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REGENERATIVE:
Zubau mit gebremstem Tempo
Der Höhenflug der deutschen Windbranche ist im vergangenen Jahr gestoppt worden: Zwischen deutsch-dänischer Grenze und dem Alpenvorland gingen 2003 etwa 1 700 neue Windkraftanlagen mit 2 645 MW Gesamtleistung ans Netz, ein Jahr zuvor waren es noch 3 250 MW.
 
Mit diesem rechnerischen Minus von 18,5 % kann Peter Ahmels, Präsident des Bundesverbandes WindEnergie (BWE) gut leben. Selbst Insider hätten angesichts der Angriffe auf die Windkraft im vergangenen Jahr und die Unsicherheiten über die Zukunft des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) nicht mit einem „derart hohen“ Zuwachs gerechnet.
„Niemand soll übersehen, dass es im vergangenen Jahr einen Zubau von über 22 Prozent bei der installierten Leistung gegeben hat“, betont der BWE-Präsident. Bundesweit bringen es die dreiflügeligen Ökokraftwerke nun auf eine Gesamtleistung von 14 645 MW. Ihr Beitrag zur deutschen Stromversorgung könnte in einem normalen Windjahr bei 5,9 % liegen – ein weiteres Indiz für die Aufwärtstendenzen bei der Windkraft-Nutzung. Bei der Windflaute in den zurückliegenden zwölf Monaten deckte die Windkraft bundesweit aber nur 4 % des Strombedarfs.

Mit diesen Zahlen, so der Windenergie-Verband, bleibt Deutschland seinem Ruf als „Windkraft-Weltmeister“ treu, kein anderes Land könne in absoluten Zahlen einen solchen Zuwachs vorweisen. In den USA, im vergangenen Jahr weltweit zweitwichtigster Windmarkt, gab es nach einer ersten Abschätzung der Amercian Wind Energy Association ein Plus von 1 689 MW, in Spanien gehen die Experten von einem Zubau zwischen 1 000 und 1 100 MW aus.
Gemessen an den Zahlen aus Spanien macht sich allein die rund 600 MW neu installierte Windkraft-Leistung in Niedersachsen ganz gut. Das Bundesland mit dem Pferd im Wappen ist mit 4 000 MW Windkraft-Kapazität bundesweit weiterhin das Windland Nummer Eins. Beim Zubau in Deutschland kamen Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt auf die nächsten Plätze. Das zeigt, dass der Ausbau der Windenergie mittlerweile vor allem im Binnenland erfolgt.

Zu erwarten war, dass beim Hersteller-Ranking die Enercon GmbH wieder auf Platz Eins gelandet ist. Zwar konnten die Ostfriesen ihren vorjährigen Marktanteil von 33,4 % halten, büßten bei den neu installierten Turbinen aber gut 200 MW ein. Bei den Anlagenherstellern ging es im vergangenen Jahr vor allem bei zwei Unternehmen aufwärts: Die Vestas Deutschland GmbH und die REpower Systems AG sind beide die Gewinner des Windjahres 2003. Sie konnten trotz der rückläufigen Installationszahlen ihren Output steigern und damit den Marktanteil ausbauen. Der Marktanteil von Vestas kletterte um 5,6 auf 23,5 %, mit einem Plus von 3,9 % landete REpower bei 10,7 %. Vestas bestes Ergebnis auf dem deutschen Markt fußt vor allem auf der Windkraftanlage vom Typ V80. Ihre zwischenzeitlich optimierten 2-MW-Maschinen konnten die Nordfriesen im vergangenen Geschäftsjahr gleich 264 Mal ausliefern, weitere 55 Stück der Erfolgsturbine gingen nach Österreich. Von Übermut ist bei Vestas-Geschäftsführer Hans Jörn Rieks nichts zu spüren: „Wir wollen uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen, da wir um unsere Defizite im Service und After Sales-Bereich wissen.“
Bis auf 14 MW konnte REpower den Abstand zu GE Wind Energy, deren Marktanteil auf 11,2 % zurückging und für Platz Drei reichte, im vergangenen Jahr schon verkürzen. Gerne würde Vorstandschef Fritz Vahrenholt schon vor dem deutschen US-Ableger liegen, ist aber mit dem Abschneiden dennoch nicht unzufrieden: „Als wir 2001 anfingen, haben unsere Vorgängerfirmen noch unter der Rubrik „Sonstige“ rangiert, nun ist REpower der zweitgrößte Hersteller in Deutschland.“ Zufrieden ist der frühere Hamburger Umweltsenator vor allem, dass es seiner Crew gelang, im vierten Quartal insgesamt 110 Anlagen zu errichten: „Damit können wir uns gezielt im Ausland um größere Aufträge bewerben.“ Denn außerhalb der deutschen Landesgrenzen wollen die Hanseaten in diesem Jahr 50 Turbinen aufstellen, ein Viertel der angestrebten Produktion. Von einem Auslandsgeschäft, das Vahrenholt immer wieder betont, lässt sich heute bei REpower noch nicht sprechen: 2003 gingen lediglich eine Maschine nach Tschechien und vier nach Japan.
Abschied nehmen heißt es auf dem deutschen Windmarkt von der Pfleiderer Wind Energy GmbH, die im vergangenen Jahr mit einem Marktanteil von 0,7 % ihr bislang bestes Ergebnis erzielt hatten. „Schade“, sagt Geschäftsführer Rudolf Heydecker, „wir hatten gerade den kleinen Zeh in die Tür bekommen, aber unsere Konzernleitung wollte unbedingt raus aus dem Windgeschäft.“
Das Offshore-Segment mit der viel versprechenden 5-MW-Multibrid-Anlage hatte die Oberpfälzer im vergangenen Dezember an die Prokon Nord Energiesysteme GmbH verkauft. „Irgendwann im Sommer“, so Geschäftsführer Ingo de Buhr, soll die Pilotanlage in Bremerhaven ihren Betrieb aufnehmen. Anlage Nummer zwei wird sich nicht vor 2005 drehen. „Wir wollen mit einer möglichst fitten Anlage an den Start gehen“, so de Buhr. Zweifel an den Ingenieurfähigkeiten lässt der Ostfriese nicht aufkommen: „Seit einem halben Jahr läuft unserer Altholzkraftwerk in Papenburg mit einer Verfügbarkeit um die 97 %, was uns vorher auch keiner zugetraut hat.“

Für dieses Jahr rechnet die Windbranche damit, dass das Ausbautempo hierzulande leicht zurückgehen wird. Allgemein wird erwartet, dass die Ausbaukapazität wieder deutlich über 2 000 MW liegt. „Vieles hängt davon ab, wie letztlich die Vergütungsbestimmungen im neuen EEG aussehen“, sagt BWE-Präsident Ahmels. Sorgen macht der Windszene nach wie vor eine Textstelle im Kabinettsentwurf, wonach Windturbinen im Binnenland einen Grenzwert bei der Stromproduktion erreichen müssen, der selbst bei einigen Abgeordneten der rot-grünen Fraktionen in Berlin auf Ablehnung stößt. BWE-Mann Ahmels: „Wenn wir es nicht mit Hilfe der uns nahestehenden Politiker schaffen, diesen Passus zu ändern, fallen im Binnenland mindestens ein Viertel der potenziellen Standorte weg.“  

 
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Dienstag, 27.01.2004, 16:03 Uhr