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EMISSIONSHANDEL:
Viele Köche, dünner Brei?
Ein Überblick über ausländische Börsen und Handelsplattformen für EU-Emissionsrechte.
 

Anbieter gibt es einige, potenzielle Kunden viele. Schließlich fallen in ganz Europa Tausende von Anlagenbetreibern unter das EU-Emissionshandelsregime. Die große Frage ist jedoch, ob die Betreiber von Plattformen und Börsen für den Emissionshandel jeweils genügend Liquidität anziehen können, damit ihnen die Mitglieds- und Transaktionsgebühren ein mehr als leidliches Auskommen sichern.
Marktkenner wie Markus Hüwener, Geschäftsführer des Frankfurter Emissionshandelsberaters 3c climate change consulting und zuvor sieben Jahre Managing Director bei der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein, sind der Ansicht, dass zu viele Börsen nun gleichzeitig in den Ring steigen. Die Liquidität werde dadurch zersplittert, und erst nach einer Konsolidierungsphase werde das Volumen für ein, zwei Marktführer befriedigend sein. Eine Entwicklung, wie sie sich auch bei den Strombörsen gezeigt hat. Dabei treten die Börsenbetreiber mit durchaus unterschiedlichen Konzepten an.


Nord Pool:
Vorreiter aus dem Norden

Nachdem die skandinavische Strombörse Nord Pool SA mit Sitz im norwegischen Lysaker bei Oslo bereits seit 1993 die Vorreiterrolle im europäischen Stromhandel einnimmt, verwundert es nicht, dass sie nunmehr auch im Emissionshandel die Nase vorne hat: Am 11. Februar hat Nord Pool als erster Börsenplatz den Handel mit EU-Emissionsrechten (EUA) gestartet. Als Produkt setzte die Börse zunächst einen Forward-Kontrakt für EUA mit physischer Erfüllung ab den Monaten Dezember 2005, 2006 und 2007 auf. Ab März 2005 soll ein entsprechender Spot-Kontrakt folgen. Der kontinuierliche Handel mit den Emissionsrechten wird dabei vollständig über die elektronische Nord Pool-Plattfrom PowerCLICK abgewickelt. Der jährliche Mitgliedsbeitrag beträgt 474 Euro, zudem wird eine Transaktionsgebühr bei den Geschäften von 0,03 Cent pro EUA fällig. Am ersten Handelstag wurden drei Abschlüsse über jeweils 5 000 Zertifikate verzeichnet, der Wert der ersten börslichen CO2-Transaktion belief sich auf 7,15 Euro/t. Zum Start des EUA-Handels waren insgesamt 19 Unternehmen als Mitglieder zugelassen.


New Values:
Anlaufstelle für kleine und mittlere Unternehmen

Als Starttermin des Spotmarktes von New Values steht seit Anfang Januar der 1. März 2005 fest, der Tag also, an dem nach dem Wortlaut der EU-Emissionshandelsrichtlinie alle betroffenen Anlagenbetreiber die ihnen zugeteilten Zertifikate auf ihren Konten im jeweiligen nationalen Register auch tatsächlich verfügbar haben sollten. Mit ihrer Handelsplattform, über die auch bilaterale Forward-Kontrakte abgeschlossen werden können, wollen die Niederländer zunächst Kunden in den Benelux-Staaten, Großbritannien und auch Deutschland ansprechen. Deshalb wird die Tochter der niederländischen Rabobank und des nationalen Übertragungsnetzbetreibers TenneT auch nach Aussage ihres Geschäftsführers Axel Posthumus Konten in den entsprechenden nationalen Registersystemen eröffnen. „Wir wollen aber in den für uns wichtigen Märkten auf die Kunden zugehen“, begründet Posthumus diese Maßnahme. Potenziellen Handelsteilnehmern, insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen, könnte der Schritt zu einer Handelsplattform leichter fallen, vermutet Posthumus, wenn möglichst alle für den Kunden relevante Transaktionen innerhalb des eigenen nationalen Systems stattfänden. Es könnten aber durchaus auch Konten in anderen EU-Staaten folgen, sobald deren Registersysteme entsprechend weit bzw. abschließend entwickelt seien.
Für das Clearing der Spotgeschäfte stehen die Einrichtungen der niederländischen Energiebörse APX, deren eigener Spotmarkt von TenneT übernommen wurde, zur Verfügung.
New Values werde keine Anmelde- und auch keine Jahresgebühr erheben, betonte ihr Geschäftsführer. Die Transaktionsgebühren werden 2 % der jeweiligen Spot-Kontrakte, maximal jedoch 40 000 Euro je Händler und Jahr, und 1 % der jeweiligen Forward-Kontrakte erhoben.
Die Niederländer haben regionale Partner, die Beratung und Schulungen anbieten. In Deutschland koordiniert die 500ppm GmbH in Karlsruhe ein Netzwerk von Unternehmen, denen unter anderem die Anwaltskanzlei Becker Büttner Held sowie der IT-Dienstleister Technidata angehören.


