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SCHWEIZ:
Vorversuche zum elektronischen Datenaustausch
Um die 900 Verteilnetzbetreiber sind aufgefordert, bis Herbst Tests zum elektronischen Datenaustausch mit dem nationalen Stromnetzbetreiber Swissgrid durchzuführen. Später sollen Messdaten-Dienstleister tätig werden dürfen.
 

Nächstes Jahr wird der Strommarkt liberalisiert, vielleicht weiß aber nur ein Teil der Schweizer Verteilnetzbetreiber davon. Das ist kein Witz, denn bei der Vorstellung seiner Arbeit als oberster Elektrizitätsmarkt-Regulator scherzte Carlo Schmid, Präsident der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom): "Derzeit bemühen wir uns darum, möglichst alle mit unserer Post zu erreichen." Auf einer Fachkonferenz fügte er hinzu: "Teilen sie uns doch die Adressen von Kollegen mit, wenn dieser noch nichts von uns gehört hat."

Tatsächlich gibt es in der Schweiz rund 900 Verteilnetzbetreiber. Das ist eine ungefähre Größe, die Zahl der Netzbetreiber schwankt zwischen 800 bis 1000. Etwa jede dritte Schweizer Gemeinde hätte demnach einen eigenen Versorger. So genau weiß tatsächlich niemand die genaue Anzahl, und eine amtliche Adressliste gibt es nicht. Die Ungewissheit kann zu Problemen führen, wenn ab nächstes Jahr jedes Werk zur Realisierung des elektronischen Datenaustausches gesetzlich verpflichtet ist.

Klar ist: Ab 1. September 2008 plant der nationale Übertragungsnetzbetreiber Swissgrid, Laufenburg, zu Testzwecken einen Datenaustausch mit den eintreffenden Messdaten der Verteilnetzbetreiber. Dazu sollen die Systeme verwendet werden, mit denen ab nächstem Jahr auch real gemessen wird. Für das Prozedere hat der Verband Schweizerischer Elektrizitätswerke (VSE) kürzlich "europakompatible Standards" ausgearbeitet. Das Projekt "Merkur Access II" enthält etwa den Metering Code. Im Dokument "Standardisierter Datenaustausch für den Strommarkt Schweiz" legte die Branche Anleitungen zu Messdatenlieferung, Wechselprozessen und Datenformaten fest; angelehnt ist dieser an die Richtlinien des "European Forum for Energy Business Information eXchange (ebIX). Sämtliche Unterlagen des VSE sind auf der Internetseite des Verbands (www.strom.ch   ) abrufbar. An den Vorarbeiten beteiligt war eine Kommission von mehr als einem Dutzend Netzfachleuten der Swissgrid, der Axpo-Holding, der größeren Stadtwerke, der Atel Netz AG, der BKW FMB Energie AG, anderer Versorger, sowie des zuständigen Verbandes.

Geleitet wurde das VSE-Team "Merkur Access II" von Peter Betz, der 2004 den Startschuss gab. Mehr als 100 Fachleute haben sich für diese, aus der Sicht des VSE "mehrheitsfähige und pragmatische Lösung" engagiert. Dabei ist auch an eine Fortentwicklung der Regeln gedacht, so Betz: "Die Dokumente werden laufend erweitert und den veränderten Rahmenbedingungen angepasst." Bei dem Projekt konnte man nur teilweise auf ausländische Erfahrungen zurückgreifen, so Betz. Grund dafür seien u. a. die sehr kleinflächigen Versorgungsgebiete und gewachsenen Netzstrukturen, die prozesstechnisch nicht ohne weiteres zu kopieren sind. Betz ist stolz auf das Erreichte: "Zum Teil werden wir, zumindest im deutschsprachigen Raum, um unsere Branchendokumente beneidet. Wir sind dem Ausland in vielen Teilen weit voraus, weil wir einiges kopieren konnten, aber gleichzeitig auch vieles verbessert haben." Ein Binnenproblem, das einer Lösung bedarf, ist die vom Gesetzgeber geforderte Umstellung der Prozessdaten-Berichterstattung auf das Kalenderjahr. Zahlreiche Prozesse, vor allem in der Beschaffung, sind auf das hydrologische Jahr ausgerichtet, einen Terminumstellung bereitet deswegen Kopfzerbrechen.

Eine Neuheit führte der VSE in diesem Frühjahr in diesem Zusammenhang ein: eine Schlichtungsstelle, die Streitigkeiten der Branche außerbehördlich beilegen helfen soll. Den Vorsitz übernahm der Aargauer Alt-Regierungsrat und Jurist Thomas Pfisterer. Er verspricht sich vom Branchenorgan insbesondere Know-how für die weitere Ausgestaltung der Branchendokumente. Der Kommission gehören neben Pfisterer der frühere NOK-Mann Hans Rudolf Gubser sowie Jacques Rossat von der EOS Holding an. Ersatzmitglieder sind die Juristin Phyllis Julia Scholl für den Bereich Recht und Michael Höckel für den Bereich Technik.

Vorausschauend erlaubte der Schweizer Gesetzgeber den Verteilnetzbetreibern, die Messdaten-Bereitstellung von Dritten durchführen zu lassen. Mittlerweile ist hier ein interessanter neuer Dienstleistungsmarkt entstanden; etablierte wie neue Firmen bieten hier ihre Dienste den kleinen Stromversorgern an, wenn sie denn alle Adresse finden...


 
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Montag, 09.06.2008, 14:31 Uhr