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Enerige & Management > Unternehmen - VNG entspannter auf der Bezugsseite
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VNG entspannter auf der Bezugsseite
Nach Rückkehr in die Gewinnzone und mit einem profitableren Gashandel sieht sich die Leipziger Verbundnetz Gas wieder auf Kurs.
 
Noch vor einem Jahr schwer gebeutelt von nicht wettbewerbsfähigen Bezugsverträgen, ist der ostdeutsche Gasimporteur VNG zurück in ruhigerem Fahrwasser. Das Fitnessprogramm nach dem verlustreichen und unbefriedigenden Geschäftsjahr 2011 hat gewirkt und lässt den drittgrößten deutschen Gasimporteur wieder zuversichtlicher in die Zukunft schauen.

Noch vor einem Jahr musste Vorstandschef Karsten Heuchert einräumen, dass mit den Einkaufspreisen, die VNG für Gas aus Langfristverträgen zu bezahlen hat, unter den damaligen Marktbedingungen im Verkauf allenfalls Verluste einzufahren waren. Jetzt konnte er Erfolg bei seinen Anpassungsbemühungen vermelden. „Nach intensiv geführten Verhandlungen haben wir einvernehmliche Lösungen mit unseren wichtigsten Vorlieferanten erzielt“, sagte er am 28. Februar bei der Bilanzpressekonferenz in Leipzig. „Das war ein ganz wichtiger Schritt für uns.“

Wie Heuchert erläuterte, hat das Unternehmen für 85 Prozent seiner Liefermengen aus Langfristverträgen eine Anpassung der Preise an marktübliche Bedingungen erreicht. Das betreffe sowohl Gas aus Russland, das über das Wintershall Erdgas Handelshaus (WIEH) bezogen wird, als auch Lieferungen des norwegischen Statoil-Konzerns. „Wir haben die Basis gelegt, mittel- und langfristig zu zuverlässigen Konditionen zusammenzuarbeiten“, erklärte der Vorstandsvorsitzende.

Die langfristig vereinbarten Liefermengen aus Russland gingen dabei 2012 allerdings von 70 Mrd. kWh im Vorjahr auf 60 Mrd. kWh zurück. Aus Norwegen wurde mit 17 Mrd. kWh ebenfalls erheblich weniger langfristig kontrahiertes Gas importiert als 2011 (41 Mrd. kWh). Die Bezugsmenge aus deutscher Förderung blieb mit 31 Mrd. kWh stabil. Dagegen machte der Bezug der VNG von Spot- und Terminmärkten sowie aus sonstigen Quellen im Jahr 2012 einen großen Satz von 100 auf 161 Mrd. kWh. Zu diesen Mengen zählen nach Auskunft von Heuchert auch Lieferungen der Langfrist-Vertragspartner. Das ostdeutsche Unternehmen kaufte damit erstmals mehr Gas von den Spot- und Terminmärkten ein, als es aus Langfristverträgen bezog.

Anpassung der Lieferverträge geht weiter

Die Anpassung der langfristigen Lieferverträge bleibt weiter eine große Aufgabe. „Unsere Partner wissen auch, dass wir Schiedsverfahren nicht scheuen – wenn es nicht anders geht“, ergänzte der Vorstandschef. „Auf der Beschaffungsseite setzen wir auch künftig auf einen Mix aus verschiedenen Bezugsquellen – auch um auf Marktentwicklungen noch rascher reagieren zu können“, betonte er.

Der Erdgasabsatz der VNG AG mit dem Kernmarkt Deutschland wuchs 2012 um 17 Prozent auf 274 Mrd. kWh. Der Inlandsabsatz an Regionalversorger und Stadtwerke stagnierte bei 84 Mrd. kWh, die Lieferungen an die Industrie (30 Mrd. kWh) sowie an Kraftwerke (12 Mrd. kWh) gingen leicht zurück. Die Kurzfristmärkte für Handel und Beschaffung gewannen dagegen auch auf der Absatzseite an Bedeutung. Hier erhöhten sich die VNG-Lieferungen um 64 Prozent auf 118 Mrd. kWh. Der Auslandsabsatz der VNG-Gruppe – zu der auch die ausländischen Vertriebstöchter gehören – wuchs 2012 um rund 13 Prozent auf 80 Mrd. kWh.

Die größten Absatzgebiete der VNG im Ausland waren Italien, Polen und Luxemburg. Daneben wurden die Vertriebsaktivitäten in Tschechien, in der Slowakei und in Österreich ausgebaut. Über die im Vorjahr gegründete VNG France mit Sitz in Paris sollen weitere Absatzpotenziale in Westeuropa erschlossen werden.

Das klassische Kundengeschäft ist zunehmend durch die wachsende Verfügbarkeit von Erdgas und den von den Handelsmärkten ausgehenden Preisdruck beeinflusst. Die Erschließung neuer Absatzpotenziale und die Verfeinerung von Produkten sieht Heuchert dabei als die „Top-Herausforderung“.

Die Nachfrage nach kundenspezifischen Produkten werde immer größer, so der Vorstandsvorsitzende. Auch die Zunahme kurzfristiger und kleinteiliger Vertragsabschlüsse setzte sich fort. Es komme vermehrt darauf an, „Gas dann zur Verfügung zu stellen, wenn es gebraucht wird“, ergänzte Verkaufsvorstand Klaus-Dieter Barbknecht. Die VNG unterhält dafür inzwischen zehn Vertriebsbüros verteilt über ganz Deutschland.

Chancen für Erdgas am Wärmemarkt

Ein mögliches Geschäftsfeld mit Perspektiven sieht der Vorstand des Leipziger Unternehmens am Wärmemarkt, über den verstärkt diskutiert werden müsse, wie Heuchert forderte. Er biete erhebliche Klimaschutz- und Effizienzpotentiale. Erdgas habe hier eine Menge zu bieten. „Die VNG-Gruppe engagiert sich aktiv bei der Entwicklung effizienter und umweltfreundlicher Erdgasanwendungen“, versprach er.

Das Geschäftsjahr 2012 hat auch dafür wieder eine solide Grundlage geschaffen. Durch den Mehrabsatz und das durchschnittlich gestiegene Marktpreisniveau erhöhten sich die Umsatzerlöse der VNG AG um 22 Prozent auf 7,8 Mrd. Euro. Die VNG-Gruppe konnte ihren Umsatz um 21 Prozent auf rund 9,9 Mrd. Euro steigern. Für die VNG AG wurde ein Überschuss von 132 Mio. Euro – nach einem Verlust im Vorjahr von 260 Mio. Euro erzielt. Das ermöglicht für das abgelaufene Geschäftsjahr die Auszahlung von 30 Mio. Euro Dividende an die Aktionäre Wintershall, Gazprom Germania und die in der VuB zusammengeschlossenen ostdeutschen Kommunen. Für 2013 strebt das Unternehmen ein Ergebnis auf dem Niveau des abgelaufenen Geschäftsjahres an.

Für Erdgas sieht der Vorstandsvorsitzende auch künftig genügend Potenzial, sich im Wettbewerb mit anderen Energieträgern zu behaupten. Die VNG-Gruppe werde sich weiter auf ihre Kerngeschäftsbereiche Exploration und Produktion in Norwegen und Dänemark, Gashandel, Gastransport und Gasspeicherung konzentrieren. „Darüber hinaus sollen auch im gewerblichen und privaten Endkundenmarkt neue Absatzchancen erschlossen werden“, so der Ausblick von Heuchert auf den wieder ruhigeren Kurs des Unternehmens.

 
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Freitag, 01.03.2013, 12:30 Uhr