European Climate Exchange:
Symbiose mit einer Etablierten

Die European Climate Exchange (ECX) mit Sitz in Amsterdam ist eine hundertprozentige Tochter der Chicago Climate Exchange. Ursprünglich wollte die ECX bereits zum 1. Januar 2005 mit dem Handel beginnen, verschob den Start dann allerdings auf Anfang Februar und visiert nun Mitte März an. Wie andere Börsenbetreiber beklagen auch die Verantwortlichen der ECX, dass derzeit nur sehr wenige nationale Registersysteme funktionsfähig sind, so noch nicht in allen EU-Mitgliedstaaten Handelstransaktionen verbucht werden können.
Zur Abwicklung des Handels werden sich die Amsterdamer des Systems der International Petroleum Exchange (IPE) in London bedienen. Die European Climate Exchange Carbon Financial Instruments (ECX CFI) werden dort gelistet. Es wird sich dabei um Spot- und Terminkontrakte handeln. Wie ein Börsensprecher gegenüber Energie & Management bestätigte, soll zunächst ein Future mit physischer Erfüllung aufgelegt werden. Es gebe auch konkrete Pläne für den Spothandel. Dessen Starttermin werde allerdings erst „einige Zeit nach dem Beginn des Terminhandels“ liegen.
Es sollen Quartalskontrakte für den Zeitraum März 2005 bis März 2008 und Jahreskontrakte für den Zeitraum 2008 bis 2012 angeboten werden. Das Kontraktvolumen wird 1 000 t betragen und die Gebote müssen in 5-Cent-Schritten abgegeben werden.
Hinsichtlich der Gebühren (Stand: 26. Januar 2005) haben IPE-Mitglieder gegenüber anderen Handelsteilnehmern einige Vorteile: Die Aufnahmegebühr von 2 500 Euro entfällt ebenso wie die Jahresgebühr für das erste Jahr über den gleichen Betrag. Und bei IPE-Mitgliedern werden als Handelsgebühren 0,2 Cent/t erhoben, bei Nicht-Mitgliedern 0,25 Cent/t.


