• BDEW fordert Nachbesserungen für KWK, Erneuerbare und Wasserstoff
  • Förderprogramm für Contracting-Beratung
  • Wie weiter mit der Energiewende?
  • "Die Palette der möglichen Anwendungen ist riesig"
  • Zahl der Pkw in Deutschland nach Antriebsart
  • E-Flitzer als Publikumsattraktion
  • Paris und Berlin wollen Exportfinanzierung grüner machen
  • Strom fester, CO2 leichter und Gas uneinheitlich
  • DEW21 steigert Ergebnis
  • Diebe machen große Beute in ostdeutschen Solarparks
REGENERATIVE:
„Wir sind weiter auf Wachstumskurs“
Welche Pläne Klaus Meier, Vorstand der Bremer WPD, mit dem deutschen Marktführer im Segment Windfonds für die Zukunft verfolgt.
 

E&M: Bundesweit werden immer weniger Windturbinen neu errichtet. Immer weniger Kapitelanleger zeichnen Windfonds. Branchenexperten haben für das Jahr 2004 einen Rückgang von gut 25 Prozent errechnet. Wie schafft es die WPD AG, trotzdem zu wachsen und zwar gleich um 20 Prozent?
Meier: Im Vergleich zu 2002 gab es sogar einen Rückgang von über 40 Prozent. Viele Windparks haben nicht die Renditen gebracht, die ihre Initiatoren versprochen haben. Wir dagegen haben schon frühzeitig begonnen, unsere Windparks durch eine verbesserte technische Betriebsführung sowie durch konsequenten Service und Wartung auf Spur zu bringen. Die hohe Wiederzeichnungs-Rate zeigt uns, dass diese Maßnahmen viele unserer Kommanditisten überzeugt haben. Außerdem sind Potenziale frei geworden, da frühere Wettbewerber nicht mehr präsent sind.

E&M: Laufen auch Windparks aus Ihrem Bestand unter Plan?
Meier: Ja, bei vier Projekten liegen wir um 15 bis 25 Prozent unter den prognostizierten Soll-Erträgen. Da haben wir kräftig gegengesteuert. Wir sind bei neueren Projekten dazu übergegangen, die Windparks erst neun Monate laufen zu lassen bevor wir die Zeichnungsprospekte auf den Markt bringen. So haben wir erheblich mehr Sicherheit über die Zuverlässigkeit der Windprognosen.

E&M: Fehlerhafte Windprognosen und die drei windschwachen Jahre 2001 bis 2003 haben so manche Windpark-Gesellschaft an den Rand des Konkurses gebracht, worauf Banken mit Tilgungsstreckungen reagiert haben. Auch im vergangenen Jahr lag der Windertrag unter dem Normalniveau. Erwarten Sie nun die erste Pleitewelle?
Meier: Es wird nur wenige Insolvenzen geben, weil die Banken die Probleme deckeln werden. Die Gläubigerbanken stehen immer vor der Frage, was für sie mehr bringt: eine Insolvenz oder eine koordinierte Verwertung des Windparks. Wir werden deshalb mehr Verkäufe und Gesellschafterwechsel bei Windprojekten erleben. Diese Entwicklung hat schon eingesetzt.

E&M: WPD hat bereits im Jahr 2001 das erste Solarprojekt finanziert. Wollen Sie Ihre Aktivitäten außerhalb des Windsektors ausbauen?
Meier: Wir wollen unser Investitionsvolumen im Solarbereich in diesem Jahr auf 40 Millionen Euro vervierfachen. Dabei setzen wir darauf, dass die Solarbranche nicht die Fehler aus dem Windbereich wiederholt und in der Hochphase zu optimistisch kalkuliert. Beim Wind sind davon vor allem Projekte aus dem Jahr 2000 betroffen.

E&M: Welche Pläne haben Sie bei Bioenergie und Geothermie?
Meier: Biomasse ist für uns hochspannend, aber vertraglich kompliziert. Wir haben bereits den ersten Publikumsfonds für die Biogasanlage Kaarßen in der Lüneburger Heide aufgelegt, die auf eine elektrische Leistung von 2,8 MW auslegt ist. Das Projekt zeigt schon, dass wir eine Mindestgröße brauchen. Anlagen unter 500 kW Leistung sind für uns mit den gesamten Vorlaufkosten kaum lohnenswert. Bei der Geothermie ist uns bislang das Risiko mit den finanziell aufwändigen Probebohrungen zu groß gewesen.

E&M: WPD hat auch schon früher begonnen, im Ausland aktiv zu werden. Sie sind mittlerweile in Frankreich, Spanien, Schweden, Italien, selbst in Australien und neuerdings auch in London mit einer Dependance vertreten. Wann wird Ihr erster Auslands-Windpark gebaut?
Meier: Die genannten Länder zählen sicherlich zu unseren Kernmärkten. Unsere Linie ist es aber auch, dort aktiv zu werden, wo die Rahmenbedingungen stimmen. So stehen wir kurz vor der Realisierung und Finanzierung eines großen Windparks auf Taiwan. Die 25 Enercon-Maschinen vom Typ E-70, deren Inbetriebnahme für diesen Herbst geplant ist, werden wohl unser erstes großes Auslandsprojekt sein. Unabhängig von Taiwan läuft das Auslandsgeschäft aber viel langsamer an, als wir es uns ursprünglich vorgestellt haben.

