Wind 1,85 2,24 +21
RWE St. A. 27,15 31,24 +15
RWE Vz. A. 25,44 28,53 +12
Energiekontor 4,21 4,70 +11
Lechwerke 58,86 62 +5
Mainova 350,00 365,29 +4
MVV Energie 22,80 23,50 +3
FHW Neukölln 32,45 31,45 –3
Gelsenwasser 561,75 544,10 –3
Zeag Energie 100,00 92,00 –8
Energiedienst Holding 37,80 32,30 –15
Eon 16,67 14,09 –15
EnBW 39,00 30,02 –24
 
Quelle: eigene Recherchen

 
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Montag, 21.01.2013, 14:19 Uhr