SendeCO2:
Das Tor nach Spanien

Auf der Internet-Seite der spanischen CO2-Börse ist Mitte Februar noch die Ankündigung zu lesen, im Januar 2005 mit dem Handel beginnen zu wollen. „Unsere Systeme sind fertig, wir sind bereit, sofort loszulegen“, betont der frühere Eurex-Manager Javier Tordable-Parcerisa, der die Geschäfts der SendeCO2 führt. Aber wie vielen seiner Kollegen macht das nationale Register auch ihm einen Strich durch die Rechnung. Er hofft, dass bis spätestens Ende März die Voraussetzungen für einen Spothandel in Spanien geschaffen sind. „Wenn wir die Startphase hinter uns haben, könnte etwa vier Monate später schon ein Forward-Handel dazukommen“, so Tordable-Parcerisa vorsichtig optimistisch. Und schließlich schielt er sogar noch auf den Handel mit sogenannten Certified Emissions Reductions (CER) aus Projekten des Clean Development Mechanism (CDM), den er noch in diesem Jahr für möglich hält.
Das Geschäftsmodell der Spanier besteht aus zwei Stufen. In einem ersten Schritt sollen möglichst alle der etwa 250 Anlagenbetreiber angezogen werden. In einem zweiten Schritt möchte Tordable-Parcerisa vor allem ausländischen Verkäufern über seine Börse das Tor nach Spanien öffnen, denn „so gut wie alle spanischen Anlagenbetreiber werden zukaufen müssen. Potenzielle Verkäufer werden über uns leicht ihre Partner finden“.
Clearing-Einrichtungen sind zunächst nicht vorgesehen. Verlangten die Handelsteilnehmer jedoch nachdrücklich diese Dienstleistung, werde die Börse sich den Wünschen jedoch nicht verschließen.
Zu Gebühren will sich Tordable-Parcerisa derzeit noch nicht äußern. Wohl auch, um erst einmal die Preise der Konkurrenz zu studieren.


Energy Exchange Austria:
Erfahrung mit Grünen Zertifikaten

Die österreichische Strombörse Energy Exchange Austria (EXAA) in Graz hatte sich bereits im Herbst 2004 den Handel für den Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben. Zunächst stehen allerdings noch Grünen Zertifikaten im Mittelpunkt, also Herkunftsnachweise im Rahmen des Renewable Energy Certificate System (RECS). Durch eine EU-Richtlinie sind Versorger verpflichtet, den Anteil der verschiedenen Primär-Energieträger auf ihren Stromrechnungen auszuweisen. Den Handelsstart für CO2-Zertifikate peilte die EXAA ersten Ankündigungen nach noch für das erste Quartal 2005 an, doch angesichts der Probleme der nationalen Register und der die EU-Länder übergreifenden Meldestelle für Zertifikate CITL (Central Independent Transaction Log) schätzt die Börse, dass der effektive Handelsstart erst im April oder Mai 2005 stattfinden kann. Im Gegensatz zum kontinuierlichen und täglichen Handel an der Nord Pool will die österreichische Börse zwei Mal im Monat eine Auktion durchführen, bei der ein einzelner Kontrakt für die gesamte Periode zwischen Dezember 2005 bis 2007 im Sinne eines Spotprodukts gehandelt wird. Bei den Gebühren hat sich die EXAA für eine nach Tarifen gestaffelte Struktur entschieden: Für alle Teilnehmer im CO2-Handel wird eine einmalige Beitrittsgebühr von 1 000 Euro fällig, dazu kommt noch eine Geschäftsgebühr von 1 200 bis 9 600 Euro plus Transaktionsentgelte zwischen 12 und 3 Cent pro Tonne CO2.


Powernext:
Die gute Absicht zählt

Für die französische Strombörse Powernext SA gehört es natürlich zum guten Ton, den Handel mit CO2-Zertifikaten anzukündigen. Konkrete Pläne zu Produkten und Abwicklung wurden bislang noch nicht publik gemacht, doch in einer gemeinsamen Absichtserklärung mit der europäischen Börsengesellschaft Euronext und dem französischen Bankhaus Caisse des Dépôts et Consignations haben sich die Kooperationspartner auf folgende Eckpunkte für einen Emissionshandelsplatz geeinigt: Neben einer sicheren Plattform zur fehlerfreien Abwicklung der Transaktionen haben sich die Unternehmen darauf verständigt, einen diskriminierungsfreien Zugang für die Marktteilnehmer bereitzustellen, die über ein Konto bei der europäischen Registrierstelle für CO2-Zertifikate verfügen. Zudem sollen die Preise im Handelssystem transparent abgebildet werden. Obwohl die Börse bis Mitte Februar keine weiteren Informationen mitteilte, soll der Handel mit Emissionszertifikaten im März 2005 beginnen.

 


 
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Mittwoch, 16.02.2005, 08:49 Uhr