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Enerige & Management > Windkraft Offshore - Zachert: "Null-Cent-Zuschläge werden sicherlich zur Regel werden"
Bild: Fotolia.com, zentilia
WINDKRAFT OFFSHORE:
Zachert: "Null-Cent-Zuschläge werden sicherlich zur Regel werden"
Mit Hauke Zachert vom Ingenieurdienstleister Arcadis sprach E&M über die Situation bei der Offshore-Windenergie und die Vorteile von Baugrunduntersuchungen für die Kostenreduktion.
 
E&M: Herr Dr. Zachert, die Offshore-Windbranche hat erfolgreiche Null-Cent-Gebote in Deutschland und in den Niederlanden gesehen. Werden solche Zero Bids nach Ihrer Einschätzung zur Regel oder bleiben sie Ausnahmen?

Zachert: Null-Cent-Zuschläge werden sicherlich zur Regel werden. Die ersten ‚Nuller‘ haben eine Marktdynamik ausgelöst, an denen sich die Bieter bei künftigen Auktionen orientieren werden. Mit den Null-Cent-Geboten hat die Windbranche die begrüßenswerte Chance erhalten, den weiteren Ausbau auf See auf marktwirtschaftlicher Basis zu schaffen – was den Stellenwert der Offshore-Windenergie erhöht. Länder wie die USA, Taiwan oder auch die Türkei, die am Anfang der Offshore-Windenergienutzung stehen, werden sicherlich die ersten Projekte mit anderen Vergütungsmodellen umsetzen, um überhaupt Flächen entwickelt zu bekommen. Alles andere würde mich überraschen.

E&M: Aus Teilen der Offshore-Windbranche gibt es mittlerweile Stimmen, die zur Rückkehr zu einer modifizierten festen Einspeisevergütung nach dem britischen Contract-for-Difference-Modell (CFD; d. Red.) plädieren. Wie beurteilen Sie das?

Zachert: Das CFD-Modell hat aus Investorensicht den Charme einer festen Vergütung für eine bestimmte Laufzeit oder Strommenge. Das verschafft ihnen planbare Einnahmen, was angesichts der Milliardeninvestitionen wichtig ist. Dass die CFD-Modelle eine finanzielle Rückvergütung vorsehen, wenn der Strompreis über einen festgelegten Mindestpreis steigt, scheint volkswirtschaftlich auf den ersten Blick vorteilhaft zu sein. Für diese Modelle spricht sicherlich die Bereitschaft von Investoren, in weitere Offshore-Windparks zu investieren, in Projekte, die für die Energiewende und den Klimaschutz unverzichtbar sind.

E&M: So ähnlich argumentiert auch eine Reihe von Energieversorgern für eine CFD-Konstruktion. Was ist das große Aber?

„Warum sollte sich die Politik von den erfolgreichen Null-Cent-Geboten verabschieden?“

Zachert: Meines Erachtens wird es sehr schwer werden, die Öffentlichkeit und die Politik von einer Vergütung nach einem CFD-Modell zu überzeugen. Die Offshore-Windbranche hat erfolgreiche Null-Cent-Gebote präsentiert. Warum sollte die Politik sich davon verabschieden? Damit bestünde die Gefahr, dass die Kosten für Ökostrom wieder steigen, was die Politik nun gar nicht will.

E&M: Unabhängig von den Zero Bids hat die Offshore-Windbranche in den vergangenen zwei, drei Jahren deutliche Kosteneinsparungen geschafft. Welche weiteren Möglichkeiten zur Kostenreduktion auf See sehen Sie – angefangen bei Planung und Bau bis zum späteren Betrieb von Offshore-Windparks?

Zachert: Der größte Kostenblock auf See sind nach wie vor die Investitionskosten. Um hier zu sparen, helfen meines Erachtens die geologischen Baugrunduntersuchungen von potenziellen Standorten. Diese Untersuchungen, die es bereits in den Niederlanden gibt und mit denen die Investoren ganz gezielte und damit kostensparende Angebote machen können, laufen beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie zusammen und werden hierzulande mit dem Übergang zum zentralen Modell bei den Ausschreibungen eingeführt. Ob die neue Anlagengeneration mit Leistungen von zehn, zwölf oder mehr Megawattt wirklich zu einer spürbaren Kostenreduktion führt, da bin skeptisch.

E&M: Warum?

Zachert: Diese neuen Großanlagen haben keinen jahrelangen Testlauf hinter sich, wenn sie in absehbarer Zeit errichtet werden. Damit sind einfach technische Risiken verbunden, die die Investoren sicherlich an anderer Stelle einpreisen werden. Außerdem ist für die Großanlagen eine aufwendigere, teurere Logistik wie Schiffe oder Kräne notwendig. Für mich erscheint ein anderes Gewerk erfolgversprechender zu sein.

E&M: Und zwar?

Zachert: Das größte Einsparpotenzial sehe ich in der weiteren Entwicklung, wie die Offshore-Windparks an die Netze angeschlossen werden. Wenn künftig auf ein parkinternes Umspannwerk verzichtet werden kann, ist damit gleich eine Kostenreduktion zwischen 100 und 150 Millionen Euro verbunden. Da gibt es Entwicklungen, die mich positiv stimmen.
 