E&M: Wann kommen denn die ersten WPD-Projekte in Frankreich und Spanien?
Meier: In Frankreich könnte es sein, dass wir in diesem Jahr das erste kleinere Projekt begleiten. Wann es in Spanien losgeht, wüssten wir auch gerne. Die Baugenehmigung für einen 60 MW-Windpark ist uns schon seit drei Jahren immer wieder angekündigt worden. Das spiegelt unsere Erfahrungen wieder. Wenn Deutschland immer wieder überbordende Bürokratisierung vorgehalten wird, dann kann ich diesen Kritikern nur sagen: Leute geht ins Ausland. Mit deutschen Rahmenbedingungen, Gesetzen und Behörden hätten wir Windparks schon in einigen Ländern bauen können.

E&M: Inwieweit erwarten Sie durch die neuen Instrumente des Kioto-Protokolls, insbesondere durch den Emissionshandel und den Clean Development Mechanism (CDM), eine Unterstützung für Ihre Auslandsaktivitäten?
Meier: Wir haben seit längerem eine dreiköpfige CDM-Arbeitsgruppe im Haus, die sich vor allem mit Projekten in Lateinamerika und Afrika beschäftigt. Wenn, und das ist unser Erkenntnisstand, CDM-Projekte keinen Profit erzielen dürfen, sehe ich uns auf diesem Feld nicht aktiv werden. Lassen Sie uns die Entwicklungen abwarten. Unsere Devise ist klar: In den nächsten drei Jahren konzentrieren wir uns auf unser Kerngeschäft Wind an Land. Wir prüfen aber weitere Optionen, von denen wir schon hoffen, dass sich daraus auch eines Tages Geschäfte entwickeln.

E&M: Ist Großbritannien für Sie in Sachen Projektentwicklung interessant oder setzen Sie das neue Büro in London vor allem für die Kapital- und Investorenakquise für Ihre fünf geplanten Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee ein?
Meier: London ist der zentrale Banken- und Finanzplatz in Europa. Als kleine WPD AG können wir all diese Projekte nicht schultern, da müssen schon Partner und Investoren ran.

E&M: Wie sieht der Zeitplan für Ihre Offshore-Projekte in der Ostsee aus?
Meier: Die Offshore Ostsee Wind AG aus Börgerende, an der wir zu 50 Prozent beteiligt sind, erwartet die Genehmigung vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie für das Projekt Kriegers Flak in den kommenden Wochen, wobei damit gleichzeitig auf das Okay für die Kabeltrasse verbunden sein wird. Das Seekabel wird gleichzeitig auch das kleinere Projekt Baltic I anschließen, für das die Genehmigung im Frühherbst erwartet wird.

E&M: Wie sieht es mit den Vorhaben in der Nordsee aus?
Meier: Beide Projekte liegen weit von der Küste entfernt und sind sehr ambitioniert. Ohne den Einsatz von wirklich ausgereiften Windturbinen der Fünf-MW-Klasse lohnt sich der Start gar nicht. Deshalb rechnen wir mit einer Inbetriebnahme so um das Jahr 2010, sprich das ist Zukunftsmusik.

E&M: Im vergangenen Jahr hat sich WPD an mehreren Firmen aus dem Service- und Wartungsbereich sowie an einem Planungsbüro beteiligt. Wollen Sie diesen Kurs fortsetzen?
Meier: Mit den Minderheitsbeteiligungen, zu denen wir uns im Jahr 2004 entschlossen haben, sind wir bislang durchaus zufrieden. Das läuft alles in unserem Sinne. Die Marktsituation wird auf alle Fälle härter. Wir helfen gerne, aber nicht nur altruistisch. Wir sind auf Wachstumskurs, daher werden wir auch künftig weiter verstärken.

Die WPD AG
Die WPD AG in Bremen ist eine Holding, unter der die frühere, 1996 gegründete Wind-Projekt Development GmbH ihre Aktivitäten bei Finanzierung, Vermarktung und Management von regenerativen Kraftwerken gebündelt hat. Die WPD-Gründer, Dr. Gernot Blanke und Dr. Klaus Meier, sind mit jeweils 48,5 % auch Hauptgesellschafter der AG. Seit Mitte der neunziger Jahre hat die WPD-Gruppe mehr als 68 Windpark mit einer Gesamtleistung von rund 700 MW realisiert, womit ein Investitionsvolumen von über 900 Mio. Euro verbunden war. Im Jahr 2004 baute die WPD mehrere Windparks, die zusammen eine Leistung von rund 120 MW hatten. Umsatzzahlen geben die Hanseaten nicht gerne bekannt. Nach eigenen Angaben lag ihr „begleitendes Gesamtinvestitionsvolumen“ im vergangenen Jahr bei 192 Mio. Euro.
Für ihre Offshore-Aktivitäten hat sich WPD mit zwei Partnern zusammengetan. Für die Parks in der Ostsee ist es die Firma WIND-projekt Ingenieur- und Projektentwicklungsgesellschaft mbH aus Börgerende (gemeinsame Firma: Offshore Ostsee Wind AG), für die Nordsee das Planungsbüro innoVent GmbH aus Varel (gemeinsame Firma: EOS Offshore AG).


 
Möchten Sie diese und weitere Nachrichten lesen?
 
 
Testen Sie E&M powernews
kostenlos und unverbindlich
  • Zwei Wochen kostenfreier Zugang
  • Zugang auf stündlich aktualisierte Nachrichten mit Prognose- und Marktdaten
  • + einmal täglich E&M daily
  • + zwei Ausgaben der Zeitung E&M
  • ohne automatische Verlängerung
 
Jetzt kostenlos testen
 
Login für Kunden
 

Kaufen Sie den Artikel
  • erhalten Sie sofort diesen redaktionellen Beitrag für nur € 8.93
 
JETZT ARTIKEL KAUFEN
Mehr zum Thema

 
Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?
 
Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter  vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.
 
WEITERE INFORMATIONEN
© 2021 Energie & Management GmbH
Mittwoch, 09.02.2005, 15:26 Uhr