Hauke Zachert: „Das größte Einsparpotenzial sehe ich in der weiteren Entwicklung, wie die Offshore-Windparks an die Netze angeschlossen werden“
Bild: Arcadis Germany GmbH

E&M: Wie sieht es mit Einsparungen bei den Fundamenten aus?

Zachert: Vor den deutschen Küsten sind die Projekte in der ersten und zweiten Reihe belegt. Wenn künftig weitere Entfernungen angepackt werden, können potenzielle Kosteneinsparungen den erhöhten Aufwand für Logistik und die höheren Wassertiefen kompensieren. Schwimmende Plattformen und die sogenannten Suction Buckets stellen den nächsten Technologiesprung dar. Wenn diese ausgereift sind, erwarte ich signifikante Kosteneinsparungen. Wie hoch, weiß jedoch wohl niemand derzeit abzuschätzen. Auf jeden Fall lassen sich mit den Floating Platforms Flächen für die Offshore-Windenergie erschließen, die zuvor nicht möglich gewesen sind.

E&M: Zurück noch einmal zu den Baugrunduntersuchungen, die Sie für niederländische Offshore-Windprojekte betreut haben. Inwieweit haben diese geologischen Erkundungen geholfen, Kosten zu sparen?

Zachert: Von der ersten bis zur letzten Ausschreibung in diesem Frühjahr sind die Preise bei den erfolgreichen Geboten in den Niederlanden kontinuierlich gesunken. Die Regierung in Den Haag hat ihre eigenen Ziele zur Kostenreduktion übererfüllt, was die Verantwortlichen auch auf die Bodenuntersuchungen zurückführen.

Alle Bieter bekommen mit diesen Studien nicht nur Daten über den geologischen Untergrund geliefert, sondern zusätzliche Informationen wie meteorologische Daten oder eine Kampfmittelprüfung. Das reduziert auf jeden Fall die Projektkosten, denn durch die Voruntersuchungen lassen sich nicht nur mehrere Monate an Zeit sparen. Die Fundamente und alles, was damit zusammenhängt, lassen sich viel genauer planen. Und da allein auf die Fundamente in der Regel ein Drittel der Investitionskosten entfällt, steckt da viel Sparpotenzial drin.

„Freie Kapazitäten für Sonderausschreibungen nutzen“

E&M: Taiwan entwickelt sich derzeit zum neuen Hotspot der Offshore-Windindustrie. Wie beurteilen Sie die Risiken, die mit Wirbelstürmen und Taifunen verbunden sind, für die dortigen Projekte?

Zachert: Wir dürfen auch die Erdbeben nicht vergessen. Das sind aber alles Risiken, die sich technisch beherrschen lassen. Es gibt Methoden und Mittel, sie zu berechnen. Bei den Taiwan-Projekten wird es sicherlich einen wesentlich höheren Aufwand bei den Gründungsstrukturen geben; auch werden keine Türme sozusagen von der Stange eingesetzt werden können. Meines Erachtens werden diese zusätzlichen finanziellen Aufwendungen durch einen höheren Windertrag sowie durch eine aktuell noch hohe Einspeisevergütung kompensiert. Anders ist nicht zu erklären, dass in Taiwan einige der Global Player engagiert sind. Es bleibt aber immer ein gewisses Restrisiko für die Betreiber, denn die Kraft von Wirbelstürmen und die Höhe von Wellen lassen sich nicht exakt vorhersagen.

E&M: Zurück zu Europa in die deutschen Gewässer: Welchen weiteren Ausbaupfad für die Offshore-Windenergie halten Sie in Deutschland für notwendig – aus technologischer, industrie- und klimapolitischer Sicht?

Zachert: Es muss einen viel stärkeren Ausbau der Windenergie auf See geben. Die derzeitige Deckelung der Ausbauziele tut der Offshore-Windindustrie nicht gut. Es gibt derzeit freie Netzkapazitäten, die die Bundesregierung unbedingt mit Sonderausschreibungen nutzen sollte. Für den Klimaschutz ist es unverzichtbar, dass wir die schon erreichten technologischen Fortschritte bei der Offshore-Windenergie noch viel stärker nutzen. Das ist ohne weitere Netze aber nicht zu machen. Deshalb wäre es wichtig, dass Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sein Versprechen aus den ersten Amtstagen einlöst, den Netzausbau zu forcieren.

Zur Person
Dr. Hauke Zachert, Jahrgang 1980, leitet seit Anfang 2015 den Kompetenzbereich Offshore-Windenergie der Arcadis Germany GmbH mit Sitz in Darmstadt. Der Dienstleister zählt zu den führenden global agierenden Planungs- und Beratungsunternehmen für Immobilien, Umwelt, Infrastruktur und Wasser. Der promovierter Bauingenieur und Geotechniker Zachert hatte zuvor in der Bauwirtschaft gearbeitet.

 
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Dienstag, 18.09.2018, 14:36 Uhr